10 Jahre Stahlbad St. Pauli
Ist unser Organisationsleiter auf dem Weg zum Weltpräsidenten?
Vor etwas mehr als 10 Jahren kehrte Sven Brux uns den Rücken zu, verließ Übersteiger und Fanladen, um dort das organisierte Arbeiten zu implementieren, wo dies für alle, die den Verein kannten, eigentlich unmöglich erschien. Jetzt, wo er seine „zehnjährige Ausbildung“ im Verein abgeschlossen hat, wollen wir ihm natürlich zum einen gratulieren, zum anderen aber auch wissen, wie er die ersten 10 Jahre erlebt hat und wie es für ihn im Verein jetzt weitergeht.
Wie entstand Dein Arbeitsverhältnis beim Verein, hast Du Dich beworben?
Nach 8 1/2 Jahren als Fanbeauftragter stellte sich Frustration und Langeweile ein, ähnlich wie bei meinem Nachnachfolger Heiko jetzt. 8-9 Jahre scheinen wohl so eine Art Halbwertzeit zu sein und dann habe ich mich gefragt, na was machst Du nun mit deinem Leben? Deshalb habe ich den damaligen Präsidenten Heinz Weisener um einen Termin gebeten und erzählte ihm, dass ich mir vorstellen könne, im Verein dies und das zu machen, beispielsweise im Bereich der Organisation von Heimspielen. Damals konnte der Ordnungsdienst machen was er wollte, da muss doch jemand vom Verein die Hand drauf haben und bestimmen wo es längst geht, erzählte ich ihm. Viele andere Sachen im organisatorischen Bereich, wie z.B. der Spielablauf, schienen ohne Konzept abzulaufen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Prozentual gesehen, also wie viel Zeit geht drauf für Organisation, für Sicherheit etc.?
Früher war ich auch verantwortlich für das Stadion, -Gelände, Brummerskamp und Kollaustraße, was aber Torsten Vierkant übernommen hat. Wir befinden uns jetzt gerade in einer Phase wo neu strukturiert werden soll. Kann sein, dass ich künftig ganz andere Aufgaben übernehmen werde. Ganz klar ist der Bereich Medien stärker geworden, wo ich mich u.a. um die Akkreditierungen kümmere. Die Anforderungen sind in der 2.Liga gerade durch das Fernsehen wieder gestiegen. Auch generell ist alles viel umfangreicher geworden, die ganze Sicherheitsgeschichte wie Stadionverbotsproblematik und ähnliche Dinge nehmen mehr Raum ein als früher.
„Immerhin macht das kein externer“
War es schwer, den Job als Fanbeauftragter abzugeben?
Ich habe gemerkt dass ich nicht mehr mit dem richtigen Elan dabei war wie 7-8 Jahre zuvor. Da musste etwas Neues kommen und mein Standpunkt ist immer noch, dass das Leute sein sollten die nicht viel älter sind, als die Leute mit denen sie zu arbeiten haben. Natürlich war der Übergang erstmal von Skepsis geprägt, ich wusste ja nicht, wie die Leute das aufnehmen. Aber beim Abschiedsabend, den ich damals gegeben habe kamen schon viele an und sagten „ach, das wird schon. Immerhin macht das kein Externer“. Und das hat sich auch, bis auf wenige Ausnahmen, bis heute so gehalten. Selbst wenn man thematisch mal krass weit auseinander liegt, muss man sich immer noch in die Augen gucken können, auch wenn der Dissens nicht so einfach zu beseitigen geht.
Hast du denn das Gefühl dass sich die Fanszene von dir distanziert hat?
Ähm... Natürlich gibt es das Problem, dass die nachfolgenden Generationen mich in meiner früheren Funktion gar nicht mehr kennen können. Die älteren Leute kennen beide Seiten und gehen damit ganz anders um. Ich höre im Stadion auch immer noch oft hinter vorgehaltener Hand, „ey, das ist doch der Fanbeauftragte von St. Pauli“. Und dann gibt es auch Leute, bei denen ich das Gefühl habe, dass die mich jetzt negativer betrachten. Das hat wohl damit zu tun, dass ich oft kein Blatt vor den Mund nehme, sondern Klartext rede, so wie ich das empfinde. Da habe ich schon manchmal das Gefühl dass man nicht mehr gegrüßt wird und das ist wohl eine Schattenseite, mit der ich leben muss.
Niemals Busfahrer beim HSV?
Kannst du dir deine jetzige Tätigkeit auch in einem anderen Verein vorstellen?
Ich kann mir vorstellen, dass so was funktionieren würde, aber für mich kann ich es mir nicht vorstellen. Dafür ist mein Gesicht zu bekannt. Andere haben damit kein Problem und sind jetzt z.B. Busfahrer beim HSV.
Was hat sich im Verein geändert, seitdem du den Organisationsposten übernommen hast, sowohl positiv als auch negativ?
(überlegt lange) Am Augenscheinlichsten ist, dass einiges jetzt professioneller aussieht und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt ist...
Aber erstmal wurde ja abgebaut als es in die Regionalliga ging...
Das war ja dann 5 Jahre später, genau. Aber in der Anfangsphase waren wir ja nur ganz wenige Leute, mittlerweile sind wir sehr viel mehr, vor allem im Bereich der Vermarktung. Und auch weil die einzelnen Arbeitsbereiche ausgeweitet wurden. Das liegt manchmal aber auch an der Besonderheit des FC St. Pauli. In anderen Vereinen entscheidet ein einzelner Mensch irgendetwas, bei St. Pauli hast Du Dinge mit viel mehr Menschen oder Gremien abzusprechen.

Wie hat sich die aktive Fanszene in diesen Jahren verändert, Stichworte: Stimmung und aktives mitarbeiten (z.B. AgIM)?
USP ist natürlich der augenfälligste Bereich der aktiven Fanszene. Der Zusammenhalt der Fanszene während der Millerntaler-Diskussion hat aber gezeigt, dass die Fans immer noch spontan sehr gekonnt zusammenarbeiten können. Unter welchem Namen oder Deckmantel das Ganze dann läuft ist ja nebensächlich. Oder als die Polizei nach dem Erfurt-Spiel in den Fanladen gegangen ist, hat gezeigt, wie schnell die Szene sich organisiert und auch zusammenhält, vor allem sich auch über szeneinternen Streitigkeiten hinwegsetzt, ist eine sehr positive Eigenschaft der Fanszene. Das macht es zwar für den Verein oft nicht einfach aber das passt schon.
Wie hältst du heute Kontakt zur Fanszene, um die Sicht der Fans im Auge zu behalten?
Ich bin ja seit Anfang an ehrenamtlicher Mitbetreiber vom Jolly Roger, auch durch die Vorstandstätigkeit bei BallKULT. Da finden selbstverständlich viele Gespräche über den Verein am Tresen statt. So erfährt man natürlich schon sehr viel „von der anderen Seite“ und kann Sachen vermitteln oder erklären.
„Das Präsidium handelt autonom und
muss nicht alles mit allen besprechen“
Hat Corny Littmann durch seine Alleingänge und unglücklichen Äußerungen zu einem Polarisieren der Fanszene beigetragen?
Corny Littmann als Mensch eignet sich sehr zur Polarisierung, eben weil er so ist, wie er ist. Ich finde es schade, dass viele Leute ihm nur kritisch gegenüberstehen, aber seine unbestreitbaren Fortschritte, die er durch seine Tätigkeit für den Verein erzielt hat, nicht gesehen werden. Viele sehen diese Fortschritte sehr wohl, andere sind anscheinend sehr nachtragend. Ausschlaggebend waren wohl die 5 Stadionverbote nach dem HSV-Spiel, die Geschichte mit den brennenden Sitzen. Da hat er nach Meinung vieler Fans den Forderungen der Polizei ohne Rücksprache mit den Betroffenen zu schnell nachgegeben, was dann ja aber wieder revidiert werden musste. Das hängt ihm halt u. a. bis heute noch nach.
Wurde die Polarisierung nicht erst durch die Wasserwerferaktion nach dem Chemnitz-Spiel erst richtig angefacht?
In dieser Situation hat er aber eher deeskalierend auf die Fans einwirken wollen. Die Polizei hatte ihn damals gebeten, dass er zur Beruhigung mal das Wort an die Fans richten möge. Dass das in dieser Situation natürlich nicht so gut rüber kommt, sich in den Wasserwerfer zu setzen, hatte er wohl einfach nicht bedacht.
Warum ignoriert das Präsidium regelmäßig Wünsche und Vorstellungen der Fans, um anschließend wieder zurückrudern zu müssen? Sprecht Ihr Euch im Verein nicht ab?
Doch, dass ist schon so, dass wir einmal in der Woche eine Geschäftsstellenrunde haben, wo beispielsweise aus der Vermarktungsecke Vorschläge kommen: „Lass doch mal das und das machen“. Und da haken wir dann schon öfter mal ein und sagen: „Oh Gott, nein, bloß nicht, dann würde dies und das passieren“. Dadurch werden zum Glück schon viele unsinnige Vorschläge ad acta gelegt. Andererseits handelt das Präsidium natürlich autonom und muss nicht alles mit allen absprechen.
„Irgendwo müssen Verein, Vermarktung,
Sponsoren, Fans, usw. einen Kompromiss finden“
Der Millerntaler ist ja nun zum Glück auch erstmal auf Eis gelegt. Im letzten ÜS behauptete Peter Thomsen von FSC, dass sogar mit dem Fanbeauftragten über die Einführung des Millerntalers gesprochen wurde. Meinte er damit Dich?
Ich fürchte, dass er mich meinte. Ich war seinerzeit bei einem Gespräch dabei, als die Idee für den Millerntaler vorgestellt wurde. Er erzählte uns damals von Caterern, die ihren Gewinn durch künstliches Geld gesteigert haben, allein dadurch, dass die Diebstahlsgeschichte wegfällt. Wir haben ihn damals schon darauf aufmerksam gemacht, dass man das am Millerntor nur unter Einhaltung gewisser Voraussetzungen einführen könne. Das heißt eben: Keine längeren Wartezeiten und eben die ganzen Kritiken, die dann ja auch später kamen. Und natürlich muss dann auch noch ein Goodie oben drauf, z.B. bei 10 Bier gibt es eins umsonst oder so ähnlich. Eigentlich all das, wo sie nach der ersten Kritikwelle auch nachgebessert haben. Das war eigentlich auch so vorher verabredet, noch bevor der Flyer rauskam. Der Flyer war mit uns auf jeden Fall nicht abgestimmt und unsere Kritik wurde ja auch nicht angenommen.
Soll denn jetzt nachgebessert werden oder ist die Kuh vom Eis?
Ein eindeutiges Nein hat man bis jetzt ja noch nicht gehört. Auf den Sitzungen an denen ich teilgenommen habe, war der Millerntaler kein Thema mehr. Ich gehe mal davon aus, dass da nichts mehr kommt.
Wie kriegt der Verein trotzdem den Spagat zwischen Kommerz und Andersartigkeit hin?
Wenn ich das wüsste, wäre ich Weltpräsident. Das ist ein Prozess, dem wir uns langsam mal ausführlich stellen müssen, weil wir uns sonst nur von Ärgernis zu Ärgernis hangeln. Mal ist es die Preiserhöhung, dann die Kartenpolitik, der Millerntaler, dann ein Sponsor, der einem nicht gefällt. Mein Bestreben ist jetzt ein Diskurs mit der Fanszene, dass mal ausführlich über die Vermarktungspolitik gesprochen wird, um mal einen Weg für die nächsten Jahre aufzuzeigen. Das hier ist ein absolutes NO GO, das können wir unter Umständen mittragen. Es gibt da halt die Pole „Überhaupt kein Kommerz, notfalls geh ich in die Verbandsliga“ und „Nee, alles machen für den sportlichen Erfolg“. Dazwischen gibt es aber eine riesige Bandbreite. Jetzt müssen wir mal gucken, wo wir in dieser Bandbreite eine wie auch immer geartete Mehrheit finden können. Irgendwo müssen Verein, Vermarktung, Sponsoren, Fans, usw. einen Kompromiss finden, wenn die Überschrift lauten soll „Wir wollen im Profifußball sein“. Dann müssen wir auch mal gemeinsam gucken, wie kann man den Profifußball finanzieren, so dass die Kohle auch sauber und korrekt zu uns passt. Mal sehen, wie man so was anstellt, ohne dass sich alle paar Wochen ein Sponsor, Caterer, das DSF oder die Fanszene geärgert fühlt.
Herr Littmann sagte vor einigen Jahren im Zusammenhang mit den Bambule-Demonstrationen, dass man Politik und Fußball trennen muss. Ist das in unserem Verein überhaupt möglich?
Nein, das ist auch nicht meine Meinung. Für mich gehörte die Politik schon immer mit dazu, da man diese nicht von gesellschaftlich so relevanten Bereichen wie Sport trennen kann. Wenn man im Stadion etwas gegen Nazis ruft, ist es doch hirnverbrannt, zu sagen „Ooh, der Sport muss sauber bleiben, das hat hier nichts zu suchen“.
„Die Prinzipien sind die gleichen.
Ich habe Bock auf Action, suche einen Vorwand, finde ihn auch und beul mich"
Wird Politik heute öfter als Vorwand für gewalttätige Auseinandersetzungen genutzt als noch in den 90er Jahren?
Ich glaube, das Thema ist heute etwas ärger geworden, was verschiedene Deutungsmöglichkeiten lässt. Man könnte sagen, es gibt mehr Auseinandersetzungen auf einer politischen Ebene, weil es mehr „politisch wache“ St. Pauli-Fans gibt, oder man könnte sagen, die sind einfach nur gewaltgeil und nutzen Politik als Vorwand. Ich glaube aber, die Prinzipien sind die gleichen. Ich habe Bock auf Action, suche einen Vorwand, finde ihn auch und beul mich dann halt. Das war in den 80ern und 90ern nicht anders. Das waren immer Wellenbewegungen. In den 90ern wurden mal Fanbusse von Oberhausen angegriffen. Das hatte mit gegen Nazis sein absolut nichts zu tun. Da ging es einfach nur um Action und traf vor allem Unbeteiligte.
Ist das Gewaltpotential bei St. Pauli größer geworden?
Im Großen und Ganzen kaum, auch wenn die Stimmung aggressiver wirkt. Dieses Revierdenken, „das ist mein Stadtteil!“ ist vielleicht etwas extremer als früher. Wenn aber irgendwo im Viertel so’n richtig fetter Nazi einen Backs fängt, interessiert es mich nicht, das interessiert auch die meisten anderen nicht. Mir geht es nur auf den Sack, wenn die Politik auch nur einen klitzekleinen Vorwand liefert, wie zum Beispiel beim Testspiel gegen Hannover. Dem muss man einfach die Solidarität entziehen. Das Jolly Roger beispielsweise sagt ganz klar, wir wollen nicht Rückzugspunkt für diese Action-Fans werden. Wenn die Polizei diese Leute bis ins Jolly verfolgt, werden auch Unbeteiligte mit herein gezogen und das wollen wir nicht. Ferner wollen wir auch nicht, dass Auswärtsfans keine Lust oder Angst haben, hier herein zu kommen. Wir wollen eine Fankneipe für alle sein, auch für Auswärtsfans, solange sie nicht rechtsradikal, sexistisch oder anders scheiße drauf sind.
Merkst Du als Organisationsleiter Unterschiede zwischen alkfreien und alkvollen Spielen?
Ja klar. Ein Freitag Abend-Spiel mit Alkohol vorher und währenddessen ist einfach stimmungsgeladener als ein alkfreies Spiel. An alkfreien Spielen stehen die Leute bis kurz vorm Anpfiff draußen und machen dort ihre „Druckbetankung“. Und mit den Fans, die es dann gerade von der Arbeit zum Stadion schaffen hast Du dann Orga-Probleme an den Einlässen, weil dann alle auf einmal reinwollen. Es gibt aber ein paar Spiele, bei denen ein Alkoholverbot auch Sinn macht. Gerade für die Auswärtsfans, die schon seit etlichen Stunden saufen, da macht es für die auf jeden Fall schon Sinn, mal drei Stunden nicht zu saufen. Mal einen Kaffee trinken und wieder runterkommen, das hat dann auch Auswirkungen auf die Gewaltfrage. Dass Alkohol enthemmt, ist ja unstrittig. Dass ich unter Alkoholeinfluss mehr Blödsinn mache, wenn der Schiri Mist pfeift, ist ja auch klar. Leider wird bei uns immer gleich ¾ des Stadions vom Alkohol ausgesperrt, obwohl es manchmal Sinn machen würde, nur den Gästeblock trockenzulegen. Das mit der schlechteren Stimmung und der finanziellen Einbußen führt natürlich auch zu Wettbewerbsverzerrungen. Je nachdem, ob Du einen harten Einsatzleiter hast und welche Entscheidungen der trifft, geht Dir dadurch ein ganz schöner Batzen vom Etat verloren.
Ende Februar wurden die Stadionverbotsrichtlinien zugunsten der Fans gelockert, nachdem es zwischen Fans und DFB-Präsidium eine Aussprache gegeben hat. Welche Rolle spielten die Vereine bei der Mitgestaltung?
Wir waren schon involviert, wenngleich die meiste Arbeit auf Fanorganisations-Ebene stattgefunden hat. Die Vereine wurden aber erst recht spät mit ins Boot geholt.
Arbeitet Ihr auf Vereinsseite zur Zeit an einem Konzept zur Gewaltprävention rund ums Millerntor?
In Form eines eigenen speziellen Projektes nicht. Halt das, was wir schon seit langem unterstützen. Ein starkes Fanprojekt, gute Jugendarbeit, das über Kiezkick und U16 noch hinausgeht. Da werden die Grundlagen gelegt. Das Wichtigste ist aber einfach, dass man sich regelmäßig mit den Leuten unterhält. Man muss ihnen auch klar machen, dass bestimmte Aktionen dem Verein und auch den anderen Fans schaden, weil beispielsweise dadurch wieder ein alkoholfreies Spiel angeordnet wird oder Fangnetze aufgestellt werden müssen.
„Man wird hier einfach betriebsblind und
sieht das Positive nicht mehr.“
Was geht Dir zur Zeit tierisch auf den Sack und was wünscht Du Dir in den nächsten Jahren?
Können wir das Band erstmal ausmachen? Nee, Spaß beiseite. Auf den Sack gehen mir oft Zuschauer, die meinen, im Stadion die Sau rauslassen zu können, sowohl verbal als auch non verbal. Vom Werfen von Gegenständen, z.B. volle Bierbecher auf ihre eigenen Leute. Jetzt, wo auch mein Sohn öfters mit ins Stadion geht, frage ich mich schon, was kriegt der Junge denn schon mit? An Worten und Taten, wie sich Leute verhalten? Ich will ja kein Etepetete-Familienstadion haben. Aber viele Sachen, die ich höre und sehe sind schon arg grenzwertig. Daraus resultiert aber auch wieder ein positiver Punkt, dass bspw. zum Stichwort Becherwürfe sofort wieder Initiativen aus der Fanszene kommen. Man überlegt, wie können wir das Problem gemeinsam angehen ohne alles auf den Verein abzuschieben. Das ist das Schöne an dieser Fanszene, dass das immer noch Bestand hat. Fahr mal mit der U-Bahn vor einem Fußballspiel durch eine andere Stadt und spiel ein bisschen Mäuschen, dann bist Du froh, wenn Du wieder am Millerntor bist. Man wird hier einfach betriebsblind und sieht das Positive nicht mehr. Man merkt gar nicht mehr, wie anders hier eigentlich alles ist. Das merkt man ganz doll, wenn beispielsweise ausländische Besucher kommen und erzählen, wie toll hier alles ist. Man merkt es aber selber nicht mehr.
Ist die Organisation von Uefa Cup-Spielen für Dich ein Traum?
Ja klar, obwohl ich mir das sehr stressig vorstelle. Ein Spiel mit türkischer Beteiligung habe ich ja schon mal unter Uefa-Richtlinien organisiert. Wie auch Heiko ist es mir als Fanbeauftragter nicht vergönnt gewesen, einmal eine Reise zu einem internationalen Pflichtspiel zu organisieren. Vielleicht in ferner Zukunft ja mal in der jetzigen Funktion.
OK, das war es dann auch schon mit unseren Fragen. Vielend Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Können wir noch ein paar Fotos von Dir am Arbeitsplatz machen?
Muss das sein? Ich hab doch nicht aufgeräumt (Sven lacht und lässt uns dann doch in sein Büro, das in der Stresemannstraße, gucken).

Das Gespräch führten OhneArme und Stemmen
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