Glory Days Reloaded – Teil 6

Was bisher geschah: Aufstieg 2010 (sic!), Abriss Haupttribüne 2011 (okayokay), Neubau Haupttribüne 2013 (mal gucken), DFB-Pokalsieg 2013, Champions League Quali (als Fünfter) 2014. Was soll da jetzt noch kommen? Lehnt Euch zurück, jetzt geht es erst richtig los.

Sommer 2014

Während sich die Kaderplanung aufgrund der guten Basis sehr entspannt gestaltet, guckt Fußballeuropa gen Osten, zur EM in Polen und Kasachstan. Ursprünglich sollte die Ukraine das zweite veranstaltende Land sein, aber nachdem der örtliche Jesuitenorden und die Schiedsrichterzunft gemeinsam von sexuellen Mißbrauchsvorwürfen erschüttert worden waren, löste die Regierung sowohl alle Religionen als auch alle Sportarten auf und schenkte jedem Bürger eine Wii. Auf der könne man schließlich auch beten und Sport treiben. Die UEFA wollte zunächst an der Ukraine festhalten, aber nachdem Michel Platini auf einer Pressekonferenz ein Wii-Balance-Board an den Kopf geschmettert bekam, suchte man nach einem Ausweichland. Und da in Kasachstan die Wii verboten ist, bot sich das ja quasi an. Staatspräsident Nursultan Nasarbajew sagte in der offiziellen Stellungnahme jedenfalls: „Wii are very proud!“ Der deutsche Außenminister Öttinger schickte sofort ein Glückwunschtelegramm: „Ey, this is so fantastic for all the Kasisachisistianian peoples, I hope you have a little bit lucky. And to Mr Nasarbajew: All best for the next legislation-menstruation!”

Die internationalen Scouts jedenfalls flogen nun immer brav zwischen beiden Ländern hin und her. Bei der deutschen Nationalmannschaft waren mit Deniz Naki, Dennis Daube, Benedikt Pliquett, Max Kruse, Richard Sukuta-Pasu und Ralph Gunesch immerhin sieben St.Paulianer im Kader. Timo Schultz war nur deswegen nicht dabei, weil er im letzten Qualifikationsspiel die zehnte Gelbe Karte gesehen hatte (im zehnten Spiel) und somit im ersten Spiel gesperrt war. Bundestrainer Lattek dazu: „Der Timo soll sich mal einen entspannten Sommer gönnen, für die WM in Brasilien plane ich ihn fest ein!“Mit „Mann von Heidi“ (formerly known as Christiano Ronaldo, siehe ÜS 96+97) war im portugiesischen Team noch ein weiterer Kiezkicker vertreten. Nach Niederlagen gegen die Faröer, die Schweiz und Irland scheidet das Team allerdings sang- und klaglos aus, das Public Viewing im Volkspark gerät zum finanziellen Desaster. Bürgermeister von Beust: „Die Entscheidung für den Umzug vom Heiligengeistfeld in die Walachei muss sicher sorgfältig überprüft werden. Wir werden dazu auch alle zwölf Besucher einladen, die das Finale live gesehen haben. Wir hatten gedacht, dass Kasachstan und Walachei irgendwie gut zusammenpasst.“

August 2014

Die Sommerpause endet mit der ersten Pokalrunde, der FC St.Pauli scheidet standesgemäß nach Elfmeterschießen beim SV Bonlanden in Baden-Württemberg aus. Der hsv verliert beim Regionalligisten Hertha BSC, sofort wird die Entlassung des gerade verpflichteten Trainers Dick Advocaat gefordert, zumal dieser 14 Holländer einsetzte. Der Stellinger Fanclub „Hamburg is Oranje“ löst sich gleich wieder auf.

September 2014

Am 6.Spieltag soll mal wieder an einem Derbysieg gearbeitet werden. Während St.Pauli mit zwei Heimsiegen und drei Auswärtsunentschieden sehr gut gestartet ist, herrscht in der Walachei nackte Panik. Fünf Niederlagen zu Beginn, im Pokal schon raus, durch Dick Advocaats Arbeitsvertrag peitscht ein eisiger Wind. Nächste spektakuläre Aktion: Er lässt die bekannte „In der Bundesliga seit:“-Uhr in der „Dixie-Klo-Arena“ abbauen. Zitat: „Die Dinos sind doch alle tot, diese Uhr hemmt meine Jungs!“ Doch vor dem Derby sorgt derartiges natürlich für schlechte Stimmung, „Popptown“ und „Chosen Few“ sprechen daher einen 90minütigen Support-Boykott für das Spiel am Millerntor aus. Nachdem Advocaat in der Mopo dann noch mit „Ob die boykottieren oder nicht, die hört man ja eh nie, außer wenn sie die Schnauze voll haben!“ zitiert wird, muss der Verein handeln und Uwe Seeler wird neuer Trainer. Eingangsstatement: „Wir können die Klasse auch dann noch halten, wenn wir bei diesem sympathischen Jungs von St.Pauli verlieren. Meine Frau hat es ganz genau ausgerechnet!“ Was kurze Zeit später zu beweisen wäre, denn durch Tore von Hennings und Gunesch gewinnt der FC St.Pauli erstmals seit dem 03.09.1977 wieder ein Pflichtspiel gegen den hsv. Mehrere hsv-Spieler werden dann in der Nacht verhaftet, nachdem sie „In Hamburch gibbs nua ein Va’ain, Effceeh Sand Bauli!“ singend und ohne Hosen über die A7 getorkelt waren. Kommentar UnsUwe: „Nun seid mal nicht zu streng zu den Jungs, hab ich in meiner Jugend auch gemacht.“

Oktober 2014

Die erste Champions League Saison lässt sich für den FC St.Pauli gut an. Die UEFA hatte das undurchsichtige Regelwerk (siehe ÜS 97) wieder korrigiert und war zur normalen einfachen Gruppenhase zurückgekehrt. In einer Gruppe mit Juve, Bröndby und West Ham zählt man nicht unbedingt zu den Favoriten, aber es hätte schlimmer kommen können. Trainer Stanislawski nach der Auslosung: „Egal, das sind für uns allesamt Bonusspiele!“ Prompt gehen die ersten drei Spiele verloren, auch die mitgereisten 10.000 St.Paulianer in Turin und die 20.000 in Kopenhagen (davon 16.000 ohne Karte) können an den knappen Niederlagen nichts ändern.

Auf der JHV verkündet Corny Littmann den Abriss der Gegengeraden für die Winterpause.

November 2014

Nach einer „Eins, zwei, drei, die Bonusspiele sind vorbei!“ – Choreo läuft es nun auch in der CL besser. Am letzten Spieltag reisen 30.000 St.Paulianer nach London, wo West Ham bekanntlich seine Heimspiele schon seit zwei Jahren im Olympiastadion austrägt. Sie feiern einen 2:1 Erfolg in letzter Sekunde durch Nils Pichinot, der das Weiterkommen sichert.

Winter 2014

Der FC St.Pauli liegt nach 17 Spieltagen punktgleich mit dem FC Bayern an der Tabellenspitze, gefolgt von Fortuna Düsseldorf und dem SV Werder. Der hsv hat sich nicht nur von UnsUwe sondern inzwischen auch von Willi Reimann, Jürgen Klinsmann und Franz Beckenbauer getrennt, liegt aber mit null Punkten hoffnungslos am Tabellenende… punktgleich mit Frankfurt und Kaiserslautern, die zwar jeweils gegen den hsv gewonnen hatten und gegeneinander unentschieden gespielt hatten, aber beide vier Punkte abgezogen bekommen haben. Der 1.FC Kaiserslautern hat inzwischen 486 Millionen Euro Schulden, die Frankfurter Eintracht hingegen wird für eine Vielzahl von Fehlinformationen beim Lizenzantrag derart „hart“ bestraft, u.a. hatte man ein Schweizer Bankkonto als Sicherheit angegeben, welches gar nicht existierte. Während sich die Frankfurter in Schweigen hüllen, erklärt Lauterns Präsident Stefan Kuntz: „Das ist ein Schock für uns, wir sind doch die Region, uns darf man doch eigentlich gar nicht bestrafen! Wenn das der Fritz Walter wüsste…“ Ist klar Stefan, unser Beileid.

Februar 2015

Im Achtelfinale der Champions League wartet mit Manchester United ein echter Knaller. Im Old Trafford warten 160.000 Fans (darunter 20.000 St.Paulianer, die nur Karten bekamen wenn mindestens drei Familienmitglieder seit 19 Jahren und 10 Monaten Vereinsmitglieder sind) auf einen packenden Schlagabtausch. Stani macht das Team in der Kabine so richtig heiß („Mädels, das ist ein Bonusspiel, geht’s raus und spuit’s Fußball!!“) und nach der 8:0 Klatsche weiß man zumindest, woran man noch arbeiten muss.

März 2015

Das Rückspiel beim hsv wird zur erwartet heißen Kiste. Nachdem Peter Neururer die Vorstädter im Januar übernahm (Präsident Hoffmann: „Wir sind so hoffnungslos, schlimmer kann es mit dem Peter auch nicht mehr werden!“) und dieser die Bundesliga-Uhr wieder einbauen ließ, holte man fünf Siege in Folge und konnte den Relegationsplatz zumindest in der Ferne wieder erkennen. In den ersten drei Minuten schickt Schiri Wingenbach erst nach Rudelbildung Pliquett und Trochowski vom Platz und nach der nächsten Szene fliegt Ralph Gunesch wegen absichtlicher Blutgrätsche. David Jarolim muss am Hals mit 12 Stichen genäht werden. Wegen Schwalbe und Meckern fliegt der St.Paulianer Podolski nach einer Viertelstunde und kurz vor der Pause ereilt es auch Timo Schultz, der nach einem bösen Foul am gegnerischen Strafraum ebenfalls glatt rot sieht. St.Pauli also nur noch zu siebt, Stani wechselt (nach dem erzwungenen Torwartwechsel) in der Pause zum zweiten und dritten Mal. Coach Neururer greift tief in die Trickkiste: Bei weniger als sieben Spielern einer Mannschaft kann der Schiedsrichter das Spiel abbrechen und Peter erklärt dies seinen Jungs und lässt Raum für Kreativität. Nach fünf Minuten sind zwei Spieler der braun-weißen schwer verletzt und Stani will schon das Handtuch werfen, als Bubu Bubke von der Tribüne hinunterbrüllt und die Verletzten Spieler (Meier und Müller) zum weitermachen kreischt. Beide krabbeln also in den eigenen Fünfmeterraum, wo sie fortan einfach im Weg liegen bleiben. Zehn gegen Fünf… aber in der Nachspielzeit wird Nils Pichinot nach einem Alleingang (viel mehr blieb ihm ja auch nicht übrig) übel gefoult und „Mann von Heidi“ dengelt den Freistoss aus 45 Metern direkt in den Winkel! 1:0 für braun-weiß, Abpfiff. Sowohl „Mann von Heidi“ als auch Ersatzkeeper Schenk werden auf den Schultern vom restlichen Team bis ans Millerntor getragen, während die Stimmung rund um die „Dixie-Klo-Arena“ so richtig scheiße ist.

April 2015

Per Pressemitteilung gibt Präsident Corny Littmann den Abriss der Gegengeraden nach dem letzten Heimspiel der Saison bekannt.

Mai 2015

Das unglaubliche naht: Während der FC St.Pauli das Saisonende auf Platz 3 erreicht, gehen am Volkspark die Lichter aus. Am vorletzten Spieltag wird durch eine 1:0 Niederlage in Düsseldorf der erstmalige Abstieg besiegelt. Auf ebay startet der hsv eine Auktion, bei der das Ausschalten der Bundesliga-Uhr ersteigert werden darf. Für 19,10€ bekommt „Der Übersteiger“ den Zuschlag, Marinus Bester stöhnt nur: „Ach, die schon wieder.“ In der nächsten Saison spielt der FC St.Pauli also wieder in der Champions League, der hsv hingegen in Herzlake, Goslar, und Lautern, in der zweiten Liga.

// Frodo

Wie geht es weiter? Wann gibt es nach dem Pokalsieg den nächsten nationalen (oder gar internationalen?) Titel? Was machen die Stadionpläne? Wie läuft die WM in Brasilien? Die beiden kreativsten Ideen, die sich auch in die Geschichte einbauen lassen, werden im ÜS 99 veröffentlicht und darüber hinaus mit je einer CD „MazelTov“ von TALCO belohnt. Vorschläge per e-mail bitte an frodo@uebersteiger.de oder per Post an die Redaktion.


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