Gerüchte

Keine Ausgliederung der Fußballabteilung

Gerüchte werden gern von ehemaligen Präsidenten in die kleine Welt des FC St. Pauli gestreut, andere von eitlen Fan-Offiziellen, kleinkarierten Vereinsmeiern und immer wieder von Stoff suchenden Journalisten.

   Üblicherweise entpuppen sich später die meisten dieser unglaublichen Skandale als aufgeblasen, die Aufregung drum herum als übertrieben und sogar die finsteren Machenschaften des Vorstandes erscheinen bei Licht betrachtet, höchstens halb so schlimm. Allerdings, seit einiger Zeit geistert nun ein bedenkliches Gerücht durch Verein und Anhängerschaft, der Vorstand des FC St. Pauli will die "Profi"-Abteilung ausgliedern und dies auch noch als Kapitalgesellschaft - und wer hat nun dieses Gerücht losgejagt? Ausgerechnet unser aktiver Präsident, Corny Littmann. Dabei hat Littmann keineswegs schon einmal für die harten, medial ungefragten Jahre als "Ex" geübt, sondern nur einmal ins Unreine vorausgedacht. Auf einer Gremienversammlung, so wird berichtet, erklärte er die Ausgliederung der kommerziellen Fußballer aus dem Verein FC St. Pauli e.V. zum "perspektivischen Gedanken" - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wohl aus dieser Bemerkung heraus erwuchs unter Sanktpaulianern das populäre Gerücht, auf der anstehenden Jahreshauptversammlung im Dezember würde es nun ernst mit den Plänen, die schon einmal unter Heinz Weisener kläglich gescheitert waren. Davon will die Vereinsführung aber rein gar nichts wissen. Der früherer Pressesprecher und jetzige Teammanager Christof Hawerkamp erklärt das Gerücht gegenüber dem ÜBERSTEIGER zum Gerücht und Geschäftsführer Frank Fechner sogar für "Quatsch". Üblicherweise können solche klaren Dementis ein Gerücht nicht stoppen, aber in diesem Fall könnte es doch klappen, denn der DFB verbietet eine solche Ausgliederung in seinen Statuten für die Regionalliga, wird in Frankfurt am Main versichert. Ein Verbot voller Pikanterie, denn was passiert, wenn eine der zwei Dutzend Kapitalgesellschaften in beiden Bundesligen eines finsteren Tages in die Niederungen der Regionalliga absteigen sollte? Niemand weiß es. In Kenntnis der klaren Rechtslage wagt aber auch Fechner einen strategischen Weitblick. "Es ist sinnvoll, über eine Ausgliederung nachzudenken", wohl gemerkt, nicht hier und heute, aber grundsätzlich. Damit könne das wirtschaftliche "Risiko ausgelagert" werden. Erinnern wir uns, der ganze Verein wäre im Mai fast pleite gewesen, auch unbeteiligte Schachuhren und Rugby-Bälle des Vereins wären dann in der Konkursmasse gelandet. Andererseits würde eine Ausgliederung den Einfluss der Mitglieder weitgehend beschneiden. Ökonomie oder Demokratie könnte also die Frage sein, wenn wir eines wunderbaren Tages wieder in der Zweiten Liga kicken.

Hermannus Pfeiffer

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