Player's Corner mit Alexander Ludwig:

Das K-Wort

   Vor kurzem kam die Anfrage, ob ich einen Beitrag für die Players Corner schreibe. „Klar, warum denn nicht?!“, war meine spontane Antwort. Nun sitz ich hier, überlege, welches Thema ich den Lesern auf interessante Weise anbiete. Schwieriger als gedacht. Schreibe ich über meine Karriere, warum ich mich für den Fußball und gegen den Beruf des Erziehers (ja, ihr lest richtig, Kinder beim Großwerden zu begleiten wäre meine Alternative gewesen) entschieden habe? Oder erörtere ich die politische Situation in den USA? Doch meine Meinung über den Wahlkampf zwischen McCain und Obama bzw. das Wahlergebnis würde gerade mal für fünf Zeilen reichen. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Rückblick auf die vergangenen Wochen meines Lebens. Angefangen bei einer ziemlich unangenehmen Zahn-OP, über meinen Kapitäns-Status bei der Partie gegen den FC Augsburg, bis hin zu allem Möglichen, was sonst so los war. Doch auch dies würde keine Seite füllen. Ist mein Leben so langweilig? Nein. Aber ich möchte auch ungern über Nebensächlichkeiten erzählen.

   Also fange ich von vorne an und gehe in mich. „Was hat die Fans in letzter Zeit bewegt?“ Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: unsere vermeintliche Auswärtsschwäche. Oder Krise. Oder was auch immer.

   Nein, wir stecken meiner Meinung nach nicht in dieser so oft betitelten Krise. Okay, wir haben gerade gewonnen, also scheint dies nun leicht gesagt zu sein. Aber nein, auch vorher habe ich keine – ich kürz das Wort nun nur noch ab – K. erkennen können. Wie lautet die Definition von K. eigentlich? Egal. Für mich wäre sie vorhanden, wenn wir ein Spiel nach dem anderen verlieren würden. Oder nur schlecht spielen würden. Aber das tun wir nicht. Wir gewinnen, wir liefern gute Spiele ab und mussten noch nicht in die untere Tabellenregion wandern. Außerdem waren wir in der letzten Saison schon einmal in einer ähnlichen Situation. Die Spiele gegen Jena und Wehen Wiesbaden haben wir gewonnen, dazwischen gab es eine Auswärtspartie nach der anderen, von der wir mit maximal einem Punkt nach Hause gefahren sind. Doch momentan scheint es Mode zu sein, uns eine K. zuzuschreiben. Das Boot, oder Pferd, kann anscheinend gar nicht groß genug sein. Natürlich ist es Fakt, dass wir sechs Monate lang die Punkte auf fremden Plätzen liegen ließen. Aber diese Tatsache muss nicht von jedem öffentlich psychoanalysiert werden.

   Ich gehöre nicht zu den Leuten, die viel Zeitung lesen. Bezogen auf die FC St. Pauli-Sportteile, versteht sich. Ich möchte mir von niemandem einreden lassen, die Mannschaft – und somit auch ich – sei schlecht, zu blöd zum Siegen, oder was auch immer. Wir sind die, die auf dem Platz stehen und alles geben müssen, darum sollten wir uns auch von außen nicht zu sehr beeinflussen lassen. Natürlich, das möchte ich gar nicht abstreiten, tragen auch wir Spieler den benannten Fakt unterbewusst mit uns rum. Doch in den entscheidenden 90 Minuten darf dieses Unterbewusstsein keine Rolle spielen. Da geht es, so banal dies klingen mag, um das runde Leder – und nicht um schwarze Zeilen auf weißem Papier.

Apropos Papier, wer hätte bitte, ganz im Ernst, damit gerechnet, dass wir in Duisburg gewinnen? Bei einer Mannschaft, die bis dato genauso heimstark war wie wir. Vom Papier her waren die drei Punkte also dem MSV zugeschrieben. Tja, auch der Fußball hat seine eigenen Gesetze. Wir zeigten vom fußballerischen – und darum geht es ja an sich – eins unserer schlechtesten Spiele, nahmen die Punkte aber dennoch mit. So kann es gehen.

Nun haben wir daheim gegen Nürnberg – glücklich – mit 1:0 gewonnen. Das Papier hatte demnach mal wieder Recht. Doch traut man diesem, oder bisherigen Statistiken, wäre dann in Freiburg die K. nicht wieder da? Vielleicht läuft es ja auch anders und wir starten nun eine erfolgreiche Auswärtsserie und müssen daheim bald die ersten Punkte lassen. Wer weiß das schon. Ich zumindest nicht. Und ey, Spekulationen tauchen von meiner Seite aus auf diesem Blatt Papier garantiert nicht auf. Ich glaube an meine Mannschaft, nicht an das, was geschrieben wird. Fußball ist Leidenschaft – und schreibt seine eigenen Geschichten…

Alexander Ludwig

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