Noch ein Vorwort...Geschockt? So wie auf unserer Seite 3 beschrieben hätte unser Editorial zur 80.Ausgabe in aller Konsequenz aussehen können. Die Redaktion zeigt Müdigkeitserscheinungen, die Köpfe sind teilweise leer. Das ist zumindest bei einigen Redaktionsmitgliedern das Gefühl in den letzten Wochen und Monaten gewesen. So saßen wir denn vor drei Wochen zusammen und überlegten, ob sich das Projekt ÜBERSTEIGER überholt hat und ob wir es beerdigen sollten. In den letzten Jahren sind mehr Redaktionsmitglieder gegangen als gekommen. Aber das Gefühl, eventuell nur noch für uns selbst zu schreiben, hatten wir schon seit einiger Zeit irgendwie. Viele Abgänge waren und sind schmerzhaft. Doch wir haben auch einige Neuzugänge, die sehr ambitioniert und bereit sind, den ÜBERSTEIGER fortzuführen. Dazu kommen ein paar „Unverbesserliche“ vom alten Kern, die ihr liebgewordenes Kind nicht so ohne weiteres zu Grabe tragen wollen. Haben wir doch lange Zeit viel Spaß und Freude gehabt, viel Feind und viel Ehr und sehen derzeit sonst kaum Möglichkeiten und Alternativen zur konstruktiven Opposition zum und im Verein. Opposition heißt eben nicht nur meckern, sondern einfach auch kritisch zu hinterfragen. Doch wollen wir fortbestehen, müssen wir auch uns selber in Frage stellen: Wie konnte es also zu dieser lähmenden Situation kommen? Erklärungsversuche: Am Anfang waren wir jung, ungebunden, „erfolglos“ und brauchten die Herausforderung. Die meisten von uns waren zu diesem Zeitpunkt Schüler, Studenten oder arbeitslos. Unser Leben drehte sich fast ausschließlich um Fußball, linke Politik und den FC. Aber Lebensmittelpunkte verändern sich, die Prioritäten werden anders gesetzt. Waren früher viele von uns in den unterschiedlichen Gruppierungen des Vereins, sind auf fast jede Auswärtsfahrt mitgefahren, so haben jetzt die meisten einen Job und einige inzwischen auch eigene Familie. Aus dem Vereinsleben und den politischen Gruppierungen haben sich deshalb viele zurückgezogen. Doch nicht nur deshalb, sondern auch, weil bei vielen von uns immer mehr die Einschätzung Raum gewonnen hat, dass innerhalb des Clubs beinahe alle Meinungen gleichgeschaltet sind und unsere kritischen Berichte und, zugegebenermaßen, oft überspitzten Kommentare einen immer geringer werdenden Teil des Publikums am Millerntor überhaupt erreichen. Dies mag teilweise an uns selbst liegen, hat aber definitiv auch damit zu tun, dass sich die Fanszene beim FC St.Pauli in den letzten Jahren massiv verändert hat: Dem „normalen“ Fanvolk, also der Mehrheit, sind wir zu politisch, den politisierten und aktiveren Fans zu weichspülerisch. Mal ganz geschäftlich gesehen, fehlt uns inzwischen wohl ein wenig der Kontakt zu unserer Zielgruppe. Für wen schreiben wir eigentlich, und wollt ihr tatsächlich das lesen, was wir schreiben? Können wir noch etwas für den FC St. Pauli bewegen oder haben wir unsere Daseinsberechtigung verloren? Letzteres glauben wir nicht. Aber wir könnten sie verlieren, wenn es uns nicht gelingt euch zu motivieren, bei uns mitzumachen. Wir brauchen Leute, die sich engagieren wollen, die Lust haben, sich mit der Vereinspolitik auseinanderzusetzen, sich gern zeitlich gemeinsam mit uns auszubeuten. Leute, die gern schreiben, layouten, sich an unterschiedlichen Meinungen reiben wollen und bereit sind, sich die Donnerstagabende um die Ohren zu schlagen. Wir wollen wieder zurück an den Puls der Zeit. Und wir wollen das Vereinsgeschehen auch weiterhin nicht allein den Funktionären überlassen. Ihr möchtet Vielfalt und dazu brauchen wir euch! Eure Übersteigers |
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