GLORY DAYS...

...jetzt kommen sie wirklich!

 Aber gerade unserem Verein wird ja nichts geschenkt. Alles muss hart erarbeitet werden und ein tapferer Angestellter ackert gerade an mehreren Fronten gleichzeitig, sowohl am Schreibtisch als auch auf dem Bolzplatz, um das Unternehmen Profifußball auf dem Kiez endlich wieder in die richtigen Bahnen zu leiten. Von daher freuen wir uns riesig, dass unser Oberstratege Holger Stanislawski für uns ein paar Minuten Zeit gefunden hat.

ÜS: Hallo, Stani, vielen Dank, dass Du Dir trotz der Doppelbelastung und der jetzigen Vorbereitung die Zeit für ein Interview im Übersteiger genommen hast. Wie zeitaufwändig siehst Du denn jetzt die Doppelfunktion und wie viel Zeit geht für welchen Bereich drauf?

S: Also zur Zeit ist es eine 7-Tage-Woche. Wenn wir beispielsweise in Babelsberg unser Testspiel haben, hat die Mannschaft am nächsten Tag frei, ich fahre am Sonntag nach Düsseldorf und guck mir Dortmund II gegen Turu Düsseldorf an. So wird es wohl im nächsten halben Jahr aussehen, dass Truller und ich uns abwechselnd Spiele der nächsten Gegner noch ansehen. Im Moment ist es so, dass der Trainerjob 90% in Anspruch nimmt. 10 % sind im Moment Managertätigkeiten, Strukturen, Jugendbereich und Vertragsverlängerungen. Aber das wird im Laufe der Rückrunde natürlich mehr werden.

 

ÜS: Und wie viel Stunden bist Du momentan täglich mit dem Verein beschäftigt?

S: In der Regel bin ich so gegen 8: 15 bereits hier und bespreche viele Dinge mit Truller, da wir morgens unsere Ruhe haben und vor 18. 00- 19. 00 Uhr komme ich meistens nicht nach Hause, oftmals viel später, wenn noch Sitzungen anstehen.

 

ÜS: Wirst Du denn definitiv zum Saisonende einen Posten aufgeben?

S: Ja, das auf jeden Fall. Ich halte es für sinnvoll, weil man sich wieder auf den Sportchefbereich konzentrieren kann. Es fallen in den nächsten Monaten wichtige Entscheidungen an, wie z. B. die Zertifizierung des Leistungszentrums, aber auch in den Vereinstrukturen haben wir noch viel Arbeit vor uns. Von daher ist eine Trennung schon notwendig.

 

ÜS: Welcher Posten hat Dir denn mehr Spaß gemacht?

S: Schwer zu sagen, weil es zwei komplett unterschiedliche Bereiche sind. Das eine ist mittel bis langfristige Planung der Mannschaft und der Strukturen, da muss man sehr viel Kompromisse eingehen, weil nicht alle immer in die gleiche Richtung mitziehen und beim Trainerjob kann man aktiv viel mehr bewegen, weil man viel dichter an der Mannschaft dran ist und das Tagesgeschäft operativ leitet. Insofern macht mir der Trainerjob zur Zeit sehr viel Spaß, zumal ich mit Truller, KaPe, Siggi Dous, Christian Bönig, etc. ein sehr gutes Team habe, in dem sich alle wirklich reinhängen.

 

ÜS: Hast Du denn früher am PC mal Bundesligamanager gespielt?

S: Nein, gar nicht. Ich war nie ein Typ, der sich stundenlang vor den Atari, Commodore oder wie sie damals hießen gesetzt hat. Ich bin schon froh, dass ich mit Word und Excel ganz gut umgehen kann.

 

ÜS: Wie siehst Du heute Dein Verhältnis zu den Fans? Findest Du dafür noch genügend Zeit?

S: Ich geh spontan einfach mal los, z. B. ins Clubheim. Da bin ich auch neulich mal wieder ordentlich versackt. Das muss man dann aber auch genießen. Wenn man das Woche für Woche macht, nutzt sich das natürlich ab und macht irgendwann keinen Spaß mehr. Ich halte nichts davon, dass man mir vorschreibt, mal ins Jolly oder in den Fanladen zu gehen. Das muss von mir aus kommen. Von daher versuche ich regelmäßig zu Fanveranstaltungen zu gehen, ich habe ja selbst eine Sport-Info-Gruppe ins Leben gerufen, wo sich Vertreter der AgiM, der AFM, dem Fanladen, dem Fanclubsprecherrat, Aufsichtsrat, USP regelmäßig treffen. Dort informieren wir Euch, was bei uns in den Mannschaften passiert, damit die Fanvertreter auch mal unsere Meinung hören, nicht nur das, was die Medien von sich geben. Dort fordern wir natürlich auch mal was ein, z. B. dass unsere U23 mehr unterstützt werden soll. Das ist ein reger Austausch, der so gegen 19. 00 Uhr anfängt und bis tief in die Nacht geht. Ich kenne natürlich auch hunderte von Fans aus dem Familien- und Bekanntenkreis und habe daher auch noch einen guten Draht in die Fanszene.

 

ÜS: Was war denn Dein schönstes Erlebnis im Clubheim?

S: Boah, da gab es einige. Z. B. vor der Abfahrt zu Auswärtsspielen mit Brigitte noch einen Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen oder nach gewonnenen Heimspielen noch fröhlich ein Bierchen trinken, manchmal auch versakken. Schlimm fand ich die Geschichte, als wir gegen den HSV mit 9 Mann verloren haben und ein paar Fans uns die Scheiben eingeschmissen haben.

 

ÜS: Wirst Du denn die Clubheim-Umkleide- Atmosphäre vermissen?

S: Ja klar, wir haben schon geflachst, dass wir die Kabinen 1 zu 1 in der neuen Süd aufbauen, also mit den jetzigen Kacheln, um den Gegnern dieses schäbige Feeling am Millerntor zu erhalten. Ein bisschen Nostalgie sollte auf jeden Fall erhalten bleiben. Ein paar Toiletten mehr könnten es aber schon sein. Ich habe ja auch meinen Platz in der Astra-Loge verloren, von da her bin ich schon froh, dass ich einen neuen Platz auf der Trainerbank gefunden habe.

 

ÜS: Siehst Du im Umbau der Südkurve für den Millerntor-Roar eher einen Fortschritt oder auf das ganze Stadion bezogen einen Rückschritt?

S: Ich denke, sobald die anderen Tribünen gebaut werden, wird sich der Roar wieder auf das ganze Stadion verteilen. Ich glaube, größtenteils geht aus der Gegengerade nur USP in die neue Süd, der Rest bleibt der Gegengerade erhalten. Mal sehen, wie es wirkt, wenn wir eine doppelt so hohe Tribüne haben, von der die Mannschaft nach vorn gepeitscht wird. Man sollte den Focus aber nicht zu sehr auf die Südtribüne setzen.

 

ÜS: Interessieren sich die Spieler noch für das Umfeld, wie Fans, Szene, Politik?

S: Ich glaube, dass es unterschätzt wird. Im Rahmen des Stadtteilrundgangs gehen wir natürlich nicht jedes Jahr nur in die Ritze, sondern wir gucken uns auch andere Teile St. Paulis an. Ich staune jedes Jahr wieder, wie wenig sogar ich als Hamburger über den Stadtteil weiß. Es gibt eine breite Masse innerhalb der Mannschaft, die sich für den Stadtteil interessiert, aber meiner Meinung nach könnte es ruhig mehr sein. Wir wollen natürlich davon wegkommen, den Spielern zu diktieren, wo sie hingehen sollen, sie dazu bringen, freiwillig an Fanveranstaltungen, z. B. im Fanladen teilzunehmen, wo sich Fans und Spieler bunt mixen, ein Bierchen zusammen trinken und sich mal austauschen. Aber manchmal muss man die Jungs auch drängen.

 

ÜS: Wird der Übersteiger denn noch von der Mannschaft angenommen?

S: Es sind leider in letzter Zeit zu wenig Hefte vorhanden. Das war mal mehr. Die Spieler haben vorm Spiel natürlich keine Zeit, im Heft zu stöbern, da sollen sie sich auf das Spiel konzentrieren. Und die Exemplare, die uns zur Verfügung stehen sind auch immer sehr schnell vergriffen. Also ein paar Heftchen mehr würden uns schon gut tun.

 

ÜS: Bist Du mit den Trainingsleistungen von Achmed Kuru zufrieden, der ja in Braunschweig als Diva verschrien war und sich hat hängen lassen, wenn er nicht spielen durfte?

S: Das werden wir sehen, wenn er bei uns mal nicht spielen darf. Zur Zeit kann ich nur sagen, dass er sich voll reinhängt und ich mit seinen Trainingsleistungen voll zufrieden bin. Er ist natürlich kein Florian Lechner, der größtenteils über die Physis kommt. Er ist eher einer aus der Kreativabteilung. Du siehst ihn ab und zu nicht, aber alles, was er macht hat Hand und Fuß. Ansonsten kann ich nichts negatives über ihn sagen. Er kniet sich voll rein und bringt sich auch in die Truppe ein. Aber im Moment kann ich das über das gesamte Team sagen, alle haben Spaß miteinander und geben Vollgas.

 

ÜS: Wer aus der zweiten ist dicht an der ersten Mannschaft dran?

S: Wir sind gerade im Begriff die Verträge mit Jeremy, Yilmaz und Gökhan Iscan zu verlängern. Die drei Jungs haben wir sehr stark im Focus. Dazu kommt noch Kalla, der aber leider zur Zeit beruflich sehr eingespannt ist. Diese Spieler müssen jetzt mit den neuen Eckpfeilern Adrion, Algan und Mbidzo beweisen, dass sie für höhere Aufgaben berufen sind. Wir werden sie in Zukunft immer mal mit ins Training der ersten Mannschaft einbeziehen und dementsprechend fördern und fordern.

 

ÜS: Wird Bourgault sich schon in dieser Saison einen Stammplatz erkämpfen können oder braucht er noch 1, 2 Jahre?

S: So ein Spielertyp wie Jonathan ist normalerweise unsere Zukunft. Er hatte schon mit 17 ein unheimliches Potential und wird auch körperlich immer stärker. Ich glaube, dass er in zwei Jahren nicht mehr in der Regionalliga spielen wird, sondern mindestens 2. Liga. Wir haben ihn noch ein Jahr unter Vertrag und müssen jetzt sehen, ob sich sein Berater vorstellen kann, ihn die nächsten drei Jahre hier zu lassen, denn ich glaube, dass er hier eine große Zukunft vor sich hat. Ich habe selten einen Spieler gesehen, der in diesem Alter schon eine so professionelle Einstellung mitgebracht hat. Ich hoffe, dass er so weitermacht. Dann wird er natürlich mehr und mehr Einsätze in der Rückrunde bekommen.

 

ÜS: Hast Du denn selber noch Zeit für Jugendspiele, sowohl mit als auch ohne St. Pauli-Beteiligung, um neue Talente für den Verein zu sichten?

S: Also wenn, schaffe ich es nur noch unsere eigenen Jugendspiele zu sehen, was wir selber im Stall haben. Leider sind die Spielpläne dieses Jahr sehr ungünstig, so dass die A- und B-Jugend meistens zur gleichen Zeit spielen wie wir, aber ich habe mir einige Termine schon rausgesucht, um mir ein eigenes Bild von unserem Nachwuchs zu machen. Bisher habe ich Yapici aus der A-Jugend weit oben auf dem Zettel, der wenn er einen klaren Kopf behält auch eine große Zukunft haben wird. Entweder versteht er, was wir jetzt von ihm erwarten, oder es reicht nicht für den Profisport.

 

ÜS: Welcher Tabellenplatz ist für Dich Pflicht, damit Du sagen kannst, Du hast erfolgreich gearbeitet.

S: Ich glaube, dass wir den Aufstieg noch schaffen. Ich möchte den Erfolg aber nicht an einem Tabellenplatz festmachen, denn da spielen ja noch viele Unbekannte, wie zum Beispiel Verletzungen, Abseitstore und Rote Karten mit, auf die man keinen Einfluss hat. Die Jungs wollen unbedingt aufsteigen, haben natürlich mehr Lust, nächstes Jahr in Köln zu spielen, als noch mal gegen Leverkusen II.

 

ÜS: Wo siehst Du die Unterschiede im taktischen Grundkonzept im Vergleich zu AB?

S: Wir wollen mit drei Stürmern spielen, einem zentralen und zwei offensiven Stoßstürmern, sowie mit einem Dreiermittelfeld, also schon offensiver. Generell habe ich die Auffassung, dass alle Spieler am Offensivspiel teilnehmen, aber auch alle defensiv denken, wenn wir den Ball verloren haben. Dann steht ganz klar für alle die Ballgewinnung im Vordergrund. Je eher wir den Ball zurückgewinnen, desto näher sind wir am gegnerischen Tor. Das hängt natürlich auch von der Laufbereitschaft, der Fitness und der Willenskraft der Mannschaft ab, aber da haben wir in den letzten Tagen sehr gut dran gearbeitet. Das Alternativsystem wäre, dass wir mit zwei echten Spitzen spielen und mit Dreierkette + Fünfermittelfeld oder Viererkette + Vierermittelfeld. Das hängt davon ab, wie die Jungs drauf sind und wie stark der Gegner ist.

 

ÜS: Inwieweit hast Du auf die Taktik Bergmanns Einfluss gehabt?

S: Bei allem was den operativen Bereich betrifft, hat der Trainer das Sagen. Auch ein Thomas Doll holt sich mal bei Beiersdorfer einen Rat (Anm. der Redaktion: bevor Doll rausflog). Genauso hat Andi das bei mir gemacht. Aber letztendlich trifft der Trainer die Entscheidung ganz allein. Leider muss deshalb auch immer der Trainer den Kopf als Erster hinhalten. So wird das bei mir auch sein.

 

ÜS: Siehst Du es im Nachhinein als Fehler an, nicht bereits vor der Spieltagpause einen Schlussstrich unter die Trainerdiskussion gezogen zu haben?

S: Wie Du es machst, machst Du es verkehrt. Der HSV zieht sich drei Tage zurück und spricht sich für Doll aus, das wird von den Medien gelobt und wir analysieren zwei Tage mit detaillierten Timings mit Mannschaft, Präsidium, Trainer und uns wird Rumeierei vorgeworfen. Wir haben die Mannschaft in die Pflicht genommen, von der auch positive Signale zurückkamen, die auf bessere Ergebnisse hoffen ließen. Menschlich war es für mich natürlich unschön, ihn dann trotzdem zu entlassen, zumal wir sehr gut zusammengearbeitet haben.

 

ÜS: Wie sieht das Wunschprofil für den nächsten Trainer aus, was muss er mitbringen?

S: Viel Geld! Ansonsten akribische Arbeit und Führungsqualitäten. Er sollte interessiert an der zweiten Mannschaft und der Jugend sein, denn groß auf Einkaufstour wird hier kein Trainer gehen können. Er muss mit unserem Funktionsteam zurechtkommen, kann nicht seine zwei Co. - und drei Fitnesstrainer mitbringen, sondern muss mit unseren Strukturen klarkommen. Mir ist es lieber, wenn er Offensivfußball spielen lässt, seine Siege nicht ermauert. Mein absoluter Favorit war deshalb Jos Luhukay. Wir haben uns mit ihm damals Nachts auf einer Autobahnraststätte bei Osnabrück getroffen und waren erst morgens zum Training wieder in Hamburg. Ich wette, dass er nicht lange Co-Trainer bei Gladbach bleiben wird (Anmerkung der Red.: stimmt, er ist jetzt Chefcoach!).

 

ÜS: Warum hat es für uns nicht gereicht?

S: Für ihn war die Spielklasse entscheidend. Er stellte sich schon darauf ein, dass er in nächster Zukunft ein höherklassiges Angebot unterbreitet bekommt. Qualitativ hätte ich sehr viel Spaß daran gehabt, mit ihm zusammenzuarbeiten.

 

ÜS: Ist Profi-Erfahrung für diese Position wichtig?

S: Wichtiger ist mir, dass er sich fundierte Kenntnisse über die Regionalliga angeeignet hat, er muss konsequent sein. Ich denke da beispielsweise an Marc Fascher. Da weiß ich, wie er arbeitet, habe ihm selbst als Co-Trainer beim Harburger SC assistiert. Dementsprechend ist es nicht zwingend notwendig, Profi gewesen zu sein. Christoph Daum war auch nie Profi.

 

ÜS: Wie sehr wurmt es Dich, dass Marc Fascher für diesen Verein tabu ist?

S: Sehr! Man unterstellt mir indirekt eine private Jobbeschaffungsmaßnahme. Dabei bin ich davon überzeugt, dass er qualitativ in der Lage ist diese Mannschaft voranzubringen. Das war ja schon Thema, als wir das erste Mal gegeneinander gespielt haben. Dabei hätte ich allein, bzw. die Freundschaft Stanislawski – Fascher das volle Risiko tragen müssen, denn ich hätte ihn bei Misserfolg ja wieder vor die Tür setzen müssen. Mich kotzt es an, dass Leute aus der Ferne betrachtet nur unser Verhältnis zueinander sehen, nicht aber die Qualität des Trainers.

 

ÜS: Wie hoch wird denn der Saisonetat im nächsten Jahr ausfallen, wenn wir nicht aufsteigen?

S: Ich denke so ähnlich wie jetzt. Aber die Höhe des Etats ist nicht immer entscheidend. Ein Achmed Kuru ist nicht zu uns gekommen, weil wir am meisten zahlen, sondern weil wir darüber hinaus noch mehr zu bieten haben, z. B. die Stadt, der Zuschauerzuspruch, Fußballnostalgie. Das sind unsere Attribute, die wir in die Waagschale schmeißen können. Ich hoffe aber, dass wir uns nächstes Jahr keine Gedanken über eine eingleisige 3. Liga und höhere Regionalliga- Etats machen müssen.

 

ÜS: Sprecht Ihr innerhalb der Mannschaft auch über die Querelen zwischen Aufsichtsrat und Präsidium?

S: Also die Mannschaft nimmt das über die Presse natürlich auf, aber sowohl Michael Burmester als auch Corny Littmann waren im Trainingslager und haben beruhigend auf die Mannschaft eingewirkt. Aber ich denke, das belastet die Jungs zur Zeit auch nicht richtig, da sie gerade in die Vorbereitung vertieft sind. Ich erwarte, dass die Jungs professionell genug sind. Aber wenn Spieler sich mit dem Verein identifizieren, haben sie schon ein starkes Interesse, dass Unstimmigkeiten schnellstens gelöst werden. Ich persönlich bin damit natürlich tiefer verbunden, da ich vor kurzem selbst noch Präsidiumsmitglied war und kann nur sagen, dass das Präsidium einen sehr guten Job macht, kann aber auch die Sicht des Aufsichtsrates verstehen, nichts ungeprüft abzunicken. Aber wenn Du beide Seiten hörst, sagst Du, dass beide Seiten Recht haben. Daher kann ich nur sagen, dass man sich an einen Tisch setzen soll und vom Präsidium fehlende Informationen schnellstmöglich vorgelegt werden. Ich habe eine Zeit miterlebt, wo unsere Präsidiumsmitglieder Spielergehälter mitfinanziert haben. Von daher sollte man schon annehmen können, dass auch das Präsidium das Beste für den Verein will.

 

ÜS: Wie sehr ärgert es Dich, dass Du den Verein nicht als Spieler in die 2. Liga führen kannst?

S: Ganz doll sogar. Ich hatte damals einen sehr gut dotierten Dreijahresvertrag von Rot-Weiß Essen vorliegen, und das als 33-jähriger, habe mich aber trotzdem für St. Pauli entschieden und wollte als erfahrener Spieler mithelfen, eine junge, fast nur aus eigenen A-Jugend- und U23-Spielern bestehende Mannschaft wieder nach oben zu führen. Leider habe ich mir dann zweimal das Innenband gerissen und das war es dann mit dem Aufstiegstraum. Na ja, dann werde ich mir halt als Trainer beim Aufstieg genüsslich ein paar Bier und eine fette Zigarre gönnen.

 

ÜS: Kannst Du Dir vorstellen, den Trainerposten weiterzuführen, wenn das gesamte Millerntor nach dem Aufstieg Deinen Namen brüllt?

S: Sollten wir tatsächlich noch aufsteigen, haben wir ein Luxusproblem. Mir machen nämlich beide Positionen sehr viel Spaß und wir können dann ganz in Ruhe entscheiden, welche Position wir wie besetzen wollen. Mein Vertrag als Sportchef läuft auf jeden Fall noch ein weiteres Jahr, aber vielleicht kehre ich auf diesen Posten gar nicht wieder zurück.

 

ÜS: Muss man sich denn nicht schnellstmöglich um einen Trainer bemühen, damit der neue Trainer Einfluss auf den Kader für die neue Saison ausüben kann?

S: Ein paar Spieler haben wir natürlich schon, die jeder Regionalliga-Trainer einsetzen würde, einige Verträge laufen noch, die der neue Trainer auch mit berücksichtigen muss und ich denke, dass sehr viele Spieler noch recht spät in der Rückrunde oder der Sommerpause auf dem Markt sein werden, so dass ein neuer Trainer noch an dem Kader feilen kann.

 

ÜS: Stani, wir danken Dir, dass Du Dir trotz Dauerbelastung noch Zeit für uns genommen hast.

S: Kein Problem. Habe ich gern gemacht.

OhneArme

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