80 Jahre StadionplanungDie Älteren von uns werden sich noch an Weiseners Sport-Dome-Pläne aus den späten 80ern erinnern. Aber die erfolglose Planung eines neuen Stadions am Millerntor hat eine viel längere Tradition. Bereits im Oktober 1926 legte der Architekt Dr. Max Bach (Miramarhaus im Dreieck Curienstraße / Schopenstehl / Katrepel) einen sehr ehrgeizigen Plan für ein Stadion am Millerntorvor. Die Stadien heißen heute Arenen und machen deutlich, dass der Sport und besonders der Fußball allmählich zu einem reinen Gladiatorenspektakel verkommen. Für das bürgerliche Lager war der Sport weniger eine Körperertüchtigung zum Selbstzweck, sondern mehr ein Training für den Krieg. So wurde für das Stadionareal auch der Name „Kampfplatz“ gewählt. Doch Bach war kein Kriegstreiber. Vielmehr waren für ihn besonders internationale Wettkämpfe ein Mittel der Annäherung und Verständigung der Völker, das viel wirksamer sei „als so viele Staatsaktionen und Kongresse“. Mit dieser These bezieht sich Bach wohl auf den Beitritts Deutschlands zum Völkerbund einen Monat zuvor. Dass diese diplomatische Aussöhnung nicht ausreichte, sondern vor allem die Versöhnung der „kleinen Leute“ vorangetrieben werden müsse, empfand übrigens auch Kurt Tucholsky. Das fehlende Großstadion in Hamburg steht am Neben dem Stadion sollte zur U-Bahn-Station Feldstraße hin eine öffentliche und kostenlose Badeanstalt mit „Dampfbad und allen medizinischen Bädern“ gebaut werden. Die von dort nach draußen führenden Schwimmbahnen sollten von einer 400 Meter langen Laufbahn begleitet werden. Als Randbebauung plante Bach unter anderem ein Volkstheater beziehungsweise Volkskino (nahe der U-Bahn-Station St. Pauli) und ein Volkshaus gegenüber dem Ziviljustizgebäude mit geringen Eintrittsgeldern. Die Kapazitäten lagen bei mehren Tausend Menschen. Eine Turnhalle an der Eimsbüttler Straße (heute Budapester Straße) sollte diesem ehrgeizigen Vorhaben weichen. An fast der gleichen Stelle wollte sie der Plan „größer und schöner“ neu entstehen lassen. Das Vorfeld des Stadions in Richtung Glacischaussee sollte in sechs Sportplätze unterteilt werden und so Vereinen und Schulen zur Verfügung gestellt werden. Auf einem der Rasenplätze hätte dann auch eine Fahrstuhlmannschaft in den Hamburger DFB-Ligen gekickt der FC St.Pauli. Bachs Plan enthielt aber eine große Schwachstelle, die vielen St. Paulianern bekannt sein dürfte: die Finanzierung. Zwar enthielt der Plan vorsichtshalber keine konkreten Zahlen hinsichtlich der Baukosten. Es ist jedoch offensichtlich, dass diese immens gewesen wären. Die Stadt Hamburg konnte und wollte die nötigen Mittel nicht zur Verfügung stellen. So versuchte Bach vor allem wohlhabende Privatpersonen als Gönner für sein gemeinnütziges Unternehmen zu gewinnen. Das Anliegen scheiterte jedoch schon im Ansatz. Man mag es als zu ehrgeizig, vielleicht auch realitätsfremd abtun, ein privat finanziertes Projekt auf die Beine zu stellen, das der Allgemeinheit und dort besonders den ärmeren Schichten zum Nutzen dient. Doch der Charme des Entwurfs bleibt. // Welf |
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