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Das Geschrei dieser Tage ist groß. Und laut. Da werden Floskeln rausgehauen wie "Das Ansehen des deutschen Fußballs ist mit Dreck beworfen worden". Von welchem nebulösen Ansehen sprechen die denn da? Vom oberkorrekten Deutschen und seinem fleißigen Dasein? Welch Ironie und kaum mehr auszuhaltende Deutschtümelei! Und weiter: "Bis der deutsche Fußball sich davon erholt hat, kann es Jahre dauern". Schade für euch Deutschfunktionäre, die ihr nun auch in Sportfragen nicht mehr den Zeigefinger heben dürft. Mit dicken Eiern lässt sich besser prahlen, oder? Man kann sich den Schaden auch herbeireden. Mehr: "Das Ausland lacht über uns". Lachen ist gesund! Und noch einer: "Der Mann darf nie wieder eine Funktion im sportlichen Bereich ausüben". Jawohl! Das wollte ich hören. Die Generalverbannung ist ausgesprochen. Die Insel ist auch schon ausgesucht... Warum nur stößt mir das ganze Theater sauer auf? Wer sind denn diese Schreihälse, ja diese selbsternannten Doppelmoralisten? Ein Herr Stoiber zum Beispiel, der beim Wort "Affäre" gleich zusammenzuckt, entgegnet "Was ich? Nein!?" und durch den Hinterausgang verschwindet. Ein Herr Schily, der selbstherrlich alles verschärft, was ihm zu fade schmeckt; der Fußballfans in Sippenhaft nimmt und nach dem Supergau der Eskalation nur noch die vom Kanapee gehauchten Worte rausbringt "Macht sie endgültig platt, diese nörgelnden Nonkonformisten". Und noch ein obskurer Redenschwinger steht mit an der Spitze des autoritär reaktionären Klüngels. Der Vorzeige-Germanier MV, die Inkarnation eines verkrusteten Fußballbundes, welcher sich aalglatt aus jeder Affäre zu ziehen versucht, wenn ihm seine miefige deutschnationale Historie unter die Nase gehalten wird. Man will nicht lernen und dann noch das: Als sich neulich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz- Birkenau zum sechzigsten Male jährte und beim DFB angefragt wurde, ob man in den Stadien dazu eine Durchsage machen könnte (was letztendlich auch geschah), wurde vom Generalsekretär Wilfried Straub (Staub wäre vielleicht treffender) erst mit den Worten abgewiegelt, dass wenn der Fußball sich so exponiert, der Verdacht entstehen könnte, er habe sich in der Nazizeit besonders viel zu Schulden kommen lassen. Ja geht’s denn noch. Das ist ein Schlag in die Fresse der Juden, der Antifaschisten, der Sinti und Roma und der Andersdenkenden überhaupt. Das passt in eine aufsteigende Reihe mit dem versuchten Geschichtsrevisionismus der NPD bzgl. des Dresdner Bombenangriffes. Immer schön alles in einseitiger Betrachtung unter den Teppich kehren. Immer schön vor den Türen anderer (ver)kehren. Das alles ist so würdelos und traurig, dass ich mich am liebsten abkehren möchte.Vom Fußball, von der Gesellschaft in der ich lebe, vom Leben schlechthin. Ich weiß, ihr würdet euch die Hände reiben, wenn so eine Nachricht in eure versnobte (Ver)Wirkstätte vordringen würde. Also,gut gebrüllt,Deutschland!Gut gebrüllt, ihr vermeintlichen Saubermänner! Doch sind die Werte eines so "sauberen Sports" nicht schon längst verkauft worden? Benehmen sich einige hohe Herren nicht wie Aasgeier, die gierig auf einen daliegenden Leib hinabstürzen? Wo die Suche nach der Seele eines Sports nur noch mit der bekannten "Nadel im Heuhaufen" verglichen werden kann, ist auch Tugend ein Relikt vergangener, vielleicht nie da gewesener Zeiten, ein Ideal, das selten in der menschlichen Natur vorkommt, wenn der Mensch, wie Spinoza einst sagte, seiner Natur nach Vernunftwesen ist. Er sagt auch weiter, dass Einsicht die erste und einzige Grundlage der Tugend ist. In diesem Sinne hat Robert Hoyzer gehandelt, hat wahrscheinlich mehr Einsicht in einem Moment bewiesen als einige honorige Herren je in ihrem Leben leisten werden. Über den Zeitpunkt der Einsicht mag man streiten, sicher; doch es wäre ihm noch schlimmer ergangen, wenn er weiter geschwiegen hätte. Das hat er aber nicht getan und legte ein umfangreiches Geständnis ab. Den nach Strafe Lechzenden sei gesagt: Es ist ja alles so schön einfach, wenn man auf dem Throne festgesessen ist. So war es immer schon, aber so sollte es nicht unbedingt bleiben. Ist eigentlich schon jemand auf die Idee gekommen, dem Herrn Hoyzer eine Offerte zu machen, ihn zum Fifa-Schiedsrichter auszubilden und ihm nach dem Motto "Jetzt erst recht" neue Verantwortung zu übergeben? Nach den Steinen zu urteilen, die zur Zeit auf ihm einprasseln, würde er seine neue Aufgabe mehr als korrekt erfüllen, würde es nicht wagen, noch mal zu versagen und wäre sehr wahrscheinlich jeder Bestechung gefeit! Ich bin für die Rehabilitation, anstatt jemandem mit horrenden und auch absurden Schadensersatzforderungen das ganze Leben versauen zu wollen. Das wäre wahre Tugend! Eins sei gesagt: Es geht hier nicht um Verharmlosung eines Tatbestandes. Strafe muss sein, und die wird er im Sinne der Rechtsprechung auch entgegen nehmen müssen, klar: Doch wäre nicht gerade jetzt ein heikler Punkt einer jeden Biographie erreicht, an dem man ansetzen könnte? Mal ehrlich: Mich würde es zutiefst wundern, wenn eine Umkehr stattfinden würde. Es würde mich sogar zu Tränen rühren! Aber die Wahrheit ist, die Menschen brauchen einen Sündenbock, jemanden auf den sie zeigen können, jemanden an dem sie sich hochziehen können, wo nichts hochzuziehen ist! Kommen wir zum Schluss: Ich habe gar nicht soviel Rotz in der Nase, wie ich in weißen Gardinen verteilen möchte... // pelstinho |
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