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Ich muss schon sagen: wenn ich Namen wie Ramelow, Lehmann, Metzelder oder Kehl höre und diese dann auch noch in Verbindung mit der deutschen Nationalmannschaft genannt werden, kommt mir, ehrlich gesagt, der Grünkohl vom Essen beim alten Stamm wieder hoch, wäre ich denn eingeladen gewesen. Mir fehlen schlicht und einfach die schillernden Persönlichkeiten in der deutschen Elf, die, die auch mal'n Spiel Es war der 4. Juni 1986. Deutschland spielt im ersten Vorrundenspiel der WM in Mexico gegen Uruguay in Queretaro. Und in der 4. Minute, als Antonio Alzamendi den Führungstreffer für die Uruguayaner erzielt, fühle ich zum ersten Mal etwas bei einem Spiel der deutschen Elf. Ich war traurig. Sekunden später fange ich an, Deutschland alleine vorm Fernseher zu supporten. Meine Eltern waren nicht da, ansonsten hätte ich mich das wahrscheinlich nicht getraut. Ich krakehle wie wild vor der Glotze, verzweifle bei jeder der mindestens 15 hundertprozentigen aber leichtfertig vergebenen Chancen der Deutschen, bis ich dann sechs Minuten vor dem Ende belohnt werde, als Klaus Allofs den Ball durch die Beine von Uru-Keeper Alvez schiebt. Ich laufe laut gröhlend durch die Wohnung, mache mindestens dreimal den Allofs'schen Jubler nach und bete, dass Deutschland das Spiel vielleicht noch dreht. Leider wurde daraus nichts, doch ich hatte einen äußerst ereignisreichen Fernsehabend. Und das mit 10 Jahren! Deutschland steigerte sich von Spiel zu Spiel, mit einem kleinen Aussetzer beim Spiel gegen Dänemark (0:2), der aber im Nachhinein ziemlich clever war, denn Dänemark wurde dadurch Gruppensieger und bekam dafür von Emilio Butragueno im Achtelfinale den Arsch versohlt. Red-White-Dynamite ging mit 1:5 gegen Spanien unter, Deutschland traf als Gruppenzweiter im Achtelfinale auf die Überraschungsmannschaft Marokko und gewann durch ein Freistoßtor von Lothar Matthäus kurz vor Schluss mit 1:0. Und sie steigerten sich weiter. Erst das legendäre Viertelfinale gegen Mexiko, welches Toni Schumacher durch drei gehaltene Elfer quasi allein entschied und dann das Halbfinale gegen Brasilien-Killer Frankreich, die zwar das Spiel über 90 Minuten mehr als bestimmten, doch im Gegensatz zu den Deutschen keine Tore machen konnten. Andreas Brehme schießt einen Freistoß ziemlich Barmbek basch durch die Handschuhe von Joel Bats und Rudolf Völler besiegelt den Triumph durch sein Kontertor in der Nachspielzeit. Dass Deutschland im Endeffekt nur Vizeweltmeister wurde, obwohl sie gegen Argentinien die mit Abstand beste deutsche Turnierleistung an den heißen Tag legten, störte mich nur wenig, schließlich hatte Deutschland als krasser Außenseiter mit Hupen wie Norbert Eder, Matthias Herget und Wolfgang Rolff die gesamte Fußball-Weltelite tüchtig geärgert und allen gezeigt, dass man mit Kampf ne ganze Menge im Fußball bewerkstelligen kann. Und von da an war ich Deutschland-Fan. Naja - am Fernseher halt. Aber dafür bei Welt- und Europameisterschaften umso intensiver. Während der WM in Italien habe ich mir beispielsweise aus Stöckern und den gerade in Mode gekommemen PET-Flaschen ein ganzes Trommelarsenal gebastelt und so die deutsche Elf zum souveränen Gewinn getrommelt. Oder 1996, als ich über den verschossenen Southgate-Elfer jubelte, mich vor Freude ins Sofa wieder fallen ließ und selbiges dabei kaputt machte. Ich könnte fast sagen, dass in meiner Fußball-Sympathierangliste erst St. Pauli, dann lange nichts und dann schon Deutschland kommt. Doch der gemeine St. Paulianer wundert sich. Ein Mensch, der sich voll mit dem FC St. Pauli identifiziert, kann doch nicht Fan von Deutschland sein. Und ich sage: Doch, kann er. Fragt einfach mal Fußball-Fans, warum sie Fan des Vereins geworden sind, den sie unterstützen. Die Wenigsten haben dafür eine plausible Erklärung parat. Natürlich erwähnen sie gerne gewisse Momente, in denen sie von höheren Mächten ein Zeichen oder so bekommen haben, doch meist werden sie sagen: "Ich hab'n Spiel von denen gesehen, das hat mir alles gut gefallen und seitdem bin ich dabei". Und so geht es mir in Verbindung mit dem FC St. Pauli und auch mit der deutschen Nationalmannschaft. Vielleicht ist es ja auch wegen der übermäßigen Berichterstattung, die in Deutschland über die DFB-Auswahl (natürlich) gemacht wird. Und hier könnte man die Floskel einbringen, die auch St. Pauli-Fans den Leuten entgegenschleudern, die zwar aus Hamburg kommen, aber Fan von Bayern, Dortmund, etc. sind: Support your local team. Nichts anderes mache ich ja, wenn ich mit Deutschland sympathisiere. Ich komm aus Hamburg. In Hamburg wird, seit ich denken kann, über den FC St. Pauli und den hsv gesprochen. Ich möchte gerne einen Verein aus meiner Stadt unterstützen, guck mir beide Sachen an und entscheide mich für einen Verein. Und dann komm ich halt aus Deutschland, steht jedenfalls so in meinem Pass. Ich möchte gerne ein Team aus "meinem" Land unterstützen, guck mir beide Sachen an, äh...naja, egal. Auf jeden Fall ist die DFB-Auswahl meine Mannschaft. Ich sympathisiere nicht mit deutscher Leitkultur, sympathisiere nicht mit einem Großteil der bei Spielen anwesenden Fans und schon gar nicht mit irgendwelchem Nationalstolz - ich sympathisiere lediglich mit dem deutschen Fußballteam. Das war so, das ist so und das wird immer so bleiben. Fragt mal nen Fan von (nur mal so als Beispiel) Eintracht Braunschweig, ob er seinen Verein weniger liebt, wenn er von Ausschreitungen von Fans seines Vereins hört. Das wird er zwar scheiße finden, aber wieso soll er deswegen seinen Verein im Stich lassen? Was ich auch immer wieder gerne höre, sind die Leute, die mir sagen: "Wieso denn Deutschland? Ich bin immer lieber für den Schwächeren, für den Außenseiter!" Und? Was mache ich? Genau dasselbe! Wer war denn der große Außenseiter 1986? Wer wird denn bei dieser WM quasi so hoch wie Kamerun gehandelt? Genau, richtig geraten. So, ich hab jetzt auch keine Lust, mich hier weiter zu rechtfertigen - kommen wir zum Ausblick für die WM aus Sicht der deutschen Elf: Deutschland wird wieder Weltmeister ...
T.A.C.S. |
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