NAZIS RAUS aus dem VIERTEL!

   Seit einiger Zeit gibt es in der Talstraße, also auf unserem Kiez, eine "Boutique" (MoPo vom 12.9.) von höchst zweifelhaftem Ruf. Zweifelhaft für alle, die die Augen nicht aufkriegen: Der Laden verhökert Klamotten, die von bekennenden Nazis für ihre Gesinnungsgenossen hergestellt werden, z. B. die Marke Thor Steinar. So weit, so schlecht.

   Ein breites Bündnis aus verschiedensten Einrichtungen, Kneipen, Läden etc. aus dem Viertel, und natürlich auch vielen St. Pauli-Fanclubs und Übersteiger, ruft dazu auf, sich gegen diesen Laden stark zu machen. Naziläden raus aus dem Viertel!

   Unter diesem Motto stand auch die Demonstration, die nach dem Leverkusenspiel stattfand. Abmarsch war kurz nach dem Spiel an der Budapester Straße, damit möglichst viele St. Pauli-Fans sich an der Protestaktion beteiligen konnten. Nur leider - wo waren sie denn? Bei jeder Studentendemo sieht man mehr Fußballfans! Naja, gut, die üblichen Verdächtigen waren natürlich da, und zusammen mit anderen Gruppen wurde der Demozug dann doch recht ansehnlich, will heißen: lang und laut, gut 2000 waren gekommen. Aber es ist doch ziemlich erschreckend, wenn man sich überlegt, dass Eintreten gegen Nazis selten so einfach ist: raus aus dem Stadion und einfach mitlaufen! Man muss nicht mal extra hingehen, und das Bier kann auch mit! Aber wir sind ja so eine tolle und antifaschistische Fanszene bei St. Pauli... Schämt euch, die ihr nicht da wart. Ehre, wem Ehre gebührt!

   An der Mobilisierung kann es jedenfalls nicht gelegen haben, dass so viele Leute aus dem Stadion einfach weitergegangen sind. Immerhin hat sogar der Stadionsprecher die Demo angekündigt, und auch die Choreografie der Ultras war wirklich klasse. Die genehmigte Strecke allerdings war leider ziemlich weit ab vom Schuss, durch viele Nebensträßchen und auch ohne große Verkehrsbehinderung, das Echo in der Presse dementsprechend eher gering. Auch der Zugang zur Talstraße war - wie zu erwarten - weiträumig abgesperrt. Aber die Stimmung war gut, die Polizei beschränkte sich auf in der Gegend rumstehen und einige Wasserwerfer an interessanten Stellen, also alles ganz entspannt. Nur eben leider nicht besonders wirksam. Das muss besser werden!

   Als krönenden Abschluss für die Spaß-Fraktion gab es hinterher das große Straßenfest in der Wohlwill- und Brigittenstraße, das erst in den frühen Morgenstunden am Lagerfeuer ausklang. Strahlender Sonnenschein, Musik an allen Ecken und Enden, gut zu trinken für absolut korrekte Preise, und das Ganze natürlich umsonst und draußen - was könnte man mehr wollen?

// me

Rechter Lifestyle und Germanenkult

   Die Marke Thor Steinar wird von der Firma Mediatex aus Königs Wusterhausen hergestellt. Nach Angaben des brandenburgischen Verfassungsschutzes gehören der sich betont unpolitisch gebenden Firma auch Rechtsextremisten an, u. a. Axel Kopelke, der die Marke im Oktober 2002 angemeldet hat. Im Herbst 2004 wurde das erste Logo "vom Landgericht Neuruppin verboten, weil es für Eingeweihte die Doppel-Sig-Rune der SS zeige. Und das ist nach ยง 86 a verboten, ebenso wie das Zeigen der Wolfsangel, die im Logo unschwer zu erkennen ist. Daraufhin wurde ein neues Logo erstellt, das in seiner Symbolik unbedenklich ist. Am 12. September wurde das Verbot des alten Logos aufgehoben, weil nicht eindeutig festzustellen war, ob ein "durchschnittlicher, nicht genau prüfender Beobachter" darin SS-Runen erkennen könne. Das Gericht stellte allerdings trotzdem fest, dass Textilien der Marke durch verwendete Aufschriften und farbliche Gestaltung gerade Angehörige der rechtsextremen Szene ansprechen. Derzeit sei aber davon auszugehen, "dass das Markenlogo (wie "88") nur in rechtsextremen, polizeilichen und juristischen Kreisen bekannt" sei. Strafbar wird das erst, wenn weitere Kreise der Bevölkerung sowas erkennen können. Es ist also höchste Zeit für mehr Auf- klärungsarbeit!

   Das Sortiment von Thor Steinar, das auch ohne das alte Logo inzwischen bekannt genug ist, um darüber Zugehörigkeit zur rechten Szene auszudrücken, bietet "patriotischen Schick" für Leute mit größerem Geldbeutel. Mit den stolzen Preisen von z. B. 35 Euro aufwärts für ein T-Hemd wird direkt die rechte Szene finanziert.

   Besondere Highlights aus dem Thor Steinar-Katalog: Tarnfarben im heutzutage ungebräuchlichen Wehrmachtsmuster, Ultima Thule - Aufdrucke (wie das schwedische Rechtsrock-Label), oder auch die norwegische Flagge (dunkelblau-weiß-rot) mit Firmenlogo auf dem Kreuz - für den flüchtigen Betrachter ein ziemlich "guter" Ersatz für die verbotene Reichskriegsflagge.

// me

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