Schiffe versenken?!

Es sollte eigentlich nur eine nette Saisoneröffnungsparty des Fanclubs "Skinheads - St.Pauli" werden. Mit Konzert, mit über 200 Gästen auf der MS Commodore, mit viel Spaß. Und genau das wurde es eigentlich auch. Warum das dann drei Tage lang die Titelseite der Hamburger Schmutzpresse zieren durfte, weiß eigentlich keiner so genau. Grund genug für den ÜS, jemanden zu Wort kommen zu lassen, der auch wirklich vor Ort war, nämlich zwei Mitglieder des Fanclubs, gleichzeitig die Veranstalter der Party.

Übersteiger: Hallo Ihr zwei. Fangt doch bitte mal damit an, die Ereignisse jenes Samstags aus Eurer Sicht zu schildern, die ja durchaus auch schon vor dem Ablegen der MS Commodore begannen.
C: Während wir aufbauten fingen die Supporters auf dem Oberdeck der Cap San Diego (CSD) an "hsv, hsv!" und "Scheiß St. Pauli" zu skandieren und haben sich darüber diebisch gefreut. Als Antwort haben wir "St. Pauli, St. Pauli" gerufen und ich habe den anwesenden Damen und Herren noch mein entblößtes Hinterteil gezeigt. Das ist für mich Fußball und wäre es dabei geblieben, hätte sich sicher niemand beschwert.
S: Man muss dazu sagen, dass wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass dort oben eine HSV-Veranstaltung statt fand. Wir haben uns gewundert, dass dort ein paar Leute oben stehen und haben uns noch gedacht, was sind das denn für Knallköppe, die da so ein bisschen rum provozierten, aber da standen alle drüber. Das wurde mehr belustigend aufgenommen, mehr war das nicht.

ÜS: Und als der Großteil der Konzertbesucher kam?
C: Da lichteten sich die Reihen auf der CSD bei den hsv-Fans in der Hinsicht, dass keiner mehr runter geschaut hat, wo vorher bis zu 15 Leute an der Reling standen um zu gucken und "hsv" zu rufen. Als unser Boot mit 200 Konzertbesuchern ablegte, trauten die sich noch einmal "hsv" zu rufen. Zwei kamen auf den Anleger runter und einer nur mit dem HSV-Handtuch bekleidet. Wir mussten lachen, da haben sie sich sogar mal was einfallen lassen.

"Die Party war sehr geil!"

ÜS: Es folgte das, was leider im Nachhinein komplett unterging, nämlich eine fantastische Party.
S: Ja, die Party war sehr geil und wir haben uns auch sehr gefreut, dass das alles so gut funktioniert hat. Der Band hat es auch sehr gut gefallen. Kapitän und Tresencrew, die vorher auch nicht genau wussten, was auf sie zukommt, haben sich auch sehr positiv geäußert. War wohl nicht das problematische Publikum, welches sie vielleicht erwartet hätten, im Gegenteil. Es war ein sehr schöner Abend, der dann leider für alle doof endete.
Das Schiff hat um 22.45 Uhr angelegt, 23.00 Uhr war ausgemacht und die Band spielte noch ein bisschen länger und gab 1-2 Zugaben. Der Anleger lag seitlich von der CSD und die ersten Leute sind raus, weil es drinnen sehr heiß war. Draußen vor dem Schiff standen ca. 20-30 Personen und feierten. Die Band hörte auf zu spielen und weitere Leute gingen raus. Es waren vor dem Schiff ca. 70 Personen, eine Bengalfackel wurde gezündet und die Leute haben dazu einen Hotknives Song gesungen, als Dank für die Band, die sich darüber auch tierisch gefreut hat.
C: Wir wissen inzwischen, dass zwei Leute vom Konzert zur CSD sind, mit der Absicht sich zu vergewissern, ob es da nicht noch zu Reibereien kommen könnte, und ich denke mal mit diesem Vorfall nahm der unheilsame Verlauf dieses Abends seinen Anfang.
S: Der Türsteher der CSD hat das Tor schnell abgeschlossen, später haben einige angefangen Flaschen zu werfen. Woher die als erstes kamen, kann man im Endeffekt nicht sagen. Klar ist, dass von beiden Seiten geworfen und glücklicherweise auf keiner Seite jemand getroffen wurde. Dazwischen muss wohl der Türsteher oder einer der feiernden Gäste auf der CSD die Polizei gerufen haben.
Einen Augenblick später kamen drei Streifenwagen mit sehr hoher Geschwindigkeit die Überseebrücke runtergerast. Die hätten dabei fast einige unserer Gäste, die schon auf dem Heimweg bzw. in unsere Fankneipe Jolly Roger wollten, angefahren. Darunter auch eine im achten Monat schwangere Frau und einen auf Krücken, der sich in letzter Sekunde retten konnte. Die Polizisten sind sofort raus gesprungen und haben angefangen, mit Gas und Pfefferspray rum zu sprühen. Die Leute rannten weg, waren auch erschreckt, dass soviel Polizei da war. Einige liefen wieder nach unten - die Polizei hinterher und sprühte immer weiter. Einer der Beamten zog plötzlich die Waffe und hat beim Versuch in die Luft zu schießen, die Decke der Überseebrücke mehrfach durchschossen und verfehlte dabei nur um ca. 10cm einen Stahlträger. Was da passiert wäre, wenn er den getroffen hätte, kann man sich ausmalen. Eine abprallende Kugel hätte sowohl ihn, seine Kollegen, als auch einen unsrer Gäste treffen, möglicherweise sogar töten können. Das mag man sich gar nicht vorstellen...
Die Beamten machten einen sehr panischen und aggressiven Eindruck. Dann kamen immer mehr Polizisten runter, auch einige von der Bereitschaftspolizei, mit Helm und gepanzert. Unten wurden die Leute weiter eingesprüht und mit Knüppeln bearbeitet. Nachdem die Schüsse fielen, hatten sich auch die letzten Leute vom Schiff Richtung Brücke begeben, die vorher von dem Vorfall nichts mitbekommen haben. So standen die Konzertbesucher plötzlich einer Kette von Polizisten gegenüber. Die Leute, die die Arme unten hatten und sich nur vergewissern wollten, was da überhaupt los war, wurden geschlagen, besprüht und zurückgewiesen. Eine weibliche Person, die gar nicht zur Seite rücken konnte, wurde zu Boden geworfen und gewürgt. Ihr wirft man jetzt Widerstand vor, was völlig absurd ist. Der ihr zur Hilfe eilende Freund wurde ebenfalls abgeführt, auch wegen Widerstand.

"Klar, dass die Polizisten sich wehren, aber die Schüsse sind nicht zu rechtfertigen."

ÜS: Gab es nicht irgendeinen Anlass für den Sprüheinsatz? Die offizielle Polizeimeinung sagt ja etwas anderes aus?
S: Es ist wohl so gewesen, dass die Polizisten mit der Ansage nach unten sind, dass sich ca. 80 Personen an der CSD aufhalten, die eine Party stürmen wollten, darunter Skinheads. Die sind natürlich runter gefahren, sahen wahrscheinlich auch direkt Skinheads und andere Konzertbesucher, die gerade auf dem Weg zur Brücke waren. Es war schon eine Menschenansammlung, ganz klar. Wenn 200 Leute ein Konzert verlassen und alle den gleichen Weg gehen müssen, ist das so.
Andererseits waren die Leute natürlich perplex, als sie Gas ins Gesicht gesprüht bekommen haben. Die meisten wussten überhaupt nicht, warum jetzt Polizei da war, und waren ziemlich verärgert, als die Polizei rücksichtslos die Brücke runter raste und dabei fast Leute überfuhr.
Die Schüsse haben die Leute nicht nur erschreckt, sondern auch wütend gemacht und dadurch gab es beim Wegrennen Reibereien mit Polizisten, die zur Seite gestoßen wurden, als diese versucht haben willkürlich irgendwelche Leute festzuhalten. Dadurch, dass auch viele Skinheads auf dem Konzert waren, waren die Hauptschuldigen natürlich gleich gefunden, denn wenn die Ansage kommt: "Hooligans und Skinheads" und da sind eben die Leute ohne Haare, ist natürlich klar, dass sie sich auf diese Leute konzentrieren. Man muss im Nachhinein sagen, dass es eine Verkettung blöder Umstände war, die zusammen kamen; vom Verlassen der Konzertbesucher des Schiffes, auf dem Weg zur Brücke und dem Herbeieilen der gerufenen Polizei, zu dem es eigentlich nicht hätte kommen müssen, wenn die Beamten einfach runter gekommen wären und nachgefragt hätten, was hier los wäre, dann hätte sich die Sache wahrscheinlich ganz schnell aufgeklärt.
Wenn die Polizisten getreten und geschlagen wurden, ist es ja auch klar, dass sie sich wehren. Aber es war längst nicht so, wie es in der Boulevardpresse geschildert wurde, dass sie sich dort von 80 Leuten umringt sahen. Da gehört schon eine Menge Phantasie zu, um das im Nachhinein mit Schüssen rechtfertigen zu wollen, denn das ist niemals der Fall gewesen und ein besonnenes Auftreten hätte Wunder gewirkt und es wäre niemals zu der Verkettung dieser blöden Umstände gekommen. Ich weiß, dass von den fünf Festnahmen mindestens drei zu Unrecht erfolgten. Leider wird den dreien jetzt über Zeitungsbilder Hooliganismus vorgeworfen und das entspricht absolut nicht den Tatsachen. Man kann nur hoffen, dass sich die Sache für die Leute klärt und dass sich ihre Aussagen bestätigen lassen und die Polizei den Irrtum einsieht.
Die Situation war einigermaßen geklärt, wobei die Verhaftungen natürlich nicht unbedingt hingenommen wurden. Es gab dann schon Pöbeleien, daraufhin wurde dann wieder mit Gas gesprüht.
Wir fingen dann an, die Sachen abzubauen. Ich hatte selbst Gas ins Gesicht bekommen, obwohl ich mich einfach nur als Veranstalter erkundigen wollte, wo denn der Einsatzleiter wäre und wie es denn jetzt weiter gehen würde, da wir ja noch Sachen abzubauen hätten und die Band ins Hotel musste. Die Frage wurde halt mit Pfefferspray beantwortet.
Nachdem die Situation endlich beruhigt war, kamen dann die 20 hsver von der CSD runter, dabei gab es von deren Seite Pöbeleien. "Na, da hat die tolle St.Pauli Party ja ein jähes Ende gefunden, geschieht den Dreckszecken recht!"
Wir waren von den Vorfällen viel zu geschockt, um darauf zu reagieren. Einer, der sich leider nicht so beherrschen konnte, pöbelte die Leute an und fragte was das soll und packte jemanden aus der Menge, um ihn zur Rede zu stellen. Wir sind dazwischen gegangen und haben den Bekannten zurückgeholt und den hsvern gesagt, dass sie uns in Ruhe lassen und nach Hause gehen sollten, denn die Leute hier unten seien sehr wütend über den Einsatz der Polizei. Dann war das eigentlich für uns geklärt. Darauf hin kamen erneut behelmte Polizisten im Laufschritt runter und verlangten unsere Personalien, stießen Leute zur Seite und erteilten allen noch Anwesenden ein Platzverbot. Das heißt, wir mussten das Equipment an Bord lassen, die Band wurde dann endlich nach Rücksprache mit der Polizei zu ihrem Auto gebracht, so dass sie in ihr Hotel konnten.
Damit war der Einsatz für die Polizei soweit beendet, und wir konnten ins Jolly Roger gehen. Die meisten Anwesenden haben wir dort ziemlich verstört vorgefunden. 90% der Konzertbesucher wussten gar nicht, was dort so richtig vorgefallen war und wie es zu dem Schlagstock-, Gas- und Schusswaffeneinsatz kommen konnte. Die meisten der Konzertbesucher hatten ja auch schon langjährige Fußballerfahrung und haben so einen Einsatz noch nie erlebt.
Von daher ziemlich unglaublich, auch wenn man dann später die Presse liest, dass dort versucht wurde zu legitimieren, dass man auch eigentlich auf die Beine schießen könne. Das kann keiner nachvollziehen.

ÜS: Wie wollt ihr denn jetzt zukünftig damit umgehen? Werdet ihr intern noch Gespräche führen? Insbesondere mit jenen 3-5 Leuten?
S: Die ganzen Leute gehören ja nicht zu unserem Fanclub. Aber es ist so, dass wir auf jeden Fall von zwei Personen wissen, die sich dort nicht korrekt verhalten haben. Die wurden auch zur Rede gestellt und müssen die Konsequenzen tragen, da wir das auch nicht tolerieren und billigen.
Ganz klar ist, dass an die Anwesenden auf der CSD, die dort gefeiert haben, von unserer Seite als Veranstalter, eine Entschuldigung kommt, die wir auch sehr ernst meinen.

ÜS: Es wird laut den Medien ja auch gesagt, es sei eine geplante Aktion, so wie es im Hooliganismus immer wieder vorkommt. Wie steht ihr dazu?
S: Das hätten die Mopo und viele andere Leute gerne, die jetzt irgendwas herbei schrei(b)en wollen, was sie da nicht alles gesehen haben.
Wenn 200 Leute wirklich vorgehabt hätten, so ein Schiff zu stürmen, dann denke ich wäre der Polizeieinsatz auch in dieser Form gerechtfertigt gewesen.
Aber keiner von uns hat vorgehabt, irgendwelche Rache an denen zu üben, nur weil sie von oben "hsv!" skandiert haben, die wollten uns einfach nur ärgern und die Leute wollten sie wohl zurück ärgern und damit hatte sich das für die Leute auch erledigt. Das hat man auch daran gemerkt, dass 80% der Leute, während die Polizei anfing ihren Einsatz zu starten, auf dem Weg zur Brücke waren.
Als ich selbst vom Schiff gekommen bin, hatte die Band schon einige Zeit aufgehört zu spielen. Wir waren dabei abzubauen, und auf dem Anleger waren einige Leute, die gefeiert haben. Einige andere Leute haben auf das Schiff rauf gepöbelt. Ich kann auch gut verstehen, dass die auf der CSD Angst hatten, in der Situation.
Aber wir sind nicht erst seit gestern bei St. Pauli, sondern wir haben in Kneipen wie Rosis Bierbar, Spa, Letzter Pfennig, Seemannsgarn, Jolly Roger, erlebt, wie Hooligans versucht haben, immer wieder in Kumpanei mit Neonazis diese Kneipen zu stürmen. Von daher kennen wir die Situation, die Hilflosigkeit und die Angst, die man erlebt, wenn man einem solchen Angriff ausgesetzt ist. Allerdings war der Unterschied, dass wir die Angriffe ziemlich direkt miterlebt haben, d. h. wir haben Steine, Flaschen, Eisenstangen, Schlagringe, Totschläger auf unserem Körper gespürt und nicht aus 20m Entfernung pöbelnde Leute gesehen, die gar keine Chance hatten, an uns ran zu kommen.

"Na, da hat die tolle St.Pauli Party ja ein jähes Ende gefunden, geschieht den Dreckszecken recht!"

ÜS: Wie wollt ihr in der Zukunft mit dem "Problem Gewalt" innerhalb eures Fanclubs umgehen?
C: Unser Fanclub hat so was wie ungeschriebene Gesetze und eine Direktive und zwar, dass es kein offensives Verhalten bei Fußballspielen gibt. D.h. hinter anderen Fangruppen herlaufen und zur Gewalt auffordern oder sie zu Schlägereien zu überreden, so etwas gibt es bei uns nicht. Wir verteidigen uns. Wir verteidigen unsere Kneipen, und wir lassen uns auch ganz sicher nicht als Juden oder Zecken beschimpfen, und eine U-Bahn nach Auschwitz baut jemand uns gegenüber auch nicht lange.
Erst recht gilt das für das"Platzwart-Lied", welches die Ultras des hsv gerne bringen, wo sich über den Tod eines unserer Fanklubmitglieder lustig gemacht wird. Da will ich keinem Polizisten, keinem Fanbeauftragten oder Präsidenten von uns in den Hintern kriechen, wer so etwas direkt vor uns stehend singt, der muss damit rechnen, dass bei uns eine Sicherung durchknallt, und da bin ich ganz sicher der letzte, der Leute aufhält, die so was dann "gerade biegen" möchten.
Aber wie gesagt, wir treten nie offensiv auf. Im Polizeijargon würde ich uns wohl sicherlich eher in B als in C kategorisieren.

ÜS: Die Presse hat daraus fälschlicherweise einen "Hooligankrieg" gemacht. Zieht Ihr daraus für Euch Konsequenzen?
S: Es wird Maßnahmen geben in Form einer Stellungnahme von uns. Auch die von uns gezeigten Bilder in der Presse dürfen künftig nicht mehr abgedruckt werden, da eine Unterlassung gegen diese angestrebt wurde. Man muss dazu sagen, dass sich speziell Herr Hirschbiegel von der Mopo etwas zusammen geschustert hat und sich scheinbar den Konsequenzen aus dem von ihm selbst ernannten "Hooligankrieg" nicht bewusst ist. Denn ich weiß nicht, ob es in seinem Sinne ist, dass in den nächsten Wochen St.Pauli-Fans, einfach nur weil sie ein St.Pauli-T-Shirt tragen, irgendwo auf dem Dom ein paar an den Hals kriegen und einige Leute das mit der CSD legitimieren, nach dem Motto "Wenn die Frauen und Kinder überfallen..." und so einen Quatsch. Der Hirschbiegel muss mal überlegen, was er damit angerichtet hat, als er den Hooligankrieg versuchte herbei zu schreiben.
C: Gerade heute hat eine junge Dame im Fanladen berichtet, dass sie in der U-Bahn angepöbelt wurde, da sie einen St.Pauli-Schlüsselanhänger um den Hals trug, dass sie ja auch eine von den gewalttätigen Hooliganweibern wäre und dass sie sich in der U-Bahn bei dem Herrn nicht hinzusetzen hätte.

ÜS: Wollt ihr euch noch einmal mit dem Großteil eures Fanclubs treffen und für die Zukunft ein Resümee ziehen?
S: Wir haben uns natürlich schon getroffen, weil auf uns ein gewaltiger Druck ausgeübt wird, dem wir uns natürlich auch stellen. Aber es muss für alle Leute weiterhin klar sein, dass wir die falschen Ansprechpartner sind, wenn es um Gewalt gegen die Polizei geht oder darum, gegen andere Hooligans ein Match zu machen. Die Leute wissen, dass wir uns gerade machen, wenn wir angegriffen werden, aber auch, dass wir zu unserem Wort stehen. Das haben wir jetzt auch getan, indem wir gesagt haben, dass wir uns intern um die Sache kümmern und wir uns auch mit den Leuten, die sich da falsch verhalten haben, auseinandergesetzt haben. Mir ist es auch ganz wichtig, dass die Leute von St.Pauli das wissen, vielleicht auch gerade die, die uns nicht so gut kennen. Aber auch die, die uns jahrelang kennen und uns immer freundlich begegnet sind, denn mit uns kann jeder ganz normal reden und die Leute können auch ganz normal auf uns zu gehen, die auch später noch eine Frage deswegen haben oder was auch immer, das ist gar kein Ding. Ihr habt es hier nicht mit irgendwelchen Verrückten oder irgendwelchen Schlägern oder so zu tun, das sollten die, die uns kennen wissen und die, die uns nicht kennen, sollten das auch hiermit erfahren, dass wir auch in keinem Augenblick daran denken dem Verein und den übrigen St.Pauli-Fans in irgendeiner Weise zu schaden.

ÜS: Gibt es für euch jetzt Gespräche mit dem Verein oder mit Leuten vom hsv?
C: In Zusammenarbeit mit Heiko vom Fanladen findet ein von St.Pauli und hsv angestrebtes Treffen statt, daran sollen neben den beiden Fanbeauftragten von St. Pauli und hsv, Sven Brux, einige Leute von den hsv Supporters, zwei oder drei von uns, USP und dem Fanclub-Sprecherrat teilnehmen. Die szenekundigen Beamten (SKB) beider Vereine werden auch mit am Tisch sitzen. Hierbei werden wir uns bei den Anwesenden der CSD entschuldigen und man wird besprechen, wie man zukünftig miteinander umgeht, damit solche Sachen nie wieder passieren. Damit bei solchen Polizeieinsätzen nicht irgendwann auch schwerwiegende Verletzungen passieren z. B. beim Gebrauch von Schusswaffen.
S: Ich finde es auch bezeichnend, dass erst wenn die Mopo und andere Zeitungen groß damit titeln, plötzlich so ein Gespräch stattfinden soll. Denn es tut mir zwar leid, was den Leuten auf der CSD geschehen ist, aber es ist wirklich niemand zu Schaden gekommen. Wenn aber hsv-Hooligans einem 16jährigen Mädchen eine Flasche an den Kopf werfen, die auf der Intensivstation landet, oder mehrmals unsere Kneipe überfallen wird, da gab es nie ein Gespräch. Genau das ist für mich bezeichnend für den Stellenwert der Fans und des Vereins FC St. Pauli, sowie des hsv und seiner Anhänger. Denn "der hsv hat seine Hooligans, die machen immer scheiße, das wissen wir, das ist für uns in der Presse keine Notiz mehr wert, wir müssen darüber nicht reden, denn das Problem haben wir im Griff." Haben sie aber nicht im Griff, das haben wir ja schon oft genug am eigenen Leib gespürt und wenn von uns einmal Leute ausflippen und ein paar andere durch ihren alkoholisierten Übermut auf den Zug aufspringen, was das ganze nicht beschönigen soll, dann haut es die mopo auf den Titel und plötzlich muss so ein Gespräch stattfinden. Das ist für mich bezeichnend für die Situation in HH. Wir sind die Verbrecher! Und die Hooligans vom hsv, die landesweit bekannt sind, Stadionverbot haben und Fußballfans auf der Reeperbahn fast totschlagen, die müssen sich solchen Gesprächen nicht stellen.

ÜS: Vielen Dank für das Gespräch.

Ra./Frodo

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