Neue Strukturen, neue Ziele:
Frauen- und Mädchenfußball
im FC St. Pauli

Mit der Abteilungsleiterin Inga Waßmuß, die seit zweieinhalb Jahren der Frauen- und Mädchenfußballabteilung vorsteht, traf sich der Übersteiger, um Neuigkeiten zu positiven Entwicklungen innerhalb des Abteilungslebens zu erfahren. So stehen vor allem die strukturellen Neuerungen im Vordergrund, die nun den Abteilungs- und Trainingsalltag bestimmen.

   Es ist erfreulich, Fussballfrauendass die Mädchen- und Frauenteams im FC immer zahlreicher werden und ein positiver Wachstumstrend zu verzeichnen ist. Seit einigen Jahren schnüren 2 Damenteams jedes Wochenende ihre Schuhe, um sich im Punktspielbetrieb mit anderen Teams zu messen. Die positive Entwicklung, die nicht von alleine geschieht, sondern auf gewachsenen Strukturen und die Art und Weise zurückzuführen ist, mit der die Verantwortlichen kontinuierliche Arbeit an der Sache leisten. Im Jugendbereich gibt es nun schon drei Teams. Neu hinzugekommen zum bekannten B-Team ist in der Saison 07/08 ein C-Jugendteam, das ebenfalls am regulären Spielbetrieb teilnimmt. Ein neues A-Jugend-Ligateam, welches in der nun endlich eingerichteten A-Jugendspielklasse des Hamburger Fußballverbands startet, stellt den Nachwuchs für die Frauenteams. Wenn man sich überlegt, wie lange schon erfolgreich Frauenfußball gespielt wird, ist es doch verwunderlich, dass erst seit der aktuellen Saison ein regulärer Spielbetrieb für Mädchen im unmittelbaren Nachwuchsbereich von Seiten des Verbandes vorgesehen ist.

Das neue Selbstverständnis

   Die Abteilungsmitglieder handelten in einem internen basis demokratischen Prozess ein neues „Selbstverständnis“ aus, das die Weichen im sportlichen Bereich neu stellt, da auf Grund der gesteigerten Anforderungen der Nachwuchsarbeit akuter Handlungsbedarf bestand. Nebenbei wurden dann auch Grundwerte, Handlungs-, Entscheidungs-prinzipien und Handlungsmaximen diskutiert und diese formal festgeschrieben. Als Basis ist nun der breitensportliche Grundgedanke aller Aktivitäten besonders in der Jugendförderung verankert. Dieser markiert wohl den gravierendsten Unterschied zur männlichen Jugendfußball abteilung. Darüber hinaus hält das sportliche Leistungsprinzip Einzug in den höherklassig orientierten Spielbetrieb des 1. Damenteams. So spielt dieses Team nun mit der eindeutigen Vorgabe, den Aufstieg aus der Bezirks- in die Landesliga zu erreichen. Ein hohes sportliches Ziel, da doch nur der Tabellenerste aufsteigt. Schaut man sich das Bild der Tabelle an (Stand 20.10.08), scheint es doch nicht ganz unrealistisch zu sein, die eigenen Ziele zu erreichen. Nach absolvierten 4 Spielen führen die Damen souverän die Tabelle an. Vier Siege, 15 geschossene Buden, bisher kein Gegentor, also wenn das kein gelungener Saisonstart ist! Allerdings wird sich wohl noch zeigen müssen, ob diese Konstanz angesichts des relativ kleinen Kaders, der beruflichen Doppelbelastung einiger Spielerinnen und familienplanerischer Zwangspausen über die Saison durchgehalten werden kann. Ein anderes sportliches Highlight der Saison sollte der Pokalauftritt gegen den Verbandsligisten Eilbek werden. Das wurde es dann auch: So unterlag das Team in der 2. Runde durch ein denkbar knappes 2:1 und verpasste nur um haaresbreite eine kleine Sensation.

Soziales Engagement und Solidarität

   Einhergehend mit den vielen Neuerungen ist im Bereich der Betreuung und des Trainings ein neues Team am Start. So setzen sich die Funktionsteams im Mädchenbereich nun jeweils aus TrainerInnen und Betreuerinnen zusammen, wobei auch hier noch zu bemängeln wäre, dass immer noch überwiegend männliche Trainer das sportliche Sagen haben. Die Zeit, dass Trainerinnen Einzug auf die Trainerbänke in allen Klassen halten, ist wohl noch nicht komplett angebrochen. Erfreulich hingegen ist es, dass doch fast alle Betreuerinnen weiblich sind. Auch ist die Funktion einer Jugendwartin geschaffen und neu besetzt worden, die sich nun um die vielschichtigen Belange der Mädchen kümmert.

   Als beeindruckendster Aspekt des Selbstverständnisses erscheint jedoch jenseits des sportlichen Wirkens die feministische, sozial engagierte und solidarische Grundhaltung, die sich bewusst von diskriminierenden Benachteiligungen aufgrund ethnischer und sozialer Herkunft distanziert und unter Einhaltung ihrer Prinzipien zur selbstverantwortlichen Gleichstellung der Aktiven untereinander beiträgt. So soll es jedem Mädchen und jeder Frau offen stehen beim FC St. Pauli Fußball zu spielen, unabhängig vom fußballerischen Können, von körperlichen Voraussetzungen oder dem Geldbeutel der Eltern. Dies zeigt sich dann auch in der Zusammensetzung der Mädchenteams, die ein breites Einzugsgebiet aus vielen Hamburger Stadtteilen aufweisen und ein breites gesellschaftliches Spektrum abbilden. Hier wird erfolgreich versucht, den sozialen Aspekten der Arbeit mit jungen Mädchen gerecht zu werden – soweit Fußball dazu in der Lage ist. Klar ist dabei leider, dass auch die Frauen- und Mädchenteams auf räumliche und bauliche Grenzen der Trainingsplätze an der Feldstraße stoßen. So trainieren alle 5 Teams jeweils Mo. und Mi. auf dem Grandplatz. Zum Umziehen und für die Lagerung des Materials haben sie dazu nur den Platz in einem Container von 12qm, da wird’s denn schon mal ziemlich eng. Weiter verkomplizierend wirkt immer noch die Situation aufgrund des Stadion Um- bzw. Neubaus des Funktionsgebäudes. Erfreulich ist hingegen, dass aufgrund der finanziellen Unterstützung durch die AFM ein mehr an planerischer Sicherheit gewährleistet ist. So war es erstmals möglich einen soliden Etatplan für die laufende Saison aufzustellen. Dass dadurch auch die Arbeit der Abteilungsleitung erleichtert wird, ist ein weiterer positiver Effekt, der letztlich den aktiven Sportlerinnen zugutekommt.

// JanEcke

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