Hoffenheim als Vorbild für Neonazis?

   Fußball kommt zurück – zu den Fans. Mit diesem Slogan wirbt die Initiative „Dein deutscher Fußballverein“ im Internet und per Aufkleber um Unterstützung. Für einen Jahresbeitrag von knapp unter 50 Euro können Fans Anteile an einem Fußballclub erwerben und endlich erfolgreich gegen die Kommerzialisierung und den vollständigen Ausverkauf vorgehen – so das Versprechen. In der Realität handelt es sich um ein Projekt eines Bremer Neonazis, der damit versucht, bei Fußballfans gut anzukommen.

Mitten durch die Mitte stürmen

   Neonazis haben es nicht wirklich leicht heutzutage. Überall wird Ihnen vorgehalten, wie brutal, dämlich und rückständig ihre Weltsicht eigentlich ist. Sie sind vollkommen out. Besonders im Profi-Fußball, der schon immer Menschen global miteinander verband und Schranken abbaute. Von elf Spielern auf dem Feld kommen mittlerweile die wenigstens aus der Stadt des Vereins und viele aus einem anderen Land. Schon doof, wenn man dann so viel Wert auf Herkunft, Hautfarbe und Volkszugehörigkeit legt.
Da Fußball aber immer populärer wird, geben die Neonazis den Ball nicht so einfach verloren. Unter einem Deckmantel versuchen sie, ihre Ideologien zu verbreiten und mitten in der Gesellschaft anzukommen. Was mit Zahlencodes und rechten Klamottenmarken anfing, zeigt sich nun in eigenen Initiativen, mit denen die Rechten die kritischen Rufe engagierter Fans aufgreifen und für ihre Zwecke missbrauchen. Eine dieser Initiativen ist „Dein deutscher Fußballverein“. Unabhängig von internationalen Spekulanten sollen Fans eine Chance auf ihren eigenen Verein haben und „auf der längsten Trainerbank der Welt“ platznehmen. Das Ganze kostet nur 49,95 Euro im Jahr und alle Entscheidungen des Vereins werden demokratisch gefällt. So verspricht es die Internetseite. Zustände wie im Fanparadies könnte meinen, wer nicht weiter liest.

“Gegen Multi-Kulti-Aktionismus“

   Ein norddeutscher Verein ist das Ziel einer feindlichen Übernahme durch die Initiative. Bremer SV, VfL Oldenburg, Atlas Delmenhorst und der FC Bremerhaven werden als potentielle Kandidaten aufgeführt. Einen der genannten Vereine wollen die Initiatoren übernehmen und nach dem Vorbild Hoffenheim in die 1. Bundesliga führen. Doch ganz so wie bei der badischen TSG soll es dann doch nicht ablaufen. Herr Rangnick hat nämlich zu wenig deutsche – oder besser arische – Spieler in seinen Reihen. Es könne nicht angehen, dass Spieler aus anderen Ländern für große Summen eingekauft werden und gleichzeitig angeblich deutsche Talente in den hinteren Reihen versauern.
Solche Zustände würde die Initiative gerne durch eine gezielte Förderung junger deutscher Talente aus der Region fördern. „Mein deutscher Fußballclub“ betrachtet diese Maßnahme übrigens als „ganz im traditionellen Stil der erfolgreichen 60er und 70er Bundesligajahre“. Damit will die Initiative ein deutliches Zeichen setzen und sie beschreibt auch genau, in welche Richtung dieses Zeichen geht: „Wir setzen damit ganz bewusst ein richtungsweisendes Signal gegen den derzeit vorhandenen Multi-Kulti-Aktionismus im Sport“. Nebenbei wird auch noch über das Thor-Steinar-Verbot im Weserstadion geschimpft und über angeblich unberechtigte Stadionverbote hergezogen.

Post vom Innenminister

   Soviel Volkstümelei und rechtes Geschwätz weckt das Interesse daran, wer denn genau hinter „Mein deutscher Fußballverein“ steckt und da bietet die Bremer Antifa eine ganze Menge Informationen. Die beiden Hauptinitiatoren sehen sich als langjährige Werder-Fans geradezu dazu prädestiniert, dieses Vorhaben auch umzusetzen. Der eine heißt Thomas Staab und ist Rechtsanwalt, der andere heißt Thorsten Schibblock ist selbstständiger Kfz-Meister und seit 30 Jahren Mitglied im ältesten Werder-Fanclub „Hermansburg“, der besonders durch die Verwendung des Eisernen Kreuzes und die SS-Rune im Namen auffiel. Bei Schibblock gibt es keinen Zweifel, welches Gedankengut der Mann nun in die Fußballwelt tragen möchte. Er ist seit den 80er Jahren in der Bremer Neonazi-Szene aktiv und war bis 1992 stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Front. Sein Amt endete mit der Verbotsverfügung des Bundesinnenministers für die Nationale Front, die ihm zugestellt und ausgehändigt wurde. Mittlerweile ist er in der Bremer NPD aktiv und seine beiden jugendlichen Söhne zeigen gerne Flagge bei NPD-Demonstrationen und toben sich bei den „Freien Nationalisten Bremen“ aus.

Fußballfans sind manchmal Verbrecher

   Es ist nicht schwer vorauszusagen, dass dieses Projekt kaum gelingen wird. Sicherlich wird es ein paar Hohlköpfe geben, die aus ideologischer Sicht einen Fuffi im Jahr auf den Tisch legen und vielleicht wird auch der ein oder andere Fan auf diese Initiative hereinfallen, ohne die Hintergründe zu kennen. Die Übernahme eines Vereins erscheint jedoch als sehr unwahrscheinlich. Glücklicherweise wird es schwierig sein, Spieler zu rekrutieren für einen „FC Arier“ und auch die Spiele könnten wohl kaum ungestört durchgeführt werden.
Es wird aber mehr als deutlich, dass Neonazis weiterhin versuchen, im Fußball Fuß zu fassen. Sie greifen Anliegen und Slogans der aktiven Fanszene auf und versuchen, diese für sich zu vereinnahmen. Mehr denn je gilt es für Fußballfans genau hinzusehen, wer da eigentlich gerade so tut, als würde er ihre Interessen vertreten.

Mathes

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