Hals- und KahnbeinbruchWas haben der Münchener Keeper und wir St. Paulianer dieser Tage gemeinsam? Wir müssen uns hinten anstellen, auf einen schwerwiegenden Fauxpas des anderen hoffen und unserer Enttäuschung Herr werden. Für unsere Mannschaft sollte es jetzt heißen: In der Pflicht gleichwohl gepatzt, steht nun die Kür bevor es ist schon Unglaubliches vollbracht worden, und demnach gibt es nichts mehr zu verlieren. Geht da heute raus und spielt befreit auf, so dass Uli Hoeness später nur folgendes sagen kann: „Wir sind von einem überragenden FC St. Pauli geschlagen worden. Wenigstens heute sind uns Grenzen aufgezeigt worden, und wir haben unseren Meister gefunden. Die Mannschaft des FC St. Pauli hat Ergreifendes gewollt und geschafft, hat alles an Leidenschaft, Kampfeswille, technischer Finesse und Spielverständnis abrufen können. Die Fans haben ein Übriges dazu beigetragen. Unsere Mannschaft war zwar gut eingestellt, ist dann aber geradezu überrannt worden ...“ Es ist schwer, hier und jetzt Worte zu finden, in Anbetracht dessen was hinter uns liegt und sich vor uns auftut, ja auftun kann. Die einzige Gewissheit die wir leider haben, ist die Ungewissheit. Ganz gewiss versuchen wir euch aber die Anspannung und Nervosität vor dem Wahnsinnsspiel so erträglich wie möglich zu gestalten, erzählen euch die Geschichte vom kleinen Underdog, der auszog, den großen FC aus München zu ärgern, meist unter die Räder kam, aber auch mal ganz groß aufspielte. Mit dem Sport-Dome fingen die unsäglichen Kapitel im Buch „Stadionneubau“ an, denken wir, und zeigen euch, dass schon ganz andere Großkopferte irrwitzige Pläne für das Heiligengeistfeld raushauten. Zum Interview baten wir zweifach, lauschten und plauschten und waren auch mal sprachlos zwischen all der Freude und dem Leid. Es gibt Menschen, die machen weiter, auch wenn das Los es bedeutend schwer mit einem meint. „In dem Augenblick, in dem wir leiden, scheint der menschliche Schmerz unendlich zu sein. Doch weder ist der menschliche Schmerz unendlich, noch ist unser Schmerz mehr wert als eben ein Schmerz, den wir ertragen müssen“, sagte Fernando Pessoa einmal. Wir haben noch viel, viel mehr im Heft, möchten aber an dieser Stelle nur noch eines hervorheben, ja würdigen, denn der Schröter, die alte Wurst, hat heute Geburtstag. Er wird einhundert! Vielmehr haut er zum 100. Mal den allseits geliebten Comic raus; und zwischen all den Falten, die sich im Laufe einer langen St. Pauli-Laufbahn zwangsweise tief in sein Gesicht gruben, geizt er weiter nicht mit Witz, Spott und Ironie. Du kannst wahrlich stolz auf Dein Schaffen sein und gabst uns zwischen all den Zweifeln und der Bedrücktheit im St. Pauli-Fandasein ein Lächeln zurück. Dafür danken wir Dir von Herzen und wünschen Dir weiterhin ein glückliches Händchen! Eure Redaktion |
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