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Sie beginnt um 19:30 Uhr, theoretisch. Praktisch fangen wir um ca. 20.15 Uhr an, manchmal später. Wir wollen nicht immer spät fertig sein, spät wird es fast immer. Wir wollen strukturiert vorgehen, unstrukturiert verläuft sie meistens. Manchmal wollen wir uns disziplinieren, undiszipliniert werden wir immer. Eine ganz normale Redaktionssitzung also. 20:00 Uhr: R.D.S. scharrt mit den Füßen. Er sitzt bereits pünktlich seit 19:30 Uhr auf dem besten Platz auf dem Sofa und blickt ständig nervös zur Uhr. Er möchte anfangen, wir nicht. Meistens sind um diese Zeit noch nicht genügend Leute anwesend, haben sich einige viel zu erzählen (die Woche war lang) oder verhelfen dem Fanladen zur Umsatzsteigerung. R.D.S. hat natürlich weit vor 19:30 Uhr die notwendigen Privatgeschäfte erledigt. Manchmal haben wir eine gute Ausrede, wenn die Sitzecke noch von anderen z.B. den Ultras oder der U 16 belegt ist. Heute jedoch, schon nach 20:00 Uhr, setzen wir uns wie Schuljungen nach einer strengen Ermahnung von R.D.S. auf unsere Plätze. Wir fangen an. Zwei Redaktionsmitglieder fehlen, die schon mindestens vor dreißig Minuten gesichtet wurden. Waren Ro und TACS nicht schon hier? "Ja, gesehen hab ich die auch schon." "Im Keller vielleicht, E- Mails ausdrucken?" Wollte Ro nicht noch etwas mit Fanladen Heiko besprechen?" Fanladen Heiko schiebt sein Fahrrad an uns vorbei. Tschüss! Doch kein Gespräch mit Heiko. Also doch im Keller. "ROOOO", aus aller Munde. Keine Antwort. "Ich geh` mal gucken." Wieder einer weg. Bleibt auch weg. Inzwischen taucht TACS wieder auf. Mit `ner Tüte Pommes von der kleinen Pause. Der Fettgeruch inspiriert, alle sind abgelenkt und durchgehen im Geiste die finanziellen Möglichkeiten einer Pommesinvestition. Gespannte Stille, alle denken wohl das Gleiche. Keiner geht. Kann los gehen. Thema Nr. 1 Leserbriefe: "Hat jemand die Leserbriefe ausgedruckt?" "Wollte das nicht Ro (der im Keller) machen?" "Also, zwei haben wir hier." Die sind alt. "Gehst du mal gucken?" Im Keller natürlich. Ohne Arme geht, wieder einer weg. Ro kommt aus dem Keller. Helle Freude: "Hast du die Mails ausgedruckt?" "Nein, ich habe einen Artikel ausgedruckt." Lange Gesichter. "Aber ohne Arme ist jetzt unten und schaut nach aktuellen Mails." R.D.S. wird nervös. Wir kennen das. "Können wir jetzt mal endlich anfangen?" Die Uhr zeigt 20:45 Uhr. Wir ziehen das Thema Konto und Steuererklärung vor. Das dauert. Bevor wir anfangen, wird an der Fanladentür gerüttelt. Der Layouter. Er will rein. Wir lassen ihn nicht! "Dreh`n und zieh`n" wird gerufen! Dreh`n und zieh`n? So lässt sich die Türöffnertechnik von innen nach außen nach Fanladenschluss beschreiben. Geht nur beidhändig. Einarmige und Fahrradnutzer wurden bei dieser Konstruktion nicht bedacht. Auch unwissende haben mindestens einmal diese peinliche Situation zu überstehen. Die Betonung liegt aber auf von innen nach außen, nicht umgekehrt! Der da draußen weiß natürlich Bescheid und fühlt sich verarscht. "Komm doch rein!" "Dreh`n und Zieh`n!" Sehr witzig! Aber wir haben unseren Spaß. Jetzt riecht` s wieder nach Pommes, Schaschlik und mindestens Salat. Bringst du mir ein Bier mit? Mir auch, eine Bionade bitte usw. Bald geht` s los. Bestimmt. 21:00 Uhr! Die Steuererklärung! Antje liest die neununddreißigste Mahnung unserer Freunde vom Finanzamt vor. Konto leer, keine Online- Verbindung, neue Bankkarte und eine große Tüte Quittungen. "Dreh`n und Zieh`n!"Aufgaben werden verteilt. Zwei holen eilig Bier, einer besucht die Toilette weit weg im Keller. Andere wiederum erzählen überzeugend von Überstunden, Diplomarbeiten, Freundinnen, Urlaub und dergleichen. Muss unbedingt gemacht werden ist schließlich der Redaktionskonsens. Die vierzigste Mahnung kommt bestimmt. Hauptsache wir haben Spaß! Pelstinho erzählt einen Schwank vom letzen Auswärtsspiel, zettelt damit ungewollt eine Heft-unabhängige Diskussion an. Marcus theologische Betrachtungsseite erfordert höchste Aufmerksamkeit und es wird darauf 21:30 Uhr, bevor wir feststellen, dass keine neuen Leserbriefe eingegangen sind. Außer einer wiederholten Anfrage nach einen Pollpreis, der dem Leser seit ca. einem halben Jahr zusteht, wir aber diesen noch nicht haben und er diesen deswegen auch nicht bekommen kann. Aufgaben werden verteilt. R.D.S. ist kurz vor dem NervenzusammenbruchDas Szenario gleicht dem der Steuererklärung. Wird schon, irgendwann! Genauso gehen wir natürlich mit unserer Anzeigen- Akquisition und überhaupt mit unseren Lesern um. Aber wir bemühen uns redlich. Früher traf der Lüh um 22:00 Uhr ein, thronte auf dem Hochsitz in sicherer Entfernung. Lagebeurteilung nannte man so etwas, glaub ich. Unser Layouter beschäftigt sich immer noch mit seinem Rest Pommes in der anderen Ecke des Raumes, sein Hund sabbert wiederholt an meiner Hose herum. R.D.S. ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch und Frechdax kündigt ein noch teilweises unredigiertes acht Seiten langes Interview mit dem Vizepräsidenten an. Um 22:45 Uhr versiegt Frechdax` s Stimme und erwache ich zeit-gleich aus meinen Tagträumen. Alles schlummert friedlich vor sich hin. Zeit zu gehen. Die Artikelliste schaffen wir heute eh` nicht mehr durchzugehen. Aber sie ist ohnehin nicht da. Die hat immer der, der gerade heute nicht kann. Ich hole mein Rad, zwänge mich durch die Sitzgruppen, Sessel werden geschoben, Aschenbecher klirren, Bierflaschen werden gerettet. Der Hund jault auf! Ich bin über seinen Schwanz gefahren (Rache fürs sabbern), während sein Herrchen mittlerweile mehr verträumt als aufmerksam in einer Nebelschwade abhängt und ich Fahrradnutzer bekomme die Tür nicht auf. Ein letzter genervter Blick von R.D.S.! Dreh`n und Zieh`n! Eine ganz normale Redaktionssitzung also. Hauptsache wir haben unseren Spaß! Wollt Ihr mitmachen? CF |
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