Football is coming home part 1

1930: Der Rio de la Plata bebt

32 Mannschaften werden im Juni und Juli diesen Jahres nach einer gigantischen Qualifikation in einem gigantischen Turnier zu gigantischen Preisen den bedeutensten Mannschaftstitel der Welt bei der 16.WM in Frankreich ausspielen. Vor nunmehr 68 Jahren jedoch, damals, als alles begann, sah die Welt noch beschaulicher aus, die FIFA war nicht allmächtig und Fußballdeutschland sich zu fein, um an der ersten Fußball-WM in Uruguay teilzunehmen.

Über Jahre hinweg hatten die Briten den Sport dominiert, und dies auch der ganzen Welt mit arrogantem und versnobtem Auftreten spüren lassen. Als jedoch 1924 und 1928 jeweils Uruguay die Fußballwelt mit der olympischen Goldmedaille schockte, mußte allen klar sein: Das Herz des Fußballs schlägt auch auf einem anderen Kontinent, wenn nicht gar stärker und lauter, als es dem Rest der Welt recht war.

Der beschwerliche Weg

Mit der Gründung der FIFA am 21.5.1904 (ohne die Briten) in Paris schien der Weg geebnet, den ganz Europa umfassenden Fußballboom auch auf internationaler Ebene umzusetzen. Mit der ersten Idee, einer internationalen Vereinsmeisterschaft, ging die "Weltorganisation" jedoch baden, kein einziges Team aus den vier Regionalgruppen meldete sich bis zum 31.8.1905. Ohne Landesverbände oder nationale Meisterschaften, außerhalb der britischen Inseln eine absolute Rarität, war ein derartiges Unterfangen unmöglich durchzuführen. Organisationsstruktur und fortgeschrittene Wettkampfpraxis als Basis einer akzeptierten Überlegenheit führten zur Amtsperiode des neuen FIFA-Präsidenten Daniel B. Woolfall (1906-1918), für den jedoch wie für alle Briten keinesfalls das Bestreben im Vordergrund stand, eine international gleichberechtigte Struktur zu schaffen, sondern ständig die eigene Überlegenheit zu demonstrieren. Für Woolfall reichten die jährlich ausgespielten British Home Internationals (England, Schottland, Wales und Irland) völlig aus, eine internationale Meisterschaft war nicht notwendig, die FIFA lag brach. Kurz nach WK1 traten die Briten aus politisch dubiosen Gründen aus der FIFA aus, und nachdem ihre Amateure bei der Olympiade 1920 sang- und klanglos die Segel hatten streichen müssen (die Profis waren nicht spielberechtigt), wurden diese auf die Inseln zurückgezogen und erhielten Spielverbot gegen kontinentale Mannschaften.

Von der Region zum Globus

Mit der Entwicklung des professionellen Fußballs und seiner Strukturen entwickelten sich in den 20ern einzelne Regionalmeisterschaften (Copa America, Svehla-Cup, Balkan Cup und Baltic Cup), eine einheitliche Richtlinie für internationale Meisterschaften jedoch gab es nicht. Erneute Streitereien um die Amateurfrage ließen die Briten nach der Olympiade 1928 (nach zwischenzeitlichem Wiedereintritt) erneut aus der FIFA ausscheiden, und somit war der letzte Schritt vollzogen, unabhängig vom Status der Spieler ein Turnier für die Besten der Besten durchzuführen. Die Idee lag schon länger in den Büroablagen der FIFA und insbesondere in denen des 3. FIFA-Präsidenten Jules Rimet. Am 18.5.1929 wurde der historische Schritt vollzogen: Die Durchführung der ersten Fußballweltmeisterschaft im Jahre 1930 war mit 27:5 Stimmen beschlossene Sache. Die europäischen Bewerber zogen sich wegen der Zustimmung Argentiniens für Uruguay als Veranstalter zurück und die zu diesem Zeitpunkt stärkste Fußballnation der Welt erhielt den Zuschlag für die Organisation des ersten Coupe Mondial.

Arroganz, Geldmangel, Desinteresse

Die Briten waren ohnehin ihrem Selbstverständnis nach Weltmeister für alle Zeiten und eh kein FIFA-Mitglied, eine Teilnahme am Turnier in Uruguay stand daher gar nicht zur Debatte. Aber auch andere Spitzenkräfte des europäischen Fußballs ließen die FIFA, sei es aus Geldmangel oder auch der Bevorzugung der nationalen Wettbewerbe, links liegen. So meldeten weder Spanien, Italien, Ungarn, Österreich, die Tschecheslowakei, Deutschland, Dänemark, Schweden oder die Niederlande. Uruguay selbst jedoch hatte alles getan und den Europäern sogar die Kostenübernahme für die Schiffspassage in Aussicht gestellt, aber noch war eine WM nicht das Maß aller Dinge, und so verblieben mit Frankreich, Belgien, Rumänien und Jugoslawien ganze vier europäische Vertreter, die sich auf den beschwerlichen Weg gen Montevideo machten.

Transatlantik in drei Wochen

Nachdem die Concorde und der ICE noch in den Kinderschuhen steckten, stellte der Reiseweg für die sechs auswärtigen Teams (4x Europa + Mexiko und die USA) eine ernste Aufgabe dar. Doch zunächst stand die Zusammenstellung der Mannschaften im Vordergrund. Wenn beim diesjährigen WM-Viertelfinale Kroatien und Jugoslawien aufeinandertreffen sollten, so ist dies beileibe nicht der erste Fußballkonflikt zwischen diesen Gruppierungen. Nach zunächst kroatischer Dominanz im Nationalteam hatten Ende der 20er die Serben das Zepter übernommen, und im März 1930 wurde der Sitz des jugoslawischen Fußballverbandes von Zagreb nach Belgrad verlegt. Dies führte nicht nur zu geringer Begeisterung auf kroatischer Seite, sondern gleich zu einem Boykott von kroatischer Seite, die ohnehin ihre regionale Meisterschaft der WM im fernen Uruguay vorzogen. So brachen am 17.6.1930 17 serbische Spieler und vier Offizielle in Belgrad auf, ein einseitig vertretener Verband kam am 8.7. in Montevideo an.

Viel banalere Probleme hatten die anderen europäischen Verbände zu lösen. In Rumänien war es der König höchstpersönlich, der dafür sorgte, daß "seine" Spieler für die Zeit der WM Urlaub bekamen oder aber von ihren Arbeitgebern freigestellt wurden. Dieses Glück hatte der französische Nationaltrainer Barreau nicht, er durfte noch das Team auswählen und dann in Nizza mit dem Taschentuch winken, um sodann wieder seinem Beruf nachzugehen. Jules Rimet persönlich ist es zu verdanken, daß die Franzosen überhaupt nach Uruguay kamen, denn sein persönlicher Einsatz sorgte für die Freistellung der Spieler an ihrem Arbeitsplatz.

58 Koffer und ein Kaffehaus machten dagegen den Belgiern große Sorgen. Ihr bester Spieler hatte sich gerade in der Gastronomie selbständig gemacht und damit im Sinne des belgischen Verbandes von seiner Popularität auf unverschämte Weise profitiert. Raymond Braine blieb daheim und zog aus dieser Situation die einzig mögliche Konsequenz. Er unterschrieb in Prag einen Profivertrag. Alldieweil waren die 58 Koffer der Belgier in Paris stecken geblieben. Das Team reiste weiter, ein Betreuer blieb zurück, wachte über das kostbare Gut und durfte dann mit Achtundfünfzig Koffern auf dem Weg nach Barcelona 4x umsteigen, um dort zwei Stunden vor Auslaufen des Schiffes einzutreffen.

Die Conte Verde - Drei Teams - ein Dampfer

Rumänien in Genua, Frankreich in Villefranche-sur-Mer und Belgien in Barcelona, der Überseedampfer Conte Verde wurde zum Stelldichein der europäischen Fußballelite. Balletübungen, Variete und Gymnastik, die Teams hatten eine lange Reise vor sich und es galt, sich zu beschäftigen. Von Lagerkoller, wie er unsere satten Profis heute gerne mal befällt, ist den Chronisten nichts bekannt. Dafür aber von eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten, Ohrenentzündungen und Seekrankheit, was die Mannschaften bis Rio auf Trab hielt. Hier stieg das brasilianische Team am 29.6. zu (inkl. einer Riesenschar an Reportern), und die vier Teams erreichten Montevideo am 4. Juli 1930. Auch die Anreise der Amerikaner und Mexikaner nahm einige Zeit und Mühen in Anspruch, wobei vor allem die Mittelamerikaner mit einer Segeltour von Veracruz bis New York und den Schwierigkeiten bei den Formalitäten (einige der Spieler waren Analphabeten) einiges auf sich nehmen mußten.

Montevideo erwartet die Welt

Zwar hatte im Nachhinein bis auf die Argentinier, und das liegt in der Natur der Sache, niemand an der Organisation des Turniers etwas zu kritisieren, doch in einem Punkt wird Uruguay 1930 für immer ein Kuriosum bleiben. Wegen des drei Monate andauernden Regens im Vorfeld des Turniers hatten sich die Bauarbeiten am gigantischen Estadio Centenario ein wenig verzögert und die Eröffnungsfeier konnte nicht wie geplant stattfinden. Statt einer Verlegung in ein anderes Stadion hielt man in Montevideo am Standort fest und so fand das übliche Zeremoniell zur Einweihung des Stadions und zur Eröffnung dieses ersten weltweiten Wettkampfes der Fußballnationen erst am 18.Juli statt, einem Zeitpunkt, zu dem bereits fünf Teams aus dem Turnier ausgeschieden waren und doch trotzdem brav in das neue Prunkstück des uruguayanischen Fußballs einmarschierten.

Es rollt der Ball

Am 13.7.1930 um 15.00 Uhr Ortszeit wurde der historische Kick-off getätigt. Frankreich und Mexiko bestritten im Estadio Pocitos vor 6000 Zuschauern das Eröffnungsspiel der ersten Fußballweltmeisterschaft. 13 Mannschaften waren der Einladung gefolgt und spielten fortan in vier Gruppen den ersten Champion aus. In Abwesenheit der besten Europäer galten Argentinien und Uruguay als absolute Topfavoriten, die sich jedoch auch vor Topteams der alten Welt nicht hätten verstecken müssen, die olympischen Spiele hatten die spieltechnische Dominanz der Südamerikaner deutlich unterstrichen. Hinter der Rio del la Plata-Front galten Brasilien und Paraguay als Geheimfavoriten, den Europäern wurde wie Chile, Bolivien und Peru höchstens eine Außenseiterrolle eingeräumt, als relativ unbeschrieben galten dagegen Mexiko und die USA.

Gruppe 1 Frankreich-Mexiko-Chile-Argentinien

Die mit 8 Debütanten angetretenen Mexikaner bekamen im Eröffnungsspiel zunächst kein Bein auf die Erde. Obwohl der französische Torhüter in der 26.Minute mit einer Gehirnerschütterung ausfiel und ein Feldspieler den Kasten hütete, dominierten die Europäer das Spiel und führten zur Halbzeit mit 3:0. In der zweiten Hälfte kamen die Mexikaner zwar besser ins Spiel, doch konnten sie ihre Feldüberlegenheit nicht umsetzen. Dem Anschlußtreffer durch Carreno (70.) folgte in der 87.Minute durch Maschinot der endgültige K.O. Im zweiten Spiel sollte der haushohe Favorit aus Argentinien nicht nur Schwierigkeiten mit den Franzosen haben, sondern auch mit den 30.000 Urus, die wie ein Mann hinter den Europäern standen. Erst in der 81.Minute konnte Monti den Favoriten vor einer Blamage retten. Nachdem sich Chile mit zwei Siegen über Frankreich (1:0) und Mexiko (3:0) als ernstzunehmender Gegner entwickelt hatte und die Argentinier gegen Mexiko endlich ihre Offensivqualitäten entfalteten (6:3), besonders durch die Stürmerlegende Stabile (auch genannt El Filtrador), kam es am 22.7. vor 45.000 Zuschauern zum Gruppenfinale Argentinien gegen Chile. Die bisher ohne Gegentor gebliebenen Chilenen mußten zunächst der Genialität des Guilermo Stabile Tribut zollen und lagen schnell mit 0:2 hinten, konnten jedoch postwendend in der 15. Minute durch Arellano den Anschlußtreffer markieren. Trotz einer insgesamt guten Leistung waren sie jedoch nicht in der Lage, dem Spielrausch Argentiniens zu widerstehen und kassierten in der 51.Minute durch Evaristo den entscheidenen Treffer. Argentinien im Halbfinale und mit Frankreich der erste Europäer auf der Strecke geblieben.

Gruppe 2 Jugoslawien-Brasilien-Bolivien

Gleich im ersten Spiel der Gruppe 2 kam es zum Aufeinandertreffen der Favoriten. Während die Südosteuropäer auf die Kroaten verzichten mußten, fehlten den Brasilianern die Spieler aus Sao Paulo. Die Paulistas waren wegen nationaler Querelen daheim geblieben. Vielleicht hätte man dies noch verkraften können, nicht jedoch die nunmehr viereinhalb Jahre andauernde Länderspielpause seit 1925 aus den gleichen Gründen. Und so trat der südamerikanische Vizemeister von 1925 mit 10 Debütanten an und lag nach 30 Minuten mit 0:2 zurück. Erst nach der Pause kam Brasilien ins Spiel, erzielte durch Preguinho in der 62. Minute den Anschluß und berannte im Anschluß das Tor der Serben. Doch Torhüter Milovan Jaksic wurde zum Helden des Tages, der hinterher vom Publikum als "El Gran Milovan" (siehe nebenstehendes Foto) gefeiert wurde und die Brasilianer schier zur Verzweiflung trieb. Mit diesem Erfolg war die Gruppe Zwei praktisch entschieden, denn wie erwartet konnte Bolivien mit keiner der beiden Mannschaften mithalten und verlor jeweils mit 0:4.

Gruppe 3 Rumänien-Peru-Uruguay

Vor der Minuskulisse von 2000 Zuschauern eröffneten Peru und Rumänien die Spiele der Gruppe 3 am 14.7. Bereits nach 10 Minuten verspürten die Osteuropäer südamerikanische Härte. Vielleicht lag es an den erst sechs Länderspielen, die Peru bestritten hatte, doch soll das keine Entschuldigung für das gebrochene Bein von Herrn Steiner sein. Zu diesem Zeitpunkt aber führten die Rumänen bereits mit 1:0 (1.) und konnten sich des Verlustes eines zweiten Spielers nach rüdem Foulspiel mit acht Feldspielern in die Pause retten. Die peruanische Überlegenheit fand schließlich in der 60. Minute ihre Konsequenz im Ausgleich. Der zuletzt verletzte Rumäne kehrte zurück, die Peruaner erhielten noch einen Platzverweis, und so konnte bei gleicher Spieleranzahl schließlich Erfahrung über Härte mit 3:1 triumphieren. In diesem Spiel gab es die erste Auswechslung der WM-Geschichte (Rodriguez für Ferreira in der 80.Min.). Dies war zwar illegal, aber irgendwie niemanden aufgefallen. Die gleiche Entschlossenheit wie gegen Rumänien zeigte Peru auch in der WM-Premiere des Gastgebers. Erst nach einer Stunde gelang es dem einhändigen Hector Castro, das Abwehrbollwerk zu überwinden. Das Volk hatte seinen Sieg, zwar schwer, aber erfolgreich startete der Gastgeber in das Turnier. Doch täuschte dies über die wahre Stärke der Urus hinweg. Mit einigen Modifikationen im Team zeigten sie gegen Rumänien, was sie wirklich drauf hatten, und bereits zur Pause stand das Endresultat mit 4:0 fest. Uruguay war im Halbfinale.

Gruppe 4 USA-Belgien-Paraguay

Wie erwartet starteten die Belgier haushoch überlegen in die Partie gegen die Nordamerikaner, aber wie so oft im Fußball, damals nicht anders als heute, rächen sich die vergebenen Chancen und so stand es zur Pause völlig überraschend 2:0 für die mit fünf "Schotten" und einem "Engländer" angetretenen USA. Zwar versuchten die Roten Teufel noch einmal alles, kassierten aber nur noch den dritten Treffer kurz vor Ende.

Der südamerikanische Vizemeister Paraguay schien aus der Leistung der US-Boys nicht gelernt zu haben und ging mit 0:3 unter. Auch hier zeigten die Amerikaner typisch "britische" Ansätze. Flügelspiel und lange Bälle waren noch ein wenig überraschend für die ballverliebten Paraguayos, die noch 1:0 gegen Belgien gewannen, aber enttäuscht von dannen ziehen mußten.

1. Halbfinale Argentinien-USA

Eine Halbzeit lang konnten die Amerikaner dem Sturmwirbel der Argentinier standhalten und lagen ein wenig unglücklich mit 0:1 hinten. Unglücklich daher, weil sich Abwehrspieler Tracy das Bein brach, aber trotzdem bis zur Pause durchhielt. Darüberhinaus verletzte sich auch noch ihr Torhüter und konnte nur eingeschränkt weiterspielen. Als sich auch Auld die Lippe spaltete, war es um die Amis geschehen. Im Sturmlauf der blau-weißen gingen sie förmlich unter und konnten gerade noch kurz vor Schluß den Ehrentreffer zum 1:6 erzielen. Der erste Favorit war im Finale.

2. Halbfinale Uruguay-Jugoslawien

Der letzte europäische Vertreter verlor zwar das 2.Halbfinale gegen den Gastgeber ebenfalls mit 1:6, doch auch hier muß man von einer Aneinanderreihung unglücklicher oder gar seltsamer Umstände sprechen. Schon nach 4 Minuten führten die Jugos mit 1:0, hatten gute Chancen (ihnen wurde ein weiterer regulärer Treffer aberkannt) und kassierten dann den Ausgleich aus Abseitsstellung. Die Urus waren wieder im Rausch, erzielten zwei Minuten später die Führung und hatten doch Glück. Dem 3:1 in der 31. Minute ging eine wahre Skurrilität voraus. Der Ball hatte die Torauslinie klar überschritten und wurde von einem uniformierten Polizisten wieder "zurückgepasst". Ob der Schiri aus Brasilien dies nicht sehen wollte oder konnte, bleibt für immer ungeklärt. In der 2. Halbzeit dominierten die Urus zwar deutlicher, doch die weiteren drei Treffer geben den Spielverlauf nicht wieder. Mit Glück und Können war der Gastgeber im Finale, auf jeden Fall aber hatte die spieltechnisch und taktisch bessere Mannschaft gewonnen

30.7.1930 Das erste WM-Finale Argentinien vs. Uruguay

Die Favoriten unter sich, das Duell des Rio del la Plata berauscht die Massen, und das erste Finale der WM-Geschichte sollte alle Wünsche erfüllen. Spieltechnisch, taktisch, spielerisch waren trotz der Abwesenheit der namhaften Europäer die beiden besten Teams der Welt im Estadio Centenario vereint. In einem furiosen Finale ging Uruguay in der 12. Minute in Führung und 60.000 Zuschauer tobten. In der Folgezeit jedoch setzte sich mehr und mehr die Spielkunst der Argentinier durch, die verdient zur Pause durch Peucelle und Stabile in Führung gingen. Nach dem Wechsel rettet die Latte ganz Uruguay vor einer tiefen Schmach und mit großem Einsatz gelang es den Himmelblauen, das Spiel noch zu drehen. Cea (57.), Iriarte (68.) und Castro (89.) versetzten ganz Montevideo in weltmeisterlichen Taumel. Der Olympiasieger von 24 und 28 hatte seiner Dominanz die Krone aufgesetzt und war der erste Weltmeister der Fußballgeschichte.

Fazit

Das erste große Turnier der Fußballgeschichte war vorbei und die Mannschaften machten sich auf den beschwerlichen Heimweg. Uruguay war ein würdiger Weltmeister, die großen Clubs in Montevideo hatten sich als hervorragende Gastgeber erwiesen und Südamerika war endgültig auf der Fußballandkarte erschienen. Dies sollte natürlich kein Beweggrund für die Briten sein, sich auch weiterhin als die Götter auf dem grünen Rasen zu empfinden, doch was diese Behauptung für einen Wahrheitsgehalt hatte, läßt sich an der WM-Statistik leicht ablesen. 68 Jahre später werden wieder fünf südamerikanische Mannschaften in das WM-Geschehen einzugreifen, der Weltmeister von 1930 ist nicht dabei. Im modernen Fußball fällt es kleinen Ländern wie Uruguay immer schwerer, sich durchzusetzen. Die Himmelblauen jedoch werden wieder auftauchen, denn die großen Vereine in Montevideo gehören noch immer zur Elite in Südamerika und wenn ein Land wie Uruguay fünfmal die Copa Europea-Sudamericana der Vereinsmannschaften gewinnen kann, dann sollte dies den noch immer arroganten Europäern ein Beispiel sein.

Das Turnier in Frankreich wird niemals den Flair ausstrahlen, den alleine die Historie von 1930 ausmacht, aber noch immer ist der Ball rund, die Engländer arrogant und die Südamerikaner am Start. Von den Ländern, die 1930 dabei waren, starten in Frankreich immerhin noch: Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay, Jugoslawien, USA, Mexiko, Rumänien, Belgien, Frankreich, also 10 von 13 Teams, eine gute Quote und ein Beweis für die Konstanz im Weltfußball. Forza Copa Mundial

lüh

Die Statistik der WM 1930

Durchschnittliche Zuschauerzahl: 31.555
Tore pro Spiel: 3,89
Torschützenkönig: Guillermo Stabile (8 Tore) (Foto)

Quelle dieses Textes: IFFHS-Fußballweltzeitschrift No.25/26, III/94


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