„Auswärtssieg! Auswärtssieg!“Lauthals skandierten die Fans es von den Rängen. „Auswärtssieg, Auswärtssieg.” Wir Spieler wussten Bescheid. Es mussten auch mal drei Punkte in der Fremde eingefahren werden, wenn wir den Aufstieg noch realisieren wollen. Ich bin kein Freund von Statistiken und zu viel Theorie in einem so praktischen und einfachen Sport wie es der Fußball nun mal ist. Bei einem Blick auf die Heimund Auswärtsstatistik ist mir allerdings schnell klar geworden, wo bei uns etwas im Argen liegt, denn in diesem Punkt lügt die Statistik nicht. Die Tabelle lügt nie! Zwei Siege nach 13 Spielen, keine Frage, das ist eigentlich zu wenig um aufzusteigen. Und immer wieder diese bohrenden Fragen: Am Freitagmorgen startet dann zwischen 8 und 10 Uhr das Abenteuer Auswärtsfahrt für uns. Zum Auswärtsspiel bei Union Berlin gab es sogar Möhrenkuchen als Proviant. Wie ihr sehen könnt, haben wir nichts unversucht gelassen, um uns optimal vorzubereiten. Top-Ernährung und Training vor Ort, um schwere Beine nach der Busfahrt zu vermeiden. Am Vorabend des Spiels noch eine taktische Besprechung über den Gegner. Bettruhe gegen 23 Uhr! Am Morgen des Spiels gemeinsam Frühstück bis 9 Uhr. 10 Uhr Spaziergang. Anschließend Nudeln, um den Kohlehydratspeicher aufzufüllen. Um 12 Uhr folgt dann die Mannschaftssitzung mit Bekanntgabe der Aufstellung und mannschaftstaktischer Ausrichtung. Danach Abfahrt zum Spiel und volle Konzentration! Der ganze Ablauf wurde genauestens geplant, wie beim Militär. Seit dem Auswärtsspiel in Gladbach ist alles anders. Tatort Gladbach: BorussenparkPünktlich zur Abfahrt bringt Brigitte 80 Frikadellen als Reiseproviant vorbei. Der passend dazu angelieferte „mittelscharfe“ Senf treibt allerdings einigen Spielern die Tränen in die Augen. Angekommen in Gladbach ging es nicht sofort auf den Trainingsplatz, sondern direkt ins Bett. Nach einem kleinen Spielchen am Nachmittag und dem Abendessen folgte ein Kinobesuch. Bewaffnet mit Popcorn, Cola und weiteren Köstlichkeiten schauten wir den Film „Shooter“. Zur sonst normalen Bettruhe um 23:00 Uhr machten wir dann noch einen Spaziergang vom Kino direkt durch die Gladbacher Altstadt zurück zum Hotel. Den Vormittag durfte dann jeder Spieler so verbringen wie er es auch vor den Heimspielen macht. Der einzige fest von Stani angesetzte Termin war die Besprechung um 12 Uhr. Auf dem Weg zum Spiel legte der Busfahrer eine CD ein und drehte die Musik voll auf: Eye of the Tiger, AC/DC; Red Hot Chili Peppers... So wurde die Stimmung angeheizt und die nötige Lockerheit blieb erhalten. Der Erfolg hat diese Maßnahmen gerechtfertigt. 5:1 Auswärtssieg bei den jungen Fohlen in einem tollen Stadion. Da wollen wir nächste Saison wieder spielen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns bei allen „Auswärtsfahrern“ für die tolle Unterstützung bedanken. Wir haben es euch in der letzten Zeit nicht einfach gemacht und viele unschöne Heimfahrten zu verantworten. Auch für uns gibt es nichts Schöneres als nach einem erfolgreichen Auswärtsspiel in Hamburg einzufahren und die Lichter im Hafen bei Nacht zu bewundern. Hoffen wir also auf viele erfolgreiche Raubzüge in den nächsten Auswärtsspielen. Evtl. dürfen wir in der nächsten Saison unsere Stadt ja von oben bewundern, wenn wir „in einer besseren Liga“ per Flieger unterwegs sind. // Timo Schultz Viva St. Pauli |
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