Vom Stadionbau zur Geschäftsführung

Während sich unsere Mannschaft bei bestem Wetter im "Strand Pauli" zum Fotoshooting einfand, baten wir geschätzte 800 Meter entfernt den Geschäftsführer des FC St. Pauli, Frank Fechner, zum Interview und befragten ihn zu seinen Aufgaben, den Finanzen und den Zukunftsvisionen des Vereins.

Übersteiger: Hallo Frank, wie die meisten wissen werden, bist Du ja bereits zum zweiten Mal beim FC St.Pauli. Schildere doch bitte, wie die erste Beschäftigung zustande kam und wie diese beendet wurde.
Frank Fechner: Ich war Pressesprecher im Rathaus und bin im Jahre 2001 auf Vermittlung von Christian Hinzpeter, mit dem ich bereits diverse Projekte gestaltet hatte, zum FC St.Pauli gekommen, als der Aufstieg in die Bundesliga fest stand. Es war die Phase, als man dieses Geflecht aus Verträgen und Lizenzen mit Heinz Weisener auflöste, und im Zuge dessen auch die Stadionplanungen von ihm erwarb. Der Verein wollte die Pläne unbedingt verwirklichen und suchte dafür eben keinen Bauingenieur oder Architekten, sondern jemanden, der das Vorhaben vereinsseitig koordiniert. Dies musste jemand sein, der in der politischen Szene der Stadt gut vernetzt ist, und nach acht Jahren im Rathaus suchte ich eine neue Perspektive, da bot sich dieser Job als St.Pauli Fan natürlich an. Ich habe diesen Job dann sehr engagiert angetreten und wir haben auch schnell große Fortschritte gemacht, nur leider lief die sportliche Entwicklung völlig entgegengesetzt. Zwar war die Planung auf Zweitligazugehörigkeit kalkuliert, mit dem ersten Abstieg war das Projekt also noch nicht gescheitert, aber man merkte dann, dass es wesentlich schwieriger zu finanzieren sein würde. Ich hatte das Modell der Quersubventionierung des Stadionbaus durch eine Mantelnutzung (Stadionvorplatz, Schwimmbad) entwickelt, die Baugenehmigung lag vor, es ging mit Beginn der Zweitligasaison nur noch um die Finanzierung. An diesem Punkt kamen dann zur sportlichen Talfahrt auch noch vereinsinterne Querelen, wie z.B. die Entlassung von Demuth oder die Meinungsverschiedenheiten im Präsidium Koch, Pothe, Beutel. Je mehr sich die Konflikte zuspitzten, umso schwieriger wurde es, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Reenald Koch war der Meinung, dieses 90 Millionen Euro Projekt zu 40-50 Prozent durch die EU Fördergelder finanzieren zu können. Da ich selber aus der Politik komme, konnte ich schnell feststellen, dass dies unrealistisch war. Das damalige Präsidium, ausgenommen Stephan Beutel, hatte sich auf die Expertise des Herrn Linzmayer verlassen, mit dem ich zeitweise eng zusammenarbeitete, dem ich aber auch immer gesagt habe, dass ich diese Zahlen für unrealistisch halte. Als diese Planung dem Aufsichtsrat vorgestellt wurde, hab ich dort geäußert, dass eine Finanzierung auf so wackeligen Füßen das ganze Projekt gefährde, woraufhin ich dann beurlaubt wurde.

ÜS: Und wie kam es dann zum zweiten Auftritt?
FF: Ich hatte ja noch ein halbes Jahr Vertrag und befand mich praktisch auf Jobsuche, als es diese berüchtigten drei Mitgliederversammlungen gab. Ich war dann sehr froh als Corny Littmann als Präsident ins Gespräch kam, da ich ihn noch aus Rathauszeiten kannte. Ich habe ihm damals zugeraten, das Amt anzutreten, da ich damals ja nicht wusste, wie dramatisch die finanzielle Situation des Vereins schon war, wofür ich heute ab und zu noch hämische Kommentare von ihm ernte.

ÜS: Was ist jetzt Dein tägliches Tätigkeitsfeld?
FF: Als Geschäftsführer bin ich verantwortlich für die kaufmännische Geschäftsführung, Personalentwicklung und -planung, und natürlich erster Ansprechpartner für Dritte. Ich bin als hauptamtlicher Mitarbeiter die Schnittstelle zwischen dem ehrenamtlichen Aufsichtsrat und dem ehrenamtlichen Präsidium. Es kommt also alles über meinen Tisch und es ist meine Aufgabe, dies so zu organisieren, dass es wirtschaftlich vertretbar ist.

ÜS: Gib unseren Lesern doch bitte mal einen Überblick über die Gesellschaften des FC St.Pauli. Wie sind die Verflechtungen untereinander, wo ist der Nutzen für den Verein?
FF: Es ist das Ziel des Präsidiums, die zu Erstligazeiten geschaffene, komplizierte Struktur zu vereinfachen. So hat es eine Verschmelzung der Hamburg Sport Dome Planungsgesellschaft mbH mit der FC St.Pauli Stadion Betriebsgesellschaft mbH gegeben, die FC St.Pauli Marketing GmbH und die FC St.Pauli Service GmbH sind inzwischen jeweils ohne Geschäftsbetrieb. Die FC St.Pauli Verwaltungs GmbH und die FC St.Pauli Merchandising Verwaltungs GmbH sind die reinen Komplementärgesellschaften zu der FC St.Pauli Merchandising GmbH & Co. KG sowie der FC St.Pauli Vermarktungs Gmbh & Co. KG. Die FC St.Pauli Beteiligungs GmbH ist die einzige operativ tätige 100%ige Tochter des Vereins.

ÜS: Ist bei den beiden ruhenden Gesellschaften eine Abwicklung geplant? Ist so etwas überhaupt sinnvoll, wie verhält es sich mit den Kosten?
FF: Eine Abwicklung kostet auf der einen Seite Notargebühren, die reine Existenz kostet natürlich auf der anderen Seite Kontogebühren, Mitgliedschaft in der Handelskammer und ähnliches. Die Wirtschaftsprüfer prüfen derzeit, welche Gesellschaften abgewickelt, welche verschmolzen werden sollten, da geht es u.a. um mögliche Verlustvorträge, um dort liegende Rechte und die Bewertung dieser.

ÜS: Spielt in diese Überlegungen eine eventuelle Ausgliederung im Aufstiegsfall hinein?
FF: Dafür gibt es momentan noch kein Szenario. Es gibt die grundsätzliche Überzeugung, dass eine Ausgliederung des Profibereichs sinnvoll ist, um das Risiko vom Gesamtverein fernzuhalten. Aber das muss dann ja auch erst in den Gremien des Vereins entschieden werden. Wie das konkret dann in der Praxis aussehen könnte, ist noch nicht erdacht.

ÜS: Was in der Öffentlichkeit immer wieder Fragen aufwirft, ist die Vertragssituation mit der Upsolut Sports AG. Kannst Du diese in den groben Zusammenhängen darstellen?
FF: Es geht um Verträge mit der Vermarktung und der Merchandising, die bis 2010 laufen. Aus den Umsätzen der Merchandising gehen zunächst 20% als Lizenzabgabe an den Verein. Vom Rest werden die Kosten abgezogen, der verbleibende Gewinn wird zwischen beiden geteilt, da der Verein und Upsolut je mit 50% beteiligt sind. Bei der Vermarktungs GmbH ist es etwas anders, da gibt es verschiedene Stufen. In der Vergangenheit gingen 25% vorab als Lizenzabgabe an der Verein, die Kosten wurden vom Rest abgezogen, der Gewinn geteilt. In dieser Saison gehen nicht 25% sondern 37,5% an den Verein, die Vermarktungssituation verbessert sich also, ab der nächsten Saison sind es sogar 50%. Danach tritt ein neuer Vertrag in Kraft, der besagt, dass von den Erlösen alle Kosten abgehen und der Rest 70:30 zu unseren Gunsten aufgeteilt wird. Dass diese Situation für den Verein nicht glücklich ist, sehen wohl alle so, allerdings gab es im Jahr 2000, als die Verträge geschlossen wurden, keine Möglichkeit auch nur an 50% der Rechte zu kommen, denn diese lagen alle bei Heinz Weisener. Upsolut ist damals mit 2,6 Millionen DM ins Risiko gegangen, welches natürlich in der Bundesliga noch überschaubar war, inzwischen hat sich das aber etwas gewandelt, denn in der Regionalliga wirft dieses Engagement kaum noch Rendite ab. Zum anderen ist mit Upsolut auch einiges an Sportmarketing-Kompetenz in den Verein gekommen, nicht zuletzt der Markenauftritt des FC St.Pauli wurde durch Upsolut geprägt, Kampagnen wie "Lebenslang St.Pauli" oder "Wir glauben an den FC St.Pauli", die bundesweit für Aufsehen sorgten.

ÜS: Du hast kürzlich gesagt "wir sind ein nach Zweitligamaßstäben aufgestellter Club." Kannst Du das näher erläutern?
FF: In den 17 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur ersten oder zweiten Liga ist in diesem Verein eine Infrastruktur aufgebaut worden, an die sich alle gewöhnt haben, die Erwartungshaltungen schafft. Dies ist in der Regionalliga nur schwer zu halten. Das liegt natürlich auch an den Zuschauerzahlen, die einen zwingen, weiterhin Service auf Zweitliganiveau zu bieten: Ticketing, Ordner, Veranstaltungen, Presse, Internetauftritt. Gleiches gilt für das Trainingszentrum an der Kollaustrasse, welches ja in Zeiten der ersten Liga angeschafft wurde. Sportlich sicherlich hervorragend, finanziell aber eine große Last, da die Pachtkonditionen nicht sehr günstig sind. Und als dritte Sportstätte das Nachwuchsleistungszentrum am Brummerskamp, das ebenfalls Pflege braucht und Kosten verursacht. In der Regionalliga ist das Jugendleistungszentrum keine DFB-Auflage, neben uns führt hier nur noch Chemnitz so ein Zentrum. Damit sind wir weiterhin auch in der DFB-Arbeitsgruppe vertreten und profitieren von den sporttheoretischen und sportpädagogischen Angeboten des DFB sowie dem Ehrenkodex zwischen den Zentren, nämlich dass man sich gegenseitig keine Jugend-Spieler abwirbt.

ÜS: Wurde bei den Sparmaßnahmen letzte Saison auch bei der Vermarktung gespart? Wie sind dort überhaupt die Einflussmöglichkeiten seitens des Vereins, durch die 50% Beteiligung von Upsolut?
FF: Grundsätzlich ist in allen Bereichen sehr stark eingespart wurden. So ist die Vermarktung ja auch von der Bernhard-Nocht-Straße hierher gezogen, die 1/4nach5 wurde eingestellt, es wurden viele Dinge überprüft. Bei Merchandising-Artikeln wurde die 20359-Kollektion verkleinert, um Entwicklungskosten zu senken und die Rendite zu erhöhen. Insgesamt kann man aber schon sagen, dass der Verein personell schwächer aufgestellt ist als die Vermarktung, wobei in der Vermarktung Geld reingeholt wird, während es im Verein eher ausgegeben wird. Was ich mir in dem Zusammenhang wünschen würde, wäre ein flexiblerer Arbeitseinsatz der Mitarbeiter, übergreifend zwischen den verschiedenen Gesellschaften des Vereins.

ÜS: St.Pauli sucht Rasenpaten! Die Aktion ging durch die Medien, kannst Du schildern, wer die Idee hatte? Wie ist hier die Position von Upsolut? Und was ist für die Saison geplant?
FF: Die Aktion resultiert aus einer sehr engen Zusammenarbeit von Verein und Mobilcom. Dies liegt auch an einem sehr guten persönlichen Verhältnis zwischen Corny Littmann und dem Vorstand Marketing & Vertrieb von Mobilcom, Michael Grodd. Mobilcom hat ihre Kreativagentur, Red Rabbit, auf den FC St.Pauli angesetzt, wodurch im letzten Jahr bereits die Zeitungskopien entstanden, die Mobilcom im Stadionheft als Anzeige geschaltet hatte. Da gibt es auch noch weitere Ideen für die Zukunft, eine davon ist eben das "Weltkulterbe Millerntor", woraus dann die Rasenpatenschaft entstand. Medienwerft hat dann die Idee im Internet sehr gut umgesetzt. Wir planen auch, Paten zu belohnen, wenn von ihrem Stück eine besondere Aktion ausging, sei es ein Tor oder eine Vorlage, dann kriegen die vielleicht eine Kiste Astra oder so was. Es soll eine Webcam installiert werden, um das Rasenstück "live" zu besuchen, da wird also auch im Verlauf der Saison noch einiges an Ideen und Events umgesetzt werden. Die Erlöse kommen direkt dem jeweiligen Zweck (Verein, Fanladen, Jugendförderung) zu Gute, die Vermarktung und Upsolut sind da nicht dran beteiligt.

ÜS: Wie ist der Stand bei den Kunstaktionen? Hat man sich hier nicht mehr von versprochen?
FF: Die "Kunst des Aufstiegs" (Kunstdrucke von Werner Büttner, Lesung von Günther Grass) sind von der Vermarktung und einem Förderkreis entwickelt worden. Hier werden nur die Kosten der Vermarktung gedeckt, Erlöse gehen direkt an den Verein. Zielgruppe ist hier sicher eher ein lokaler Kreis an Kunstinteressierten. Die Mel Ramos Bilder sind ein Geschenk von Mobilcom, die wird der Verein komplett alleine vermarkten, momentan in Zusammenarbeit mit einer Galerie in München. Es ist richtig, dass die beiden Aktionen noch nicht so gut laufen, wie wir uns das vorgestellt haben, liegt aber derzeit auch noch an fehlendem Personaleinsatz unsererseits. Dies soll sich demnächst ändern, zum Glück verlieren beide ja nicht an Wert.

ÜS: Sind denn bei den Büttner Drucken inzwischen wenigstens die Kosten wieder drin?
FF: Ich habe keine aktuellen Zahlen, aber die Kosten bei Büttner lagen bei rund 20.000,- €, die sind längst wieder drin. Hier muss aber sicher noch mehr von unserer Seite getan werden als bisher.

ÜS: Stichwort Brummerskamp: Wie lange ist der Rückkauf zum damals ausgehandelten Preis (720.000,- €) von der Stadt möglich? Ist dies überhaupt geplant?
FF: Es gibt keine zeitliche Befristung in der Option. Ob wir diese ziehen werden, werden wir entscheiden, wenn es soweit ist, dass wir uns das leisten könnten. Möglich wäre dies wenn überhaupt nur über eine Finanzierung, nicht wieder in Bar wie beim letzten Mal. Derzeit existiert eine pachtfreie Nutzungsvereinbarung mit der Stadt.

ÜS: Wäre es nicht mal möglich, die A-Jugend in der Bundesliga mal als Vorspiel vor einem Regionalligaspiel stattfinden zu lassen?
FF: Das ist leider vom DFB nicht erlaubt, Vorspiele dürfen nur bis zur D-Jugend stattfinden. Aber wir versuchen schon, da mal eine Ausnahme zu erreichen. Außerdem könnte man die A-Jugend ja auch so mal am Millerntor spielen lassen.

ÜS: Der Pachtvertrag an der Kollaustraße läuft noch eineinhalb Jahre. Ist eine Verlängerung geplant? Oder gar ein Kauf?
FF: Ein Kauf ist derzeit ohne Investor nicht möglich. Die Situation ist nicht einfach, da es eine ideelle Teilung des Grundstückes gibt, zwischen einer Erbengemeinschaft und der Stadt Hamburg. Wir sind mit beiden schon länger im Gespräch, aber es sind sehr zähe Verhandlungen, da offenbar das Interesse an einer Änderung der Pachtkonditionen nicht vorhanden ist. Man muss da sicher zweigleisig planen, zum einen mit weiteren Verhandlungen, zum anderen aber auch mit der Suche nach Alternativen.

ÜS: Das Zauberwort im Verein: Stadionneubau! Gibt es da derzeit überhaupt einen Planungsstand, oder liegt das komplett auf Eis?
FF: Das ist auf dem Stand von vor einem Jahr eingefroren. Die Genehmigungen sind alle noch gültig, das kann man also sofort wieder aus der Schublade holen. Ich halte weiterhin das Konzept einer Mantelbebauung für das attraktivste, allerdings halt derzeit kaum noch umsetzbar. Das hat auch mit der wirtschaftlichen Situation der Stadt zu tun, die Überlassung des Bäderlandgrundstücks gegen den Neubau eines Schwimmbads ist für die Stadt derzeit nicht zu rechtfertigen, wenn auf der anderen Seite nicht mal genügend Kitas zur Verfügung stehen.

ÜS: Wie steht es mit einem stufenweisen Ausbau aus?
FF: Das bleibt die komplizierteste Lösung, da man dann an die Haupttribüne zuerst ran müsste, die sonst nach dem Umbau der Kurven nicht mehr vernünftig zugänglich für Baufahrzeuge wäre. Dazu müsste man schon über das Spielfeld, wodurch ein Spielbetrieb gleichzeitig nicht möglich wäre.

ÜS: Wie ist die Situation beim Clubheim und Brigitte?
FF: Sehr unbefriedigend. Der Versuch ein vernünftiges Pachtverhältnis zu führen ist äußerst schwierig und hat schon viele Nerven gekostet. Es haben sich der Ständige Ausschuss und eine Arbeitsgruppe mit Fanclub-Sprecherrat und Fans nun monatelang damit beschäftigt und es ist trotzdem nicht besser geworden. Es gibt erhebliche Pachtrückstände.

ÜS: Das "Probejahr" ist um, steht also eine neue Entscheidung an?
FF: Das Thema ist auf der Tagesordnung.

ÜS: Als Nascimento nach Frankfurt ausgeliehen wurde, schwirrten die verschiedensten Zahlen durch die Presse. Je nach Version schwankte die Leihgebühr zwischen 15.000,-€ und 100.000,-€. Ist es richtig, dass die Gebühr nach Einsätzen gestaffelt war, was bei zwei Einsätzen nicht sonderlich glücklich war? Und wie verhält es sich bei dem jetzigen Leihgeschäft mit Essen?
FF: Offizielle Zahlen gab es nicht, sondern nur Gerüchte. Es stimmt aber, dass es einen relativ niedrigen Sockelbetrag und eine Einsatz bezogene Prämie gab. Das war sicher weniger, als wir erhofft hatten. Beim Vertrag mit RWE ist dies anders geregelt, da gibt es einen höheren Grundbetrag und eine Prämie, wenn RWE die Klasse hält, unabhängig von der Zahl der Einsätze.

ÜS: Ist denn dadurch noch Luft für Neuverpflichtungen? Eventuell auch in der Winterpause?
FF: Wir gehen mit dem jetzigen 24-Mann Kader in die Saison, der Trainer schenkt diesem Team sein volles Vertrauen. Wir wollen uns aber die Option offen halten, in der Winterpause noch zu investieren, wenn es realistisch ist, dass wir ganz oben mitspielen.

ÜS: Die Buchhaltung wurde ja jüngst ausgelagert. Sven Hinrichsen sagt, er wäre von Vereinsseite nicht angesprochen worden und hätte sich daher anderweitig umgesehen. Danach hieß es, er sei auf eigenen Wunsch gegangen. Was stimmt denn nun?
FF: Das hat sich für mich anders dargestellt. Natürlich kann man immer auch noch früher mit jemandem sprechen, andererseits haben wir ihm nicht signalisiert, dass wir ihn nicht halten wollen.

ÜS: Im ÜS 67 fragen wir beim Thema der Stadionverbote, ob Dein Verhalten gegenüber Sven Brux nicht Nötigung war, da er zur Unterschrift unter die Verbote gezwungen wurde. Wie hast Du das gesehen?
FF: Es handelte sich um eine klare Arbeitsanweisung. Sven hat seine Vorbehalte deutlich gemacht, muss aber, wenn es einen entsprechenden Beschluss des Präsidiums gibt, diesen mittragen. Das ist ein hierarchisches Arbeitsverhältnis, das hat mit Nötigung nichts zu tun. Dass dies im Nachhinein ein Fehler war, will ich nicht ausschließen, darüber ist ja inzwischen auch genug geredet worden.

ÜS: Der Verwaltungskostenanteil in Höhe von 1,-€ im Quartal addiert sich im Jahr bei ca. 6.000 Mitgliedern auf 24.000,-€. Was passiert mit dem Geld?
FF: Die Mitgliederverwaltung wurde bislang von Susanne Lyß nebenbei gemacht, das ist aber nicht mehr praktikabel. Wir werden daher nach einem Beschluss von Präsidium, Amateurvorstand und AFMAbteilungsleitung die Mitgliederverwaltung an einen professionellen Dienstleister auslagern. Wir hatten bis zu 15% säumige Beitragszahler, da erhoffen wir uns durch ein vernünftiges Mahnwesen eine starke Verbesserung. Insgesamt darf man aber nicht nur die Mitgliederverwaltung sehen, aus diesen Mitteln bezahlt werden ja auch Verwaltungskosten, Blickpunkt, Porto und die Veranstaltung von Mitgliederversammlungen.

ÜS: Wie ist der Stand bei der Rückzahlung der Abteilungsgelder? Wie sieht es mit der Gemeinnützigkeit aus?
FF: Schwierig. Grundsätzlich sollen die Darlehen natürlich zurückfließen. Wir können die Darlehen aber nur zurückzahlen, wenn die Liquidität gewährleistet ist, und da ist die Situation permanent angespannt. Die Gemeinnützigkeit ist nicht gefährdet, da man die Zahlungen der letzten sechs Jahre aus dem wirtschaftlichen Bereich an den gemeinnützigen Bereich anrechnen kann und diese noch deutlich überwiegen. Interessant dabei ist übrigens der Blick auf andere Vereine. Dort haben Abteilungen in der Regel keine Finanzhoheit, geschweige denn 90% der Mitgliedsbeiträge für sich, das liegt dann eher so bei 20-50%.

ÜS: Und der Stand bei den NO1-Geldern? Auf der JHV wurde ja beschlossen, dass diese ebenfalls der Jugendförderung zukommen sollen.
FF: Das wird zwischen Präsidium, Amateurvorstand und AFM-Abteilungsleitung geregelt. Es ist der Wunsch der beiden letztgenannten, dass die Gelder wieder für die Jugendförderung in allen Abteilungen eingesetzt werden, diesem Wunsch will das Präsidium nachkommen.

ÜS: Für 2002/2003 ist das Geld aber noch nicht ausgezahlt worden?
FF: Nein. Es geht um 100.000,-€ pro Saison, die haben wir derzeit nicht als liquide Mittel zur Verfügung.

ÜS: Der Jugendetat wird derzeit zum größten Teil von der AFM gestellt. In der Regionalliga ist dies vielleicht nicht anders möglich, ändert sich das bei einem eventuellen Aufstieg wieder?
FF: Es gibt das Angebot der AFM, die derzeitige Summe in der Regionalliga zu stellen. Genauso ist beschlossen, dass es nach einem Aufstieg wieder anders wird.

ÜS: Um das Haus der AFM gab es ja auch ziemliche Unruhe. Warum wurde es verkauft? Wie ist der derzeitige Stand?
FF: Das ist ein Sturm im Wasserglas gewesen. Es war mit der AFM Abteilungsleitung vereinbart, dass es eine Finanzierung durch den Verein für das Haus geben soll, wenn es möglich ist. Das Haus wurde gekauft, als ein Abstieg in die Regionalliga bereits wahrscheinlich war. Der Versuch, das Haus über den Verein zu finanzieren, ist gescheitert, der Verein war im Frühjahr/Sommer 2003 nicht kreditwürdig. Daher wurde das Haus mit Mitteln der AFM "cash" bezahlt, was natürlich einen erheblichen Liquiditätsabfluss bedeutete. In der Folge war es ein Verdienst von Marcus Schulz und seiner guten Kontakte zur Vereins- und Westbank, dass immerhin die Beteiligungsgesellschaft den Kredit bekam, wenn auch nicht der Verein. Dem Verein wurde zugetraut, 1.200,-€ Miete an die Beteiligungsgesellschaft zu zahlen, nicht aber, einen 160.000,-€ Kredit abzutragen. Dies ist der einzige Grund, warum das Haus an die 100%ige Tochter verkauft wurde, deren Geschäftsführer sind an die Weisungen des Gesellschafters und damit des Vereins gebunden. Es war also ein völlig unproblematischer Vorgang, der auch von Aufsichtsrat und Kassenprüfern so abgesegnet wurde.

ÜS: Ist es denn richtig, dass das Geld bereits in den Etat der letzten Saison geflossen ist?
FF: Korrekt, es war Teil der Etatplanung der letzten Saison.

ÜS: Im Abendblatt war jüngst ein 11 Punkte Plan zu lesen, in dem u.a. auch eine Kooperation mit Werder Bremen und Hansa Rostock angedacht war. Gibt es da schon Offizielles?
FF: Nein, unterschrieben ist da noch nichts. Es gibt gute, persönliche Kontakte von Andreas Bergmann zu Thomas Wolter und Thomas Schaaf bei Werder, es gibt gute Kontakte von mir zu Hansa. Bei beiden Vereinen besteht Interesse, wir wollen das in naher Zukunft konkretisieren. Für die wäre es interessant, Spieler mal für ein Jahr auszuleihen, um sie vor vollem Haus an den Leistungsdruck seitens der Öffentlichkeit zu gewöhnen, der bei uns sicher eher herrscht als bei deren Amateurmannschaften. Und uns helfen Spieler aus diesen Vereinen sportlich weiter.

ÜS: Wird es denn dann jeweils eine Kaufoption geben? Sonst haben wir da ja nichts von.
FF: Da muss man die Einzelfälle betrachten. Wenn der abgebende Verein den Spieler kostenlos ausleiht und vielleicht sogar noch einen Teil des für uns sonst zu hohen Gehalts übernimmt, so wird er kaum auch noch eine Kaufoption vergeben. Da profitieren wir dann halt in der Saison, in der er für uns spielt.Wünschenswert wäre eine Option aber natürlich.

ÜS: Franz Gerber steht als beurlaubter Trainer ja immer noch auf der Gehaltsliste, wenn sich nichts ändert noch bis 2006. Ist da eine Einigung in Sicht? Oder kann man ihn z.B. als Talentsichter noch einsetzen?
FF: Es sind Einigungen von Seiten des Vereins angestrebt worden, leider habe ich nicht das Gefühl, dass dies von Franz Gerber überhaupt gewünscht ist. Andere Einsatzmöglichkeiten sind arbeitsrechtlich bedenklich, von atmosphärischen Störungen ganz zu schweigen.

ÜS: Wir haben lt. Präsidium in der Regionalliga jede Saison 300.000,-€ – 500.000,-€ Unterdeckung. Kannst Du mal vereinfacht darstellen, wie uns das bei den Zuschauerzahlen passieren kann?
FF: Das hängt ja mit dem jeweiligen Etat zusammen, und solange wir eine zweitligareife Infrastruktur haben, lässt sich das mit den Einnahmen in der Regionalliga nicht vereinbaren. Also fährt man entweder die Infrastruktur bzw. die Kosten runter, oder man erhöht irgendwie die Erlöse. Außerdem hat der Verein keinen Grundbesitz, sondern sowohl das Stadion als auch beide Trainingsgelände sind auf. Wir versuchen derzeit, über Nicht-Fußballspezifische Aktionen Geld zu generieren, wie ja schon erwähnt. Der nächste Schritt wird sein, strategische Partnerschaften, wie jetzt im Catering, einzugehen, ohne Rechte abzutreten.

ÜS: Was ja aber verwundert, ist, dass diese Lücke überhaupt da ist. Andere Vereine haben sicher geringere Kosten, aber auf der anderen Seite eben auch nicht annähernd diese Einnahmen.
FF: Die haben dann aber einen potenten Sponsoren oder Mäzen. Der FC St.Pauli hat in den letzten Jahren, abgesehen von den Erstligajahren, nie kostendeckend gearbeitet. Da kam, selbst in der zweiten Liga, immer Heinz Weisener mit seiner Privatschatulle und verleibte sich dafür die Vermarktungs-, Merchandising- und Stadionrechte ein. Als zweiter Verein in Hamburg ist es halt extrem schwierig, Sponsoren zu finden, die auch nur annähernd so viel Geld reinschiessen wie das in Paderborn, Ahlen oder Regensburg der Fall ist. Diese Leute haben dort aber auch eine Machtposition im Verein, die von unserer JHV nie akzeptiert würde.

ÜS: Im Abendblatt war auch schon von "Nachhaltige Ergänzungen von Einnahmen außerhalb Spielbetrieb" zu lesen. Die Rasenpatenschaften und Kunstaktionen sind Beispiele, hast Du noch weitere?
FF: Die Stadionvermietung. Das läuft mit den Devils unterm Strich schon sehr gut, auch wenn es eine Belastung für den Rasen und das Personal ist. Der Standort Millerntor ist so gut, dass da mehr kommen muss. Dazu zähle ich auch Konzerte, die diesen Sommer stattfinden sollten, leider dann wegen mangelnder Nachfrage abgesagt wurden. Aber da müssen wir die Bemühungen intensivieren.

ÜS: Dann vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast.

pelstinho/Frodo

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