Eine annähernd unkommentierte Chronologie der Ereignisse
|
13.7.2006: Corny Littmann (CL) und Ole von Beust verkünden auf einer gemeinsamen Pressekonferenz den Bau eines neuen Stadions für den FC St. Pauli 16.7.: Die Stadionpläne werden in Schmidts Tivoli den rund 300 anwesenden Vereinsmitgliedern präsentiert. 19.9.: Im Hamburger Abendblatt (Habl) rechnet CL mit einem Baubeginn in diesem Jahr. Bis zum 4.10. soll der Bauantrag bei den Behörden eingereicht sein. 13.10.: Auf der Jahreshauptversammlung (JHV) des FC St. Pauli im CCH wird der neue Aufsichtsrat (AR) von 521 stimmberechtigten Mitgliedern gewählt: Michael Burmester (MB), Tay Eich, Ulrich Reuss, Christoph Kröger, Wolfgang Helbing, Werner Pokropp und Holger Scharf. CL, dessen Weitermachen als Präsident viele Kommentatoren vom Ausgang dieser AR-Wahl abhängig gemacht hatten, erklärt anschließend auf dieser Veranstaltung, dass er und das Restpräsidium für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen werden. Mit dem Bau der neuen Tribüne würde am 11. Dezember begonnen werden. 16.10.: Laut Habl wurde der vollständige Bauantrag am 12. Oktober beim Bezirksamt eingereicht. 17.10.: Der Hamburger Senat beschließt, dem FC St. Pauli für sein Stadionprojekt eine 5,5-Millionen-Anschubfinanzierung zu gewähren. 8.12.: Das letzte Heimspiel mit alter Südkurve (SK) gegen den Wuppertaler SV endet mit einem 1:1 und anschließenden Sentimentalitäten. 13.12.: Die Hamburger Bürgerschaft bewilligt einen 5,5-Millionen-Zuschuss fürs Stadion, der an Bedingungen geknüpft ist. CL: „Jetzt ist die letzte Hürde genommen.“ 18.12.: Das Habl berichtet anlässlich eines anstehenden Treffens zwischen AR und Vereinsführung am 21.12. über die mögliche Nominierung eines Präsidenten durch den AR und die anschließende Wahl auf einer Mitgliederversammlung im März 2007. Hier äußert der AR starke Kritik an CL und wirft ihm weiterhin mangelhafte Kommunikation und Respektlosigkeit vor. CL: „Ich kann diese Kritik überhaupt nicht nachvollziehen. Wir haben hauptamtliche Beschäftigte im Verein. Wenn einer ein Problem hat, soll er sagen, was er haben will. Wenn es gewünscht wird, stehen wir weiter zur Verfügung. Sollten zwei Kandidaten aufgestellt werden, würden wir ich nicht antreten. Das gilt auch für meine Kollegen.” Auch der AR will nur einen Kandidaten. Aber: „Die Nominierung ist kein Selbstgänger. Uns gefällt es nicht, wie das Präsidium wichtige Entscheidungen kommuniziert. Der Informationsfluss ist seit langem sehr schlecht“, so AR-Chef Burmester. 19.12.: Mit einer so genannten Baggeraka Abrissparty verabschieden sich ein paar hundert Fans und Teile der Funktionärsriege von der SK. CL kurvt symbolisch mit einem echten Bagger durchs Areal. 20.12.: Die Abrissarbeiten an der SK beginnen. 21.12.: AR und Präsidium tauschen sich vier Stunden über Defizite und Fragen zur Verbesserung des Miteinanders aus. CL: „Es gibt kein grundsätzliches Kommunikationsproblem. Ich fand es überflüssig, die Kritik am Vorstand öffentlich auszutragen.” 5.1.2007: Das Habl berichtet, dass CL über seine auch nach der zweiten Sitzung mit dem AR immer noch nicht erfolgte Nominierung erbost sei. CL: „Ich bin verwundert, dass der AR die Satzungsvorgaben nicht einhält.” MB: „Der AR ist einstimmig der Meinung, dass andere Dinge beim Klub derzeit eine höhere Priorität haben.” 16.1.: Via Tagespresse berichten Habl, Mopo und Bild zeitgleich über einen möglichen Rücktritt CLs. „Warum der AR diese Entscheidung (Anm. der Red.: der Nominierung) in dieser Situation hinausschiebt, ist mir rätselhaft“, so CL zur Mopo. MB im gleichen Blatt: „Um die Präsidentenfrage endgültig entscheiden zu können, müssen vorher noch Sachthemen abgeklärt werden, die auch vom Präsidium selbst kommen. Und es geht um extrem wichtige Verträge für den Stadionbau. Dafür nehmen wir uns Zeit, lassen uns nicht unter Druck setzen. Das kann noch Wochen dauern. Die Satzung sagt: Das Präsidium bleibt auch nach dem Offiziellen Ende (Anm. der Red.: CL wurde bis 25.2. gewählt) im Amt bis zu den Neuwahlen. Die könnten theoretisch erst auf der nächsten turnusmäßigen JHV im Oktober oder November stattfinden.” CL ebenfalls am 16. im Habl: „Ich hänge an dem Verein, aber nicht an diesem Amt. Wenn man mich nicht will, muss man es mir sagen.” Noch am selben Tag teilt der AR per Presseerklärung mit, dass er das für den 17. 1. avisierte Treffen mit dem Präsidium absagt. Begründung: „Ein mediales unter Druck setzen mit Stimmungskampagne gegen Vereinsgremien, die ihrer Aufgabe nachkommen, ist der gedeihlichen Zusammenarbeit nicht förderlich. Sobald wir erkennen könne, dass eine konstruktive und vor allem interne Erörterung der Sachfragen wieder möglich ist, werden wir die Gespräche fortsetzen.” CL später sinngemäß auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung (aoMV) am 25. 3. zum Vorwurf, das sei kampagnenmäßig inszeniert gewesen: Was kann ich tun, wenn mich alle Journalisten gleichzeitig anrufen? 17.1.: CL in der Mopo: „Ich bemühe mich um eine zeitnahe und interne Lösung.” 18.1.: „Eines steht fest, wir wollen keine öffentliche Schlammschlacht. Wenn wir konstruktiv zusammenarbeiten, kann es jederzeit weitergehen“, verkündet MB in der „Welt“. 26.1.: Das Habl meldet Vollzug: Im Süden des Stadions stehen nur noch Bande und Sicherheitszaun. „Wir liegen voll im Zeitplan“, so Projektleiter Torsten Vierkant (TV) zum Blatt. CL zum gleichen Thema: „Selbst wenn wir erst Anfang März mit dem Bau beginnen, werden wir noch rechtzeitig bis August fertig.” 27.1.: „Wir gehen davon aus, dass am 19. Februar mit dem Bau begonnen werden kann“ (TV in der „Welt“). 5.2.: Die Stadt Hamburg und der FC St. Pauli unterzeichnen einen Nutzungsund einen Zuwendungsvertrag für den Stadionbau. CL in einer Pressemitteilung vom selben Tag: „Wir sind nicht nur voll im Zeitplan, sondern haben jetzt auch die vertragliche Grundlage gelegt, zügig mit dem Bau beginnen zu können. Spätestens im März geht es los.” 20.2.: „Littmann hat keine Lust mehr“ kommuniziert die Mopo in großen Lettern und zitiert CL so: „Der Lustfaktor geht gegen Null.” Zusätzlich wehrt sich Littmann gegen den AR-Vorwurf, dass noch Sachthemen offen wären: „Eine Mängelliste ist mir nicht vorgelegt worden.” Starschreiber Buttje Rosenfeld formuliert hoffnungsfroh: Die Kontrakte mit dem General-Unternehmer fürs Stadion sowie den Banken stehen kurz vor dem Abschluss. 21.2.: „Sollte Corny gehen, gehe ich hundertprozentig mit“, erklärt der präsidiale Marcus Schulz (MS) der „Bild“ in einem Kurzinterview. In der Mopo bekennt CL: Wenn die (Anm. der Red.: der AR) der Meinung sind, dass jemand das Schiff in eine andere Richtung bringen sollte, dann sollen sie es tun.” In der gleichen Ausgabe erläutert erneut MB die Motivation des AR: „Der Präsident weiß sehr wohl, um was es uns geht. Das ist ihm mehrfach schriftlich und mündlich mitgeteilt worden. Warum wir damit nicht an die Öffentlichkeit gehen, hat triftige Gründe. Ich verstehe ihn nicht. Momentan laufen Vermittlungsgespräche über einen Mediator, und er schert trotzdem wieder aus.“ 22.2.: In der „Welt“ verkündet MB, dass der AR auf einen möglichen Rücktritt CLs durchaus vorbereitet sei: „Dann müssten wir kommissarisch jemanden einsetzen. Wir haben verschiedene Optionen.” 23.2.: CL und seine Mitstreiter MS und Klaus Rummelhagen (KR) erklären um 13 Uhr ihren Rücktritt zum 26. März. Begründung: „Das Vertrauensverhältnis zwischen dem AR und dem Präsidium ist so stark beschädigt, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr realisierbar ist.” Überdies hätte das scheidende Präsidium beschlossen, am 25. März eine aoMV einzuberufen. Auf dieser Versammlung könnten die Mitglieder dann einen kommissarischen Vorstand wählen, der die Geschäfte bis zur JHV im Herbst führt. „Der Bau des neuen Stadions“, so CL, „ist durch den Rücktritt nicht gefährdet.” MS betont, dass es sich nicht um einen taktischen Rückzug handeln würde. MB in der Online-„Welt“ vom gleichen Tag: „Wir haben aus gutem Grund mit Sachen hinter dem Berg gehalten, aber der Präsident möchte es jetzt gerne so haben. Man hat uns offen den Fehdehandschuh hingeworfen, und darauf werden wir demnächst reagieren.” 24.2.: Gegenüber dem Habl erklärt CL zum weiteren Vorgehen in Sachen ‚Vertragsabschlüsse Stadionbau’: „In den nächsten 14 Tagen wird alles abgeschlossen sein.” 26.2.: In der „Welt“ erklären CL und MS unisono, dass es im kommenden Monat losginge mit der Stadionrekonstruktion: „Die Juristen setzen jetzt den Vertrag auf, die Gespräche mit den Banken stehen kurz vor dem Abschluss.” Es spräche nichts dagegen, dass der Bau der Südtribüne im März beginne, betont CL. MS dazu: „Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage, dass vor dem Heimspiel gegen Wilhelmshaven (16.3.) gebaut wird.” Via Mopo denken Mitglieder des AR laut über eine vorzeitige Abberufung des Präsidiums nach. ARler Wolfgang Helbing (WH): „Es ist eine Möglichkeit, über die man vielleicht nachdenken muss.” Zudem verabschiedet sich CL heute für zehn Tage auf eine Geschäftsreise durch die Karibik und hat mitteilen lassen, dass er während dieser Zeit nicht erreichbar sei. Eine Anhörung des Präsidenten, die vor einer Abberufung notwendig ist, scheint so unmöglich. Lediglich die Mopo, dies sollen de nächsten Tage belegen, scheint ein hinreichend technisch hochwertiges Kommunikationsequipment zu besitzen, das CL Tag und Nacht für Statements „all over the world“ erreichen kann... 27.2.: Die „Bild“ berichtet, dass dem AR allein sechs Versionen des Holsten-Vertrages vorgelegt worden sein sollen. MS, angesprochen auf das Fehlen existenzieller Verträge für den Stadionumbau, sieht am gleichen Tag im Habl quasi alles in trocknen Tüchern: „ Davon habe ich gehört, halte es aber für Unsinn. Der Caterervertrag ist weitgehend klar. Zudem ist der Vertrag mit dem Generalunternehmer unterschriftsreif und wird diese Woche aufgesetzt. Selbst die Gespräche mit der Bank haben am Donnerstag zu einem Agreement geführt.” Sportal. de zitiert MB zum Thema Stadionbau wie folgt: „Eine Zusammenarbeit mit dem amtierenden Präsidium ist nicht mehr möglich. Wir brauchen ein handlungsfähiges Präsidium. Ein solches dürfen wir kommissarisch einsetzen. Auch ohne Herrn Littmann haben wir eine intakte Projektgruppe und eine Leitungsgruppe für den Umbau. Doch es müssen Entscheidungen getroffen und Beschlüsse gefasst werden. Und dafür brauchen wir ein Präsidium.” 28.2.: „Bild“ „enthüllt“, dass der FC St. Pauli gar keine Baugenehmigung für das Stadion hätte. Bezirksamtsleiter Mitte, Markus Schreiber: „Für uns ist das auch ein Hammer!“ Per Pressemitteilung reagiert der Verein umgehend: Alles Quatsch, mit Datum vom 27. Dezember wurde eine solche ausgestellt, jedoch an Auflagen geknüpft. Unter anderem müsse man „nur“ eine neue Statik einreichen und ein Stammsiel, das dort in 23 Meter Tiefe kreuzt, vor und nach den Bauarbeiten untersuchen. 1.3.: Trotz allem: „Die Südtribüne wird rechtzeitig fertig“ (Michael Meeske in der Mopo). Wie aus heiterem Himmel „enthüllt“ das Fachblatt für HammerMeldungen („Bild“) die 60-Millionen-Offerte des Reeders Bertram Rickmers. Eine Story, die der ÜS bereits zwei Wochen vorher (# 82) ausführlich dargestellt hatte. 2.3.: Über die Mopo macht sich der unerreichte und unerreichbare CL direktamente aus der Karibik seine Empörung über die angestrebte Abberufung durch den AR Luft: „In der Geschichte des FC St. Pauli ist dies ein einmaliger Vorgang!“ 5.3.: Der AR stellt auf einer Pressekonferenz „sein“ neues vierköpfiges Präsidium vor: Stefan Orth, Andreas Wasilewski, Wolfgang Helbing und Carsten Pröpper. Dem alten Präsidium bzw. CL wirft man, über die bekannten und oben bereits genannten Dinge hinaus gehend, u. a. folgendes vor: Behinderung beim Versuch der Einblicknahme in Akten im Steuerstrafverfahren gegen den FC, Abschluss von Verträgen zum Nachteil des Vereins mit Angestellten ohne Zustimmung des AR, Abriss der ST ohne auch nur einen einzigen Vertrag unter Dach und Fach gehabt zu haben (Stichwort: reine Showveranstaltung), Höhe des benötigten Bankkredits von zwei auf vier Millionen Euro verdoppelt uvm. Dem Führungsgremium um CL werden Abberufungsurkunden zugestellt. 8.3.: Das Habl thematisiert als erstes Medium vermeintliche Scheinverträge (Stichwort: versteckte Lohnzahlung) beim FC St. Pauli. Hat es einen Fall gegeben, bei dem wider Recht und Gesetz ein Vertrag mit einem Spieler abgeschlossen wurde? Jedenfalls sollen aktueller und alter (!) AR das Präsidium bei der Vertragsgestaltung mehrfach um Korrekturen angemahnt haben um den juristischen Vorgaben gerecht zu werden. Sowohl AR als auch Präsidium wollen sich dazu aber nicht offiziell äußern. Um 17 Uhr landet CL in Hamburg. 9.3.: Völlig sinnfrei empört sich CL via Tagespresse gegen alle Vorwürfe: „Der AR führt Spieler zur Schlachtbank, nur weil er das Präsidium um einen Kopf kürzer machen will“, schäumt Littmann in der „Bild“. In der Mopo suggeriert Corny, dass sich der AR (wir erinnern uns: alle Votings einstimmig!) quasi nur alles ausgedacht hätte, nur um mit Schlamm werfen zu können: „Alle öffentlich bekannt gewordenen (aha, Einschränkung!) Vorwürfe sind samt und sonders haltlos. Alle und das kann ich beweisen.” Außerdem, so CL, seien ohnehin 90 Prozent aller Vorwürfe aus der Vergangenheit. Und: „Die Schlammschlacht ist im Übrigen nicht von mir, sondern vom AR losgetreten worden.” 10.3.: Im Habl kündigt CL Schritte gegen den AR an, weil die Vorwürfe von Seiten des AR sich „am Rande der Beleidigung und Ehrabschneidung“ bewegen würden. 12.3.: Vereinsinsider „Kaiser“ Franz Beckenbauer posaunt via „Bild“ die Unterstützung für CL in die Welt: „Er soll nicht bleiben. Er MUSS!“ Dabei hatte CL doch selbst das Handtuch geworfen. Ach, was schert das schon einen Bayern... 13.3.: Weil sowohl CL als auch KR ihre Anhörungstermine im Abberufungsverfahren beim AR ignorierten, wurden beide umgehend vom selbigen gefeuert. CL erklärt, dass sein Anwalt Carsten Grau die Ansicht vertritt, dass die Absetzung nicht rechtens sei. Begründung: Die Anrufung des Ehrenrates habe natürlich aufschiebende Wirkung.” Aber lt. CL sei die Maßnahme nicht überraschend gekommen: „Denen traue ich alles zu“, so CL in der Mopo online. Das angerufene Landgericht Hamburg verkündet im Rahmen einer einstweiligen Verfügung, dass CL und KR ab sofort wieder im Amt seien. Orth & Co. dürfen folglich ihre Ämter vorerst nicht ausüben. Das Habl berichtet, dass das einzige Geld, das bislang von Stadioninvestoren an den Verein geflossen ist (1 Million von Holsten), längst wider ausgegeben wurde davon allein 400.000 Euro Nachzahlung für den Nascimento-Transfer. In der gleichen Ausgabe erläutert MB, dass die im Projekt involvierte Bank die Verhandlungen seit Littmanns Abgang auf Eis gelegt hätte. Erst wenn man die unklaren Verhältnisse geklärt habe, sei eine Kreditvergabe denkbar. Am Abend treffen sich das Präsidium und der Ehrenrat zu einer Schlichtungsunterredung. 14.3.: In der „Welt“ erklärt CL: „Der Gang zum Gericht ist mir nicht leichtgefallen. Leider blieb mir nichts anders übrig. Nun bin ich um eine Schlichtung im Sinne des Vereins bemüht.” MB antwortet hämisch im gleichen Blatt: „Zuerst ist er vor Gericht gezogen, damit er noch ein paar Tage Präsident sein darf, und jetzt will er plötzlich doch keine Gerichtsverhandlung und spricht von einem Schlichtungstermin. Das ist doch alles absurd.” 15.3.: CL-Anwalt Grau betreibt über die „Bild“ groteske Juristerei: „Die von ihnen (Anm. der Red: gemeint ist der AR) inszenierte Pressekonferenz war ein schwerwiegender Satzungsverstoß. Der AR ist an ein striktes Verschwiegenheitsverbot gebunden, darf keine Interna öffentlich machen.” (Kommentar: Aha, sondern soll also weiter das Maul halten, sich von CL vorführen lassen und der Öffentlichkeit weiter allen Spekulationen Tür und Tor öffnen...) 16.3.: Während einer 70-minütigen Pressekonferenz (PK) weist das Präsidium alle Vorwürfe von Seiten des AR zurück: Es gab nie ein steuerliches Ermittlungsverfahren gegen CL, es gab keine Scheinverträge, bei Vertragsabschlüssen habe er immer die Zustimmung des Gremiums eingeholt usw. usw. Die Vorwürfe der Pflichtverletzung und Unfähigkeit sind samt und sonders haltlos.” Fazit: „Der AR hat das Vertrauen in den Verein unnötigerweise aufs Spiel gesetzt, das das Präsidium erworben hatte. Mit dem Stadionbau wären wir heute viel weiter, wenn ich nur einen Hauch Rükkenwind vom AR verspürt hätte.” 17.3.: Auf einer weiteren PK zum Stadionbau präsentiert CL am Samstag vor dem Heimspiel gegen Wilhelmshaven überraschend einen neuen Investor für die SK: Eine Investorengruppe aus der Schweiz (lt. Habl die von Uwe Zimmer und Arnold Schuler geführte GDM AG) würde ein vier Millionen Euro schweres Darlehen in den Stadionbau pumpen aber nur, wenn Littmann Präsident und Michael Meeske Geschäftsführer bleiben. CL: „In dieser Woche wird der Vertrag unterzeichnet, zum Saisonbeginn sind wir fertig.” In der Mopo am Sonntag ergänzt Projektmanager Dr. Claus Binz: „Wir können zur nächsten Saison fertig werden. Dann müssten wir jedoch Ende des Monats beginnen.” 19.3.: CL ist weiterhin Präsident des FC St. Pauli: Das Landgericht Hamburg unter dem Vorsitz von Richterin Maren Lippold gibt den Klägern in fast allen Punkten recht. Das Altpräsidium bleibt im Amt, vom AR darf kein neues eingesetzt werden und auch der Vorwurf, CL und MS hätten sich als unfähig erwiesen, darf nicht weiter verbreitet werden. „Lediglich“ die Aussage, dass es unter CL grobe Pflichtverletzungen gegeben habe, ist zulässig. Begründung: Für die Abberufung des Vorstandes ist die Mitgliederversammlung zuständig. Eine Amtsenthebung durch den AR ist nur möglich, wenn in naher Zukunft Gefahr für den Verein droht. Zudem widerrief CL bei diesem Termin überraschend seinen damaligen Rücktritt. Zum Wohle des Vereins wolle er weiterhin zur Verfügung stehen, so CL zu seinem Rücktritt vom Rücktritt. Lt. Mopo vom 22.3. hat CL dies dann auch über Anwalt Grau offiziell dem Gericht mitgeteilt. „Irrtumsanfechtung“ nennt man das und soll sagen, dass man irgendetwas aus Versehen getan hat. CLs Rücktritt am 23. Februar war also ein Irrtum. 21.3.: Im Habl teilt CL mal wieder seine eigene Sicht der Dinge mit: „Die vier Millionen Euro (Anm. der Red.: Das Geld der Schweizer Investoren) werden der Stadionbetriebsgesellschaft zur Verfügung gestellt. Da muss der AR nicht gefragt werden.” 22.3.: Das Habl macht auf Seite 1 mit der uralten Reeder-Rickmers-Story (s.a. 1.3.) auf. Stern-Online bringt ein längeres Interview mit CL, in dem dieser noch einmal SEINE Sicht der Dinge dezidiert darstellen kann. Die Geschütze sind also rechtzeitig in Position gebracht. 23.3.: Das Habl berichtet, dass RA Grau zwar für CL und KR die Irrtumsanfechtung bei Gericht eingereicht hat, Vize Rummelhagen davon aber leider nichts wusste. Im Gegenteil: „Wer sagt, dass ich vom Rücktritt zurücktrete? Unter den momentanen Bedingungen stehe ich nicht zur Verfügung“, kommentiert dieser das Geschehen. 25.3.: Noch am Tag der aoMV kann CL erneut ungefiltert seine Positionen in der „Welt am Sonntag“ kommunizieren. Tenor natürlich: Ich gut, AR böse. Im CCH entscheiden mehr als 1. 500 Vereinsmitglieder ab ca. 16.30 Uhr über das weitere Schicksal von CL, AR, Verein und Stadionbau. Am Ende der fast sechsstündigen Versammlung steht ein „Kompromiss“ (s. a. Kommentar in diesem Heft), den man als Außenstehender durchaus als „Niederlage“ des AR begreifen kann und der wie folgt aussieht: Littmann bleibt mindestens bis zur JHV Präsident, Orth, Wasilewski und Pröpper werden ihm als Vizes zur Seite gestellt, Schulz und Rummelhagen sind raus und der AR verpflichtet sich, dass drei Mitglieder zurücktreten (Scharf tat dies umgehend nach der Abstimmung). CL erklärt in seiner rhetorisch guten Rede u. a. , dass es einen zeitnahen Baubeginn geben würde. 26.3.: Die AR-Mitglieder Helbing und Pokropp erklären den Rücktritt aus ihrem Amt. Somit wird der AR lt. Satzung bis zum 26. Mai noch aus sieben Mitgliedern bestehen, danach, bis zur nächsten Wahl, nur noch aus vier. Und wann beginnt der Stadionbau? „So schnell wie möglich. Ich nenne keinen Tag. Wenn die Bagger da sind, werden Sie es sehen“, erklärt CL gegenüber der „Welt“. 6.4.: Die Schweizer Investoren sollten an diesem Tag für weitere Verhandlungen in Hamburg eintreffen. Nur sie kamen nicht 11.4.: Im Habl erläutert CL die aktuellen Entwicklungen zum Thema Stadionbau: „Im Laufe dieser Woche sollte alles fertig sein. Ich halte das für einen sehr realistischen Zeitplan.” MB: „Momentan können wir nicht weitermachen, weil die entscheidenden Unterlagen nicht vorliegen.” 12.4.: Auch in einem Verhandlungsmarathon können sich Investoren und Verein noch nicht endgültig über einen Kontrakt verständigen. Michael Meeske am 13.4. im Habl: „Es geht nur noch um kleine Details.” 16.4.: Das Sportmikrofon zitiert AR-Chef MB in Sachen Investoren-Vertrag: „Ein erster Entwurf war von uns schon genehmigt worden. Jetzt haben wir aber noch nichts Neues vorliegen. Es soll noch Veränderungen gegeben haben.” CL erklärt am Rande der Partie gegen Holstein Kiel: „Alles geht seinen Gang!“ 18.4.: „Wir hätten auch nicht gedacht, dass alles so lange dauert“, erklärt Meeske im Habl. Und weiter: „Für das Grundgerüst, das es den Zuschauern ermöglicht ihre Plätze einzunehmen, brauchen wir nur drei Monate.” Ach so. 23.4.: „Zu Saisonbeginn Mitte oder Ende August werden wir fertig. Wir brauchen nicht in die HSV-Arena umzuziehen“, erklärt CL in der „Bild“. 24.4.: Auf einer PK verkünden Präsidium und Meeske, dass alle Verträge unterschrieben und vom AR abgesegnet sind. Ab sofort würde die Baustelle am Millerntor vorbereitet, vom 7. Mai an wird die Baustelle eingerichtet, ab dem 14. Mai rollen dort die Bagger und Kräne. Die Tribüne soll zum Beginn der kommenden Saison soweit fertig gestellt sein, dass der Spielbetrieb gewährleistet und die Tribüne für Zuschauer nutzbar ist. Neu: CL selbst bürgt für vier Millionen Euro für das Projekt, das insgesamt 5.700 Plätze (rund 3.000 Stehplätze) inkl. elf Separees und 934 Businesseats beinhaltet. 25.4.: Das Habl und die „Welt“ berichten, dass nicht die stets genannte GDM AG, sondern eine für dieses Vorhaben neu gegründete Firma Geldgeber für das Vorhaben sei. GDM-Mann Schuler und Gisep Biert sollen lt. Habl eigens hierfür ein neues Unternehmen gegründet haben. Allerdings sei die Baufinanzierung noch nicht ganz abgeschlossen im Bereich Catering nämlich muss man nach Budgetplanung noch rund eine Million Euro erwirtschaften. Schuler und Biert sollen in diesem Zusammenhang 750.000 Euro für das Stadioncatering geboten haben, um es anschließend weiter zu vermakeln. Fürs VIP-Catering in der neuen Süd soll sich nach diesen Informationen nach wie vor CL selbst bemühen. In den nächsten zwei Wochen aber sei dieses Thema „abgearbeitet“... // Ronny |
|
Titelseite dieser Ausgabe | |