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9 Jahre nach der jeweiligen Auflösung haben Teile von Slime und Rubbermaids im Zuge des Millerntor-Festivals zueinander gefunden und wollen jetzt wieder durchstarten. Da passt es doch wie die Faust aufs Auge, sich mit Zweien von ihnen, Dirk und Minne, über Fußball, Punkrock und Vergangenheit ausführlich zu unterhalten.
ÜS: 82, als Slime so ein "bisschen" bekannter wurde, wurde Euch vorgeworfen, dass ihr einen Ausverkauf der "linken" Ideale betreibt. Popularität, höherer Plattenverkauf, usw. Wie siehst Du es im Nachhinein rückblickend und wie beurteilst Du dies vorausblickend als RubberSlime?
Dirk: Es ist nervig und es scheint einfach eine deutsche Krankheit zu sein, dass Leute, die aus den eigenen Reihen kommen und Erfolg haben angepisst werden. So was kennt man z.B. aus der baskischen Punk-Szene nicht, sondern da freut sich jeder mit, wenn eine Punkband plötzlich erfolgreich ist. Was soll das auch, wo ist denn da | Wir wollten nur Rock 'n Roll! Sex ging gar nicht, weil nicht politisch korrekt |
die logische Begründung für? Wenn Du was zu sagen hast, muss es doch Dein Ansinnen sein, möglichst viele Leute zu erreichen. Und wir hatten ja auch etwas zu sagen. Die Leute schmissen jeden Abend der Alkoholindustrie 50 Mark in den Rachen, waren aber nicht bereit, mal 10 Mark für eine Band zu zahlen, die aus den eigenen Reihen kommt. Dass wir nicht reich werden, wusste jeder. Ich habe dass Gefühl, dass sich die Zeiten geändert haben. Ich habe das Gefühl, dass das nicht mehr so ein Thema ist.
Minne: Bei Rubbermaids war das nicht so extrem. Ich habe nicht in Erinnerung, dass man uns diesbezüglich irgendwelche Vorwürfe gemacht hat. Wir haben uns in einer anderen Szene bewegt, haben eine Art Pop-Punk gemacht und hatten das Glück, mit Ami-Bands zu touren.
ÜS: Ihr habt Euch aber auch erst 1986 gegründet, in der Zeit, wo Slime offiziell gar nicht existierte. Hattet Ihr Vorbilder?
Minne: Slime war für mich auf jeden Fall eine der geilsten deutschen Punkbands. Dass man damals mit den Jungs in Kontakt kam, war nahezu unausweichlich.
Dirk: Ich war schon immer "schwerer" Rubbermaids-Fan. Deswegen macht mich das auch echt stolz deren Songs zu singen.
ÜS: Witzigerweise haben sich beide Bands im gleichen Jahr getrennt (1994). Reiner Zufall?
Minne: Es ist eh ein Syndrom, dass sich Bands trennen, wenn es mal gerade geil abgeht. Aber ich weiß nicht was da bei Slime los war, na ja ein bisschen weiß ich darüber. Wir haben uns den Arsch abgetourt und sind uns tierisch auf den Sack gegangen. Das ging einfach nicht mehr richtig zusammen. Das reicht ja schon, wenn eine oder zwei Hauptfiguren aussteigen. Das war kurz vor der Ami-Tour und irgendwo in Prag rasselten zwei so derbe aneinander, so dass einer gleich mit dem Zug nach Hause gefahren ist. 10 Friedensgespräche haben wir bestimmt noch geführt, aber da war nichts mehr zu kitten.
Dirk: Das war bei uns ähnlich. Du bist an den Jungs enger dran, als an deren Beziehungen, Freundinnen oder so was. Irgendwann kannst Du sie nicht mehr sehen. Bei uns war das so, dass wir in Bremen gespielt und uns zwei Stunden vorher im Hotelzimmer getroffen haben. Da saßen dann 5 Leute zusammen und haben gesagt, wir machen Schluss. Wir spielen nur noch die Shows zu Ende, die anstehen, das war es! Finanziell war es natürlich Harakiri, bekannter weise fahre ich Taxi und verdiene gar nichts mehr und krebse am Existenzminimum rum. Die Plattenfirma ist natürlich völlig ausgerastet, weil das die Zeit war, wo alle das Punk-Revival ausriefen. Was natürlich auch schon wieder konsequent für diese Band ist.
ÜS: Als ihr mit Schweineherbst 1993 wieder herauskamt ging es doch wieder voran, oder?
Dirk: Ja, das waren schon Verkaufszahlen, wovon Du heute nur träumen kannst. Wir waren mit dem Album in den Charts auf Platz 36, und damals musstest Du richtig verkaufen. Wir haben 30.000 Platten innerhalb von wenigen Wochen verkauft. Das war auch wirklich das erste Mal, dass wir mit Slime Geld verdient haben.
Minne: Wir haben wohl insgesamt auch so 25.000 Platten von der "twisted chords" verkauft, war ja damals auch schon ganz schön viel. Wir haben ja auch noch ganz lange ohne CDs getourt, da hatten wir noch Tapes. Ich habe neulich mal wieder eins gefunden. Daraufhin haben wir Angebote bekommen mit Bands wie D.R.I., Bad Religion, NOFX zu touren. Da haben wir natürlich tierisch viel gelernt, zum Beispiel "COOL" zu bleiben. Wir waren eine spielwütige Band und haben sogar im Ausland gespielt, haben drei Europa-Tourneen gefahren. Das war wirklich eine geile Zeit!
ÜS: Ihr habt mit Slime viel Einfluss auf die Punkszene gehabt. Glaubst Du, dass es was gebracht hat, dass Ihr auf der Bühne ward?
Dirk: Es ist die Frage, was Du mit "Kunst" erreichen kannst, ob Du eine Veränderung in den Köpfen erreichst. Aber ich glaube schon, dass Slime wichtig war. Ich habe neulich wieder Briefe von einer ganzen Schulklasse über Gemeinschaftskundeunterricht gelesen, was wir mit unseren Texten speziell gemeint haben. Das waren 16-, 17-Jährige, die sich im Unterricht mit Slime-Texten befasst haben. Das sind schon Sachen, an denen man sieht, dass man schon Einfluss auf die Gesellschaft hat. Ob Du damit aber einen Nazi zu einem Antifaschisten machst, das wird Dir wahrscheinlich nicht gelingen.
ÜS: Ich meine eher die eigene Szene. Hat sie denn dadurch den Arsch hochgekriegt?
Dirk: Im Grunde genommen sind wir ja angetreten unter der Prämisse, dass Punkrock sozusagen eine solidarische Kiste ist, dass Du als Band nicht zehn Stufen höher als Dein Publikum stehst und Du nicht der große Leader bist. Ein ganz großes Problem von Slime war, dass wir uns von einem Teil der linken Szene | Wir planen auch schon eine neue Studio-LP, da freut man sich richtig drauf. Wir haben schon Lust was zu sagen, es muss kein blabla-Pop werden. |
haben vereinnahmen lassen. Die haben uns zu einer Agit-Pop-Band gemacht, was wir im Grunde genommen nicht waren. Wir wollten nur Rock 'n Roll! Sex ging gar nicht, weil nicht politisch korrekt, na ja das ein oder andere Mal ist es dann doch vorgekommen, aber eigentlich nicht pc. Wir hatten unheimlich viel mit dem ganzen pc-Kram zu tun, was ist pc und was nicht. Dabei haben wir vergessen, dass wir einfach nur rocken wollten. Das hat dann ja auch mal richtig gekracht im Zusammenhang mit der "Heiter bis wolkig"-Geschichte (Vergewaltigungsvorwurf, Buttersäureanschlag auf den Fanladen, etc.) in der damaligen Flora, da hat es ja auch ganz schön gescheppert im Karton. Aber ich halte es eher wie die Terrorgruppe, 10 % pc reicht mir.
ÜS: Ihr covert ja auch alte Slime-Songs. Sind eigentlich Lieder, wie Polizei SA/SS oder Bullenschweine noch zensiert?
Dirk: Scheinbar rollt gerade wieder so ein Prozess an. Alle 6 Jahre kommt wieder so ein komischer Staatsanwalt oder Richter auf den Trichter, die Sachen doch wieder zu verbieten.
ÜS: Wie kommt man eigentlich als Punk-Rocker zum hsv?
Dirk: Die ganze Punkrock-Szene ist damals zum hsv gegangen. Es war damals nun mal der Hamburger Club. Ein "Kult"-Club im Sinne von St. Pauli gab es damals ja nicht. Du wolltest einfach nur Fußball sehen. Der hsv hat europäisch gespielt, den Europapokal gewonnen. Im Nachhinein möchte ich die Zeit beim hsv (hört, hört!) nicht missen. Dein Vater hat dich dahin mitgenommen. St. Pauli gab es auch irgendwie, aber die spielten irgendwo, wo es zu der Zeit kein Schwein interessiert hat.
ÜS: Nochmal zur Vergangenheit. 1998 kam C.I.A. und scheiterte bereits nach einer CD.
Minne: Das war einfach ein zu gemischter Haufen. Obwohl, RubberSlime ist fast C.I.A., bis auf den Schlagzeuger Mike und den Sänger Marco von Hbw.
Dirk: Marco war z.B. letztendlich auch ein Problem, weil er was Bühnenshow betrifft, eher so was wie Kabarett draus machen wollte. Da haben sich Dramen aufgetan, wir sind da einfach nicht zusammengekommen. Wir sind in Anzügen aufgetreten und haben gerockt. Und dann hast Du einen dabei, der Feuer spucken und mit Kegeln jonglieren wollte. Das passt überhaupt nicht.
ÜS: Und warum habt ihr nicht ohne ihn weitergemacht?
Minne: Wir sind irgendwann nach einer katastrophalen Tour in uns gegangen und haben uns gefragt, wollen wir das eigentlich noch so? Da war jetzt eine Plattenfirma, die ganz gut Kohle reingesteckt hat, die haben unsere CD sogar ganz gut verkauft. Ich glaube, so 6.000 Scheiben sind weggegangen. Und nach einem halben Jahr gab es uns dann schon nicht mehr. Dann kam auch noch der eine aus Bremen, der andere aus Köln, ich kam vom Land, dann noch zwei Hamburger, das war unheimlich schwierig, mal gemeinsame Termine zu finden. Korrespondenz lief mehr oder weniger gar nicht und irgendwann ist es sang und klanglos untergegangen.
Dirk: Wobei ein paar Jahre später im Grunde genommen, die Erfahrung aus C. I. A. ist, dass die Scheibe echt geil war und wir echt gerockt haben, so dass die Bühnenpräsenz echt Spaß gemacht hat. Das fließt natürlich in RubberSlime ein.
Minne: Das ist natürlich auch die Intention von RubberSlime. Das bringt einfach mega Bock, loszurocken und die Bandchemie stimmt total.
ÜS: Wie kam die Band eigentlich letztendlich zusammen?
Dirk: Sven Brux wollte für das "R..."-Festival Slime haben und Elf und ich haben spontan zugesagt, auch wenn auf der Website steht, dass wir nie wieder auftreten. Aber jede Band hat schon mal gesagt, dass sie nie wieder auftreten, wenn die Zeit reif war. Und dann ist halt Stephan, der alte Schlagzeuger, einfach ausgerastet. Der ist Amok gelaufen, dass Slime noch mal auftreten. Nun hatten wir aber so viel Bock drauf, aufzutreten, dass wir überlegten, wir sind die Hälfte von Slime und die Hälfte von Rubbermaids, dann nennen wir uns halt RubberSlime. Ist im Nachhinein ganz gut für uns gelaufen.
ÜS: Ihr habt Euch dann ein Wochenende eingeschlossen?
Minne: Ja, wir haben uns dann ein ganzes Wochenende eingeschlossen und durchgeprobt
Dirk: Und dann kam noch der zweite Anruf von Mike Glindmeier und Hendrik Lüttmer bzgl. neuer St. Pauli-Songs. Die letzten Monate gingen auch so holter die polter. Das konnten wir aber auch nur machen a) weil wir schon zusammengespielt und b) wir einen großen Schatz an Songs haben und in dem Sinne durch C.I.A. auch neue hatten. Dann haben wir ja auch noch Minne und Elf, die auf dem Land sitzen und neue Songs schreiben, das braucht man ja auch. Also es war schon früh klar, dass wir uns nicht nur selbst covern, sondern auch 2-3 neue Songs einfließen lassen wollen. Wir suchen uns nur die Perlen aus den bisherigen Bands raus
Minne: Wir planen auch schon eine neue Studio-LP, da freut man sich richtig drauf. Wir haben schon Lust was zu sagen, es muss kein blabla-Pop werden.
Dirk: Es soll eine Mischung werden, wie wir sie ungefähr bei C.I.A. schon gefunden hatten, wo es nicht mehr der ganz große Polit-Hammer ist, wie Nazis Raus!, sondern eine Mischung aus persönlichen Texten, wie "Scheiss freundlich!" und trotzdem politischen Sachen. Diese Mischung wird RubberSlime ausmachen.
ÜS: Wie kommen Eure Lieder zustande?
Minne: Im Grunde genommen sitze ich auf dem Land in meinem Studio mit Elf, komponiere und bieten der Bands einfach was an. Dann werden CDs gebrannt und dann wird entschieden: Geil, machen wir! Oder halt nicht. Und dann beim Proben gibt halt jeder sein Senf dazu.
Dirk: Irgendwann sitzen wir zusammen und sagen Song ist geil, Text ist geil, aber es muss ein bisschen Ass-Kicken rein. Und plötzlich fängt irgendjemand mit einer London-Calling Gitarre und alle sagen jo, das ist es und jeder kann damit leben. Das geht auch nur, wenn die Bandchemie stimmt. Aber im Grunde genommen machen die Beiden die Hauptarbeit auf dem LanDirk: Ich bereite mich beispielsweise mit einem Tape/CD beim Taxifahren auf die Songs vor. So haben wir nicht mehr die Arbeitsweise: "24 Stunden im Bunker abhängen".
ÜS: Ist der Punkrock im Aufwind? Ihr habt gerade gesagt, dass viele Jüngere wieder Punkrock hören?
Minne: Das hängt wohl mit den 80er-Revival zusammen, ich finde es schon ganz geil. Und die wollen unbedingt Dicken noch mal sehen, weil sie Slime von früher kennen. Die Jugend ist allerdings unpolitischer geworden. Ich weiß es, weil ich Jugendarbeit um JUZ beruflich mache und merke schon, dass sich nur ein ganz kleiner Prozentsatz um Politik kümmert. Und mit der Musik können wir die Jugend dazu bringen, mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen
Dirk: Was heißt kennen? Da rennen ja teilweise Kids rum, die waren noch gar nicht geboren, als wir angefangen haben, haben aber Slime-T-Shirts an. Du kommst an Slime einfach nicht vorbei!
ÜS: Wie waren Eure bisherigen Auftritte, beispielsweise Bad Oldesloe?
Dirk: Da sind ja sogar 5 Leute aus der Schweiz angereist, nur weil sie im Internet irgendwas mit Slime gelesen haben und sind nachts wieder zurückgefahren. Aus Berlin, Frankfurt,... Wahnsinn! 350 Zuschauer waren drin, 150 noch draußen, die nicht mehr reinkamen.
ÜS: Plattenindustrie und runterladen aus dem Netz, was haltet Ihr davon?
Minne: Ich denke schon, dass das unheimliche Einbußen sind, aber meine Güte...!
Dirk: Ich denke, dass Problem ist, dass es Bands wie U2 oder so nicht sonderlich trifft, wie kleine oder mittlere Bands. Ich muss mich von Verkaufszahlen, die wir beispielsweise mit Slime erreicht haben, ganz gewaltig verabschieden. Über CDs noch allzu viel Geld zu verdienen ist schwer geworden, wenn du nicht so einen gecasteten Blödsinn mitmachst. Ich hoffe auf den Kult-Effekt, dass die Leute sich die St. Pauli-Single oder die neue Live-Scheibe kaufen, weil sie Fans sind und das Original zu Hause stehen haben wollen.
Minne: Das denke ich auch. Es ist wichtig, dass du dich im Mid-Price-bereich befindest. Ich finde es auch echt dreist, 17,99 ? für eine CD auszugeben, wenn ich den personellen Aufbau der Plattenindustrie ansehe, da verdienen alle, nur wir nicht.
Dirk: Unfassbar, was für ein unglaublicher Wasserkopf dazwischengeschaltet ist.
Minne: Ja genau, hier und dort ein A&R-Manager, der eigentlich nichts für Dich macht.
Dirk: Das sind Leute, die gar kein Herz für die Musik haben, die uns behandeln, wie jede andere Ware auch. Das können auch Schifffahrtskaufleute sein oder jede andere Ware verticken. Wir haben einen fairen Deal mit Imre von dröönland abgeschlossen, so back to the roots und einem fairen Preis für die Live-CD, die wohl hoffentlich in den nächsten Wochen rauskommt.
ÜS: Minne, Dein Verhältnis zum Fußball?
Minne: Ich habe früher tierisch lange Fußball gespielt und bin früher immer zum FC St. Pauli (von 1910) gelatscht, aber auch zum hsv gegangen. Da habe ich aber noch in Elmshorn gewohnt. Dann bin ich wegen meiner Tochter aufs Land gezogen und weniger zum FC gegangen. Und ich gucke sehr viel Fußball, habe auch mal in der Hamburger B-Jugendauswahl gespielt. Mein Stammverein war der Elmshorner TV.
ÜS: Und bei Dir, Dicken ist ja alles klar...
Dirk: Als Anfang der 80er Jahre die Glatzen beim hsv Einzug hielten, sind sehr viele alte hsver ein, | Bis heute gab es keine ausreichende Erklärung, wo das 2-Mio-Loch herkommt... | zwei Jahre gar nicht mehr zum Fußball gegangen und so 84, 85 ging es dann bekanntermaßen mit der Totenkopffahne und so weiter los. Jetzt gehe ich da 19 Jahre hin und in den letzten 3,4 Jahren ist eine Negativendwicklung, die einen fast dazu bringt, mal ein Spiel mehr oder minder ausfallen zu lassen. Ich bin tatsächlich mit dem Herzen nicht mehr so richtig dabei. Bis heute gab es keine ausreichende Erklärung, wo das 2-Mio-Loch herkommt, dann diese Abfeierei, die Eigendynamik, dies sich damals entwickelt hat, dass du die Mannschaft unterstützt, auch wenn sie schlecht spielt. Nur habe ich das Gefühl, dass die Spieler bei St. Pauli mittlerweile nicht mal mehr kämpfen. Trotzdem lassen sich die Spieler von den Fans noch abfeiern. Dazu gehört natürlich auch die Zweite Seite, nämlich die Leute, die sie abfeiern.
ÜS: Gab es in der Gegengerade einen Fanaustausch in den letzten Jahren?
Dirk: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, dass immer mehr St.Pauli-Fans gekommen sind, die aber in dem Sinne keine Fußball-Fans sind. Die lieben das Spiel an sich nicht, deshalb ist ihnen scheinbar auch egal, wie das Spiel läuft. Sondern sie lieben nur das Event und den "Kult"-Charakter des FC St. Pauli. Wenn ich Celtic Glasgow nicht hätte, dann wäre ich in den letzten Jahren am Millerntor verkümmert. Das Niveau ist schlichtweg erschütternd. Ich glaube nicht, das ich jemals ein Tor der eigenen Mannschaft, wie z.B. gegen Neumünster, nicht bejubelt habe. Dann stehst du nach so einem Grottenkick in der Gegengerade da und die Leute applaudieren auch noch. Wenn man jemand fragt, warum er klatscht, sagt er einfach: "Das ist halt so bei St. Pauli, da wird immer geklatscht!". Aber ich gönne mir zum Glück ja zwei Clubs! Welcher Spieler identifiziert sich denn heute noch mit seinem Verein? Da gibt es mal Ausnahmen wie Holger Stanislawski oder Andre Trulsen aber im Grunde muss man bei St. Pauli auch ganz klar sehen, dass das auch nur noch alles Söldner sind. Da haben sie alle wieder ein anderes Trikot an und lernen von ihrem Spielerberater zu sagen, "Wir finden die Fans und die Atmosphäre hier so toll".
ÜS: Hat sich denn das Verhalten der Fans auf den Rängen verändert?
Dirk: Ja, es ist schon aggressiver geworden, wenn Du z.B. zum Pissen durchmusst. Die Stimmung war auf jeden Fall mal solidarischer. Ich will mich da selbst nicht herausnehmen. Ich war ja auch mal aktiver, habe beim MR mitgemacht. Also mache ich im Grunde genommen auch nichts gegen diese Verhaltensänderung. Ich habe das Gefühl dass wir nur noch nach dem Motto "Zahl dein Geld, mach Stimmung und sorg für ein bisschen Farbe, aber ansonsten misch dich nicht ein!" behandelt werden.
ÜS: Noch mal ein paar Stichworte zum Schluss: Bush
Minne: einer der größten Kriegstreiber und Volltrottel, für diesen Menschen Worte zu fassen,...
Dirk: Eine Marionette, die für das ganze verkommene System steht.
Irak-Krieg
Dirk: Don't bomb Iraq, bomb Ibrox
Bambule-Demos
Minne: Alternatives Leben finde ich gut, gebt ihnen den Raum!
Dirk: Ein Leben ist halt auch anders möglich, als nur in den kleinbürgerlichen Mechanismen.
Hamburger Senat
Minne: Ich hoffe, dass es bald vorbei ist
Vielen Dank für das Inti
Ra.
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