Teamgedanken...

Players Corner 
Diesmal: Marcel Eger 

   Irgendwann entscheidet es sich für einen jungen Menschen mit Spaß am Sport: Wettkampf als Einzelner oder in der Mannschaft. Als es für mich vor nunmehr zehn Jahren darum ging, entweder Tennis, Tischtennis oder Fußball „professioneller“ zu betreiben, musste ich nicht wirklich lange überlegen. Zwar war ich in den Sportarten mit den etwas kleineren Bällen damals auch irgendwie erfolgreich (3. Bayerischer Meister im Tischtennis- Doppel! :-), jedoch fühlte ich mich im Mannschaftsport schon immer wesentlich wohler. Erfolge gemeinsam feiern, Niederlagen zusammen durchstehen, als Kollektiv Spaß am Sport entwickeln – für mich wertvoller als Einzel-Urkunden!

   Wenn ich die Erfolgsgeschichte der Aufstiegs( rück)runde betrachte, fällt mir vor allem ein Aspekt auf: Wir waren ein Team! In der Abschlusstabelle sogar das Beste, weil wir meiner Ansicht nach bewiesen haben, dass eine harmonisierende Gemeinschaft erfolgreicher Mannschaftsport betreiben kann, als ein Haufen Einzelspieler mit eventuell größerer individueller Klasse. Man konnte spüren, dass wir alle dieses eine Ziel erreichen wollten! Viele Spiele haben wir für uns entschieden, weil jeder bereit war, für seinen Kollegen zu rennen, einen Fehler des anderen auszubügeln und auch etwas schärfere Worte, die auf dem Platz fallen, dem Mitspieler nicht übel zu nehmen. Mit Flo Lechner hätte ich mich wegen einer Spielsituation fast einmal im Stadion geprügelt! Aber nach dem gemeinsam gewonnenen Kampf ist alles wieder cool, weil wir wissen, dass so etwas auf dem Platz dazugehört, aufrüttelt und motiviert. Umso schöner ist es dann, danach darauf anzustoßen und darüber zu lachen! Dieses Gemeinschaftsgefühl hat uns vor allem Stani immer wieder eingetrichtert. Er betonte immer, und tut es natürlich noch, dass jeder einzelne Spieler, der zum Kader gehört, wichtig ist für den Erfolg der Mannschaft, des Vereins. Dirk Prediger beispielsweise, der nur auf eine ziemlich geringe Spielzeit in der letzten Saison kam, hat einen genauso großen Anteil an unserem Erfolg wie Jeton Arifi, der oft nur auf der Bank saß. Dies aber eben akzeptierte und keine schlechte Stimmung machte.

   Stani hat als Verantwortlicher im Winter damit begonnen, auch im Trainerstab ein Team um sich herum aufzubauen. Er agierte bis heute nie wie ein Alleinherrscher, sondern gab Verantwortung ab: an Truller, K.P., Pedro Gonzales und das sportmedizinische Team. Dadurch kann jeder in seinem Spezialgebiet mehr Kompetenz einbringen und so den Erfolg des großen Ganzen unterstützen. Beispiel Trainingseinheit: Bevor es überhaupt losgehen kann, wird von den Physiotherapeuten um Wolli eine „Bestandsaufnahme“ gemacht. Wer kann trainieren, wer macht Reha usw.? Nachdem vor jedem Training Stani zur Mannschaft gesprochen hat, geht es raus auf den Platz. Truller übernimmt das Aufwärmprogramm, während sich K.P. um die Torhüter und Pedro um die Rekonvaleszenten kümmern. Bis unsere Muskulatur an die anstehende Belastung gewöhnt wurde, hat der Teamchef das Feld für eine Spielform abgesteckt. Beobachtet von mindestens vier Augen wird z.B. Mannschaftstaktik trainiert. Dazwischen und danach gibt es ein Feedback vom Cheftrainer und dem Teamchef. Anschließend kann individuell in mehreren Gruppen an Stärken und Schwächen gearbeitet werden. Die Viererkette trifft sich mit Stani zur Taktikschulung, Truller betreut die Stürmer beim Torschuss und K.P. macht Technikschule... Ich finde, so sieht moderne Trainer-Teamarbeit aus!

   Nach dem letzten Aufstieg in die 1. Liga (Anm. des Korrektors: lange her…) wurde ein sehr großer Teil des intakten Teams gegen vermeintliche Stars ausgewechselt. Die Verantwortlichen zu dieser Zeit waren wohl der Meinung, diese Maßnahme würde automatisch die Qualität des Teams erhöhen. Aber wozu das führte, ist ja jedem bekannt. Deswegen kann man es allgemein nur gutheißen, dass für die kommende Saison der Stamm unserer Aufstiegsmannschaft gehalten und ihm vertraut wurde – er nur punktuell mit Spielern verstärkt wurde, die auch charakterlich gut ins Team passen! Davon abgesehen, dass jeder Einzelne der „Neuen“ dafür sorgen kann, dass wir noch besser Fußball spielen, hat keiner von ihnen irgendwelche Starallüren. Ein Spruch fürs Phrasenschwein: Der Star ist die Mannschaft! Und ein paar gemeinsame Abende in unserem schönen Stadtteil werden das Übrige dazu tun, dass es keine lange Eingewöhnungszeit für alle geben wird...

   Wir werden in der nächsten Spielzeit auf Mannschaften treffen, in die um ein Vielfaches vom Verein investiert wurde. Gleich im ersten Spiel geht es gegen die „Zweitliga-Millionäre“ aus Köln. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass jeder dieser Spieler mit voller Leidenschaft für sein Team und den Verein so spielt und kämpft, wie wir es tun. Womöglich ist der FC St. Pauli in den meisten Aufeinandertreffen auf dem Papier der Außenseiter. Davor können wir vielleicht Respekt, aber müssen deswegen absolut keine Angst haben! Wir sind eine eingeschworene Truppe, die beweisen kann, wie stark man gemeinsam sein kann. Als Team!


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