Die Suche nach dem Millertaler

Oh, Flensburg, du schöne alte Stadt an der Förde. Es kamen und kommen doch so viele tolle Ideen aus deinem dänischen Herzen. So war es einst im 17. Jhd. der karibische Rum, der dir Ruhm und Ehre in ganz Europa bescherte, und dein Stadtsäckel füllte. Auch der Hochstapler Gerd Postel besser bekannt als Dr. Dr. Clemens Bartholdy sorgte für einigen Wirbel, dein Bier das „Flens“ durch einen gewissen „Brösel“ überregional berühmt und als Bölkstoff zur eigenen Marke erwachsen, ja das waren noch Zeiten, als Beate Uhse zur sexuellen Revolution aufrief. Heute bist du dank des Strukturwandels chronisch Pleite und so klamm, dass beispielsweise deine Sportstätten als Profitcenter „out - gesourced“ worden sind.

    Aber deine subkulturelle Präsenz in der Musikwelt ist doch beachtlich für ein 100.000 Seelennest, der altehrwürdige Fischmob, Ulme, Hallo Kwitten und Turbostaat alles Musiker mit dem Herz auf dem richtigen Fleck. Sportlich gesehen dümpeln deine Fußballclubs so zwischen Verbands- und Amateuroberliga rum, nicht auszudenken, wenn sich Flensburg 08 mal mit dem TSB zusammentun würde, aber Handball ist wohl mehr dein Ding, darfst schon stolz auf deine SG als Außenstelle der dänischen Nationalmannschaft sein!

    Und nun dieses, eine Firma namens „Förde Show Concept“ (FSC) tritt auf der Baustelle Millerntor auf, deren Geschäftsführer und Mitgründer Peter Thomsen schon lange Jahre aus der Firmenzentrale im „Deutschen Haus“ die Geschicke in und um Flensburg und auf diversen Großveranstaltungen und Konzerten Norddeutschlands steuert. Man fackelt nicht lange und erwarb sicherlich über die „Handball-Connection“ der SG- Spielstätte Campushalle, die der Herr Thomsen als Betriebsleiter der „C&E Concert und Event GmbH“ im Auftrag der „Ostseehalle Kiel Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG“ betreibt, die Cateringrechte im Millerntorstadion vom Schweizer Investoren Duo Biert/Schuler. (siehe Artikel im ÜS#85). So heißt es denn auf der firmeneigenen Webside von FSC zur eigenen Unternehmensphilosophie denn auch:

    „Ihr Wunsch ist uns Befehl ... denn zufriedene Kunden sind die Basis unseres Erfolgs. Ein partnerschaftliches Verhältnis zu unseren Kunden ist für uns das A und O einer vertrauensvollen und gut funktionierenden Zusammenarbeit. Besonderen Wert legen wir dabei auf Integrität, Respekt und Verlässlichkeit.“ Das aber scheinen sie bei der Planung und Idee zum „Millerntaler“ schlicht vergessen zu haben, denn Tugenden wie Respekt, Integrität und Verlässlichkeit sehen meinem Betrachten nach anders aus. Von daher machte ein Übersteiger sich auf eine Reise nach Flensburg, um ein Interview zum Thema zu führen, denn beileibe reichten die halbgaren Antworten der verantwortlich Handelnden auf jener AGiM - Infoveranstaltung zur Einführung des Millerntaler am 05.02. im Ballsaal nicht aus.

    So schaffte FSC es geschickt den Fragenkatalog der interessierten Fans zu ignorieren, oder man lauschte langweiligen Statements des teilanwesenden Fan Präsidenten C.L. zum Thema „Wandel der Gesellschaft am Beispiel der ec-Karte, Kredit-Payment-Card und des Handys unter besonderer Berücksichtigung der Fansituation beim 1. FC Köln“ um so vom Hauptthema „Millerntaler“ abzulenken.

    Alles ein Grund, um Herrn Thomsen höchst selbst noch einmal zu befragen, leider waren es widrige Umstände, die dazu führten, dass zugesagte Inti-Termine nicht zu realisieren waren. Wie dem auch sei, das Interview wurde daraufhin per Mail-Kontakt in die Wege geleitet. Über Tugenden braucht man nun gar nicht viel schreiben, besser man hat sie oder zeigt, dass man sie zumindest kennt. Also lieber Geschäftspartner, dein biertrinkender Kunde, der Fan erwartet Besserung von dir, besonders bei solch einschneidenden Maßnahmen wie die Einführung einer höchst umstrittenen Stadionwährung.

    Die hat immer auch eine politische Dimension, das habt ihr schlichtweg vergessen, unterschätzt oder die Verantwortlichen des FC haben euch nicht informiert. Das euch Profis im Profit Bereich das noch passiert, macht euch fast schon wieder sympathisch, Flensburg halt. Aber bitte nicht länger mit Pokerchips, in welcher Form auch immer. Falls ihr mehr Service bietet, und damit euren Gewinn erwirtschaftet, denn Altruismus steht sicher nicht im Vordergrund, sei es euch vergönnt. Habt ja sicherlich einige Investionen in die marode Struktur getätigt, nun wollt ihr auch etwas davon in Form von schwarzen Zahlen wieder sehen. Das geht nur dann okay, wenn Preis und Leistung so stimmen, wie bei der Bahn: HH-Hbf. > FL, FL > Kiel > HH, div. Bus und HVV Tickets, Summe der Kosten: 61,20 Euro ohne Spesen.

Flensburg, verdammt!

JanEcke

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