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Es gibt ja diese Zeitung aus dem Hause Springer mit den vier großen Buchstaben, welche durch große Schlagzeilen glänzt und mit der der Übersteiger in letzter Zeit von Experten oftmals verglichen wurde. Eben diese Zeitung bringt einmal im Jahr (immer an Heiligabend) eine Ausgabe heraus, in der ausschließlich gute (bzw. positiv formulierte) Nachrichten stehen. Und wann, wenn nicht jetzt, sollten auch wir das mal probieren? Ich fang einfach mal an, oder zumindest probier ich das. Aller Voraussicht nach,werden wir dieses Jahr sportlich nicht absteigen! Bereits in weniger als 20 Monaten läuft der Vertrag von Franz Gerber endlich aus! Wir konnten einen weiteren Angestellten gewinnen, der unseren Geschäftsführer bei seinen vielen Aufgaben entlasten wird! Corny Littmann hat ein absolut reines Gewissen in der Steuergeschichte und er kann ruhig schlafen! Der FC St.Pauli hat (zumindest subjektiv gefärbten Berichten zufolge) die Cocktail Krise auf Kuba beendet. Viele Spieler haben ein Autogramm von Javier Sotomayor, der kubanischen Hochsprunglegende,bekommen, einige sogar ein Foto. Es hat in der Presse keine Berichte über sexuelle Auffälligkeiten im Trainingslager gegeben. Im Trainingslager ist niemand gestorben. Das Millerntor steht immer noch auf dem Heiligengeistfeld. Robert Hoyzer wird keine Spiele des FC St.Pauli mehr verpfeifen können. Tja, und so langsam verlassen sie mich. Keine Ahnung wie die Bild es schafft, aus Scheiße Gold zu machen, aber die dürfen ja auch über Gott und die Welt schreiben, nicht nur über den FC St.Pauli. Aber wenn man mal ehrlich ist, ist es hier ja auch gar nicht so schlimm. Gut, da ist eine Million aus Steuerverbindlichkeiten von Anno Dazumal, und eigentlich kann sich niemand auch nur annähernd erklären, wie das passieren konnte, weder der Buchhalter, noch der damalige Präsident, noch die Wirtschaftsprüfer und schon mal gar nicht unser jetziger Präsident, in dessen Verantwortung immerhin noch der Jahresabschluss fiel. Unser Geschäftsführer kann sich das natürlich ebenfalls nicht erklären, alles andere hätte uns aber auch wirklich überrascht. Hinzu kommen ca. eine weitere Million an diversen Verbindlichkeiten, aber weil unser Präsi und der eine Vizepräsi ja best buddies mit den Herren vom Finanzamt sind, besteht selbstredend kein Anlass zur Panik. Und UnsCorny geht sogar noch weiter: "Die aktuellen Verbindlichkeiten machen in der Regionalliga keine Freude, bewegen sich aber im erträglichen. Es ist deutlich weniger als eine Million und den Verbindlichkeiten stehen auch Forderungen gegenüber." Na, dann schauen wir uns das mal an. 250.000,- Euro; sind als Rate für den (längst abgewickelten) Transfer von Nascimento noch nach Brasilien zu überweisen. Der Scheck, den Frank Fechner zu diesem Zweck ausgestellt hat, war zum Zeitpunkt der geplanten Einlösung nicht gedeckt. Das böse Wort "Scheckbetrug" wurde natürlich dementiert, schließlich konnte man ja bei der Ausstellung nicht ahnen, dass dieser Verein schon wieder in Liquiditätsengpässe kommen würde. Hinzu kommen u.a. ca. 270.000,- Euro; Darlehn der Abteilungen, deren Rückzahlung Kassenprüfer Lars Sörensen auf der letzten JHV dringendst empfahl, um die Gemeinnützigkeit nicht doch noch zu gefährden, ebenso wie ca. 175.000,- Euro; einbehaltene Mitgliedsbeiträge aus dem vierten Quartal 2004, die immer noch nicht an die Abteilungen weitergeleitet worden sind. Man addiere die 300.000,- Euro; von Corny selbst (oder eben etwas weniger, wenn er denn schon was zurückbekommen hat) und schon ist man ohne große Probleme bereits bei der Million, die Corny noch leugnet. Doch auch dies ist wohl nur die Spitze des EisbergsNicht dabei sind diverse "normale" Rechnungen von Dienstleistern, von denen einigen langsam die Geduld ausgeht. So stand das Heimspiel gegen die Amateure des 1.FC Köln kurz vor der Absage. Nicht etwa, weil der Schnee in der Südkurve so hoch lag, sondern weil der Techniker, der für die Lautsprecheranlage zuständig war, damit drohte, die gesamte Anlage unbrauchbar zu machen, wenn man nicht prompt seine Rechnung begleichen würde. Nun mag man sich in manchen Stadionbereichen denken, dass das ja auch nicht anders ist als sonst, weil man eh nie was hört, allerdings verstößt dies gegen die Spielordnung des DFB, eine Austragung des Spieles wäre somit unmöglich gewesen. Und "das Kapital des Vereins", die Fans? Die werden auch mit Füßen getreten, wenn überhaupt. Der angekündigte "regelmäßige Chat" ist längst zur "Wir treffen uns immer dann kurzfristig, wenn die Kacke so richtig am dampfen ist um die Masse zu besänftigen- Chat" verkommen. Und wenn der Fanladen sich auch nur annähernd auf den Verein verlassen würde,wäre er noch verlassener als die Südkurve beim Köln-Heimspiel. Der Verein schuldet dem Fanladen noch Geld, welches sich aus verschiedenen Positionen zusammensetzt. Der größte Posten ist die Unterstützung für die Miete, ein hoher f?nfstelliger Betrag. Der Verein hat sich zu dieser Zahlung als Gegenleistung dafür verpflichtet, dass der Fanladen auf eigene Merchandise Artikel, die dem Verein Käufer Potential abziehen würden, verzichtet. Das der Verein es hier auch nicht nötig hat, sich wenigstens zu erklären und das weitere Vorgehen abzusprechen ist genauso erbärmlich wie leider auch selbstverständlich. Genauso peinlich ist das Verhalten in zwei Fällen, die der Fanladen vermittelt hat. Zum einen der von der Kurverwaltung St. Pauli im September organisierte Stadtteilrundgang der Mannschaft. Dieser ist dem Verein zwar immer eine Pressemitteilung wert, weil sich das ja in der Presse so fantastisch nach "kultiger Kiezclub" anhört und vermarkten lässt, die Rechnung über sage und schreibe 100,- Euro ist aber bis heute nicht bezahlt. Schöner Umgang mit einer Ehrenamtliche Einrichtung aus dem Stadtteil. Und dann war da noch die Never Ending Story mit der Auswärtsfahrt nach Dortmund. Littmann hatte sich ja bereits im Westfalenstadion an die mitgereisten Fans gewandt und den zu Tränen gerührten großzügig mitgeteilt, der Verein würde für alle, die die Reise mitgemacht hatten und auch zum nächsten Versuch reisen würden, die Kosten übernehmen. Auch hier ließ das mediale Ausschlachten dieser Großzügigkeit nicht lange auf sich warten. Und nun ratet mal, ob die Miete für die vom Fanladen angemieteten Busse für den nächsten Termin in Dortmund inzwischen bezahlt ist? Nein? Richtig geraten. 2.050,- Euro;, die der Fanladen als offizieller Auftraggeber selber zahlen muss, wenn der Verein nicht schleunigst die Fahrt (von Anfang November) bezahlt. Kurz vor Redaktionsschluss wurde uns mitgeteilt, dass der Verein beabsichtig, mit dem nächsten Zahlungslauf zumindest die Beträge an die Kurverwaltung und das Busunternehmen zu begleichen, aber erzählen kann man ja viel. Und die Miete für den Fanladen steht dabei noch lange nicht auf dem Plan. Mal ehrlich: Wenn man sich schon bei solch verhältnismäßig kleinen, in der Außenwirkung aber doch recht wichtigen Forderungen nicht in der Lage sieht, diese zu begleichen, wer soll denn dann noch glauben, dass "alles erträglich" ist? Um noch mal zu versuchen, mit einer positiven Meldung zu schließen: Wie wir in unserer Online-Ausgabe vom 17.02.2005 berichteten (und in der Ausgabe 71 ja auch schon im JHV Artikel angedeutet hatten), soll eine Angestellte des Vereins 50.000,- Euro; hinterzogen haben. Marcus Schultz hat dies vergangenen Montag bestätigt, indem er Gehaltsüberzahlungen (ohne genaue Angabe der Höhe) in den Jahren 2001 und 2002 ebenso einräumte, wie einen Fehlbetrag in der Barkasse in Höhe von 10.000,- Euro;. Nun kann sich jeder selber Summe ausmalen, die tatsächlich entwendet wurde... aber wenn die Mitarbeiterin dann nicht mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt, sondern auf der JHV mit Blumen verabschiedet wird, kann es dem Verein ja doch noch nicht so schlimm gehen. Schöne positive Nachricht zum Schluß, oder? Das Gerücht, es handele sich dabei um Schweigegeld, damit sie nicht weitere brisante Dinge aus diesem Chaosverein ausplaudert, weise ich jetzt einfach mal entschieden zurück, schließlich wollte ich doch nur positives schreiben. // Frodo |
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