Mal wieder auf die Omme hauen?"Diesen Beitrag kann man gleich mit der Frage beginnen: wie stehen wir zum Thema Gewalt? Natürlich ist wohl kaum einer grundsätzlich für Gewalt. Aber, und da beginnen mit deren Definition die Probleme von Gewalt. Der Frage danach, wer denn Gewalt ausübt und ausüben darf, wann wer das darf und wann man von der unzulässigen Ausübung von Gewalt reden muss. Wann man von dem legitimen Anwenden des Widerstandsrechts reden sollte, darf oder muss. Wir vom Übersteiger wollten an sich ein Heft zu dem Thema machen und haben es über Wochen hinweg kontrovers diskutiert, nachdem es letzte Saison zu Szenen gekommen war, die längere Zeit aus dem Bereich des Millerntors verschwunden waren, aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir zu keinem Schluss kommen konnten, was wohl auch an oben genannten Definitionsproblemen lag. Gewalt hat es zu allen Zeiten auch im Millerntor-Umfeld gegeben. So gab es einst Münz- oder Cola-Dosen-Würfe, wenn die Bayern zu Besuch kamen (was ja aber nichts mit dem Verhalten der Fans untereinander zu tun hatte). Das war für Uli Hoeneß bereits ein Form der Gewalt, sein Trainer Jupp Heynkes ließ sich nur die Worte vom Hass, Hass, Hass entlocken. Erinnert sei auch an Schlachten im Umfeld des Stadions in den 80ern und 90ern, die zumeist politische Hintergründe hatten und nicht direkt mit Fußball im Zusammenhang standen. Außer dass die Fans des FC St. Pauli schon immer im Umfeld des Vereins politisch agierten, und sie ihren Unmut über politische Entscheidungen auch kollektiv auf der Straße sichtbar demokratisch äußerten. Das leidige Thema Gewalt ...Wir Anhänger vom FC sollten uns allerdings als Vertreter einer geistreichen Fankultur verstehen, die einen respektvollen Umgang mit den Anhängern des Gegners pflegt wo man sich vor und nach dem Spiel (gerade wenn wir die Gastgeber sind) fair und mit Respekt auf der Strasse oder zur dritten Halbzeit in der Kneipe trifft; man muss ja nicht küssend und mit Heiratsversprechen auseinander gehen, aber für ein paar Bier und ein paar Schnacks sollte es allemal reichen. Das erfordert natürlich auch, dass die Anhänger des Gegners sich gleichermaßen verhalten, uns als Gäste in ihrer Stadt betrachten und sich als Gäste in unserer Stadt sehen. Was leider auch nicht immer so ist; wenn einige Vollpfosten meinen, sie müssten ein Fußballspiel für rechtsradikale Agitation nutzen und sich selber gewalttätig verhalten. Das ist grob gesagt hier unerwünscht und sofern die Staatsmacht als Träger des Gewaltmonopols hier nicht entsprechend einschreitet, was sie ja leider häufig nicht entsprechend tut, greift das Widerstandsrecht (ist sicherlich juristisch fragwürdig).Ganz nebenbei sei hier erwähnt, dass Gästefans von der Hamburger Polizei oft sehr gut behandelt werden. Ganz im Gegensatz zur Situationen in anderen Städten, wenn St. Pauli Fans auf reisen sind. Dann kann dem einen oder anderen auch schon mal ein körperlicher Verweis erteilt werden, wenn er dementsprechend sein Gastrecht am Millerntor verwirkt. Wenn so etwas geschehen ist, dann werden solche Aktionen allerdings von den Medien mit ihren Sensationssendern und Revolverblättern im Kampf um die Quote hochgeschaukelt. Der zweifelhafte Versuch, ein Gruselbild von Irren und Unbelehrbaren zu zeichnen, ohne dabei Hintergrundberichte zu erstellen, entsprechend zu recherchieren oder alle Beteiligten zu fragen ist zum Scheitern verurteilt. (einen unrühmlichen Beitrag hatten wir erst bei der guten Tante NDR mit ihrem Beitrag im Hamburger Journal vom 07.12.2006, siehe auch ÜS #82). Mehr davon gibt es dann im Internet zu recherchieren, wenn Suchmaschinen entsprechend bedient werden. Und natürlich, wegen solch unseriöser Berichterstattung machen dann die Herren von Blau-Silber Hamburg aus jedem Spiel ein Sicherheitsspiel und so tun es auch die Herren von Grün-Weiss überall, wenn wir anreisen (s. Paderborn, s. Koblenz, usw.) Aber von sogenannten politischen Diskussionsrunden reden wir jetzt mal nicht, sondern von landläufigen Vorfällen, wie sie sich letzte Saison ereignet haben und verstärkt verbreiten. Im Übersteiger 88 berichteten sowohl Heiko Schlesselmann (S. 7/8) als auch Sven Brux (S. 25/26) von einer neuen und vor allem auch anderen Gewaltbereitschaft im Umfeld des Vereins. So wurden beispielsweise von einigen einheimischen Idioten Flaschen über die Budapester Str. aus in Richtung einiger gröhlender, allerdings harmlos besoffener 1860 Fans geworfen, die ob übertriebenen Alkoholkonsums gesanglich in unterirdischen Dimensionen provozierten. Danach versuchten sich die St. Paulianer im Jolly zu verstecken. Solch Verhalten bringt das Jolly, deren Betreiber und die Verantwortlichen in Mißkredit. Nicht zu verschweigen sind dann die unangenehmen Nebenwirkungen und unnötiger Ärger mit Behörden. Da wurden wieder Flaschen aus Sonderzügen auf Treppenabgänge geworfen, ohne zu wissen, ob wer dort gerade hoch läuft und getroffen wird. So etwas kann man nicht mit 23 stündigen alkoholbedingtem Reisekollaps entschuldigen. Da wurden (abgesehen von den unterirdischen Transparenten) älteren Osnabrücker Fans die Schals geklaut, als sie bei uns zu Gast waren. die Prise Stil der FankulturHaben wir vielleicht auch inzwischen einen Mob, der sich nach den Spielen an geheimen Plätzen zu Schlägereien trifft bekommen wir vielleicht beim FC St. Pauli auch ein Hool-Problem? Wo ist denn der kreative Support mit den guten Ideen nur hin, gerne erinnert man sich doch an die Aktion, in der euch Uwes Fuß mal die Farbe wechselt vor einem Derby. Aber die unterirdischen und niveaulosen Briefkastenbeschmutzungen des Stellinger Fanprojektes sind einfach dümlichster Art und Weise gewesen. Selbst wenn eigene Fans bei Streitigkeiten mal deeskalierend eingreifen ist es vorgekommen, dass dann eigenen Streitschlichter dafür auf die Fresse bekommen haben. Angeblich sei so etwas dann ein Irrtum gewesen, eine schlichte Verwechselung. Ja bitte, geht es denn noch? So etwas muss nicht sein, das Feld sollte man doch den Dummen überlassen. So sind nicht die Sitten verfallen, aber das Niveau einiger Fan Aktionen hat doch stark nachgelassen. Es ist an der Zeit mehr Niveau einzufordern, so dass die geistige Auseinandersetzung mal wieder eine Hochkonjunktur erlebt. Erinnert man sich doch an das gelunge Spruchband vergangener Tage: Lübeck peinlich infantil - wir schenken euch ´ne Prise Stil sollte man heute mal lieber nichts verschenken und an sich selber denken. Nicht, dass sich bei uns auch eine Achse des Blöden breitmacht. So sind es denn auch unsere Ultras (die Freaks mit den Fahnen), die Skinheads (die Tätowierten mit ohne Haare) und die Jungs von UPS (die durchgeknallten Versandexperten der Haupttribüne). Ob nun in Gruppen organisiert oder unorganisierte Fans, oder welche, die sich selbst für Ultra halten aber nicht aktzeptiert sind. Splittergruppen von Fanclubs, die man an den Rändern ansiedeln kann. Alle geben sich immer mal der alten Tradition von Schal und Banner klauen hin, um sich in kleineren Fehden auch gerne auf Provokationen des „Gegner Fans“ einzulassen. Solch Verhaltensweisen erinnern immer gerne an das beleidigte Leberwurstspiel im Kindergarten. Wen wundert da noch die Tatsache, das dann ganz schnell mal einer heult, wenn es dann auf die Fresse gegeben hat. So kann sich dann über die Monate bis zum Rückspiel auch die „Spirale der Gewalt“ hochspielen. In diesem Zusammenhang kann man das Geschehen vor und nach dem Auftritt der Mainzer Fussballcombo erwähnen, deren Ultragruppen sich mit der hiesigen Ultrabewegung hier und da die eine und andere Schlägerei am Millerntorstadion lieferten. Egal wer dabei den ersten Stein geworfen hat, zurückgeworfen wurde jeweils dankbar. Soweit dann unser kleiner Exkurs. Stellt sich die Frage, ob wir diese Anflüge von Gewalt im Umfeld des FC so weiterlaufen lassen sollten, ist das vielleicht nur dem Wechsel der Generationen geschuldet, wo eine neue Altersgruppe von Fans, vorwiegend die jüngeren Stadionbesucher ihr eigenes Ding machen und ihre eigene Party bzw. die Vorstellung vom gelungen Besuch eines Fußballspieles durchziehen. unser aller Meinug ist gefragt!Also, wir stehen wir zum Thema Gewalt? ? nicht nur wir aus der Übersteigerredaktion, sondern jeder einzelne Fan. Das Thema bedarf sicher noch weiterer Einlassungen, Erörterungen und Ergänzungen und jeder ist aufgerufen, seinen Beitrag dazu zu leisten. Wie steht jeder Einzelne zum Thema Gewalt ? müssen wir als Anhänger des FC St. Pauli mit all den guten und schlechten Seiten der Medaille vielleicht wieder mehr aufeinander acht geben und die Dinge, die im Umfeld unseres Stadions auf den Traversen und auch unseres Gästeblocks passieren ansprechen. Wir haben, das geben wir allen zu bedenken, einen guten Ruf zu verlieren. Als Verein und als Fans und es wäre schade darum, wenn der uns abhanden käme, denn das ist vielleicht der letzte selbstbestimmte Rest, der uns noch geblieben ist vom FC St. Pauli. // die ÜS Redaktion |
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