Dieses Zitat unseres Ex-Vizepräsidenten Gunter Preussker kam mir vor kurzem eher zufällig in den Sinn. Nein, Preussker meinte damals nicht Mitarbeiter wie Frank Fechner, der einem bei dieser Aussage als erster in den Sinn kommen könnte. Vielmehr meinte er das Gros der einfachen Angestellten des FC St. Pauli und betrachtete seine Sichtweise als Argumentationsgrundlage, dass die Mitarbeiter nach dem Abstieg 2003 auf 20 Prozent ihres Gehaltes verzichten sollen. Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen und die meisten Angestellten von damals, die den Verein verlassen mussten oder freiwillig die Brocken hingeworfen haben, sind heute TATARATA nein, nicht etwa aufgrund ihrer chronischen Unterqualifizierung arbeitslos sondern in - verglichen mit dem FC St. Pauli - richtig seriösen Betrieben beschäftigt. Fielmann und der HSVDa wäre beispielsweise der ehemalige Vermarktungsleiter Marc Wallas. Der Werbekaufmann hat die Vermarktung kurz nach dem Abstieg verlassen und ist in seine alte Werbeagentur zurückgekehrt. Wallas, der bei Sponsoren und Fans äußerst beliebt war, wäre damals gerne beim FC St. Pauli geblieben. Nach dem Abstieg hatte er deshalb eingewilligt, auf einen beträchtlichen Teil seines Gehaltes zu verzichten. Als er dann noch mal on top weitere Kürzungen akzeptieren sollte - es ging um eine Größenordnung von 200 bis 300 Euro im Monat - zog er die Konsequenz und ging. Da die Werbeagentur, zu der Marc damals gewechselt war, mittlerweile nicht mehr existiert, ist Marc vor kurzer Zeit in die Werbeabteilung von Fielmann gewechselt. Der Brillenhersteller ist Marktführer in Deutschland und einer der größten Augenoptiker Europas. Sicherlich ein Unternehmen, das in der Lage ist, seine Rechnung zu bezahlen. Sein Nachfolger Marco Hopp hatte anscheinend ebenfalls nach nicht einmal zwei Jahren genug vom FC St. Pauli beziehungsweise seinen "Mitstreitern" (siehe Drehbuch in ÜS-Ausgabe 72). So wechselte der Marketingfachmann kurzerhand ins HSV-Vermarktungsteam von Sportfive. Bei einem der größten weltweiten Sportvermarkter wird man wohl nicht nur nach der Anzugfarbe eingestellt, sondern nach Qualifikation. Aber wem erzählen wir das. Ebenfalls zum Stadtnachbarn wechselte Gunda Paetz. Sie war die erste Auszubildende im Kartencenter und somit quasi ein "Eigengewächs". Doch wie man mit diesen beim FC umgeht, wissen wir ja spätestens nach dem Weggang von Ivan Klasnic. Nachdem Gunda ihre Ausbildung erfolgreich absolvierte, arbeitete sie erst im Kartencenter über mehrere Jahre als feste Mitarbeiterin, ehe sie sich entschloss, ihre Buchhaltungskenntnisse durch ein BWL-Studium zu manifestieren. Kurz vor ihrem Studienbeginn wurde ihr dann ein sehr hoher Posten im Verein angeboten, für den Gunda sogar ihren Plan zu studieren über den Haufen geworfen hätte. Danach hielt es Frank Fechner dann eine ganze Zeit nicht mehr für nötig, mit ihr zu sprechen. Es kam sogar noch besser. Mittlerweile hatte Gunda ihr Studium angetreten, arbeitete aber noch regelmäßig als Aushilfe in der Buchhaltung. Nach dem Wechsel von Empfangsdame Jutta Kadrii an die Kollaustraße fragte Fechner dann ernsthaft bei Gunda an, ob sie sich nicht vorübergehend an den Empfang setzen könne. Einen Kommentar ersparen wir uns an dieser Stelle lieber mal. Mittlerweile arbeitet Gunda als fest angestellte Lohnbuchhalterin beim Hamburger SV. Dort stehen übrigens auch unser ehemaliger Masseur Uwe Eplinius sowie Christiane Dunze in Lohn und Brot. Die ehemalige leitende Angestellte des Kartencenters ist mittlerweile die linke Hand von HSV-Präsident Bernd Hoffmann. Von Bayern über St.Pauli nach WolfsburgEbenfalls zu einem Bundesligisten - in diesem Fall zum VfL Wolfsburg - wechselte der ehemalige Talentscout Lars Mrosko nach einem Jahr voller Demütigung und Verarschung beim FC. Der Fußballbegeisterte Mann mit dem Auge für Talente kam übrigens vom FC Bayern ans Millerntor und arbeitete für ein Gehalt, bei dem selbst ein taz-Redakteur abgewunken hätte. Zwei Highlights aus seiner Zeit am Millerntor: Auf Anweisung von Corny Littmann erhielt Mrosko nach dem Austausch der Schlösser auf der Geschäftsstelle keinen neuen Schlüssel. Der Grund: Man habe ihn in der Nacht vor dem vorausgegangenen Einbruch in das Geschäftstellenbüro von Tatjana Groeteke mit eben dieser im Auto gesehen. Doch nicht unsere ehemalige Geschäftsführerin saß an besagtem Abend neben Mrosko, sondern seine Freundin. Der Talentscout schlich allerdings wirklich zu später Stunde heimlich von Büro zu Büro. Es war der 5. Dezember. Mrosko verteilte Schoko- Nikoläuse als Überraschung auf den Schreibtischen der Kollegen. Als er dann kurz vor seinem Wechsel nach Wolfsburg noch einmal ein klärendes Gespräch mit Littmann und Trainer Andreas Bergmann führen wollte, gab es die Kündigung. Die Reaktion von Bergmann noch während des Gesprächs: "Dann kann ich ja endlich den Golf haben". Wenn einem das Dienstauto näher steht als die Existenz eines Kollegen, tut man mir eigentlich noch nicht mal mehr leid. Ex-Redakteur erocken die RepublikEin wenig leid konnten einem auch die Redakteure der 1/4NACH5 tun. Einmal abgesehen von allen finanziellen Diskussionen, die es über dieses Thema gab. Da saßen mit Rainer Schäfer (veröffentlichte bereits im Spiegel), Eberhard Spohd (davor Sportchef bei der taz), Oliver Lück (u.a. Autor bei GEO), Christoph Ruf (Zeitung zum Sonntag) und Matthias Greulich (u.a. Szene Hamburg) fünf wirklich gute Journalisten, die alle für die Branche eher unterdurchschnittliche Gehälter bekamen. Die fünf hätten sich über einen ähnlich engagierten Anzeigenverkäufer sicher gefreut. Aber dafür war kein Geld da. Als der FC St. Pauli volle Fahrt auf die Regionalliga aufnahm, boten sie einigen Verlagen den Titel samt Konzept zum Kauf an, doch mitten in den Gesprächen gab es die Kündigungen vom Verein. Der FC zahlte allen brav eine Abfindung und rasierte die fünf ab. Nur kurze Zeit später wurde Christof Hawerkamp für ein stattliches Gehalt fest als Medienkoordinator angestellt. Das Quintett um Redaktionsleiter Rainer Schäfer gab trotz des Rückschlags nicht auf und entwickelte das Konzept des Stadtteilmagazins weiter. Heraus kam eine bundesweite Fußballzeitung im Look der 1/4NACH5, die ab Sommer 2005 unter dem Namen "Rund" vom Olympia-Verlag herausgegeben wird. Alle fünf Redakteure von damals sind noch am Ball und überzeugten die Verantwortlichen des Verlags, der auch den kicker herausbringt, mit zwei gelungenen Probeheften. Von dieser Stelle alles Gute für das Projekt. Cocktail der "Ahnungslosen" in TopfirmenEbenfalls bis zum Abstieg arbeitete Wolfgang Heilmann für die Vermarktung. Der diplomierte Betriebswirt kümmerte sich zu Erst- und Zweitligazeiten um die Sponsorenakquise und holte den Löwenanteil aller generierten Marketinggelder ran. Für ein Krankenschwesterngehalt. Wolfgang war bei den Sponsoren mehr als beliebt, arbeitete rund um die Uhr und mit sehr viel Herzblut für den Verein. Am Ende sollte er "nebenbei" noch Anzeigen für die 1/4NACH5 verkaufen. Auch das schluckte er. Dann wurde Wolfgang abgesägt. Aus betriebsbedingten Gründen wie es hieß - persönliche Animositäten hätte ehrlicher geklungen. Wer immer das zu verantworten hat, sollte sich die kommenden drei Wochen mehrfach täglich in seinen Arsch beißen. Nach dem erfolgreichen Relaunch der Warsteiner-CI zog es Heilmann wieder zurück zum Fußball. Er heuerte beim Sportvermarkter IMG im Team des 1. FC Köln an und arbeitet derzeit fieberhaft daran, den von FC-Präsident Overath avisierten Etat von 20 Millionen Euro auf gesunde Füße zu stellen. Last but not least einige Personalien im Schnelldurchlauf. Unser ehemaliger Vizepräsident Christian Pothe ist mittlerweile Geschäftsführer bei der Anwaltskanzlei Buse Heberer Fromm in Düsseldorf. Der Zusammenschluss von über 120 Anwälten ist eine der größten wirtschaftsrechtlich beratenden Kanzleien in Deutschland. Dirk Haushalter, im "Projektteam Stadion" als Assistent von Frank Fechner beschäftigt, ist inzwischen Pressesprecher bei der Stiftung des Telekommunikationsunternehmens Vodafone. Unser ehemaliger Buchhalter Sven Hinrichsen zog es ebenfalls vor, den FC zu verlassen und arbeitet heute für den Elektronikkonzern Pansonic. Carsten Wohlrath, der vor Torsten Vierkant Ticketchef am Millerntor war, verdient sein Geld schon seit einigen Jahren bei der Sportfive-Tochter "Sportfive-Tixx", die unter anderem den Kartenverkauf für Vereine wie den HSV oder Hertha BSC Berlin abwickeln. Der Vollständigkeit halber soll an dieser Stelle auch Clemens Gerlach erwähnt werden, der die ehemalige Stadionzeitung "pauli" leitete. Der Journalist ist derzeit Leiter des Sportressorts bei Spiegel Online. Am Ende dieser Aufzählung, die eigentlich für sich spricht, komme ich gerne noch mal auf die Qualifikation des unfreiwilligen Überschriftenstifters Gunter Preussker zurück. Dieser musste im Oktober 2004 in seiner Funktion als Geschäftsführers des 5-Sterne-Hotel "Casino Travemünde" Insolvenz anmelden. Angeblich hatte sich ein Schuldenberg von rund einer halben Million Euro angesammelt. Eine Summe, über die Frank Fechner nurmüde lächeln dürfte. Wie schrieb der Lübecker Gastronom Hans-Lothar Fauth in der Lübecker Online- Zeitung HL-Liveso aussagekräftig: Man musste als Kaufmann und Gastronom nicht Hellseher sein, um diese Pleite vorauszusehen. Dem Betreiber Gunter Preussker sollte man ins Gedächtnis rufen: "Hochmut und Arroganz kommt vor dem Fall". mig |
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