Trotz braun und weiß,
ich geh' immer noch auf Schalke

   Die eigentlich rundum positiven Erfahrungen des letzten Schalke-Tripps im Oktober beim Spiel gegen die Eintracht aus Frankfurt beflügeln mich noch mehr, ein paar Zeilen in dieser Sonderausgabe des ÜS und Schalke Unser zum Besten zu geben.

   Als gebürtigen Westfalen fällt es einem ohnehin schwer, an einem der traditionsreichsten Clubs unseres Landes vorbeizukommen. Erst recht, wenn im jugendlichen Alter der eigene Vater ein vollkommener Borusse ist, denn man will ja gewöhnlich nie so sein, wie sein erstes menschliches Vorbild. Alle Versuche, durch unzählige Besuche im Westfalenstadion mich zu einem Schwarz-Gelben zu trimmen, scheiterten kläglich. Irgendwie habe ich immer zum Gegner gehalten. Meinem ersten Schalkespiel durfte ich dann mit den Jugendfußballern des örtlichen Fußballvereins, organisiert als Weihnachtsfahrt oder ähnliches, am 15. Dezember 1979 im Alter von 13 Jahren beiwohnen. Die legendären "Schaalke, Schaalke" - Rufe der 53.000 Zuschauer im Parkstadion beim 1:0 Erfolg über den HSV hinterließen reichlich Gänsehaut und wohl bleibenden Eindruck.

   Schon vor dieser Zeit (Mitte der Siebziger) entstanden auch meine ersten Sympathien zum FC St. Pauli durch elterliche Besuche in Hamburg und am Millerntor (Remember St. Pauli - Barmbek Uhlenhorst 1974, 3:1). Klar, beeinflusst durch die meisten Schul- und Bolzplatzkollegen, blieb es zunächst bei den Sympathien für Schalke, ohne mich als echten Fan bezeichnen zu können. Ich erinnere mich noch gerne an meinen damaligen Freund zurück, der, wie sein Bruder, Schalke schon im jungen Alter lebte: Zimmer, Kleidung, später Auto - alles blau-weiß. Als dann der FC St. Pauli Ende der Achtziger aus der Versenkung auftauchte und meine Mobilität auch größere Entfernungen für den Besuch von Fußballspielen zuließ, wurden die Weichen für den Beginn einer langen Freundschaft zum FC gestellt, bevor mein Umzug nach Hamburg sein übriges beisteuerte. Zurück blieben viele Schalkebekennende Freunde und Bekannte sowie Gedanken an viele schöne Spiele im ganzen Westen. Kultig waren damals die blau-weißen Auswärtsspiele in der 2. Liga, die fast jedes Auswärtsspiel zum Heimspiel machten (Die kilometerlangen Autokolonnen nach Münster zum Spiel bei den Preußen hatten ihre eigene Aussagekraft).

   Braun-Weiß hin oder her, der Hang zum Königsblau blieb. Noch heute lasse ich mir einige Auswärtsspiele und Besuche "auf Schalke" nicht entgehen. Liegt es an den vielen Gemeinsamkeiten, die beide Clubs miteinander verbinden? Sei es der (schon etwas verblasste) Status des Arbeitervereins, die Leidensfähigkeit der Fans in unzähligen schlechten Jahren, Skandale und Schlagzeilen, unterhaltsame Mitgliederversammlungen, häufig wechselnde Trainer, die Reiselustigkeit der Anhänger und so weiter... Obwohl bei allen Schalke-Besuchen in braun-weiß ein leichtes Unbehagen mitfährt (nicht alle Schalker sind uns wohlgesonnen), verbleiben überwiegend positive Begegnungen im Gedächtnis. Trotzdem hat die Schalker Fan-Initiative noch viel Arbeit vor sich.

   Ich freue mich auf die neue Arena und hoffe gleichzeitig, dass die Schalker Fans und Mitglieder des Vereins ihren Nimbus so weit wie möglich, trotz neuem Umfeld und (geplanten) professionelleren Strukturen, aufrecht erhalten können. Die Nachbarn des BVB/NL sind nach ihrer Entwicklung in den letzten Jahren für eine Verflachung von Fan- und Vereinskultur das beste Beispiel.

   Das heutige Spiel (für mich das (!) Spiel der Saison, es sei denn, es folgt noch ein "Aufstiegsspiel" meines FC) werde ich mit einigen anderen FC`lern in jedem Falle gemeinsam mit unseren Schalker Freunden begehen, zu denen wir kürzlich nette Beziehungen aufbauen konnten, die auch aufrechterhalten werden sollen. Nach anfänglichen, üblichen Frozzeleien (was wollt ihr Rostfarbenen denn hier?) der "Enser- Knappen" und des Schalke-Fan-Clubs "Werl-Büderich" entwickelte sich eine äußerst nette und entspannte Fahrt ins Parkstadion... Ihr werdet unseren Stadtteil schon gründlich kennenlernen!

Mein Tipp: Wie 1996 ein 4:4 nach 90 Minuten und dann... das wär schön....

Gastartikel von CF vom Nachgetreten-Team


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