Maldini und der Traum vom Titel

   Alessandro Del Piero, Francesco Totti, Filippo Inzaghi, Alessandro Nesta und Christian Vieri - die "Squadra Azzura" ist eine Ansammlung von international erfahrenen Topstars, die Rudi Völler die Tränen des Futterneids in die Augen treibt und den Angstschweiß auf die hohe Stirn zaubert. Die Mannschaft von "Mister" Giovanni Trapattoni gehört ganz klar zu den Favoriten auf den WM-Titel. Dieser Titel würde einem Spieler noch viel, viel mehr bedeuten als dem Rest des Teams. Dieser Akteur spricht von der "Verwirklichung seines größten Traums", wenn er an die goldene Trophäe denkt, die er so gern überreicht bekommen würde. Es wäre sein größter Triumph und gleichzeitig ein krönender Abschluss einer wahrlich großen Karriere. Der Kapitän Paolo Maldini (33) möchte am 30. Juni in Yokohama Weltmeister werden und danach seine Laufbahn in der Nationalmannschaft beenden - ich würde es ihm von Herzen gönnen.

   Mit 16 träumte ich davon meine Zündapp ZD 20 gegen eine Yamaha DT zu tauschen, mit Joan Jett Kinder zu zeugen und Fußballprofi zu werden. Andere rannten in dem Alter in Düsseldorf rum und waren Sänger in einer Rock'n'Roll-Band. Paolo Maldini debütierte bereits mit 16 ? Jahren im Trikot "seines" AC Mailand in der italienischen Serie A (1985) und lebte seine Wunschvorstellungen im Vergleich zu mir viel konsequenter aus. Seitdem spielt der von der Frauenwelt angehimmelte Beau ununterbrochen in der höchsten Spielklasse seines Landes - inzwischen lief er knapp 500-mal in der Liga für Milan auf, führte seine Mannschaft in den letzten Jahren unzählige Male als Kapitän aufs Feld und gewann so ziemlich jeden Titel, den es überhaupt auf Vereinsebene zu gewinnen gibt: In den Jahren 1988, 1992, 1993, 1994, 1996 und 1999 den "Scudetto", 4-mal den italienischen Ligapokal, 3-mal den europäischen Supercup, 3-mal den Europapokal der Landesmeister/die Champions League (1989 und 1990 mit einer der wohl größten Mannschaften in der Geschichte des Weltfußballs gemeinsam mit Marco van Basten, Ruud Gullit und Frank Rijkaard, 1994 zusammen mit Stars wie Boban, Desailly und Savicevic) und 2-mal den Weltpokal.

   Auf einen großen Titel mit der Nationalmannschaft wartete der eleganteste aller Linksverteidiger auf diesem Planeten allerdings bislang vergeblich, scheiterte häufig aber nur denkbar knapp: Sein erstes großes Turnier war die EM 1988 in Deutschland. Italien musste sich nach dem 0:2 im Halbfinale gegen die UdSSR früher als erwartet auf die Heimreise machen. 2 Jahre später bei der Weltmeisterschaft im eigenem Land scheiterte der große Titelfavorit erneut in der Runde der letzten vier verbliebenen Teilnehmer - im Elfmeterschießen, diesmal an Argentinien. 1994 in den USA stand Maldini erstmals in seiner Karriere in einem WM-Endspiel. Der Gegner hieß Brasilien und das (erbärmliche) Spiel musste (schon wieder!) im Elfmeterschießen entschieden werden. Erneut zeigten die Italiener Nerven: Franco Baresi und Roberto Baggio scheiterten an Taffarel, bzw. an der Angst vor der eigenen Courage - und den World Cup durfte Carlos Dunga in Empfang nehmen. 1998 bei der Endrunde in Frankreich ging das Elfmeterdrama aus Sicht der Italiener und Maldini in die 3. Runde (Inzwischen trug Maldini die Kapitänsbinde der Mannschaft, die damals von seinem Vater und großem Vorbild Cesare gecoacht wurde, der als Aktiver ebenfalls das Trikot von Milan trug, genauso wie später sein Filius Meister und Europapokalsieger wurde und als Assistent von Trainerlegende Enzo Bearzot die Squadra 1982 zum WM-Titel führte): Im Stade de France zu Saint-Denis hatten die Gastgeber das nötige Glück und Geschick auf ihrer Seite: Luigi Di Biagio traf nur das Aluminium und Frankreich erreichte das Halbfinale. Bei der Euro 2000 stand Maldini das zweite Mal in einem großen Finale, wurde allerdings wieder nur 2. Sieger. Das Golden Goal von David Trezeguet entschied ein Finale, in dem die Mannschaft von Dino Zoff (die Torwartlegende beerbte Cesare nach der WM in Frankreich) bereits wie der sichere Sieger aussah (Wiltord glich die Führung von Delvecchio erst in der Nachspielzeit aus!).

   In Korea und Japan wird Paolo Maldini zum letzten Mal die Chance haben, einen Angriff auf eine der begehrtesten Trophäen der Welt zu unternehmen. Ich wage die Prognose, dass die Chancen für Italien und den Rekordnationalspieler Maldini gar nicht einmal so schlecht sind: In der Vorrunde trifft die Squadra auf Ecuador, Kroatien und Mexiko. Im Achtelfinale könnte es zu einem Familienduell gegen Vater Cesare kommen (heute Nationaltrainer in Paraguay) und im Viertelfinale zu einem Spiel gegen Deutschland. In dem hätte der Weltmeister von 1934, 1938 und 1982 große Siegchancen: Noch nie hat Italien bei einem großen Turnier gegen Deutschland verloren (man denke nur an das "Jahrhundertspiel" 1970 im Halbfinale von Mexiko-City oder an das Finale der WM 1982 in Spanien). Spätestens ab dem Halbfinale ist dann wieder alles reine Nervensache, und ich wünsche der Nr. 3 der Azzuri und seiner Mannschaft bei seiner vierten Weltmeisterschaft welche aus Drahtseilen.

Italien

Es ist doch alle vier Jahre das selbe. Sie mogeln sich mit Hängen und Würgen bis zum Halbfinale und heulen und jammern dann, wenn letztendlich einer noch mehr Dusel hatte als sie selbst.
Mein Tipp: Nur zwei Dinge können Italien stoppen: Elfmeter- schießen im Halbfinale oder eine Dopingrazzia.
Stefano

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