Uwe S. sacht mal: Die hab ich auch schon gegen Deutschland gesehen. Das sind sicherlich keine Überflieger, trotzdem haben sie ganz exellente Fußballer in ihren Reihen. Rein fußballerisch und taktisch muß man die Südafrikaner sehr ernst nehmen. Sie gelten ja als Geheimfavorit, doch das ist sicherlich zu hoch gegriffen. Unter die letzten 8 können die kommen, mit ein bißchen Glück vielleicht sogar unter die ersten vier. Dadurch, daß sie viele Spieler in ihren Reihen haben, die bereits in Europa spielen, sind sie sicherlich die Härte gewohnt, die bei solchen Turnieren vorherrscht. Das könnte ihr Vorteil sein.

"NOW THAT SOUTH AFRICA HAVE QUALIFIED FOR FRANCE '98, JUST ONE QUESTION REMAINS:

HOW THE FUCK ARE WE GOING TO GET TONS OF CASTLE LAGER INTO FRANCE BECAUSE I'M NOT DRINKING THAT WINE SHIT?."

Ein allem Anschein nach hochgradig neurotischer Trainer, sowie eine sensationslüsterne Presse überschatten den ersten Auftritt Südafrikas bei einer Weltmeisterschaft...

Der französische Nationaltrainer Phillippe Troussier lag im Clinch mit der heimischen Presse bezüglich seiner Vorstellungen von Trainingslagern sowie dem Zusammenstellen der Mannschaft für die finalen Paarungen in Frankreich. Troussier wurde beschuldigt, ein Trainingslager abzuhalten, daß die Monate der Grundausbildung in so manchen Armeen der Welt bei weitem übertreffen sollte und folgerichtig auch von einem Journalisten als "the camp of hell" bezeichnet wurde. Ferner wurde ihm vorgeworfen, ein schikanöses Verhalten an den Tag zu legen, sowie die Spieler massivsten psychischen und physischen Attacken auszusetzen. Passiert sein soll das Ganze während eines dreitägigen Trainingslagers für Spieler aus der heimischen Liga. Die Presseattacke war Folge der Weigerung Troussiers, mit der südafrikanischen Presse zu sprechen. Begründet wurde diese nach einem Aufenthalt in Europa entstandene Kommunikationsverweigerung von ihm nicht. Die erste Pressekonferenz nach seiner Reise hielt er dann auch für ihn folgerichtig in seiner Muttersprache Französisch ab und brachte die Emotionen zum Kochen, als er bekanntgab, auf Stürmer Benedict McCarthy zu verzichten.

Der 20-jährige Stürmer avancierte zu Südafrikas neuem Fußballgott nach sieben geschossenen Toren im African Nations Cup in Burkina Faso - zudem gewann er noch die Wahl als bester Spieler des Tournaments. Troussier begründete

seine Nichtberücksichtigung des Spielers mit den fehlenden Einsätzen McCarthys in der ersten Mannschaft seines Vereins Ajax Amsterdam. Sah es in den letzten Wochen noch so aus, als würde sich das Verhältnis der Presse zu dem Coach bessern, haben die Begebenheiten der letzten Tage dazu geführt, daß Troussier momentan mit Argusaugen überwacht wird und sich keinen Fehltritt leisten kann, ohne daß die Presse über ihn herfällt. Folgerichtig hat er auch bei der Anhängerschaft keinen leichten Stand, zumal einige unpopuläre Entscheidungen bezüglich der Auswahl des Kaders getroffen wurden.

Die Qualifikation Südafrikas hat innerhalb der Bevölkerung große Erwartungen geweckt, die zu erfüllen eigentlich unmöglich erscheint. Dennoch glaubt Troussier, daß sein von ihm erst im März übernommenes Team für die eine oder andere Überraschung gut sein wird. Südafrika bestreitet sein Eröffnungsspiel am 12.06. um 21:00h gegen Gastgeber Frankreich - danach gilt es noch Dänemark und Saudi-Arabien zu schlagen und schon könnte die Vision Troussiers, bis zu den KO-Paarungen zu kommen, Wirklichkeit geworden sein. Ich denke, jetzt müssen die Jungs noch ein paar mehr Liegestütze unter dem geöffneten Klappmesser machen...

Dennoch möchte ich trotz der momentan herrschenden Stimmung die Leistung der Südafrikaner nicht schmälern - im Fußball, versteht sich. Südafrika hat rapide Fortschritte im afrikanischen Fußball gemacht, mit zwei sehr erfolgreichen Finalteilnahmen im African Nations Cup - 1996 wurde man bei dem Zuhause ausgerichteten Turnier Afrikameister, jetzt immerhin zweiter hinter Ägypten in Burkina Faso im Februar dieses Jahres. Bedenkt man nun noch, daß vorher Südafrika neben der politischen auch der sportlichen Isolation ausgesetzt war, erst seit sechs Jahren offiziell sich auf der sportlichen Bühne bewegen darf, dann ist das an sich schon ein Erfolg, an den kaum einer ernsthaft glaubte. Ließ der erste Auftritt in den World Cup Qualifiers noch das Schlimmste befürchten, 4:0 gegen Nigeria in Lagos, waren die restlichen Qualifikationsspiele Grund für so manchen Jubelsturm - lediglich eines dieser Spiele ging bislang verloren! Die Folge war eine souveräne WM-Qualifikation, in deren Verlauf sich Südafrika mit Kongo, Zaire und Sambia zu messen hatte.

Dennoch offenbarten diese Spiele, woran es bei den Südafrikanern immer noch krankte: Talentierte Spieler hatten kaum die Möglichkeiten, sich für die Bafana Bafana zu empfehlen - der ehemalige Trainer setzte verstärkt auf erfahrene Spieler wie Neil Tovey und Eric Tinkler. Das Qualifikationsspiel gegen Kongo in Johannesburg leitete den Umbruch in der Mannschaft ein. Dieser glanzlose Sieg war Anlaß genug, an der weiteren fachlichen Kompetenz von Barker zu zweifeln. Die souveränen Erfolge der Vergangenheit konnten schließlich die enttäuschenden Vorstellungen vor allem im Confederations' Cup in Saudi-Arabien nicht mehr egalisieren, so daß der einzig konsequente Schritt die Trennung des Verbandes und Barkers war. Doch nicht nur ein bei den Fans und Medien beliebter Trainer mußte gehen, mit seiner Weglobigung bekam auch die Mannschaft ein völlig neues Gesicht. Verdiente und während der Qualifikation omnipräsente Spieler wie Andre Arendse, Sizwe Motaung, Neil Tovey und Eric Tinkler mußten die Mannschaft verlassen, zumindest Motaung durfte noch auf einem weiteren Trainigslager erscheinen. Troussier scheint das Experimentieren zu bevorzugen und brachte eine neue Generation Spieler während des Afrika Cups auf den Rasen. Dennoch kann auch er nicht sämtlich auf alle alten Stützen der Mannschaft verzichten - so befindet sich Boltons Verteidiger Marc Fish immer noch im Aufgebot, dies trotz einer eher durchwachsenen Saison in der englischen Premier League. Leeds' Verteidiger mit Offensivdrang, Lucas Radebe, ist momentan als Kapitän nicht wegzudenken, und Stürmer Phil Masinga sicherte sich seinen Platz im Aufgebot durch seine Vorstellungen bei Bari.

Bereichert wird das Team durch meinen persönlichen Favoriten: Dr. Khumalo - und den Doktortitel hat er sich aufgrund seiner fußballerischen Qualitäten mehr als verdient...

Mit dieser Mischung aus erfahrenen Spielern und neuen Talenten kann man getrost auf ein kleines Wunder hoffen. Und ein Positives hat die Entlassung Barkers dennoch; die von ihm stets offen gehaltene Tür für Sean "f****n" Dundee wurde nun endgültig zugeschlagen.

GB

Der Weg zum Ziel:

16.08.97SA1:0Rep. Kongo
08.06.97SA3:0Sambia
27.04.98Rep. Kongo1:2SA
06.04.98Rep. Kongo2:0SA
11.01.97Sambia0:0SA
09.11.96SA1:0Zaire
11.09.97Rep. Kongo0:1SA
15.06.97SA3:0Malawi
01.06.97Malawi0:1SA

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