Clubheim - Eine Heimat für die Mitglieder und Fans?
Seit ich denken kann, wurde das Clubheim
von Brigitte geführt. Es herrschte eine
raue, aber herzliche Atmosphäre, bei der
auch die schlafmützigen Tresenkräfte und
der manchmal etwas launische Ton von Brigitte
dazu gehörten. Leider hat sich aber
immer mehr erwiesen, dass die ganze wirtschaftliche
Planung eher subotimal war. Im
letzten Jahr gab es einen ersten Warnschuss,
mehrere Leute bemühten sich, mit Brigitte
zusammen ein Konzept zu entwickeln um
das Ruder noch herumzureißen Dies stellte
sich letztlich als vergeblich heraus, so das es
zur Trennung kam.
Sehr schade, aber in der derzeitigen
finanziellen Lage des Vereins wohl unumgänglich.
Der Verein (bzw. die wechselnden
Präsidien) darf sich dabei ein gutes Stück
Mitschuld zuschreiben, gab es doch nie eine
effektive Kontrolle. Es wurde vor sich hingewurschtelt,
Investitionen wurden nicht vorgenommen,
bis das ganze schließlich eskalierte.
Dass es dann schließlich zur Trennung
von Brigitte kam, haben viele Leute bedauert,
aber auch die Notwendigkeit eingesehen.
Sofort kamen vollmundige Versprechungen
von Herrn Littmann, dass das Clubheim
Heimat für die Fans und Mitglieder bleibt. Im
ständigen Ausschuss wurde beschlossen,
eine "Pächterfindungskommission" einzusetzen,
um einen Pächter zu finden, der die
vielfältigen Anforderungen an ein Clubheim
erfüllt. Diese bestehen vor allem darin, dem
Vereinsleben zu dienen, d.h. die Mannschaften
können nach dem Training ein paar
Bier trinken, eine Kleinigkeit essen, diverse
Institutionen des Vereins halten ihre Treffen
ab (Alter Stamm, Schachabteilung, AgiM
usw.), bei Heimspielen ist es ein Anlaufpunkt
für die Fans und es wird ein Platz für diverse
Festivitäten geboten (Hochzeiten,
Geburtstage, Konzerte...).
Selbst ist der Verein?
Nach der doch etwas plötzlichen Schließung
wurde das Clubheim dann übergangsweise
vom Verein betrieben. Sehr
sinnvoll und löblich, denn an Heimspielen
nicht geöffnet zu haben, heißt bares Geld zu
verschenken.
Offenbar waren die Einnahmen beim
Münster Spiel dann so hoch, das Herr Littmann
beschloss, dass das Clubheim dann
doch lieber vom Verein über einen angestellten
Betreiber weitergeführt werden sollte.
Vergessen waren die Beschlüsse des ständigen
Ausschusses, was aber kein Problem
war, gelang es CL doch problemlos, den
damaligen Beschluss zu kippen und einen
neuen nach seinen Wünschen zu erreichen.
Nun soll es also einen Probebetrieb bis
Februar geben, danach soll dann entschieden
werden, ob ausgeschrieben wird, d.h.
vor Sommer 2005 wird sich wohl an der derzeitigen
Lage nichts ändern.
Ist das ein Grund zur Besorgnis? Eigentlich
sollte doch jeder glücklich sein, dass das
Geld komplett dem Verein zugute kommt
und nicht ein Pächter seinen Teil abschöpft.
Wenn es denn so wäre, wäre es in der Tat
sehr schön, CL verkündete auf der JHV denn
auch, dass eine Pacht von 10.000 € für einen
Laden in dieser Lage nicht utopisch ist. Dies
würde zwar eine Verfünffachung der bisherigen
Pacht bedeuten, aber wenn CL meint...
Im Umkehrschluss heißt dies aber wohl
auch, dass bei einem Betrieb des Clubheims
durch den Verein jeden Monat der gleiche
Betrag an eben diesen fließen müsste, denn
sonst wäre es ja unwirtschaftlich, den Laden
nicht zu vermieten...
Dass dies möglich sein soll, ohne das Vereinsleben
zu beeinträchtigen, kann ich mir
nur schwer vorstellen. Ein Konzert im Clubheim,
während die Schachabteilung im Ligaraum
die Figuren schwingt, ist wohl schwierig
abzustimmen. So gab es ja schon bei der
Champions-League Übertragung leichte Differenzen,
weil der Ton zu laut war...
Ohne eine Ausweitung des Angebots
(Modell "Tivoli light"?) dürfte es jedenfalls
schwierig sein, auch nur annähernd die notwendigen
Einnahmen zu erzielen. Hierbei
wurde noch in keiner Weise berücksichtigt,
dass das ganze Clubheim komplett marode
ist: Die elektrischen Leitungen müssen ausgetauscht
werden, die Küche muss erneuert
werden, durch die Fenster zieht ess, die Heizung
funktioniert mal und mal nicht etc. Es
gibt ja den schönen Spruch, dass das Flutlicht
ausfällt, wenn die Friteuse angeschmissen
wird.
Die Gesamtsumme der notwendigen
Investitionen wurde mal mit 50.000 € angegeben
- wie der Verein das in der derzeitigen
finanziellen Lage wuppen will, ist mir ein
Rätsel. Mit ein bisschen Farbe an die Wand
und auf die Fensterrahmen ist es jedenfalls
nicht getan, und neue Tische verbreiten auch
nicht gleich Wohlfühlflair.Andererseits ist es
aber auch kaum vorstellbar, dass ohne
grundlegende Änderungen der Einrichtung
mehr Leute kommen, die abends im Clubheim
einfach mal ein Bier trinken, was
wiederum heißt, dass das Clubheim bis
Februar seinen Kantinencharme behält.
Grundlegende Änderungen wären wiederum
ziemlich sinnlos und Geldverschwendung,
besteht doch immer noch die Möglichkeit,
dass im Februar alles wieder rausgerissen
wird.
Der Verein hat meiner Meinung nach
momentan ganz andere Sorgen, als sich
auch noch um die Bewirtschaftung des Clubheims
zu kümmern, selbst wenn er einen
Weg finden würde, die 50.000 € zu besorgen.
Dann sollte das Geld lieber dafür verwandt
werden, den Abteilungen endlich ihre
seit langem überfälligen Gelder zurück zu
zahlen. Das ganze erinnert irgendwie an die
Senatspolitik, die für Nebensachen wie die
Verschönerung des Jungfernstiegs oder
blaue Polizeiuniformen Geld hat, gleichzeitig
jedoch massiv im sozialen Bereich kürzt.
Aber CL und der Freiherr von Beust sind ja
auch gute Freunde, das erklärt dann wohl
manches...
Ein Pächter hat ein Eigeninteresse an wirtschaftlichem Erfolg
Eine Entscheidung für ein Pächtermodell
würde dagegen viele dieser Probleme umgehen:
Da die Pächter kein Grundgehalt beziehen,
müssen Sie dafür sorgen, dass der
Betrieb läuft. Es ist unbestritten, dass ein
Pächter einen ungleich höheren Anteil an
eigenem "Herzblut", Engagement und
"unbezahlte" eigene Arbeit investieren wird,
als ein Angestellter, der den Laden gegen festes
Gehalt betreibt. Hat der Verein Angst, dass
er zu kurz kommt, kann er ja eine Gewinnbeteiligung
in den Vertrag aufnehmen.
Ansonsten kommt monatlich die Pacht, ohne
dass der Verein (woanders dringend notwendige)
Kapazitäten verschwenden würde.
Zumal ja ständig betont wird, wie überlastet
das Präsidium doch ist... Und was für gewaltige
Aufgaben im finanziellen Bereich auf den
Verein zu kommen, haben wir auf der JHV ja
erfahren können. Das Präsidium sollte seine
gesamte Energie auf die finanzielle und sportliche
Gesundung des Vereins konzentrieren
(denn dort liegt einiges im Argen!) und sich
nicht noch mit dem Clubheim beschäftigen
müssen. Aber vielleicht wird das Präsidium
dann ja noch um einen Clubheim-Beauftragten
aufgestockt... Und die notwendigen Investitionen
wären auch eine Sache, die der
Pächter zu erledigen hat, der Verein hätte da
keinen Ärger mit.
Um die Befürchtungen der Abteilungen
auszuräumen, dass in einem "neuen" Clubheim
kein Platz mehr für sie ist, kann in den
Vertrag ferner aufgenommen werden, dass
die ständige Nutzung des Clubheims im bisherigen
Umfang gewährleistet sein muss.
Dies wäre für die Abteilungen
jedenfalls sicherer als eine Vereinslösung,
da dort niemand
wirklich Einfluss auf die Entscheidungen
hätte (außer die
üblichen Verdächtigen). Und
gerade ein Pächter wäre sehr
daran interessiert, dass sich die
Leute wohl fühlen. Denn wenn
keiner kommt, verdient er auch
nichts. Ein angestellter
Geschäftsführer kassiert dagegen sein
Gehalt auch, wenn er den ganzen Abend
alleine in der Nase bohrt. Und wenn nun
jemand kommt und sagt, bisher gab es auch
einen Pächter (Brigitte) und man hat ja gesehen,
was dabei herauskommt, dann kann
man nur sagen, dass unter solchen Umständen
NIEMAND einen vernünftig laufenden
Clubheimbetrieb hinbekommen würde,
weder ein Pächter noch ein angestellter
Geschäftsführer.
Um nun noch einmal auf die 10.000 €
Monatspacht zurückzukommen: Diese Summe
dürfte eher Wunschdenken sein, realistisch
- auch im Hinblick auf die notwendigen
Investitionen - dürfte eher maximal die
Hälfte sein, und auch das nicht von Anfang
an. Um die Einnahmepotentiale zu ermitteln,
wurde ja auch die Probezeit bis Februar vereinbart.
Sehr clevere Entscheidung, das letzte
Heimspiel ist am 03.12., in den dann folgenden
2 spielfreien Monaten wird man
sicher eine sehr realistische Einschätzung
des Potentials erzielen...Andererseits stehen
im Dezember eine ganze Menge Weihnachtsfeiern
an, die einiges einbringen dürften.
Nur: diese aufs ganze Jahr hochzurechnen
ist ähnlich seriös, wie nach einer Tabellenführung
am ersten Spieltag mit den Vorbereitungen
der Aufstiegsfeier zu beginnen...
Und ähnlich hilflos wie die Aufforderung
zum Kauf von Rasenpatenschaften ist
auch der Aufruf an die Mitglieder, mit Ideen
zu kommen und ganz häufig ins Clubheim zu
gehen. Wie soll das klappen, glaubt jemand
ernsthaft, dass sich Leute in einer ungemütlichen
Wartehalle treffen, schnell ein paar
Euro Umsatz machen, nur damit die Monatszahlen
stimmen? Leute, die in der letzten
Zeit wahrlich genug Geld in den Verein
gesteckt haben? Zudem kann man sich im
derzeitigen Low-Level-Betrieb kaum ein realistisches
Bild davon machen, wie viel Einsatz
an Arbeitskraft und Geld nötig sind, um
den Betrieb vernünftig am Laufen zu halten.
Wie geht es weiter?
So bleibt also mal wieder einiges
Unbehagen über die Vorgehensweise
des Präsidiums.Wieder
mal mangelnde Kommunikation
und Entscheidungen im Alleingang.
Beteiligung der Vereinsgremium
nur, wenn Druck da ist oder
die eigentlich schon feststehende
Entscheidung abgesegnet werden
soll. Besonders bitter ist dies
natürlich für die Bewerber, die im
Vertrauen auf die ursprüngliche Entscheidung
des ständigen Ausschusses viel Arbeit
investiert, Konzepte ausgearbeitet und sich
bereits bei einigen Abteilungen vorgestellt
haben. Um nun vor vollendete Tatsachen
gestellt und auf "irgendwann im Frühjahr"
vertröstet zu werden. Dabei wird dies wohl
eher Sommer werden: Bis Februar läuft der
Probebetrieb, dann muss dieser ausgewertet
werden, der ständige Ausschuss muss einen
neuen Beschluss fassen. Geht alles gut (und
wie schnell sich da wieder was an bestehenden
Vereinbarungen ändern kann, haben
wir ja gerade erleben dürfen), werden dann
die Anforderungskriterien bekannt gegeben
und es kann sich beworben werden. Die
Konzepte der Bewerber müssen geprüft werden
und bis dann schlussendlich eine Entscheidung
fällt, ist sicher schon Sommer,
wenn nicht noch später.
Wenn es nicht langsam lächerlich wäre,
könnte man natürlich vermuten, dass im
Sommer das Stadion gebaut wird und deshalb
vorher mit dem Clubheim nichts mehr
passieren soll...
Was bleibt also als Forderung? Am
besten wäre es, SOFORT die Ausschreibungskriterien
festzulegen und die Ausschreibung
zu starten. Die Probezeit kann ja
gerne parallel laufen und am Ende bei der
Entscheidungsfindung kann das "Geschäftsführer-
Modell" ja auch als eine Alternative
in die Entscheidungsfindung einfließen.Aber
eine sinnlose Probezeit bis Februar ohne
weitergehende Planung bedeuten einen
weiteren Verlust von dringend benötigten
Einnahmen. Und von einem erfahrenen
Kiezgastronomen wie CL erwarte ich auch,
dass er realistische Pacht- und Umsatzerwartungen
in die Ausschreibungskriterien
mit aufnimmt. Zudem gab es in der Vergangenheit
bereits diverse Konzerte und Feierlichkeiten,
so das sich da doch wohl eine
Umsatzschätzung machen lassen sollte. Diejenigen,
die Konzerte dort veranstaltet oder
ihre Hochzeit dort gefeiert haben, werden
sicher noch wissen, was sie bezahlt haben.
Wenn sich am Ende dann herausstellt,
das ein Betrieb durch den Verein für das Vereinsleben
und finanziell am sinnvollsten ist,
dann gäbe es sicher niemanden, der sich
dagegen wehrt. Aber diese Entscheidung
sollte in einer engen Zusammenarbeit mit
den Gremien stattfinden, damit man nicht
immer wieder das Gefühl haben muss, dass
einige Leute diesen Verein nur zur Aufwertung
ihres persönlichen Egos benutzen.
Fans und Mitglieder wollen ein schönes
und renoviertes Clubheim, in dem wir uns
wohl fühlen. Ein Clubheim, das mit einem
guten Konzept zu einer Institution im Viertel
werden könnte und das sogar "Stadiontouristen"
anlocken könnte. Ein Clubheim, dass
man Besuchern zeigen kann, ohne sich schämen
zu müssen. Und das nicht erst in einem
dreiviertel Jahr oder später, sondern innerhalb
eines absehbaren Zeitraumes. Und
wenn der Verein ohne Risiko und eigenen
Arbeitseinsatz auch noch finanziell davon
profitieren kann - ja, worauf warten wir
eigentlich noch?]
Früher gab es zu allen möglichen Themen
offene Diskussionsabende, in denen Entscheidungen
erläutert und kontrovers diskutiert
wurden. Gerade im Hinblick darauf,
dass das Clubheim das Herzstück des Vereinslebens
ist, und seine Zukunft jeden
unmittelbar betrifft, sollte so ein Diskussionsabend
so schnell wie möglich terminiert
werden. Andernfalls besteht die große
Gefahr, dass es wieder zu Anfeindungen
untereinander kommt, die nun wirklich niemand
mehr braucht!
Gastartikel von Mr. Spitzfindig
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