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Warum habe ich mir aus dem großen Topf von 32 teilnehmenden Teams gerade Irland herausgesucht? Nun, weil ich seit Jahren eine große Sympathie für dieses Land und vieles, was damit zusammenhängt, hege. So also auch für das Fußball-Nationalteam vom überall als "grüne Insel" bezeichneten Eiland. Drei Mal durfte ich persönlich die Mannschaft in den grünen Trikots in Augenschein nehmen. Am 29.05.1994 gelang dabei in Hannover kurz vor der Abreise in die USA ein grandioser 2:0-Erfolg Der Hammer, so vom Drumherum, war aber das EM-Quali-Spiel am 03. Juni 1995 in Liechtenstein, wo wir ein grandioses 0:0 und somit den ersten Punkt in der Länderspielgeschichte des Alpenkleinstaates erleben durften. Ein Erlebnis der besonderen Art war die Tour aber allemal. Am 06. September 1995 war das Wiener Ernst-Happel-Stadion der Ort einer 1:3-Niederlage gegen Österreich in einem weiteren EM-Quali-Spiel. Peter Stöger hieß der Unhold, der alle drei Treffer der Gastgeber erzielte. Wie von vielen St. Pauli-Spielen gewohnt, waren auch hier die Begleiterscheinungen viel schöner, als das Spiel. Ebenfalls Augenzeuge durfte ich sein, als im Mai 1998 die U 16-Kicker Irlands in Schottland mit einem 2:1 gegen Italien den EM-Titel holten, wie überhaupt die Jugendteams der Football Association of Ireland regelmäßig gute Resultate bei den entsprechenden Europa- oder Weltmeisterschaften holen. Auch wenn alle der für die WM vorgesehenen Kicker auf der Nachbarinsel in einer der oberen zwei Ligen Englands ihr Geld verdienen und einige, wie z.B. Jason McAteer, Gary Breen oder Kevin Kilbane nicht einmal in Irland geboren wurden, die Identifikation mit ihrem Land ist spürbar vorhanden. Irlands Erfolgsweg begann 1987, als ausgerechnet die englische Fußball-Legende Jackie Charlton das Amt des Nationaltrainers übernahm. Dem Weltmeister von 1966 gelang es, sich mit seiner Mannschaft innerhalb von sechs Jahren für zwei Welttitelkämpfe und eine Europameisterschaft zu qualifizieren und zusätzlich Ehrenbürger von Dublin zu werden, was eine noch weitaus größere Leistung für einen Eng-länder ist. Besonders der erste Auftritt vor internationalem Publikum bei der EM 1988 in Deutschland wird unvergessen bleiben, gelang doch in Stuttgart am 12. Juni ein historischer 1:0-Sieg durch den Treffer von Ray Houghton in der 6. Minute gegen England. Christy Moores dazu kreierter Song "Joxer goes to Stuttgart" ist ein immenser Hörgenuss. Die WM 1990 in Italien sollte noch größeren Erfolg bringen. Nach drei Unentschieden in den Gruppenspielen, wieder gegen England, sowie die Niederlande und Ägypten, musste im Achtelfinale ein Elfmeterschießen gegen Rumänien herhalten. Celtics Torwartlegende Packy Bonner hielt gegen Timofte, Irland war unter den letzten Acht, wo Gastgeber Italien nach einer 0:1-Niederlage Endstation war. Vier Jahre später in den USA, dort von Millionen irischen Einwanderern bejubelt, gelang gegen Italien der bisher einzige Sieg in einer WM-Endrunde, wieder mal war Ray Houghton der entscheidende Schütze, gegen Mexico wurde verloren, gegen Norwegen Remis gespielt, schon war das Achtelfinale erreicht. Da war aber dieses Mal Schluss, gegen die Niederlande war nach dem 0:2 der Heimflug angesagt. 1995 dann der Schock, Jackie Charlton gab sein Amt auf. Er sah den Höhenflug der "ersten Generation", wie ich die Spieler, die zum großen Teil nur wegen verschollen geglaubter Urahnen für das irische Team spielberechtigt waren, mal nennen möchte, dem Ende entgegen gehen. Der bereits erwähnte Packie Bonner, den wir ja bei der Glasgow-Tour 1996 die Ehre hatten, kurz kennenzulernen, Paul McGrath, Andy Townsend, Frank Stapleton oder besonders mein Liebling Tony Cascarino, hach, eine schöne Zeit. Zwei der Helden von damals sind ja noch immer im Team, Steve Staunton und Niall Quinn. Auch ManU-Topstar und Mannschaftskapitän Roy Keane, Jason McAteer oder Gary Kelly sind schon länger dabei. Ansonsten besteht der Kader von Jackies Nachfolger und ehemaligem Schützling Mick McCarthy hauptsächlich aus jungen Spielern, die ihre fußballerischen Höhepunkte noch gar nicht erreicht haben. Damien Duff, Matt Holland, Mark Kinsella, David Connolly und ganz besonders Ian Harte und Robbie Keane, das Duo aus Leeds, ergeben eine, auch im Vergleich zum Beginn der 90er, nie gekannte Qualität im irischen Spiel. Das hat sich auch in der Qualifikation zur WM in Fernost gezeigt, konnte doch ungeschlagen und punktgleich mit Gruppensieger Portugal der zweite Tabellenplatz erreicht werden, vor den Niederlanden immerhin, die im entscheidenden Spiel an der Lansdowne Road mit einem 1:0 durch Jason McAteer geschlagen wurden. Aber dann stand wieder einmal die Relegation auf dem Programm und damit hatten die Iren in den Jahren zuvor wahrlich schlechte Erfahrungen gemacht. Bei der EM 1996 mussten die beiden schlechtesten Gruppenzweiten gegeneinander den letzten Startplatz ausspielen, gegen Dauergegner Niederlande setzte es in einem Fast-Heimspiel in Liverpool ein 0:2. Für die WM 1998 waren alle Gruppenzweiten dran, Irland verlor in Belgien knapp mit 1:2, das 1:1 zu Hause reichte nicht. Bei der EM 2000 war das Ganze noch enger, zwei Unentschieden gegen die Türkei bedeuteten trotzdem das Aus, das Auswärtstor der Türken beim 1:1 in Dublin gab den Ausschlag, das Rückspiel blieb torlos. Dieses Mal aber sollte alles gut werden. Der Iran war der Gegner, dem 2:0-Sieg im Hinspiel durch Ian Harte und Robbie Keane konnte auch die 0:1-Niederlage in Teheran nichts mehr anhaben, die Qualifikation für Japan und Südkorea war verdientermaßen geschafft für die derzeitige Nummer 18 auf der wie auch immer berechneten FIFA-Weltrangliste. Und nun? Ein Weiterkommen in der Gruppe E mit Deutschland und Kamerun als am stärksten einzuschätzende Gegner und den großen Unbekannten aus Saudi Arabien sollte allemal drin sein. Ab dem Achtelfinale würde es sicher schwerer, aber durchaus nicht unmöglich werden, noch mehr zu erreichen. Ich bin gespannt!
Thomas |
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