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Immer dann, wenn es besonders schmerzt, ein Fan zu sein. Immer dann, wenn die aktuelle Lage schlecht bis hoffnungslos erscheint. Immer dann, beginne ich mich zu erinnern. Zu erinnern an eine schönere, vermeintlich bessere Zeit. An viele schöne Spiele und Auswärtsfahrten, in der Hoffnung, dass sie zurücckehren. Das Thema einer kleinen Serie im ÜS (denn eine Weile werden wir wohl noch schwelgen müssen) ist geboren. Here we go: Ich beginne umgekehrt: Am Anfang stand ein Heimspiel, welches für mich ein Auswärtsspiel war, nämlich das legendäre 2. Liga Spiel FC St. Pauli gegen Barmbek Uhlenhorst 1974. Mein Vater war damals noch jung, ich 8 und beeindruckt. Fragt nun bitte nicht,warum ausgerechnet wir beiden Nicht Hamburger diesem Spiel beiwohnten. Das ist zu lange her. Erinnern kann ich mich noch, dass links von mir die sichtbaren St. Pauli Fans mit ihren braun- weißen Fahnen standen (also Bunker Nord) und auf der Gegengeraden (natürlich noch ohne Tribüne) eine (vielleicht waren es auch ein Paar mehr) gelb- blaue Fahne geschwenkt wurde. Das Spiel endete 3:1 für die Braun- weißen und Torwart Ritzke (und nicht Sonny Wenzel) hat irgendwie einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Ich sehe ihn noch heute vor mir. Ob ich bei diesem Spiel oder zwei Jahre später in der Saison 76/77 gegen Hannover 96 (2:0) in der Halbzeitpause hinter der Haupttribüne Hans Tilkowski vorgestellt worden bin, oder besser gesagt einmal seine Hand schütteln durfte, weiß ich auch nicht mehr. Jedenfalls habe ich bis heute meine Hände nicht gewaschen. Zwischendurch gab`s noch ein Spiel in der verbotenen Stadt beim BVB, welches 1:4, vor immerhin 20.000 Zuschauern, darunter ca. 20 Auswärtsfahrer (so mein Erinnerungsvermögen) verloren ging. Schiller wurde zum Spucker von St. Pauli (so Titelte der Kicker), weil er sich genau dieses gegenüber seinem Gegenspieler Ackermann leistete, wofür er von diesem kurz darauf die Blutgrätsche zu spüren bekam. 15 Jahre später: Zu Besuch in Hamburg ergatterten wir früh morgens noch Karten für das Heimspiel gegen die Schwarz- Gelben (mal wieder).Wir standen in der Gegengerade ungefähr Block F, ganz unten am Zaun.Ausverkauft, wie immer. Die Begeisterung war groß, fast grenzenlos, damals in der Bundesliga 1989. Im nach hinein betrachtet lief an diesem Tage irgendein Film vor meinen Augen ab, denn es war nun endgültig um mich geschehen. Es folgten viele Spiele mehr für Braun und Weiß. Ein eher langweiliger Kick gegen damals noch Bayer Uerdingen 05 beispielsweise 1990/91 zu Hause.Wir waren mal wieder zu Besuch in Hamburg und gewannen 1:0. Nicht wir, das Team natürlich. Unserem schottischen Begleiter, einem in Westfalen stationierten Celtic Fan, zeigten wir auf dem Alstervergnügen als After Game Party, dass nicht nur die Schotten saufen können. Meine erste persönliche schmerzhafte Niederlagenserie mit den Braun- Weißen begann am 28. Spieltag 1991 mit einer 0:3 Niederlage in Bochum und welche letztendlich mit dem Abstieg aus der Bundesliga endete. Eigentlich ein schlechtes Omen für eine gerade beginnende intensive Fankarriere. Aus heutiger Sicht, lässt sich das eindeutig bestätigen. St. Pauli spielt überwiegend scheiße und das seit mindestens einem gefühlten halben Leben. In Bochum begegnete ich aber auch zum ersten Mal den St. Pauli – typischen Support, der sich überwiegend aus Leidenschaft und purer Verzweifelung zusammensetzt jedoch die Fanszene Jahre prägte. Doch noch war nichts verloren, im Abstiegs-, damals Klassenkampf. Spielern wie Ippig, Kocian, Schlindwein, Trulsen, Olck, Golke und Ottens (Namensgeber des Übersteigers; erfand den grandiosen Übersteiger ohne Gegner weit und breit) usw.waren Helden. Ihnen verzieh man, im Gegensatz zu den heutigen Protagonisten, ziemlich alles. Knapp einen Monat später erlebte ich das 0:5 Debakel in der Betonschüssel beim Stadtrivalen. 600 km für eine desaströse Niederlage.Auch dieses Spiel war, obwohl es für den FC um den Abstieg ging, wie fast alle Derbys, nicht ausverkauft. Der Brasilianer Nando läutete bereits in der 3. Minute den Untergang ein, es war sehr leise im weiten Rund. Nur ein paar Stufen vor mir sang ein volltrunkener Besucher die restlichen fast 90 Minuten durchgehend laut und äußerst penetrant den Namen Nando vor sich hin und nervte alle Umstehenden beträchtlich. Noch heute summe ich genau diese Melodie mit genau diesem Namen, wenn ich schlecht spielende Brasilianer sehe. Noch bevor ich mich an unseren Zuckerhutzauberer Leonardo Manzi denke. Ein bleibender Schaden, wie mir scheint. Es folgte noch eine 2:5 Klatsche in Dortmund, nach der endgültig feststand: St. Pauli musste in die Relegation um den Verbleib in der 1. Liga. Dortmund, mit Steffen Karl in der Mannschaft, der 7 Jahre später auch am Millerntor vorbei schauen sollte, eigentlich nur Mittelmaß,war noch viel zu stark für den FC St. Pauli. Das ganze Stadion feierte den damaligen Meister Kaiserslautern als willkommene Abwechselung gegenüber den Bayern. Das war`s auch schon. Nachdem die beiden ersten Relegationsspiele jeweils Unentschieden endeten, kam es im Parkstadion in Gelsenkirchen auf neutralem Platz zum Show Down. Nach den beiden vorangegangenen Spielen, war die Erwartungshaltung klein, aber die Hoffnung groß. Nur rund 16.000 Zuschauer verliefen sich im weiten Rund. Dafür fast alle aus Hamburg. Die Fans der Stuttgarter Kickers konnten per Handschlag begrüßt werden, vielleicht einhundert/ zweihundert mögen es gewesen sein. Die eigentliche Schalker Nordkurve befand sich mit Ausnahme vieler Sympatisanten, darunter auch einige Schalker Kutten, fest in St. Pauli Hand. Der Roar, es war noch einer, war prächtig. Vielleicht begann St. Pauli gerade deshalb übermotiviert und lief den Kickers ins offene Messer. Die Kickers mit Unsympathen wie Dirk Fengler und keinem Geringeren als Marcus Marin im Team (Volker Ippig trug allerdings auch seinen Beitrag dazu bei) besiegelten ziemlich schnell den Abstieg. Schon 0:2 zur Pause, am Ende 1:3. Es folgten bittere Momente eines Abstiegs: Tränen, Trauer und Unverständnis, dass ein Club wie die Kickers mit derart wenig Fanpotential in die Bundesliga aufstieg. Doch St. Pauli steht immer wieder auf: Schon als die Spieler kurz darauf in die Kurve kamen, wandelte sich die Stimmung wieder in Anfeuerungsrufen. Man gab sich trotzig. St. Pauli stieg ab und ich sozusagen auf, in den Norden nach Hamburg und erlebte Anfang der Neunziger viele durchschnittliche und schlechte Zweitligaspiele am Millerntor. Ich erinnere mich an eine nie gefährdete 0:3 Niederlage gegen Hannover, die eine Viertelstunde vor Schluss frenetisch mit einer nicht ausklingenden und sonst total verpönten Welle vom Publikum gewürdigt wurde. Aber auch an kultige (das waren sie wirklich) Auswärtsspiele in Osnabrück mit unseren beiden finnischen Geheimwaffen Helm und Järvinen im Team, als auch an die erste Durchquerung unendlich ländlicher Gebiete auf der Fahrt nach Meppen und natürlich an die Braun –weiße Invasion durch die Lüneburger Heide nach Wolfsburg, als es noch Wolfsburg war: Nämlich tiefste Provinz. Aber davon im nächsten Übersteiger mehr. // CF |
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