Uwe S. sacht mal: Ich glaube nicht, daß Schottland bei den Spitzenteams mithalten kann, trotzdem muß man sie ernst nehmen.

Scotland - World Cup 98

Das Team

Die schottische Mannschaft, die sich im Juni auf den Weg nach Frankreich macht ist vielleicht die untalentierteste, die sich jemals für dieses Turnier qualifiziert hat. Das Paradoxe daran ist, daß ich glaube, daß sie auch die besten Chancen haben, das erste schottische Team zu sein, das in die zweite Runde kommt. Es gibt keine echten Stars über die man reden könnte, diese Truppe besteht vielmehr aus Spielern, die hart arbeiten, gut zusammenpassen, als eine Mannschaft spielen und eine ganze Portion traditionellen schottischen Kampfgeist à la Braveheart mitbringen. Für mindestens die Hälfte der Mannschaft wird es , aufgrund des Alters, die letzte Weltmeisterschaft sein, dementsprechend haben sie die Möglichkeit ihre Karrieren mit einer guten Leistung zu beenden. Da wären beispielsweise Andy Goram, Ally McCoist und Stuart McCall von den Rangers; Colin Hendry von Blackburn; Tommy Boyd und Darren Jackson von Celtic; Jim Leighton von Aberdeen, die diese Veranstaltung als ihren "Schwanengesang" ansehen können. Wenn die Europameisterschaft '96 ein Maß für die Fähigkeiten dieser Mannschaft sind, dann wird der Gesang wahrscheinlich nicht sehr lange dauern.

Schottland wird wie immer sein bestes geben und wenn das Glück ein wenig mitspielt, wer weiß? Die meisten Fans werden glücklich sein, wenn das Team eine gute Vorstellung abliefert. Bei den zurückliegenden Weltmeisterschaften waren es nicht Brasilien oder die Niederlande, die Schottlands Schicksal entschieden haben, sondern die kleineren Fußballnationen wie Iran oder Peru. Schottland traf bisher zweimal bei einer Endrunde auf Brasilien und hat sich dabei gut geschlagen. Es ist offensichtlich, daß Brasilien aufgrund der vielen Talente der Spieler, der Favorit für das Turnier ist und nur ein dummer und wahrscheinlich betrunkener Schotte würde behaupten, daß wir Brasilien schlagen könnten. Niemand in Schottland erwartet ernsthaft, Brasilien zu schlagen. Wir hoffen schon eher, daß die Brasilianer keinen fliegenden Start mit einem überragenden Sieg gegen uns hinlegen.

Traditionell ist das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaften bisher immer enttäuschend gewesen und wir hoffen, daß das auch so bleibt. Ein langweiliges 0:0 in Paris gegen den möglichen Weltmeister würde zuhause in Schottland mit Freude aufgenommen werden. Das würde uns gute Chancen für die Spiele gegen Norwegen in Bordeaux und Marokko in St. Etienne offenlassen. Es gibt für mich zwei Möglichkeiten wie Schottland sich für die nächste Runde qualifizieren könnte: Die erste ist, Unentschieden gegen Brasilien (unwahrscheinlich aber schon vorgekommen), Unentschieden gegen Norwegen und ein Sieg über Marokko. Die zweite Möglichkeit wäre eine Niederlage gegen Brasilien gefolgt von Siegen gegen Norwegen und Marokko.

Obwohl ich zustimmen würde, daß Norwegen die besseren Einzelspieler hat, glaube ich, daß sie eine Mannschaft haben, die Schottland liegt, da sie eine sehr europäische (englisch beeinflußte) Spielweise haben. Wenn Schottland mit Lambert und Burley von Celtic im Mittelfeld spielt, können sie die Norweger in der Mitte des Spielfeldes beschäftigen und so die Unterstützung für die talentierten Stürmer unterbinden. Vielleicht können sie dann die Schnelligkeit von Gallagher von Blackburn und MacNamara von Celtic nutzen, um nach vorne zu spielen. In typisch schottischer Art und Weise beinhaltet keines der vorangegangenen Szenarios, die Möglichkeit einer Niederlage gegen Marokko. Dies nicht weil wir Marokko für eine schlechte Mannschaft halten, sondern weil wir erwarten, daß das schottische Team ihnen den Respekt zollt, den sie verdienen, sie als ernsthafte Konkurrenten in der Gruppe behandelt und sich ausführlich auf die Begegnung vorbereitet. Wenn sie all' das befolgen, können sie die Qualifikation eigentlich nicht verpassen, oder?

Spieler, den man im Auge behalten sollte: Jackie MacNamara (Mittelfeld oder Außenverteidiger)

Die Fans

Schottlands mitreisende Fans haben den Ruf, sich gut zu benehmen und zu feiern bis sie umfallen (und seid gewarnt, sie können überall umfallen!). Die "Tartan Army", wie sie genannt werden sollte leicht zu finden sein. Viele von ihnen werden Kilts tragen und andere Accesoires wie die verrückten Tartan Hüte mit roten Haaren. Große Mengen Whisky werden gerne vernichtet und falls es Springbrunnen und Wasserbecken in den Städten gibt in denen Schottland spielt, haltet Ausschau nach Betrunkenen, die aus großen Höhen in sie hinein springen. Diese Unterhaltungsform ist so schottisch wie Shortbread und Haggis!

Schottland hat auch eine kleine, aber gut organisierte und gewalttätige Gruppe von Hooligans. Sie sind leicht zu erkennen, denn sie werden die einzigen Leute sein, die Schottland nachreisen, ohne Tartan zu tragen. Ihre "Thomas Burberry" Designer shirts kommen dem Nationaltrikot am nächsten bei ihrer Kleidung. Die Mehrheit der Hooligans ist unpolitisch und wird nur gegen andere Hools kämpfen. Unglücklicherweise gibt es auch einen rechtsextremen, faschistisch/ loyalistischen Kern beim schottischen Mob, der sich selbst "Scottish National Firm" nennt. Es ist bekannt geworden, daß diese Gruppe versucht hat, ein "Match" mit norwegischen Hools vor der Partie in Bordeaux zu arrangieren. Berichte aus Frankreich tendieren eher dazu, daß St. Etienne die Region mit dem größten Risiko für Ärger ist, da der lokale Verein sehr viele rechtsextremistische Fans hat, die das Spiel gegen Marokko als Anlaß für Gewalt nutzen könnten. Natürlich wird es viel Polizei in diesen Städten geben, aber neutrale Fans sollten über die Risiken informiert sein und wie sie diese vermeiden können. In Bordeaux sind die ansässigen Fans freundlich, antirassistisch und zum Feiern bereit. Ultramarines Bordeaux werden Parties in ihrem Vereinshaus organisieren, so daß es am besten sein wird, diesen Ort in Bordeaux anzusteuern.

Gastartikel von Stevie
Übersetzung mw

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