Zweimal Verl und zurück...

Ein Ausblick in unsere künftige (Regional-) Liga?

    Während des zermürbenden Sonderzug- Trips zum letzten Zipfel unseres Landes nach Burghausen frotzelten wir noch: Wenn wir in der kommenden Saison mit dem Sonderzug nach Verl reisen, sollten wir die Strecke gleich zweimal zurücklegen. Zweimal Verl und zurück, damit es sich wenigstens lohnt! Typischer Galgenhumor eines gebeutelten St. Pauli Fan halt. Im November vergangenen Jahres, ein möglicher Abstieg zeitlich noch in weiter Ferne, mochte sich noch niemand wirklich mit diesem Gedanken beschäftigen. Doch nun, so kurz vor dem Saisonende, steht unser FC mit schweren Spielen gegen Gegnern aus der oberen Tabellenhälfte, immer noch im verzweifelten Abstiegskampf. Eher heimlich und verschämt suchen wir auf Tafel 271 des ARD Videotextes nach potentiellen Reisezielen in der Regionalliga Nord und informieren uns über mögliche Aufsteiger aus den 4 Oberligen. Orte, die wir teilweise aus besseren Zeiten unserer Amateurmannschaft kennen, sollen wir in Zukunft mit unserer 1. Mannschaft besuchen? Momentan noch eine grauenhafte Vorstellung, dessen Wahrheit ich nicht erfahren möchte. Mit viel Glück und was sonst noch zu einem Nichtabstieg gehört, wird dieser Artikel hoffentlich Makulatur. Bitte!! Zu einem Wiedersehen mit Ex- Haudegen Andre Trulsen bei seinem Verein Holstein Kiel wird es, so war zu lesen eher nicht kommen, weil dieser in der kommenden Saison als spielender Co- Trainer der 2. Mannschaft der Kieler fungieren soll. Schade eigentlich! So könnten unsere Helden doch mal praxisbezogenen Anschauungsunterricht im Abwehrverhalten und persönlicher Einstellung genießen. Leider ist die Entfernung zur Ostseestadt für uns untrainierte zu groß, um eine Fahrrad- Auswärtstour zu organisieren, die in unserem Repertoire noch fehlt. Dafür wäre schon ein Durchmarsch in die Oberliga notwendig. Die meisten, der in der Dritten Liga ansässigen Vereine, tummeln sich in Nordrhein Westfalen, die eindeutig stärkste Fraktion der Liga. Der Nordosten wird nach dem derzeitigen Stand der Dinge 4 Vereine (Aue, Chemnitz, Dynamo Dresden und einen Aufsteiger) stellen, denn die beliebten Babelsberger und der Dresdner SC werden die Regionalliga in Richtung Oberliga verlassen. Als Aufsteiger aus dem Nordosten kommen die derzeitigen Tabellenoberen der Oberliga Nordost Staffel Nord FC Schönberg 95, ein Ort aus dem Lübecker Hinterland und die Amateure von Hertha BSC oder unsere Freunde aus Jena mit ihrem FC Carl Zeiss oder die Naturwissenschaftler aus Leipzig (Chemie Leipzig) als Anführer der Oberliga Nordost Staffel Süd in Betracht. Wie im Norden absolvieren beide Tabellenersten ein Relegationsspiel um den Aufstieg in die Regionalliga. Die Rostocker (z.Zt. Tabellenführer der OL Nordost Staffel Nord) ließen verlauten, daß sie auf einen Aufstieg in die 3. Liga verzichten. So halten sich äußerst unbeliebte Auswärtsfahrten in Grenzen, denn mit Chemnitz und Dresden verbleiben nur zwei unliebsame Orte mit klassischer nordöstlicher Fankultur in der Liga. Aus der Oberliga Nordrhein knüpft mit dem Wuppertaler SV ein alter Traditionsverein mit einem absolut idyllisch neben dem städtischen Zoo gelegenen und noch maroderen Ground als den Unseren an bessere Zeiten an. Absolut einen Trip wert! In der Oberliga Westfalen hauchen die Amateure von Schalke 04 (unangefochtener Tabellenführer) der alten Glückauf- Kampfbahn wieder mehr Leben ein. Leider tragen die Kicker aus der Grubenstadt besser besuchte Spiele im alten Parkstadion aus. Welche Atmosphäre wird uns dort erwarten ,wenn sich gerade mal Ein oder Zweitausend Zuschauer im weiten Rund verlaufen? Wehmütig werden wir auf das Westfalenstadion blicken, während wir mit unserem Mob die Gegengerade des unmittelbar benachbarten Stadion Rote Erde bevölkern, in dem in den Fünfzigern und Sechzigern bis zu 40.000 Zuschauer die Erfolge der Dortmunder Borussia feierten. Trotzdem das alte Dach der Haupttribüne seit den Siebzigern zwar die Besucher der Arminen am Bischofsholer Damm in Hannover schützt (dorthin wurde es verbracht, als die Hannoveraner mal ein Tribünendach brauchten), verbüßte der Ground wenig von seiner Naturstein belassenen Schönheit ein. Ein echter Traditionsplatz noch, der in seiner nahen Vergangenheit aber überwiegend als Leichtathletik- Zentrum genutzt wurde. Noch heute ist das Stadion für 25.000 Besucher zugelassen. Es verlieren sich aber nur wenige Anhänger des gepflegten Rasensports bei den Spielen der Amateure. Sollten die derzeit um die Tabellenspitze spielenden Teams von Wattenscheid 09 und Rot- Weiß Essen den Sprung in die 2. Liga schaffen, führt uns der Weg zu den verbleibenden Vereinen KFC Uerdingen (noch bekannt aus vergangenen Zweitliga -Zeiten), SC Verl, SC Paderborn 07 und Preußen Münster, falls letztgenannte der Abstiegszone noch entrinnen können. In Verl, in der Nähe von Gütersloh, erwartet uns eine hochmoderne Arena mit einer Zuschauerkapazität von sage und schreibe 5.000 Zuschauern, welche aber verglichen an der Einwohnerzahl von 20.000 Bürgern angemessen erscheint. Das kleine Städtchen schaffte stetig den Weg nach oben bis in die Regionalliga, dank des heimischen alteingesessenen Betriebes Alu-Lux, der als Hauptsponsor fungiert. Der Regionalligabetrieb konnte durch 152 akquirierte, potente Einzelsponsoren mittelfristig gesichert werden. Paderborn, der Inbegriff einer tief schwarzen und erzkatholischen Bischofstadt würde sich hervorragend für eine Mottofahrt eignen (gespielt wird allerdings in Schloß- Neuhaus) und auch das betuliche Münster wäre trotz einiger Hardcore Fans, die sich gerne mit den Essener Rivalen körperlich auseinander setzen, eine Reise wert. Die Münsteraner müssen sich auch in Zukunft mit ihrem alten Preußenstadion zufrieden geben, denn die Hambuger Projektentwicklungsfirma ECE sprang endgültig nach langen politischen Querelen als Investor für eine neue Arena nebst Einkaufszentrum ab. Auch die Vermarktungsagentur Sport Five weiß nach einem Ratsbeschluss lediglich, an welchen Stellen ein neues Stadion nicht gebaut werden darf. Damit wird der nicht gerade reiche Club weiterhin am Rande der Oberliga oder geradewegs dorthin dümpeln. Komplettiert wird das Feld durch die Amateure vom 1. FC Köln, Bayer Leverkusen, Werder Bremen (mit ihrem legendären Platz 11 am Weserstadion) und womöglich von den Wolfsburgen, die die Tabelle in der Oberliga Bremen/Niedersachsen souverän anführen und Mangels ordentlicher Gegner aus der Oberliga Hamburg/Schleswig- Holstein das Relegationspiel für sich entscheiden dürften. Mangels Gegner? Ja, unsere liebgewonnenen Amateure dürfen natürlich nicht aufsteigen und somit an den Relegationsspielen teilnehmen, wenn unsere Super- Profis den Klassenerhalt nicht schaffen sollten. Dem verbleibenden Qualifikant aus der eher schwachen Oberliga HH/ SH, sei es Bergedorf oder Concordia (Bergedorf würde eher sogar auf einen Aufstieg verzichten), dürfte die notwendige Klasse für einen Aufstieg fehlen. Welch Schmach wird es sein, wenn die Amas des ungeliebten Nachbarn`s in der Liga verbleiben und wir mit unseren "Profis" bei der Zweiten der AOL`er zum Derby antreten müssen. Liebe Nachbarn, bitte habt ein Einsehen und steigt ab! Die weiteste Anreise wird uns dann nach Wismut Aue zu den Schachtscheissern aus dem Erzgebirge führen. Einen wunderschönen Blick auf das Selbige beschert uns das gleichnamige Stadion im Lößnitztal. Die Bergarbeiter träumen von vergangenen Zeiten in der alten DDR- Oberliga und sind deshalb ob der Ligatristesse auch häufig bei vereinsfremden Spielen (u.a. auch am Millerntor) zu sehen. Auch einige St. Paulianer pflegen Kontakte nach Aue, so dass einem Besuch nicht unbedingt etwas im Wege steht. Ein mögliches Highlight der Saison (Ihr habt richtig gelesen, ein Highlight!?) wären die Begegnungen gegen den letzten im Bunde, dem VFL Osnabrück, falls die Lila- Weißen den Aufstieg verpassen sollten. Ein Dauerbrenner an sportlichen Auseinandersetzungen sowohl mit unseren Profis als auch den Amateuren. Große Probleme bereitet den "echten" Vereinen und darüber werden auch heftige kontroverse Diskussionen geführt, die Amateurteams der Bundes- und Zweitligisten in der Liga. Zum einen gelten sie als völlig unattraktive Gegner, zum anderen ist da von Wettbewerbsverzerrung die Rede. Allzu gerne werden die Teams zu Aufbauzwecken verletzter hoch dotierter Profis oder als Übungsplatz für Reservisten genutzt, denn die Statuten erlauben den Einsatz bis zu drei Profis über 24 Jahre und unbegrenzten Einsatz von Profis unter 24 Jahren aus der ersten Mannschaft. Damit erhalten junge, talentierte Profis, die mittels entsprechendem Geldbeutel rechtzeitig an die Top- Teams gebunden wurden, die vermeintliche Spielpraxis. Traditionsclubs oder Emporkömmlinge mit geringer Finanzdecke haben in diesen Zeiten der Geld beherrschenden Ligen keinen Platz mehr. Durch überaus geringe Beteiligung an den Fernsehgeldern, welches die Bundesligaclubs natürlich nicht weiter tangiert und dem relativ geringen Zuschauerzuspruch, dümpeln viele nette Vereine mangels finanzieller Mittel nicht mehr als in der Liga herum oder sind sogar Klassen tiefer Hause. Spiele gegen die Zweite von Leverkusen, Köln oder Bremen locken wahrhaftig keinen Zuschauer mehr in das heimische Stadion. Heimspiele finden fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Tristesse pur! Eine Lösung dieses Problems scheint aufgrund der Übermacht der Profivereine momentan nicht möglich, zumal sich finanzkräftige Investoren oder Sponsoren mehr und mehr aus verschiedenen Gründen aus der Fussballförderung herausziehen. Momentan werden den Vereinen Preußen Münster (Jahresetat ca. 2 Mio Euro), VFL Osnabrück, KFC Uerdingen und den beiden Clubs aus Dresden sowie RW Essen bei Nicht- Aufstieg Liquiditätsprobleme nachgesagt. Babelsberg hat bereits beim Potsdamer Amtsgericht den Insolvenzantrag eingereicht. Gemäß den gültigen DFB- Statuten bedeutet die Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch den Insolvenzverwalter dann automatisch den Zwangsabstieg in die Oberliga. Wie sich der FC St. Pauli, zusammengesetzt mit einem Team aus der diesjährigen Oberligamannschaft und der Ersten, dort einordnen läßt, kann nur orakelt werden. Ein sofortiger Wiederaufstieg scheint nicht unmöglich, wäre aber eher unrealistisch und nur mit einem gewagten finanziellen Kraftakt zu bewerkstelligen (siehe oben). Schließlich hat dieses Kunststück bisher nur der Karlsruher SC geschafft. Wahrscheinlicher ist eine Situation wie die des VFL Osnabrück, der mehrere Jahre in der Liga, zwar weitestgehend in der oberen Tabellenhälfte, verweilte und mehrere Anläufe für den ersehnten Wiederaufstieg benötigte. Keine besonders guten Aussichten! Durchschlagen würde sich dieses Szenario auch auf unsere Zweite: Neben weniger guten Spielern stünde sicherlich auch weniger Geld für den Etat zur Verfügung. Da werden auch gute Oberligazeiten zur Vergangenheit. Und ob der FC noch eine gute Adresse trotz Nachwuchsleistungszentrum für jüngere Spieler sein kann, darf auch bezweifelt werden. Daher gilt: Nicht Absteigen bitte! Übrigens, sollten unsere Profis tatsächlich die Klasse noch erhalten, besitzt dieser Artikel auch Gültigkeit für unsere Amateure. Nur unter positiveren Gesichtspunkten, versteht sich. Den VW- Städtern werden wir es im Qualifikationsspiel schon zeigen!

CF

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