Von Tränen,
Parmesan und
guten Pötten

"Und gehen die Schalker auf die Reise,
wünscht ich mir nur dabei zu sein..."

So heißt es in einem bekannten Lied der Schalker Fans, welches ich und ein weiterer St.Paulianer mit Schalkesympathien sich zu Herzen nahmen, nachdem die Auslosung für das Viertelfinale 1997/98 eine Wiederauflage der triumphalen Vorjahresfinalpartie bescherte.

   Schalke 04-Inter Mailand, ein Haufen Gründe sprachen dafür live, vor Ort diesem Spektakel beizuwohnen.

   Einmal Ronaldo sehen, die Wallfahrt ins legendäre Giuseppe Meazza Stadion, der Länderpunkt Italien usw.

   So fuhr man per Bahn ins Herz des Ruhrgebietes, nachdem man telefonisch über den Schalker Fanladen Busplätze sowie Eintrittskarten für schlappe 120 DM pro Person bestellt hatte. Zugegeben, trotz meiner Masse an Auswärtsspielen und auch Besuchen im Ausland war ich schon nervös, was man denn so bei einer solchen Fahrt mit einem Haufen Schalker zu erwarten hatte. Klar, die Fanladencrew war einem geläufig, aber wenn ich an einige Figuren aus der Nordkurve denke... aber dazu später.

   Um 22.00 Uhr setzte sich der vollbesetzte Bus in Bewegung und wir in der drittletzten Reihe ahnten schon böses, als wir uns umdrehten. Die Schalker Version eines Vollrausch-Mikes in Bestform kotzte relativ kurz nach Abfahrt bereits den Gang voll und wir hatten schon Befürchtungen, den Bus nur schwimmend verlassen zu können aber Dank der besonnenen Art von Roland und Co(Fan-Ini) wurde auch dieses Problem gelöst, und als man morgens um Uhr das Bergpanorama an einer Schweizer Tankstelle genießen durfte, konnte einen nichts mehr erschüttern. Auch nicht das Brüderpärchen mit Schnauzer, "Fußball, Ficken, Alkohol"-Aufnäher in Deutschlandfarben und Transpi "Schalke Fan-Club Lloret de Mar", mit entsprechendem IQ.

   Auf der Fahrt wurde dann noch einmal das historische Rückspiel auf Video geschaut, und um die Gefühlswelt der Schalker um uns herum zu verstehen, muss man wohl Kay Stisis 3:2 mit dem Faktor 10 potenzieren. Der Sitznachbar von uns heulte wie ein Schoßhund: "Ich habe es schon hundert mal gesehen aber es ist jedes mal wieder so schön..." St.Pauli bitte nachmachen.

   In Mailand angekommen ging es per Straba in die Stadt zum Mailänder Dom, dem zentralen Anlaufplatz aller Schalker an diesem Tag. Nach Besichtigung und der obligatorische Kerze, und das als Protestant, entschieden wir uns für einen plan-und ziellosen Stadtrundgang. Da das Bier zu teuer war und wir auf der Hinfahrt dem "Guten Pott" gefrönt hatten, war Beam-Cola für 0,99 DM aus dem Supermarkt der Treibstoff. Leider Gottes unterschätzte man die Wirkung gewaltig und torkelte völlig besoffen durch irgendwelche Straßen und landeten auf Wochenmärkten, Schulhöfen und Bürokantinen. Dort genoss man zwei Teller Spaghetti Bolognese für ca. 5 DM pro Teller und beobachtete recht schockiert die anderen Gäste die mehr Parmesan als Nudeln aßen.

   Der Nachmittag brachte noch etliche Schoten, die jedoch meine persönliche Erinnerung bleiben werden, und demzufolge werde ich nun einen Zeitsprung ins Fußballmekka Italiens machen.

   Nach bestimmt 30 minütigem hochlaufen, wieder runterlaufen, wieder hochgeschickt werden, kurzgefasst völlig planlosen Ordnern, war man endlich auf seinen Plätzen angekommen.

   Ich habe einige Stadien gesehen, war im ausverkauftem Wembley, aber das hier war etwas ganz besonderes. Fahrt hin wenn ihr könnt, ihr werdet es garantiert nicht bereuen. Abgerundet wurde das visuelle Spektakel (Stadion, Bengalos, Riesentranspis) von genialen italienischen Gesängen. Doch auch die ca. 5000-6000 Schalker wussten zu gefallen. Das Spiel tat sein übriges, und auch wenn Ronaldo in der 13 min. das 1:0 erzielte, spielte die Titelverteidiger stark mit. Ich meine alleine 2 Pfostentreffer zu erinnern, und beim Abpfiff ließ das Ergebnis alle Hoffnungen für das Rückspiel offen.

   Vor dem Stadion kaufte man noch ein paar Fanutensilien italienischer Clubs und Ultragruppierungen und war heilfroh, zwischen den etwa 100!!! Bussen den eigenen gefunden zu haben. Mit süßen Träumen von den Eindrücken verschlief man fast die gesamte Rückfahrt.

   Das Rückspiel wurde dann auch noch mal dramatisch. Ein Tor vom heutigen Standard Lüttich-Spieler Michael Goosens in der 94(!) Min. brachte die Verlängerung, in der aber leider der Ausgleich fiel und somit das Aus besiegelte wurde.

   Ich möchte auf diesem Wege dem Schalker Fanladen danken, mir dieses einmalige Erlebnis ermöglicht zu haben, und schließe diesen Text mit der Fortführung des Liedtextes: "Wir sahen kein Land vor langer Zeit, doch das ist längst Vergangenheit..."

Regnar


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