Lieber die Sonne im Herzen, als das Surfboard unterm Arm!
Die Republica Oriental del Uruguay liegt, fast zerpresst von Brasilien und Argentinien, an der Ostküste Südamerikas. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts galt Uruguay als "Schweiz Südamerikas", da sowohl die wirtschaftliche als auch politisch soziale Lage, als sehr fortschrittlich angesehen werden konnte. Nach diversen Putschs und militärabhängigen Regierungen, gab es 1984 erstmals wieder freie Wahlen. Von der "Schweiz Südamerikas" ist heutzutage nicht mehr viel geblieben: Wie in allen Ländern Südamerikas sind Armut und Perspektivlosigkeit keine Fremdwörter, der Präsident Jorge Batlle führt einen neoliberalen Regierungsstil und die Arbeitslosigkeit liegt bei ca. 13%. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch der Fußball Uruguays nicht nur als reiner Sport, sondern eben auch als Bindeglied zwischen allen gesellschaftlichen Widersprüchen funktioniert. Nur waren die Erfolge in den letzten Jahren eher Mangelware. Der zweimalige Weltmeister von 1930 und 1950 konnte bei seinen letzen WM-Teilnahmen nicht sonderlich viel reißen, 1986 und 1990 schied man jeweils im Achtelfinale aus. Der letzte große Erfolg war der Gewinn der Copa America 1995.
Doch dann kam die Qualifikation zur WM 2002 und ein ganzes Land stand Kopf. Lange Zeit rang man mit Brasilien um den 5. Platz der Südamerika-Gruppe, der zwar nicht direkt zur Qualifikation berechtigte, doch die Hintertür eines Relegationspieles gegen die Australische Nationalmannschaft offen ließ. Im letzten Gruppenspiel in Montevideo (kleines Quiz: Wer mir die lateinische Übersetzung des Namens der Hauptstadt von Uruguay liefert, dem spendiere ich eine lebenslange Mitgliedschaft bei Carpe Diem!), und einem 1:1 gegen Argentinien, war der 5. Platz erreicht und die "Selesta" trat in Melbourne zum ersten Spiel gegen Australien an. Dieses ging zwar 0:1 verloren, doch durch ein monumentales 3:0 zu Hause, konnten die Australier wieder das tun, was sie am besten können, nämlich Surfen und mit den Haien spielen. Der Freudentaumel in Uruguay war unbeschreiblich und toppte selbst die ausufernden Feierlichkeiten nach dem 1:0 gegen Brasilien in der Qualifikation.
Auf der Weltrangliste als Nummer 22 geführt wartet auf die Uruguayer nun eine große Herausforderung. Denn spielerische Mittel stehen dem Team von Trainer Victor Pua, im Vergleich zu anderen Südamerikanischen Mannschaften, eher begrenzt zur Verfügung. Da verlässt man sich auf eher deutsche Mittel, wie Kampfkraft und Entschlossenheit, sprich körperbetontes Spiel, mit ordentlich in die Hacken. Marcel Rath würde sich dann wohl nur noch in der horizontalen bewegen. Dennoch ist die Mannschaft gespickt mit Namen, die in Europa reichlich Spielpraxis gesammelt haben, beispielsweise spielen Carini (TW) und Montero bei Juve oder Santos bei Valencia. Der Star der Mannschaft ist jedoch zweifelsohne Alvaro Recoba. Der 26jährige gilt als Nachfolger des legendären Enzo Francescoli und gibt einer ganzen Nation Hoffnung die WM-Vorrunde zu bestehen. "El Chino" spielt bei Inter Mailand und gilt als einer der torgefährlichsten Spieler der Serie A. Es wird wesentlich von ihm abhängen, ob Uruguay die zweite Runde erreicht, welches sie zum letzten Mal 1970 in Mexiko schafften und den dritten Platz erreichten. Es kann einem Angst und Bange werden, wenn dann die Uruguayer ein Testspiel gegen Saudi-Arabien mit 3:2 verlieren und wieder einmal von ihren Nachbarländern verhöhnt werden. Schließlich stehen ihnen in der WM-Gruppe Frankreich, Dänemark und Senegal gegenüber, da wird der liebe Gott nicht helfen, sondern nur eine 150% Leistung will man das Minimalziel erreichen. Dennoch ist dies im Bereich des möglichem und wenn dies tatsächlich gelingt, ist diese Mannschaft zu allem fähig. Wer ist eigentlich dieser Brasilien?
Uruguay
Die südamerikanische Mannschaft mit den deutschen Tugenden. Kampf, Entschlossenheit und Ausdauer. Sie müssen nur noch lernen, das auch im Fußball anzuwenden.
Mein Tipp: Das reicht nur bis zum Achtelfinale, wenn sie nicht auch noch deutsches Glück haben.
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frechdax
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