Ein langer, grauer Sommer?

Ganz im Zeichen der Eventisierung des gemeinschaftlichen Zusammenlebens mogeln sich die Regentage dieser Monate durch bis auf die Unterwäsche der Seele. Es ist kalt und naß. Hier und da prägen Baustellen das Bild im Stadtviertel. Man nennt so etwas Gentrification, oder die Verdrängung von alt hergebrachten Strukturen über die Steigerung der Mietzinsen. Gute Geschäfte für gute Menschen, mit gewinnstrebenden Verhalten.

Der länderübergreifende Fußballevent der uefa, die unsäglichen Spiele im Zeichen eines menschenverachtenden Regimes, die Propaganda der fünf Ringe sind nun vorerst passe. Und endlich wieder bezahlter Profifußball, der rein sportlich betrachtet noch etwas holperig und rotfarbig daher kommt. Aber es wird schon noch werden, da sind wir so sicher wie immer. Auch wenn das Pokalaus in Aue einem so richtig auf die Nerven geht.

Gegen diese Tendenz von Verdrängung und Wandel muss man kämpfen. „Der Übersteiger“ tut dieses nun schon im 15. Jahr! Für etwas anders sein, was es immer wieder zu behaupten gilt. Gegen den Wind. Also fast eine ganze Jugend lang, aber Erwachsen sind wir bestimmt noch nicht. Wir haben auch nicht vor aufzugeben, wenn man so hier und da rumschaut in diese Welt könnt man so manches mal kotzen. Aber nur kotzen reicht auch nicht, man soll ja bekannter maßen nicht vergessen zu essen. Geburtstagstorte wäre zu viel gewesen um den ganzen Käse. Aber das muss mal gesagt sein:
Vielen Dank an alle Wegbegleiter, die mit ihrem Einsatz und all der tatkräftigen Unterstützung dabei waren. Die die „Institution“ Übersteiger auch zu dem gemacht haben, was er heute ist. Als Redakteure, Layouter, Strippenzieher, Anzeigenschalter, Kabelaffen, Dauernörgler, Bleistifthalter, Kritiker oder Nestbeschmutzer! Es war schon eine große Leistung über all die Jahre hinweg alles was den Übersteiger ausmacht ehrenamtlich aufrecht zu erhalten! Respekt dafür. Dabei gerne auch mal unbequem sein dürfen und Diskussionen anregen, sich selber auch streiten können.

So legen wir nun mal endlich wieder ein wirklich volles Heft vor, dass die gesamte Angebotspalette einer langen Sommerpause, die gefühlt gar keine war, darstellt. Mit Betrachtungen zum Viertel, vielen Awayberichten, Geschichten aus dem Verein, Neues von den Alten. Wir blicken über den Tellerrand unseres eurozentristischen Weltbildes hinaus nach Afrika und machen uns auf die Reise. In die Schweiz, nach Südamerika, garnieren mit dem Standardprogramm aus Statistik, der ewigen Bilanz, Platten und Buchrezis, Leserbriefen, Kostas Glosse, BuLi-Sonderheft- Vergleich, Nachbetrachtungen zum Antira, ein Inti mit unserem Ex, ein wenig Kritik an der Karten-Tankstelle, und und und. Nur die Playerscorner ist verloren gegangen.

Ein Anliegen dieses Heftes ist uns allen sehr wichtig: Wir möchten mit ein wenig Selbstkritik unser Fanverhalten hinterfragen! Mal einen Anfang wagen und eine Diskussion eröffnen. Das Thema hierzu ist in den letzten 2 Spielzeiten stets weiter in den Vordergrund gerückt und hat sicherlich im Fanspektrum einen ganz anderen Stellenwert und eine verschiedene Bedeutung. Wie gehen wir mit Gewalt in und aus unserer Fanszene um?

Eine schöne und schwere Saison
wie seit 15 Jahren schon
mit eurem Übersteiger!

Copyright by Übersteiger

zurück Titelseite dieser Ausgabe weiter