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Die Wirtin des Clubheims sollte den Tresen zum 30.9.2004 verlassen. Von Pachtschulden ist die Rede und davon, dass sie ihre "Chance" nicht genutzt hat. Doch hat sie überhaupt eine erhalten? Everbody get a second chance heißt es in einem mäßigen 80er-Popsong von "Mike and the mechanics”. Nun, den Song scheint sogar der sonst nicht gerade omniwissende Frank Fechner nebst Gefolgschaft zu kennen. Zumindest in dem Streit mit Clubheim-Wirtin Brigitte, die vor rund einem dreiviertel Jahr eine zweite Chance erhielt... Für Koch war kochen genugDoch von vorne: Unter dem Koch-Präsidium galt der Deal, dass Brigitte die Mannschaft bekocht, das Catering und die Getränke bei "offiziellen" Anlässen wie Pressekonferenzen übernimmt und im Gegenzug dazu keine Pacht bezahlen musste. Soweit ein fairer Deal für beide Seiten. Mit der Machtübernahme von Corny Littmann und dessen unbändigen Drang, aus jedem Stückchen Verein ohne Rücksicht auf Verluste die meiste Kohle rauszupressen, wurde dieser Deal dann im Winter 2003 über den Haufen geworfen. Brigitte sollte auf einmal einen nicht unerheblichen Betrag Pacht zahlen,um weiter das Clubheim bewirten zu dürfen – ansonsten drohte ihr der Rausschmiss. Erst nachdem Napoleon Littmann nach einer Welle der Fanempörung (inklusive friedliche Besetzung des Clubheims) mal wieder zurück ruderte, konnte letzteres verhindert werden. Gemeinsam mit einigen engagierten Fans sollte Brigitte nun ein Konzept erarbeiten, wie sie die Einnahmen dahin gehend erhöht, dass sie die Pacht bezahlen kann. Die Chance, an die Wand zu fahrenIch muss ganz ehrlich zugeben, dass ich mich damals an dieser Stelle des Kompromisses gedanklich ausgeklingt habe. Dies zum Einen, weil genügend engagierte und sicher besser qualifizierte Menschen an der Geschichte mitgewirkt haben. Zum Anderen, weil mich dieser ganze Deal an einen Kuhhandel erinnert hat. Klar, die Vereinsoffiziellen können behaupten, dass Brigitte eine zweite Chance bekommen hat. Doch war diese wirklich fair? Sollte sie zum Erfolg führen? Oder war ein Misserfolg bereits einkalkuliert, um nicht zu sagen: gewünscht? Wie sonst ist es zu erklären, dass – mal abgesehen von der Reparatur des Daches – kein einziger Cent in die Immobilie an sich investiert wurde? Da sollte jemand mit den gleichen kaputten und veralteten Einrichtungen also plötzlich den Umsatz steigern? Ohne Arme keine Kekse sagt ein dummes Sprichwort – ohne Fettabscheider keine Friteuse ergo keine Pommes, sagt dagegen die zuständige Behörde. Ok, ob ein paar hundert Portionen Fritten ausgereicht hätten, die utopische Pacht von rund 2000 Euro aufzubringen, sei hier mal dahin gestellt. Eine faire Lösung indes sieht meiner persönlichen Meinung nach anders aus. Wenn man gemeinsam überlegt hätte, wie man den Umsatz durch beispielsweise Aktionen mit der Mannschaft,Verbesserung des Catering- Angebotes (verbunden mit Renovierungsmaßnahmen) oder besseres Marketing rund um Dom und anderen Festivitäten erhöhen kann, wäre das sicher sinnvoll gewesen. Unsinnig ist es, zu sagen: Eigentlich würden wir Dich am liebsten sofort rausschmeißen, aber dann kriegen wir Ärger mit den Fans. Also stellen wir ein paar utopische Forderungen, geben Dir ne Galgenfrist und können dann, wenn es scheitert (und wir tun alles dafür oder zumindest nichts dagegen, dass es scheitert) sagen: Siehste, Chance gehabt, Chance vertan, jetzt fliegste raus und keiner kann aufmucken. Stand Holz schon vor der Hütte?Schöner Plan, doch er riecht schon wieder ein wenig... Denn der Zufall, dass erst ein Generalcaterer die Rechte für die nächsten 430 Jahre kauft, dann mit dessen Geld auch noch ein Teil der Marketingrechte zurückgekauft wird und kurze Zeit später der Druck auf Brigitte forciert wird, erscheint mir doch ein wenig unzufälliger, als er scheinen soll. Sicher hat auch Brigitte nicht alles richtig gemacht und dass die Gute einfach nicht dafür geboren ist, ein perfektes Controlling der Marke "Schulz" umzusetzen, weiß jeder, der sich schon mal länger mit ihr unterhalten hat. Ich bleibe trotzdem dabei: Eine faire Chance hätte anders ausgesehen. Dagegen spricht auch die Tatsache, dass unter Brigittes Fenster munter Bier von der "Konkurrenz" verkauft wurde. Und wenn ein Verein bzw. dessen Vermarktungspartner seine Pressekonferenzen lieber in Läden wie dem Herzblut gegen Gebühr ausrichtet, statt sein eigenes Clubheim zu nutzen, dann fällt mir dazu auch nicht mehr wirklich viel ein. Schließlich steht bei der ganzen Aktion doch wie so oft nur eine Geschichte im Vordergrund: Der schnöde Mammon! Traurig aber war und mittlerweile kratzt es einen Großteil der Fans auch nicht mehr, wie das Geld beschafft wird, Hauptsache, es versickert wieder irgendwo... Wie oft Brigitte zum Beispiel etwas weniger flüssigen Kunden mal den Deckel im Zuge von Nächstenliebe erlassen hat, dass sie dauernd für alle Leute und deren Probleme ein offenes Ohr hatte und den Jugendspielern Manieren beigebracht hat, sei hier nur angerissen. Ebenso, wie die soziale Verantwortung gerade im Bezug auf Leute, die bei ihr gearbeitet haben oder die sie wochenlang gegen ein paar Umbaumaßnahmen bei sich aufnahm. Doch Menschlichkeit kann man nicht zu Geld machen, ebenso wenig allerdings kann man sie sich für Geld kaufen. Das wird sicher noch der eine oder andere merken, der jetzt nach einem Neubeginn schreit. ![]() Und wieder ein Stück wenigerWie es jetzt weiter geht, weiß keiner so genau. Derzeit sieht wohl alles danach aus, dass wir Brigitte nicht mehr lange hinter dem Tresen sehen werden – zumindest nicht hinter dem des Clubheim. Dort dürften dann demnächst wohl freundliche Mitarbeiter von Herrn Holz stehen, die den Verein und dessen Strukturen in etwa so gut kennen, wie Corny Littmann. Versteht mich bitte nicht falsch, auch ich finde es toll, wenn ich mein Bier im Stadion binnen 20 Sekunden gereicht bekomme. Ich bin nur kein Freund von Schweinedeals. Und leider halte ich Herrn Holz für einen zu guten Geschäftsmann, der – im Gegensatz zu unserem Oberzahlenzusammenrechner Frank Fechner – weiß, dass er zwei Euro herausbekommen muss, wenn er einen verdienen will. Ich denke, dass die Übernahme des Clubheims durch Herrn Holz schon Bestandteil des Catering -Deals war. Wie dem auch sei, die Frage ist und bleibt, wie es nun weiter geht? Wie ich Brigitte kenne, wird sie auf jeden Fall nicht kampflos aufgeben. Meine Unterstützung hat sie! Ich persönlich möchte mich noch mal auf diesem Wege bei Ihr für die unzähligen Küchengespräche, für jede Menge Anekdoten sowie für die ausgezeichnete Bewirtung bei zahlreichen Sitzungen bedanken. Ein weiteres Stück St. Pauli ist unter den verpachteten Rasen gebracht worden! MiG |
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