Brötchen statt Versammlung

Abteilungsversammlung der AFM

    Als Sven Brux am 24.09. um 20.05 Uhr die Versammlung beendete, gab es doch einige verdutzte Gesichter. Nur eine Stunde reichte der mitgliederstärksten Abteilung unseres Vereins, das abgelaufene Geschäftsjahr abzuhandeln und sogar noch einen kleinen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

   Nur 101 MitgliederInnen, 95 davon stimmberechtigt, hatten sich in der Handwerkskammer eingefunden und lauschten zunächst andächtig dem 15 minütigen Geschäftsbericht von Andreas Kahrs. Die AFM hatte zum 30.06.2004 ca. 3200 MitgliederInnen, inzwischen sind es (nachdem säumige Beitragszahler ausgeschlossen wurden) noch 3085, insgesamt konnten über die letzten zwei-drei Jahre die Zahlen also annähernd konstant gehalten werden, wenn auch nicht ausgebaut.

   Drei Personalien wurden dann sachlich heruntergerattert. Das der Vertrag mit Matthias Jahnke nicht verlängert werden sollte, "wurde nach einem Gespräch mit ihm beschlossen", die sonst übliche Floskel "in beiderseitigem Einvernehmen" fehlte hier übrigens. Nachfolger Thomas Koeppe wird übrigens zu 40% (800,- Euro) vom Arbeitsamt bezahlt, in Memoriam Helmut Schulte sicher eine positive Meldung. Schließlich wurde dann der Rücktritt von Stefan Groenveld "aus persönlichen Gründen" mitgeteilt, aufgrund dessen ja auch die Nachwahl des zweiten Vorsitzenden nötig wurde.

   Nachdem sich Kahrs dann noch mal für seinen bereits in der Einladung zugegebenen Fehler bei der Entscheidung des Hausverkaufs entschuldigt hatte, wo er, entgegen einer internen Vereinbarung, dem Präsidium den Verkauf erlaubte, ohne sich mit der restlichen Abteilungsleitung abzusprechen, ging der Blick nach vorne.

Drei Projekte hat sich die Abteilungsleitung für die neue Saison vorgenommen.

   "You’ll never work alone!" heißt ein Projekt, bei dem Ausbildungsplätze für Spieler der A-, B- und C-Jugend mit Hilfe von Sponsoren und Partner geschaffen werden sollen, um die Anreize für Talente zu erhöhen, zum FC St.Pauli zu wechseln.

   Da der Verein jetzt wieder die Vermarktungsrechte selber besitzt, ist es auch möglich, Sponsoren für einzelne Abteilungen zu finden, damit auch für die Jugendmannschaften. Dies soll das zweite Projekt der AFM werden, hier steckt sicher einiges an Potential, welches bisher aufgrund der rechtlichen Situation mit Upsolut einfach noch nicht genutzt werden konnte.

   Und schließlich noch eine Idee, die allen von sich selbst überzeugten heimlichen Bundestrainern, die diese Fanszene ja augenscheinlich hat, wie ein Weihnachtsgeschenk vorkommen mag: Es soll ein Scouting System eingeführt werden, welches auf eine breite Basis gebaut werden soll. Kann in Zukunft also jedes AFM Mitglied am Wochenende mit Stift und Papier die Nachwuchsmannschaften Norddeutschlands begutachten und anschließend direkt bei Bergmann oder Zander vorstellig werden? Der ÜS ist gespannt, mehr dazu soll es im nächsten Newsletter geben.

Rückzahlung der Gelder an Abteilungen nicht möglich

   Es folgte der Kassenbericht von Herbert Wolfgram, der den staunenden Mitglieder zunächst mitteilte, das von den 270.000 €, die man dem Verein geliehen hatte, erst 205.000 € zurückgezahlt seien. Kurz vor der Versammlung hat es ein Treffen mit Präsidium und den anderen Abteilungen, die noch auf ihr Geld warten, gegeben, auf dem das Präsidium das mitteilte,was Frank Fechner bereits im letzten ÜS eingestehen musste: Der Verein ist derzeit nicht in der Lage, die Kredite zurück zu zahlen. Merkwürdig, dass solche Treffen immer erst kurz vor der AFM Versammlung zu Stande kommen, aber wahrscheinlich hat das Präsidium in den anderen 11 1/2 Monaten des Jahres auch einfach keine Zeit, sich mit dem Restverein zu befassen, die stören ja scheinbar eh bloß, wenn sie nicht gerade Geld verleihen.

   Der Bericht des Kassenprüfers verlief ähnlich unspektakulär, 62 Beanstandungen aufgrund nicht zuzuordnender Verwendungszwecke, die anschließend aber aufgeklärt werden konnten, sowie eine Putzfrau im Jugendhaus ohne Umsatzsteuer-Nummer sind das einzig berichtenswerte, so dass der empfohlenen Entlastung der Abteilungsleitung bei zwei Gegenstimmen und zehn Enthaltungen zugestimmt wurde.

"Ich begann das Fußballspielen 1979 beim FC St.Pauli. Dort beendete ich 1980 auch meine Karriere."

   AGiM - Mitglied und gescheitertes Fußballtalent Alexander Gunkel durfte sich in mit einer kurzweiligen und engagierten Rede vorstellen, bevor er mit zehn Enthaltungen und ohne Gegenstimme zum zweiten Vorsitzenden nachgewählt wurde. Er äußerte zwei Hauptziele, zum einen eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit, z.B. durch regelmäßigere Newsletter, zum anderen einen konstruktiven und kritischen Umgang mit dem Präsidium. Sicher löbliche Ansätze, zwischen den Zeilen ist da auch Kritik an der bisherigen Arbeit der Abteilungsleitung herauszulesen. Der ÜS wünscht Alex in jedem Fall viel Erfolg in seinem Amt.

   Wie fällt nun das Fazit dieser Versammlung aus? Die immer mehr um diesen Verein festzustellende Lethargie hat nun also auch die AFM-Mitglieder erfasst. Interessierte und kritische Stimmen gehen mehr und mehr resigniert in die Frauenfußball- oder Rugby Abteilung, die Abteilungsleitung wurschtelt mehr oder weniger unbeachtet von der Öffentlichkeit vor sich hin, ähnlich wie bei Littman geht man nur dann in die Öffentlichkeit, wenn es Druck von außen gibt und man Fehler eingestehen muss.

   Positiv dagegen die über 130.000,-€, die in der vergangenen Saison direkt in die Jugendabteilungen flossen, davon 78.000,- € in den Jugendfußball, also genau das,was Sinn und Zweck der Abteilung ist. Hoffen wir, dass das nächste Geschäftsjahr so solide und unauffällig verläuft, wie diese Abteilungsversammlung, dann hat vielleicht auch der kritisch begleitende ÜS irgendwann nichts mehr zu meckern.

Frodo

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