Die Neuen

    Was für ein komisches Redaktionskollektiv: Keiner hat Lust, was über die St.Paulianischen Neuzugänge zu schreiben. Ehrlich gesagt: ich auch nicht. Abgesehen davon, dass mein Interesse für die 1.Mannschaft von Saison zu Saison mehr und mehr abnimmt und meine Illusionen von wegen "Der ist doch mal ne Identifikationsfigur" von mir eh alle über Bord geworfen wurden – ich kenn von den Neuen fast keine Sau. Es geht mir ungefähr so wie bei ner Bürgerschaftswahl, wo ich mir die Landeslisten der einzelnen Parteien (wenn ich denn überhaupt darauf Lust habe) durchlese. Namen über Namen, "Ah, über den hab ich was im Lokalteil gelesen", " ist das etwa der???", usw.... doch ich weiß nicht wirklich, wen ich da wähle. Wie gut, dass ich von den neuen Jungs in braun-weiß schon mal ein Foto gesehen habe. Also mache ich das einfach mal so, wie auch Bürgermeister, Bundeskanzler und Vereinspräsidenten gewählt oder auch nicht gewählt werden: der erste Eindruck zählt.

   Er entscheidet doch eh meist, ob man die Person mag oder nicht. Die Welt lebt doch von Vorverurteilungen nach dem Äußeren – also kann ich das ja mal auch auf die Neuzugänge anwenden.

   Wer sich jetzt eine hochgradige Spieleranalyse inkl. taktischer Formation und ähnlichem Tinnef wünscht – der wird hier leider enttäuscht. Und schon geht’s los:

    Marcel Eger – der Typ erinnert mich irgendwie an nen Praktikanten, der zu meiner Geschäftstellenzeit dort gearbeitet hat. Der war nett, hatte ziemlich was auf’m Kasten und konnte gut mit Jutta. Eigentlich die idealen Voraussetzungen, um beim FC St. Pauli was zu werden. Und er kommt aus Franken. Ich liebe die fränkische Küche. Und die Landschaft ist auch nicht zu verachten...wenn da nicht die Franken wären. Na ja, ich wette mal einen Franken, dass der Mann ne solide Saison beim FC spielen wird.

    Florian Lechner – hat vom Aussehen was von Torsten Chmielewski und Michael Bochtler. Hätte sein Leben nicht mit Fußballspielen verpfuschen brauchen, sein adretter Gesichtsausdruck würde ihm auch einen sicheren Job bei ner Bausparkasse bringen. Ganz nebenbei hätte er dort auch wohl mehr Geld verdient als jetzt. Kommt von Stuttgarts Amateuren, hat also quasi Champions League gespielt...da hat wohl mal wieder jemand mit Auge eingekauft. Ohne Scheiß: ich glaub, aus dem wird was.

    Benjamin Adrion – ey mann, wir sind hier nicht in Seattle. Aber die immer kleiner werdende Grunge-Fraktion hat einen von ihnen zum FC geschickt. Für ihn sollte das Trikot nicht schräg sondern im Holzfällerkaro gestreift sein. Er sieht echt wie’n Ami aus, ich weiß auch nicht, wieso. Aber nicht wie’n McDonalds-Freedomtower- Ami sondern wie so’n Backpacker-Lonely- Planet-Ami. Kann es sein, dass er der Sohn von Rainer Adrion ist? Wenn ja, dann seh ich da mal null Ähnlichkeit. Ich denke aber, dass St. Pauli solche Charakterköpfe braucht... damit man bei nem Heimspiel wenigstens einen Spieler von Stufe 3 der Gegengeraden immer klar und deutlich erkennen kann. Fast so ne Art Identifikationsfigur...scheiße, jetzt hab ich das böse I-Wort doch benutzt!

    Michél Mazingu-Dinzey – also, ich weiß ja nicht, wie’s Euch geht – Dinzey ist mir in seiner ersten Zeit beim FC ganz schön tüchtig auf die Eier gegangen. Nicht wegen seiner Spielweise – Freistöße ins Nirvana schießen haben schon ganz andere fertig gebracht – sondern einfach wegen seiner Art. Wie Patschinski, nur schlimmer. Ich will ja jetzt auch nicht alle Berliner über einen Kamm scheren... aber Typen mit ner Berliner Schnauze bekommen von mir zumindest ne gehörige Portion Skepsis entgegengeschleudert. Macht die ganze Zeit einen auf volksnah, folgt aber im Endeffekt doch (wie alle) dem Ruf des Geldes. Das ist so wie Borussia Dortmund. Kleine Happen für die Massen, aber im Grunde genau so abgewichst wie alle Vereine mit gierigen Schlunden in den hohen Positionen. Und schon hab ich nichts über meinen ersten Eindruck von Dinzey geschrieben... na ja, den hatte ich ja auch schon längst. Vielleicht irre ich mich ja auch.Wäre irre.

    Ifet Taljevic – nun mal nicht so verkrampft aus der Wäsche gucken, Ifet. Du spielst jetzt beim FC St. Pauli, da wird immer fett Paadie gemacht. Ungefähr genauso wie in Chemnitz. Hatte er da eigentlich auch schon die 10? Immerhin eine gewichtige Rolle, die er mit der Nummer übernimmt. Pröpper, Meggle, Taljevic... mensch, geht doch schon ganz gut von den Lippen. Namen sind eh Schall und Rauch. Wichtig ist die Leistung und die Frisur. Und die Frisur sitzt... ich wünsche ihm, dass er selbiges nicht auch auf der Auswechselbank tut.

    Sebastian Wojcik – Hab ich eben was von Frisur gesagt? Bei dem Mann fällt mir spontan "Strom" ein. Hatte Johannes B.Kerner noch von einem "Atomhals" gesprochen, den er bei Luis Figo nach seiner Auswechslung gegen England gesichtet hat – bei Wojcik sichte ich einen Atomkopf! Er hat auch irgendwie was von Horst Hrubesch, hoffentlich nicht auch dessen verbale Eskapaden. Dann schon eher die Kopfballstärke – aber wer will schon gute Eigenschaften eines hsvers haben? Da versuche ich mir doch schon lieber einzubilden, dass ich auf seinem Gesicht ein Lächeln erkennen kann. Und das ist doch mal ein gutes Vorbild für uns alle. Denn nur mit einem Lächeln auf den Lippen werden wir diese Saison überstehen. Wer weiß... vielleicht dürfen wir ja auch das eine oder andere Mal mit Recht beim Anblick der Mannschaft lächeln, so bei gewinnen oder so. Und vielleicht ist bei den Neuzugängen ja wirklich eine dabei. Eine... eine... ident... na, ihr wisst schon.

tacs

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