Kicken ohne GuckenBlindenfußball hört sich wahrscheinlich für alle erstmal merkwürdig an. Wie soll das funktionieren, den Ball über die Linie zu bringen ohne diese zu sehen? Für einen sehenden Menschen scheint das erstmal unmöglich. Natürlich wird Blindenfußball etwas anders gespielt als wir es aus diversen Ligen kennen, doch ist das Regelwerk stark an das Fußball-Regelwerk der FIFA angelehnt. Hier also erstmal ein kleiner Überblick über die wichtigsten Regeln und Unterschiede. Es wird auf einem 38 bis 42 Meter langen und 18 bis 22 Meter breitem Feld gespielt. Die Spieldauer beträgt 2 x 25 Minuten. Die Tore sind 3 x 2 Meter groß. Eine Mannschaft besteht aus 4 vollblinden (Stufe B1) Feldspielern, wobei Unterschiede in der Sehbehinderung durch Augenklappen oder -binden ausgeglichen werden, und einem sehbehinderten oder sehenden Torwart. Deutschland ist das einzige Land in dem auch blinde Frauen Fußball spielen, daher gibt es hier gemischte Mannschaften.Weiter hat eine Mannschaft zwei „Guides“. Das sind zwei Leute die sehen können und hinter dem gegnerischen Tor und an der Seitenlinie aufgestellt sind und Anweisungen aufs Spielfeld rufen können. Die Seitenlinien werden von Banden gebildet, die etwas höher sind als normal. Der Ball ist kleiner und schwerer als der uns bekannte Fußball. In ihm ist mit Rasseln ein Klangsystem verbaut, welches den Spielern ermöglicht den Ball zu orten. Geführt wird der Ball zwischen den beiden Fußinnenseiten um eine bessere Kontrolle zu ermöglichen. Nähert sich ein Abwehrspieler dem Ballführenden ist ein Signalwort zu rufen, um Unfälle zu vermeiden. Es gibt hier ähnlich wie beim Basketball persönliche Fouls. Nach 5 persönlichen Fouls muss der Spieler vom Feld, darf aber durch einen neuen Spieler ersetzt werden. Die Abseitsregel fällt komplett weg. Insgesamt ist das Regelwerk von der International Blind Sports Federation (IBSA) auf 53 Seiten zusammengefasst. In vielen Ländern, wie z.B. Spanien, England oder Brasilien wird schon seit Jahren Blindenfußball gespielt. Dort werden Meisterschaften und Turniere ausgetragen. Mittlerweile wird in 21 Ländern der Blindenfußball organisiert betrieben. In Deutschland ist dieser Sport leider bisher kaum bekannt. Hier wurde man erst mit den Paralympics 2004 in Athen darauf aufmerksam, als es dort als Demonstrationssportart erstmals ausgeübt wurde. Bis in Deutschland dieser Sport organisiert ausgeführt wurde, dauerte es noch bis 2006. Vom 26. bis 27. Mai 2006 fand dann der vom Deutschen Blindenund Sehbehindertenverband (DBSV) und vom Sozialverband Deutschland (SoVD) organisierte International Blind Challenge Cup in Berlin statt. Teilgenommen haben hieran Brasilien (Gold bei den Paralympics), England, Spanien und Frankreich (die drei besten Mannschaften der EM 2005). Sieger wurde Spanien, die im Finale Brasilien mit 1:0 schlugen. Vor dem Turnier gab es einen viertägigen Workshop mit der Englischen Nationalmannschaft bei dem ca. 25 blinden Sportler-/innen die Techniken des Blindenfußballs gezeigt wurden.
Von da an begann die Entwicklung auch
in Deutschland richtig voranzuschreiten. Nach und nach entstanden immer mehr Teams. Bis heute gibt es 10 Trainingsstandorte (Tübingen, Mainz, Stuttgart, Würzburg, Dortmund, Essen, Berlin, Chemnitz, Marburg und St. Pauli). Im September 2006 fand ein Trainingswochenende mit Spielern aus ganz Deutschland statt und Ende September nahm dann erstmals eine deutsche Auswahl an einem internationalen Turnier in Griechenland teil. Anfang 2007 begannen die ersten Teams sich zu Freundschaftsspielen zu treffen. Am 30. März und 1. April 2007 fand dann endlich das erste nationale Blindenfußballturnier in Deutschland statt. In Tübingen trafen sich die Mannschaften aus Tübingen, Mainz, Würzburg, Marburg, Dortmund und die Mannschaft des FC. St. Pauli. Gewinnen konnte dieses erste Turnier die Mannschaft aus Dortmund, die gegen den Gastgeber das Finale gewannen. Am 26. Mai 2007 fand dann das erste Turnier mit allen 9 bis dahin existierenden Mannschaften in Neumünster statt. Es war auch gleichzeitig das erste Turnier welches unter freiem Himmel ausgetragen wurde. Diese „erste Meisterschaft im Blindenfußball“ wurde im Finale erst durch ein Elfmeterschießen entschieden. Hier gewann Marburg gegen Mainz. Darauf folgten in der Reihenfolge Stuttgart, Dortmund, Essen, Hamburg, Würzburg, Chemnitz und Berlin. Im Juni fand ein Auswahltraining zum Aufbau einer Nationalmannschaft teil. Diese nahm dann auch an der EM im September in Athen teil. Leider konnte kein Spiel gewonnen werden. Die EM war allerdings auch eher als eine Standortbestimmung gedacht, um die deutsche Mannschaft auf internationalem Parkett einzuführen. Alles in allem war der Ausflug nach Athen ein Erfolg, es konnten viele neue Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft werden. Für die Zukunft wird geplant in Deutschland Bei unserem FC St. Pauli wird schon länger etwas für blinde Menschen getan. Bereits 2004 startete das Projekt „Hörplätze für Blinde“. Innerhalb dieses Projekts entstand dann erstmal die Idee eine Blindensportabteilung zu gründen, was dann auch mit großer Unterstützung des Vereins geschah. Im Mai 2006 nahm man dann an dem Workshop in Berlin teil und wollte eine Mannschaft gründen. Der Verein bot an sie in den Fußball-Amateurbereich zu integrieren. Und so kam es dann Ende August 2006 zum offiziellen Auftakttraining. ![]() Seit dem trainiert die Mannschaft regelmäßig. Die Abteilung besteht inzwischen aus 18 sehenden und nicht sehenden Mitgliedern. Der FC St. Pauli ist der einzige Fußballverein in Deutschland mit einer Blindenfußball-mannschaft. Blindenfußball ist genauso spannend und schnell, wie wir es alle kennen und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Das Blindenfußballteam trainiert wöchentlich immer Freitags, von 17:00-19:00 Uhr, in der Sporthalle der staatlichen Handelsschule für Blinde und Sehbehinderte, Carl-Cohn-Str. 2, 22297 Hamburg. Interessenten sind immer herzlich willkommen. Es werden immer Spieler und sehende Helfer gesucht. Kontaktadressen gibt es direkt unter www.fcstpauli.de. Für weitere Informationen über Blindenfußball einfach unter www.blindenfussball.net nachlesen. SH |
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