Vier Fäuste für ein Hallejuha!

   Die Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM) hat trotz ihrer nicht weit zurückliegenden Gründung schon einiges an Geschichte hinter sich: Da wären die Pläne zweier ex-Vorsitzenden zum Ausbau in eine reine Service- und Spaß-Abteilung, die in diversen Auseinandersetzungen auf Abteilungsversammlungen (AV), inkl. eines legendären Auftritts von Kalle Schwensen, und in der Abwahl des damaligen Vorstandes endete. Dann die klare Ausrichtung auf den Jugendbereich des FC St.Pauli mit besonderem Augenmerk auf die Fußballer und ein neuer Vorstand, der vermeintlich alle Gemüter besänftigte und im stillen, aber dafür äußerst wirkungsvoll für die wichtigsten Satzungskonformen Ziele der AFM arbeitete (Förderung der Jugendabteilungen, Mitgliederwerbung).

   Lauter wurde es erst mit Äußerungen des Vorstandes der AFM zu den Personalien Demuth und Beutel, innerhalb der Schlammschlacht zwischen den Herren und Frauen Paulick, Beutel, Koch, Pothe, Groeteke, u.a.. Darin dann die Lügenbezichtigung an den Präsidenten Koch durch den 1. Vorsitzenden der AFM Scharf und eine klare Pro-Beutel -Positionierung des Vorstandes der AFM. Eine turbulente JHV des Gesamtvereins bei einen Auftritt von Scharf. Im Nachklapp des Ganzen, ein Verfahren zum Vereinsausschluss des Herrn Scharf, mit der Entscheidung, daß er bitte bis zum 31.12.2003 alle Ämter ruhen lassen solle, mit einer juristischen Anfechtung im Anschluss. Dann endete viel offener Zwist, mit der Einsetzung von Corny Littmann. Inzwischen auch mitten in der Rettungsmaschinerie angekommen, wird es am 15.08. ab 19.00 Uhr die diesjährige Abteilungsversammlung der AFM geben. Wer die Einladung zu eben diesem Event gekommen hat, konnte feststellen, daß der bisherige Vorstand Holger Scharf (1. Vorsitzender), Massimo Finízio (2. Vorsitzender), Andreas Kahrs (Jugendbeauftragter) und H.W. (Kassenwart) geschlossen zurückgetreten sind, um "einen Neuanfang nicht im Wege zu stehen". Man könnte nun über die internen Differenzen innerhalb des Vorstandes spekulieren, die einen solchen Schritt nötig machen. Doch das sollte auf eben der AV angesprochen werden. Interessanter ist vielmehr, daß der bisherige 2. Vorsitzende Finizio über eben seinen Rücktritt gar nicht informiert wurde. Vielmehr scheinen, die anderen 3 Vorstandsmitglieder (einer davon ruhend), dies während seines Italien-Urlaubes beschlossen zu haben. Doch da die AFM-Abteilungsordung besagt, daß bei einem Auscheiden von mehr als zwei Vorstandsmitgliedern, auch die Amtszeit eines verbliebenen Mitglieds des Gremiums endet und dann alle Mitglieder der AFM-Abteilungsleitung neu gewählt werden müssen. (§3.12 der AFM-ABTEILUNGSORDNUNG) ist dieser Rücktritt quasi einkalkuliert. Die Einladung zur AV erweckt hier jedoch einen anderen Eindruck, als den den Finizio äußert. Gerade hier scheint offen kundig, daß innerhalb der Abteilungleitung einiges im argen gelegen haben muß und wohl immer noch liegt.

   Ein weiteres Indiz dafür ist, das sich die Hälfte des alten Vorstandes (Kahrs und H.W.) zur Wiederwahl stellt. Der Rücktritt ist also ein taktisches Manöver, um einen evtl. unliebsamen, evtl. schlecht arbeitenden, oder sonst irgendwie nicht gelittenen Kollegen aus dem Vorstand zu drängen. Denn der Rücktritt von Scharf ist nach der Einmischung in die Schlammschlacht der damaligen Vereinsführung und einer klaren Positionierung darin, als logisch zu betrachten. Gab es doch um seine Person immer wieder Differenzen innerhalb der gesamten Abteilung. Auch um die Person Finizio gibt es diese Differenzen. Die Inhalte der Unstimmigkeiten sind vom ÜBERSTEIGER nur schwer nach zu vollziehen. Dennoch ist eine Einladung an die Mitglieder, in dem ein freiwilliger Verzicht von Finizio auf seinen Posten suggeriert wird, kein passendes Manöver, um eine Neustrukturierung der Abtreilungsleitung einzuleiten. Gerade die Mitglieder der AFM haben in bezug auf diesen Schritt, Offenheit und Ehrlichkeit zu erwarten. Doch vielleicht ist diese Abteilung inzwischen dort angekommen, wo der FC St. Pauli sich immer gerne aufhält: Im Machtgerangel und im Streit, um Kompetenzen und Informationen.

   Die AFM ist die größte Abteilung des FC St. Pauli, dementsprechend auch ein großer Faktor, wenn es um Machtkonzentrationen im Gesamtverein geht. So scheinen sowohl Teile des Aufsichtsrat, als auch Angestellte der AFM auf eine Demission von Finizio hingewirkt zu haben. Neben der Personalie Finizio gibt es innerhalb der AFM auch Bestrebungen, ihre Kompetenzen und Aufgabengebiete zu ändern und auszuweiten. Bereits zu ihrer Gründung gab es die Absicht, die AFM auch als Fan-Interessenvertretung zu installieren. Dieses scheint nun ein Revival zu erleben: Innerhalb der Geschäftsführung, als auch des Vorstandes des FC St. Pauli wird die AFM neben ihren Abteilungsaufgaben, auch als Vertreter von Fan-Interessen gesehen. So gibt es einen sehr kurzen Draht der Abteilungsleitung zum Vorstand und zur Geschäftsführung. Als nun im Zuge der Rettungsaktionen einige Kritik aus Reihen der Fans kam, in der es um Sachen wie z.B. Kooperationen mit Fast Food-Kette oder auch Fussballfeste ging, ist dies bei den Herren Littmann, Uhlig, Preussker und Fechner nicht auf Sympathie und Verständnis gestoßen. Es wurde vielmehr versucht, den Einfluß den z.B. der Fanladen, Fan Club Sprecherrat, AgiM etc. haben herunterzureden und sich auch in Gesprächen immer auf die AFM zu berufen, die ja nun auch aus Fans bestehe und die Rettungsaktionen mit trage. Hier zeigt sich das Dilemma der AFM: Als Abteilung des Vereins sind ihr anscheinend die Hände gebunden, grundlegende Kritik und damit Widerrede gegenüber dem Präsidenten und seinen Vizes zu äußern. Gleichzeitig will man jedoch auch solche fanspezifischen Themen bündeln, mitreden, besprechen und dann weitergeben. Dass dann letztendlich Abteilungsinteressen vor Faninteressen stehen, ist nicht zu vermeiden. Das dies eins und dasselbe sei, ist eher zu bezweifeln. Schwierig wird es dann, wenn man dies nicht erkennt, sondern den Spagat wagen möchte. Es scheint sich in letzter Zeit immer wieder zu zeigen, daß die AFM das tun will, denn "alles was von unseren Mitglieder, an uns herangetragen wird, geben wir an den Verein weiter". In sich schon falsch, denn laut Abteilungsordnung ist der Zweck der Abteilung: Förderung der Jugendabteilungen, Mitgliederwerbung, Spenden-Akquisition und Mitglieder und Interessierten-Betreuung. Es ist sehr diffizil sollte die AFM auf das Pferd Interessenvermittlung von Fanbelangen, die nichts mit den Satzungszwecken zu tun hat, setzen. Dabei könnte es sich nur um eine Erweiterung der eigenen Machtbasis innerhalb des Gesamtvereins handeln. Dieses Begehren ist nicht neu, aber deshalb nicht weniger problematisch. Denn die AFM ist vom Präsidium des Vereins abhängig (z.B. in den finanziellen Fragen), daher kann die AFM nicht als Vertreter von Faninteressen in Frage kommen. Sie muß ihre eigenen Interessen verfolgen.

   Ein schlechtes Beispiel wo das alles enden kann, ist der Fall stellingen. Beim hsv haben sich die "supporters" als Abteilung im Verein so durchgesetzt, dass inzwischen keine relevanten Fanorganisationen mehr existieren. Kritik wird im Sinne des Vereins abgeblockt, Fan-Club-Dachorganisationen zerschlagen und vermeintlich für die gesamte Fan-Szene des hsv gesprochen. Dies läßt sich auch beim FC St. Pauli vorstellen, da gerade im ganzen Verein der Teufel los ist und keiner weiß, was ausser retten noch zu regeln ist. Daher sollten, diejenigen, die Interesse an einem Posten innerhalb der Abteilungsleitung haben (siehe auch Artikel der AFM zu diesem Thema im Heft), sich diesbezüglich erklären und sagen, was die Leitung der größten Abteilung beim FC St.Pauli für sie bedeutet. Auch muß sich die Geschäftsführung und Präsidium zu der AFM äußern, um die Begehren an eine Abteilungsleitung zu erkennen.

   Ein Weg wie in stellingen bedeutet den Tod der Fanszene. Des weiteren sollten die Spielchen, die bisher auf höchstem Niveau des Gesamtvereins fast zur Tagesordnung zu gehören schienen, nichts in einer Abteilung von fördernden Mitgliedern zu suchen haben. Der alte Vorstand sollte sich zum Thema Finizio äußern, um einen faden Beigeschmack zu vertreiben und den "Neuanfang" nicht gleich am Anfang zu verpatzen. In diesem Sinne!

Frechdax

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