Ich hab vor ca. zwei Jahren mal einen Artikel geschrieben, den ich mit "Quo Vadis, St.Pauli?" überschrieben hatte. Kurze Zeit später erhielt ich den erbosten Hinweis vom Käpt?n Braunbär, dass er beim nächsten Mal, wo ein Artikel im ÜS so benannt werde, sofort zur Waffe greifen würde.

   Inzwischen ist man ja geneigt, jeden Artikel so zu nennen oder gar das Heft umzutaufen, und der Käpt'n hat zu unser aller Bedauern den Stift auch hingelegt und kümmert sich um seinen Nachwuchs. Aber hat sich irgendwas geändert? Ohne auch nur annähernd zu erinnern, worum es in meinem Artikel damals ging, kann ich diese Frage ruhigen Gewissens mit "Nein, und schon mal gar nicht zum Guten!" beantworten.

   Hier ändert sich nichts, dieser Verein wird immer vom Chaos regiert bleiben, wahrscheinlich würden wir auch alle tot umfallen, wenn es irgendwann mal über zwei Monate hinweg nichts Negatives zu berichten gäbe und sich alle gut vertragen. Wie langweilig muss es eigentlich sein,Werder-Fan zu sein? Da ist ja nie was los, es sei denn irgendein bekloppter Brasilianer unterschreibt woanders viel zu früh und heult dann schließlich deswegen vor laufender Kamera. Na ja, diese Sorgen hätten wir wohl gerne.

   Und bei uns? Zwar natürlich das übliche Chaos und Gepöbel, in erster Linie aber dann doch wie so oft viel Lärm um nichts, außer bei USP und beim ÜS hat man das Gefühl, dass die einst so zahlreichen kritischen Stimmen im Verein langsam resignieren bzw. sich einige pseudokritische höchstens noch mit dem Arsch zur Tastatur und ins St.Pauli Forum schleppen können.

Blicken wir mal zurück auf die letzte Ausgabe des ÜS

   Da bekommen wir doch tatsächlich den ersten Leserbrief schon bevor wir selber das druckfrische Heft in Händen halten. Und: In diesem werden wir als "Totengräber des Vereins" bezeichnet. Tja, da ist man ja geneigt ein "Na wenigstens tun wir Überhaupt was!" zu antworten, aber genug der Polemik.

   Es gab Stimmen, dass in der "Chronik" ja nichts Neues gestanden hätte. "Ach was!", ist man geneigt zu entgegnen, wer hätte das gedacht? Schon mal über die Bedeutung des Wortes nachgedacht? Auch haben wir uns hier ja im Ton total vergriffen, als Beispiel wird hier gerne der Begriff "Quäkstimme" im Zusammenhang mit dem geschätzten Herrn Littmann genannt. Ja, wenn man sich natürlich an der zugegebenermaßen provokativen Wortwahl in einem Fanzine stört, scheinen wir ja echt keine Probleme in diesem Verein zu haben. Für seriöse Wortwahl empfehlen wir die einschlägig bekannten Presseerzeugnisse, da fühlen wir uns ehrlich gesagt auch nicht für verantwortlich.

   Und die restlichen Artikel? Nötigung gegen Vereinsangestellte? Betrugsversuch, bzw. die versuchte Anstiftung zum Betrug? Da scheint es den ganzen Kritikern ähnlich gegangen zu sein, wie unserem Präsidenten (der sich übrigens verbietet, weiterhin "Fanpräsident" genannt zu werden, dem kommen wir natürlich gerne nach), der nämlich nach eigener Aussage auf Seite 10 aufgehört hat zu lesen, schade eigentlich. Auf mündliche Nachfragen zog er es dann ebenfalls vor, nicht zu antworten, Danke dafür.

Damit wären wir dann ja auch bei jenem Fantalk.

   Wünscht man sich bei der "normalen" Hamburger Journaille oftmals etwas mehr Wahrheit, so wünschen wir uns bei der etwas anderen Hamburger Tageszeitung, der TAZ, ja auch ab und zu mal etwas mehr kritische Betrachtungsweise, was unser Präsidium anbelangt. Ist natürlich in einem Interview etwas schwierig, aber ein Kommentar dazu oder auch später, als die offensichtlichen "Wissensdefizite" bei unserem Präsidenten bezüglich gewisser Passagen öffentlich wurden, haben wir ebenfalls vermisst.

   So durfte Littmann in der TAZ-Ausgabe vom 17.04.2004 unwidersprochen behaupten: "[...] Was die Vorwürfe im Fan-Magazin Übersteiger angeht, stört es mich, dass diese Leute bewusst die Medienberichterstattung in Hamburg kritisieren, aber ihrerseits nur daraus zitieren.[...]".

   Bis zu dem Punkt, zu dem er laut eigener Aussage selber gelesen hat, haben wir 3x die 1/4NACH5 und einmal uns selbst zitiert (also weniger die sonst kritisierten Hamburger Medien) sowie je einmal ein wörtliches Zitat(!) von Jost Münster aus der Mopo und eins von Littmann selbst aus dem Abendblatt, so viel zu dieser Aussage.

   Wird ja aber noch besser:
"[...] Besonders erschüttert bin ich darüber, dass ich mich der Diskussion im Fan-Chat stellen wollte, aber es mir nicht gestattet wurde." TAZ: Das heißt, die Fans fordern einen Anhörungsprozess in Sachen Stadionverboten seitens des Vereins, das Präsidium bekommt aber selbige Möglichkeiten nicht geboten?
CL: "Richtig. Und insofern spreche ich auch nicht von stattfindenden Diskussionen, sondern von einseitigen Anschuldigungen. Ich vermisse die konstruktive Auseinandersetzung mit den Problemen des Vereins und den diesbez?glichen Entscheidungen, die sicherlich nicht alle leicht fallen.[...]"
Die Antwort der Forums-Betreiber ließ exakt einen Tag auf sich warten, hier wurde der Herr Präsident dann dezent auf den tatsächlichen Sachverhalt hingewiesen und es folgte die von ihm gerne praktizierte Vorgehensweise: Nachdem er erst öffentlich rausgerotzt hatte, ruderte er nun nach ebenso öffentlichem Gegenwind mal wieder zurück und zog sich in seiner Antwort auf "Unwissenheit" zurück, was sowohl technische Dinge als auch gewisse Absprachen anbelangt. Bliebe natürlich die Frage, warum er sich überhaupt äußert, wenn er denn so "ahnungslos" ist, aber ich wollte ja auf Polemik verzichten. Dann nach langem Hin und Her also endlich der mit Spannung erwartete Fantalk, zu dem neben dem kompletten Präsidium ein Vertreter des Fanclub Sprecherrates, von USP, dem Übersteiger und Uwe vom Fanclub "Wir sehen uns drinnen" als "Fraktionsloser" eingeladen waren.

   Diskussionsleiter Tay Eich, sorgte dann unfreiwillig schon beim Beginn für einen Eklat, als er die Idee des Präsidiums bekannt gab, alle Wortmeldungen mitzuschneiden und in einem Protokoll zu veröffentlichen. Zwar war dies von Littmann zwischen den Zeilen vorher angekündigt worden, allerdings waren nicht nur die Personen im Plenum, sondern auch die auf dem Podium etwas überrascht. Nach kurzer Diskussion wurde der Mitschnitt dann gestoppt.

Es folgte ein längerer Monolog des Präsidenten

   In diesem nahm er ausführlich zu den Stadionverboten und ihrer Entstehung Stellung. Nun war (aus Sicht des ÜS) dieser Part eigentlich bereits im Vorfeld abgehandelt, da die Verbote zurückgenommen und sich für das Verhalten entschuldigt wurde, leider aber verstrickte sich Littmann erneut in zahlreiche Widersprüche, so dass es zwangsläufig hierzu einige Fragen von Seiten der Podiumsteilnehmer gab. Hier kam Littmann auch kurz auf den Zwischenfall beim tags zuvor ausgetragenen Pokalhalbfinale in der AOL-Arena zu sprechen, als die Polizei zunächst eine Videokamera aufbaute um anschließend in den Block zu stürmen und eine Person herauszuziehen. Das dies in dem Glauben passierte, hier neue Ausschreitungen zu provozieren und neue Stadionverbote fordern zu können, liegt auf der Hand. Es folgte eine allein auf den Präsidenten zugeschnittene Fragestunde, die zu Recht zahlreichen Unmut nach sich zog. Während bereits im Vorfeld genug Themen von Seiten der Podiumsteilnehmer eingesandt wurden, griff Littmann immer wieder das Thema Stadionverbote auf, hier allerdings gezielt nur Punkte, die für ihn selbst am wenigsten unangenehm waren. Bei unangenehmen Fragen zog er es vor, diese anscheinend nicht gehört zu haben und wurde leider auch vom Diskussionsleiter nicht dran erinnert. Die Frage, ob beispielsweise Sven Brux die Unterschrift unter die Stadionverbote freiwillig oder erst nach Nötigung unter Protest geleistet habe, wurde insgesamt vier Mal gestellt, ehe Littmann sagte, dass er sich zu dieser Frage nicht äußern würde, was dann ja auch eine Antwort war. Widersprüche und angebliche Missverständnisse wechselten sich ab, an einem Punkt warf Littmann der gesamten Versammlung Begriffsstutzigkeit vor, und als dann endlich das Thema gewechselt wurde, herrschte bereits eine so schlechte Atmosphäre im Ballsaal, dass jede weitere Diskussion ergebnislos im Sande verlaufen musste. Es ist sicherlich als Erfolg zu werten, dass nach der letzten Ausgabe des ÜS und den anhaltenden Protesten im Internet und im Stadion, dieser Abend überhaupt zu Stande kam. Ob das gegenseitige Verständnis danach besser ist als vorher, darf allerdings bezweifelt werden. Es bleibt festzuhalten, dass Corny Littmann keinerlei Verständnis für das entwickelt, was die Fanszene des FC St.Pauli ausmacht. Nun ist sicherlich diskutabel, ob dies zwingend notwendig ist, schließlich wird man derlei Verständnis auch bei Weisener oder Koch vergeblich gesucht haben, nur haben diese wenigstens nicht so getan, als sei dieses vorhanden.

   Bei Littmann hat man weiterhin das Gefühl, dass er der Polizei näher steht als der eigenen Fanszene, eine Feststellung, die bei seinem (ja auch gerne zitierten) politischen Background doch etwas erstaunt. Bei Weisener und Koch wusste man, woran man war, bei Littmann wird es einigen wohl erst langsam klar, vielen Anwesenden aber wohl erst recht nach diesem Abend.

   Das restliche Präsidium kann man bei der gesamten Betrachtung getrost außen vorlassen, eine eigene Meinung kam bei beiden Vizepräsidenten nicht wirklich zu Tage, wenn ihnen denn von Littmann überhaupt mal das Mikrofon gereicht wurde.

   Die grundsätzliche Forderung "Littmann raus!" bleibt für mich also erst recht nach diesem Abend bestehen, nun gilt es sich Gedanken über das "Wie" zu machen und nach geeigneten Alternativen zu suchen. Für mich persönlich hat Corny Littmann das Vertrauen der Fanszene mindestens einmal zu viel verraten und wird meinen Ansprüchen an einen Präsidenten des FC St.Pauli damit nicht mehr gerecht.

Frodo

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