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sacht mal: | Die Qualifikation hat bewiesen, welch gute Mannschaft das ist und was sie imstande ist zu leisten. Wenn die einen Lauf haben, können sie durchaus eine Runde weiterkommen, aber unter den letzten vieren sehe ich die nicht. |
"Bosnia for the Cup?"Out of World CupWer immer noch behauptet, daß Sport nichts mit Politik zu tun hat, der kann sich in Bosnien-Herzegowina eines Besseren belehren lassen. Die politisch - geographische Dreiteilung des Landes in serbische, kroatische und bosnisch-muslimische Gebiete schlägt voll auf das sportliche Geschehen durch.Daß der Staat Bosnien-Herzegowina in dieser merkwürdigen Form überhaupt existiert, ist dabei noch als Erfolg zu werten. Wäre es nach den Präsidenten Kroatiens und "Rest - Jugoslawiens", Tudjiman und Milosevic, gegangen, hätten Kroaten und Serben Bosnien unter sich aufgeteilt, so wie es ihre beiden Irgendwie funktionierte dieser Plan der beiden Nationalisten jedoch nicht so ganz, da sich die Mehrheit der Bevölkerung des Landes, die Bosniaken (Muslime), zur Wehr setzten und wenigstens einen Teil des Staatsgebietes, darunter die Mehrzahl der größeren Städte, unter ihre Kontrolle bringen konnten. Trotz aller Bemühungen internationaler Vermittler ist Bosnien-Herzegowina auch zweieinhalb Jahre nach dem Ende des Krieges ein zersplitterter Staat, verläuft die Rückkehr von Flüchtlingen ebenso wie der Wiederaufbauprozeß mehr als schleppend. Nationalisten und korrupte Politiker sitzen an den Schalthebeln der Macht, und so existiert das multikulturelle Bosnien vorerst nur an wenigen Orten, am ehesten vielleicht in Tuzla, einer mehrheitlich von Bosniaken (Muslimen) bewohnten Großstadt, sowie in der Hauptstadt Sarajevo. Die sogenannte Föderation, welche Bosniaken und bosnische Kroaten auf westlichen Druck hin als Gegengewicht zur "serbischen Republik" in Bosnien in`s Leben riefen, funktioniert weitestgehend nur in der Theorie. Noch immer existiert nämlich das von kroatischen Extremisten als eigener Staat proklamierte Gebilde namens "Herceg-Bosna", obwohl die internationale Staatengemeinschaft wiederholt seine Liquidierung gefordert hatte. Die Gelder der Tudjiman - Regierung fließen jedoch weiter in Richtung der "kroatischen Brüder" nach Bosnien, so daß "Herceg-Bosna" wächst und gedeiht: mit eigener Verwaltung, Polizei, usw.. Natürlich auch mit eigenen Ligen im Bereich des Sports, wo die Kroaten Bosniens gerne unter sich bleiben wollen. So existiert eine "1.Fußball - Liga Herceg-Bosna", auch wenn dort fast ausschließlich Teams aus Dörfern und Kleinstädten agieren, die zu jugoslawischen Zeiten niemand kannte. Zuschauerzahlen: zwischen 100 und 800 Leuten. Besonders kraß zeigt sich die Teilung Bosnien-Hercegowinas in der Stadt Mostar: dort spielt auf der kroatischen Westseite der momentane Tabellenzweite der 1.Liga "Herceg-Bosna", Zrinjski Mostar. Pikanter weise trägt der Club seine Heimspiele im ehemaligen Stadion des noch aus UEFA-Cup Zeiten bekannten Clubs Velez Mostar aus. Velez seinerseits kickt nun auf der Ostseite Mostars, wo mehrheitlich Bosniaken leben. Der Verein gehört dabei im Gegensatz zu seinem Pendant auf der Westseite Mostars der "1.Fußball-Liga Bosnien-Herzegowina" an, die von kroatischen und serbischen Teams boykottiert wird! In dieser, der eigentlichen Staatsliga, finden sich neben Velez Mostar mit FK Sarajevo, Sloboda Tuzla und dem wohl populärsten Club des Landes, Zeljeznicar (= Eisenbahner) Sarajevo, wenigstens ein paar Vereine, die zu gesamt - jugoslawischen Zeiten einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichten. Dagegen hat von Bosna Visoko, dem momentanen Tabellenführer der Liga, in Deutschland sicher noch niemand etwas gehört! Bei Eintrittspreisen von 3,- DM bewegen sich die Zuschauerzahlen in etwa auf besserem Regionalliganiveau. Zeljeznicar, das seine Heimspiele im völlig verwüsteten Vorort Grbavica austrägt, kann dabei im Gegensatz zum Lokalrivalen FK Sarajevo (der im Kosevo - Stadion als Publikumskrösus mit handverlesenen 1000 bis 2000 Zuschauern spielt), trotz mittelmäßiger Plazierung auf die Unterstützung von etwa 5000-7000 Fans bauen, die bisweilen ganz gut mit Bengalos herum hantieren. Wie im benachbarten Kroatien, wo nur die Spiele zwischen Croatia (Dinamo) Zagreb und Hajduk Split Zuschauer in Scharen anlocken, gibt es auch in Bosnien mit dem Ortsderby Zeljeznicar - FK Sarajevo nur einen Kassenschlager. Allgemein ist das Niveau der Liga sehr bescheiden, woran auch der seit kurzem für Celik Zenica spielende Brasilianer Joao Paolo wenig ändern dürfte. Er ist neben einem Spieler aus Kamerun der bisher einzige Ausländer in der höchsten Spielklasse. Aufgrund der angesprochenen politischen und sportlichen Zersplitterung des Landes existiert bis heute kein "gesamt - bosnischer" Meister, der demzufolge am Europacup teilnehmen dürfte. Die Clubs aus dem serbischen Landesteil haben sich weitgehend Restjugoslawien angeschlossen; so spielt der beste Verein der serbischen Teilrepublik Bosniens, Borac Banja Luca, derzeit dort in der zweiten Liga. An den politischen Rahmenbedingungen dürfte sich in den nächsten Monaten wenig ändern, zumal Umfragen zeigen, daß sich bei den bosnischen Serben und Kroaten jeweils eine überwältigende Mehrheit gegen das Zusammenleben mit den Muslimen ausspricht. Angesichts dieses gnadenlosen Nationalismus kann die Entscheidung eines Sergej Barbarez, für Bosniens Nationalmannschaft spielen zu wollen, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Barbarez Eltern - die Mutter ist Kroatin und der Vater Serbe - leben nämlich im Westteil Mostars. Dort wurde ihnen von kroatischen Nationalisten mit Konsequenzen gedroht, falls ihr Sohn für die Nationalelf Bosnien-Herzegowinas antreten würde. Letztere zeigte in der WM-Qualifikation deutlich aufsteigende Tendenz, und dürfte mit Spielern wie Konjic (AS Monaco), Barbarez, Braco (und nicht "Brazzo" wie es in Deutschland immer geschrieben wird!) Salihamidzic, Kodro (Teneriffa), Mujcin (Croatia Zagreb) oder Bolic (Fenerbahce) in der nächsten EM - Quali bei Gegnern wie Schottland, Tschechien, Estland, Litauen und den Faroer-Inseln zumindest Außenseiterchancen besitzen, natürlich nur, wenn "Fliegenfänger" Mirsad Dedic vom FK Sarajevo als Nationalkeeper nicht zu oft patzt. Es bedarf einer Mannschaftsleistung, wie sie beim 3:0 Sieg gegen Dänemark im August letzten Jahres in der WM - Qualifikation erbracht wurde, ein Spiel, das der Verfasser mit 29.999 anderen begeisterten Zuschauern live vor Ort in Sarajevo verfolgen konnte. Schafft die Elf dies nicht, bleibt die Basketball - Nationalmannschaft Bosnien - Herzegowinas mit ihrem Starspieler Nenad Markovic (einem Serben aus Sarajevo!) einziges sportliches Aushängeschild dieses geschundenen Landes. Aber vielleicht versucht ja Ivica Osim (Sturm Graz) in einigen Jahren sein Glück als Trainer bei der Fußball - Nationalmannschaft. Der Kult - Trainer, der sich trotz seiner kroatischen Abstammung stets als Bosnier gesehen hat, lehnte es nämlich angesichts der starken nationalistischen Tendenzen in Kroatien ab, das dortige Nationalteam zu trainieren. Jene Offerte war ihm übrigens von einem gewissen Herrn Tudjiman unterbreitet worden. Gastartikel von Wolfgang, Fatboys Landau. |
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