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Erinnert Ihr Euch noch an Kay Stisi? "Nee, nie gehört", werden einige sagen. "Klar, unsterbliche Legende" die anderen. Und beides ist irgendwie nachvollziehbar. Erstere werden von der nackten Statistik gestützt. In drei Saisons von 94-97 brachte er es auf sage und schreibe drei Spiele in der zweiten und neun Spiele in der ersten Liga, von denen keines über neunzig Minuten ging, sondern er zweimal von Beginn an spielte, aber ausgewechselt, und bei sämtlichen anderen Auftritten immer nur eingewechselt wurde. Pro Saison also im Schnitt drei Komma drei Periode Spiele, so jemanden muss man nicht kennen. Na ja, oder doch? Wie viele Tore hat der junge Mann denn in der Zeit so geschossen? Eins... eins? Nee, dann muss man ihn wirklich nicht kennen, werden die einen wieder sagen,während die anderen laut aufstöhnend die Hände über dem kopf zusammenschlagen werden. Doch, genau wegen dieses einen Tores muss man ihn kennen, mit diesem Tor wurde er zur Legende. "Du bist doch der vom Rostock-Spiel?!"Es war Sonntag, der 24.März 1996. Die Bundesliga-Sonntagsspiele wurden noch um 17.45Uhr angepfiffen, es regnete eimerweise, der FC St.Pauli empfing den Erzfeind, FC Hansa Rostock. Die Startaufstellung des Gastgebers zwingt einem die Tränen in die Augen, Thomforde, Dammann, Pröpper, Sobotzik, Trulsen, Scharping, Pedersen, Springer, Dinzey, Driller und Stanislawski (für den bereits nach vier Minuten Stephan Hanke kam), was waren das für Zeiten. Schiedsrichter vor 16.500 Zuschauern war ein Bernd Heinemann, Uli Maslo und Frank Pagelsdorf bewohnten die Trainerbänke und ein gewisser Stefan Beinlich sorgte nach zwei Minuten für die Gästeführung. Ein Doppelschlag von Carsten Pröpper sorgte für die zwischenzeitliche Führung die von Breitkreuz egalisiert wurde. Es kam die 79.Minute und mit ihr die Einwechslung von Kay Stisi für Jens Scharping. Als schon niemand mehr damit rechnete, drosch er in der 88.Minute den Ball zum umjubelten Siegtreffer ins Netz und machte sich damit für immer unsterblich. Warum ich das erzähle? Zum einen finde ich die Story immer noch großartig, und als sie kürzlich einem unserer aktuellen Spieler erzählt wurde, hatte der natürlich auch noch nie etwas von Stisi gehört, traf dann aber abends beim gemütlichen Beisammensein mit Mannschaftskollegen auf einen braun-gebrannten Herren, der ihm als eben jener Kay Stisi vorgestellt wurde. Es folgte ein "Ach, Du bist doch der vom Rostock Spiel!" und ein verdutzt amüsierter Blick bei Stisi und den anderen. Zum anderen, und das ist viel wichtiger, hätte damals wohl niemand für möglich gehalten, dass es mal einem Hansa Rostock Sympathisanten zu verdanken sein wird, dass wir die einst an Weisener abgetretenen Rechte an Sponsoring und Catering endlich wieder zu 100% in Vereinsbesitz haben, womit wir endlich beim Thema wären. Marketing-Rechte wieder beim VereinDank eines zinsfreien Darlehns seitens der wHolz GmbH über 700.000.- Euro konnte dieser Deal mit Upsolut geschlossen werden, der dem Verein nun pro Saison geschätzte 350.000,- Euro bringen soll und damit die von Littmann und Co. prognostizierte jährliche Unterdeckung annähernd schließen soll. Vereinfacht gesagt, erhält der Verein nun also wieder die gesamten Erlöse aus dem Sponsoring, die bisher zu einem gewissen Prozentsatz immer mit Upsolut geteilt werden mussten. Einfacher wird so auch die Akquise von Kleinsponsoren, die dem Verein mit Sachspenden helfen wollen. Bisher war dies immer problematisch bis unmöglich, da der Verein dann einen Anteil des Geldwerts an Upsolut abführen musste, da denen ja vertraglich ein Anteil der Sponsoren-Einnahmen zusteht.Wollte eine Firma also der Jugendabteilung einen Kleinbus schenken, stellte das den Verein vor mittelschwere Probleme oder musste abgelehnt werden. Außerdem sollen wohl viele Sponsoren bereit stehen, denen daran liegt, nur dann einzusteigen, wenn auch das gesamte Geld an den Verein geht. Nicht betroffen sind Fernsehgelder bei einem eventuellen Wiederaufstieg, die waren auch bisher schon nahezu komplett in den Vereinskassen gelandet. Der Nachteil sind halt jene bezahlten 700.000,- Euro sowie die Abtretung von weiteren 25% der Merchandise KG an Upsolut, das damit jetzt 75% daran hält. Glaubt man Vereinsmitarbeitern, so ist die zu erzielende Marge im Merchandise Bereich gegenüber den Vermarktungsrechten ohnehin eher zu vernachlässigen. Eine Lizenzgebühr kassiert der Verein für die Merchandise Artikel aber weiterhin. Vollkommene Glückseeligkeit? Das Ende aller finanziellen Probleme? Nein, so weit ist es wohl noch lange nicht, und wir werden uns hüten, vor der Offenlegung von Zahlen für dieses Geschäftsjahr (also erst auf der JHV Ende 2005) diesen Deal als uneingeschränkt empfehlenswert abzufeiern, aber wenn es an der Geschichte einen Haken gibt, so haben wir ihn bisher noch nicht gefunden, bliebe höchstens die Frage, warum Upsolut dem Deal dann überhaupt zugestimmt hat. Ist diese Meldung also (bisher) als äußerst positiv angenommen worden, so tut auch die sportliche Entwicklung nach eher glücklichen Siegen gegen Union und Paderborn sowie einem verdienten Sieg (nach Rückstand!) gegen die Bielefelder Amateure ihr übriges. Wann wir das letzte Mal in einem Pflichtspiel einen Rückstand gedreht haben, fragt Ihr? Gar nicht lange her, am 25.7.2004 im Oddset Pokal bei Buchholz 08. In einem Ligaspiel muss gar der 26.01.2002 herhalten, als Meggle, Rath und Bajramovic am Millerntor aus einem 0:1 (Eigentor Kientz) noch ein 3:1 gegen Wolfsburg machten. Geht es also endlich wieder aufwärts? Gibt es keine Aufreger mehr bei diesem sympathischen Regionalligisten? Bye Bye,Brigitte?Na, soweit ist ja noch lange nicht, zweimal Aufsehen haben wir dann schon noch zu bieten, beides Mal eher traurige Dinge. Zum einen wäre da das leidige Thema des Clubheims. Der aufmerksame ÜS Leser wird sich an die Protestwelle 2003 erinnern, die gegen die Festung Littmann rollte, als Clubwirtin Brigitte ohne Vorwarnung gekündigt werden sollte. Wie es die festgetacker- te Totenkopfmütze am besten kann, folgte der Salto rückwärts bei zu viel Druck aus der Öffentlichkeit, Proteste im Internet und auf einer Soli-Veranstaltung zeugten von einem starken Zusammenhalt der Fanszene zu Brigitte. Im Ständigen Ausschuss wurde eine Gruppe einberufen, die eine letzte Chance für Brigitte ausarbeiten sollte, freiwillige Helfer aus der Fanszene erklärten sich bereit, Brigitte bei den so unbeliebten Sachen wie den leidigen Finanzen zu helfen, alternative Veranstaltungsideen umzusetzen, ein Konzept für mehr Umsatz in der Woche? das Übliche halt. Eine Pacht wurde ausgehandelt, die von den Beteiligten Helfern als fair und realistisch angesehen wurde. Inzwischen ist ein Jahr vergangen, die freiwilligen Helfer sind nach und nach alle desillusioniert ihrer Wege gegangen, das Clubheim ist verwaist wie eh und je und Pacht wurde auch seit Monaten nicht mehr bezahlt. Zeit für eine Bilanz? Naja, dafür ist es zum einen eh zu spät, zum anderen würde sie (zumindest aus meiner Sicht) wohl auch niederschmetternd ausfallen. Aus den großen Zielen und der Bereitschaft zur Hilfe des letzten Jahres wurde nichts gemacht, Unfreundlichkeit der Mitarbeiter, keine Ideen für mehr Belebung, abstoßendes Ambiente... so kann man auch keinen Gewinn erwirtschaften. Und ein reines Verlassen auf den Zahltag bei Heimspielen kann es nun auch nicht sein, dafür liegt das Clubheim einfach zu gut, als das dieses Potential so ungenutzt brach liegen darf. Sicher, es gibt auch andere Meinungen zu diesem Thema, eine davon auch in einem anderen Artikel in diesem Heft, aus meiner Sicht hilft aber auch kein Wunder mehr, sondern nur noch ein neuer Pächter, der ja nun auch schnell gefunden werden soll. Wenn man den Gerüchten aus dem Verein glauben darf, so hat wHolz bereits signalisiert, kein Interesse am Clubheim zu haben, sämtliche Verschwörungstheorien wären also ad absurdum geführt, aber selbst wenn er es werden sollte: Es kann nur besser werden, meine Meinung. Wir sind die wilden Horden, wir waschen uns nie?Finanziell und sportlich geht’s bergauf, in der Fanszene an sich bewegt man sich eher weiterhin am Boden entlang. Wiederholt sind Leute schon bei der Abfahrt von Zügen oder Bussen zur Auswärtsfahrt nicht mehr zum unfallfreien Buchstabieren von "Trommel" in der Lage, geschweige denn zum Spielen dieses Instruments, weil sie sich mit Alkohol lieber das Gehirn wegschießen. Schlimm genug, wenn man so was mit angucken muss, noch schlimmer aber,wenn darüber hinaus auch noch Mitreisende dadurch belästigt werden.War der Sonderzug nach Schalke, als es aufgrund einer manuell geöffneten Bodenklappe fast einen Todesfall gegeben hätte, nicht Warnung genug? Scheinbar nicht. Auf der Rückfahrt aus Paderborn wurde im Nahverkehrszug der Bahn in die Gänge gepisst, ins Abteil gekotzt, neben(!) das Klo geschissen, Klotüren von außen angepinkelt.Was für ein asoziales Volk sind wir eigentlich? Diese Fahrt (und eine Homepage, die genau diese Zustände und Leute und auf satirische Art und Weise die Missstände aufzeigte und damit auch anprangerte, inzwischen, nach der Zweckerfüllung andere Wege geht) wurde dann vom Verein und Fanladen dazu genutzt, wieder einmal auf diese Zustände aufmerksam zu machen. Bleibt zu hoffen, dass sich nicht wieder die Falschen angesprochen fühlen, und auch die richtigen Adressaten einfach mal auf ihr absolutes Fehlverhalten angesprochen und zurechtgewiesen werden. Eine Form der Selbstreinigung, die früher wohl besser funktioniert hat und heute leider oftmals fehlt. Mit diesem Appell zu mehr Zivilcourage bei jedem von uns schließe ich, mit einem skeptischen aber hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Schließlich wollen wir, dass alle unsere aktuellen Spieler "unsterbliche Legenden" werden, und nicht in ferner Zukunft bei Clubs wie dem SV Wilhelmshaven landen, wie jetzt Kay Stisi. Frodo |
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