|
Nicaragua ist nicht das, was man gemeinhin als Fußballnation bezeichnet. Besonders im Männerfußball ist der Leistungsunterschied zu den Nachbarländern extrem. Bei der letzten zentralamerikanischen Championsleague wurde der nicaraguanische Meister Jalapa mit 17-0 und 19-0 gedemütigt. Das Land ist arm und die Sponsoren konzentrieren sich auf andere Sparten. Der dominierende Sport ist Baseball, aber auch Boxen ist populär und aus Nicaragua stammen vier derzeitige Weltmeister. Frauenfußball in NicaraguaDie Geschichte des Frauenfußballs ist kurz, aber erfolgreicher als der Männerkick.Gegen Honduras und El Salvador gab es schon Siege. 1995 wurde vom Nationalen Fußballverband FENIFUT die 1.Frauenfussball-Liga ins Leben gerufen. Waren es zunächst überwiegend Teams aus Managua und der Fussballhochburg Diriamba, so besteht die 1. Liga inzwischen aus Teams fast aller Landesteile: Jalapa und Esteli aus dem Norden, die Universitätsteams UCA, UNAN und UAM aus Managua, Diriamba und Chontales aus dem Südosten und Corinto sowie León aus dem Westen. Gespielt wird nach einem Playoff-System: Die 10 Teams spielen Hin- und Rückrunde komplett durch, die besten 6 qualifizieren sich für die Endrunde. Dort werden dann die Semifinalisten ermittelt und die zwei Siegerteams spielen im Finale die Meisterschaft aus. Traditionell wird die Liga von den Teams Diriangen aus Diriamba, Esteli sowie UNAN und UAM aus Managua dominiert. Die Clubs haben bessere finanzielle Möglichkeiten und logischerweise spielen die Nationalspielerinnen auch fast alle bei diesen 4 Vereinen. Durch diese Ausgangslage ergibt sich auch das große spielerische Leistungsgefälle, das Ergebnisse von 19-0, 13-0 etc. erklärt Frauenfußball boomt in Nicaragua und in Schulen und Universitäten wird eifrig gekickt. Nach Basketball ist Fußball mit 1000 in der FENIFUTorganisierten Mädchen und Frauen die zweitbeliebteste feminine Sportart. Liga - León ist dabeiSeit nun fast 2 Jahren jagen auch in Hamburgs Partnerstadt León Mädels der Kugel nach. 5 mal die Woche, Dienstags bis Samstags, findet auf dem Sportplatz der Medizinischen Fakultät der UNAN-León Training statt. Somit ist gewährleistet, daß jede Spielerin mindestens 2 mal trainieren kann, denn: Es gibt kein Flutlicht und daher wird von 16.00-18.00 gespielt, ein Zeitraum, der eben auch mit den Studienplänen kollidiert. Waren es anfangs nur Studentinnen der UNAN-León, so besteht unser FC nun auch aus Mädchen verschiedener Schulen, unsere Mittelstürmerin Yessenia ist 12, Mittelfeldspielerin Karla 26 Jahre alt. Yessenia bricht mit 126 Trainingseinheiten im Jahr 2002 alle Rekorde und es verwundert nicht, daß die jüngste auch den härtesten und technisch versiertesten Schuß besitzt. Mit links und rechts zieht sie von 20 Metern ab. Im letzten Spiel mußte die gegnerische Torfrau nach einem Vollspannschuß ins Gesicht mehrere Minuten behandelt werden. Und ein Tor kann Yessenia auch schon verbuchen. Kurios ist, daß ich diese Woche von FENIFUT unterrichtet wurde, daß Spielerinnen 16 Jahre alt sein müssen, um in der 1. Liga spielberechtigt zu sein. Der Fußballverband war durch einen Zeitungsartikel, in dem über das junge Talent geschrieben wurde, aufmerksam geworden. Auf meine Erwiderung, daß im Reglement kein Mindestalter angegeben ist, der Verband selbst ja die Geburtsurkunde der Spielerin besitzt und den Spielpaß ausgestellt hat und Yessenia zudem auch schon in der Saison 2002 gespielt hat bekam ich dann das OK. Nicaragua eben. Inzwischen werden die Mädels nicht mehr argwöhnisch betrachtet. Wir haben eine treue Fangemeinde von 100-250 Leuten, die unsere Heimspiele besuchen. Damit sind wir der fußballerische Topverein der Stadt. Diese Entwicklung steigert sich gerade, weil die
Denn das restliche Programm der Hinrunde gestaltet sich mit einem Auswärtsspiel gegen Schlußlicht Nicarao und zuhause gegen die UCA erfreulich. Frauenfußball in LeónNachdem wir mit der Gründung des FC UNAN-León den ersten Schritt getan hatten, folgten mehrere Schulen dem Beispiel und es wurde im August / September 2002 die 1. Leoneser Stadtmeisterschaft ausgespielt. Durch ein Golden Goal von Yessenia 2 Minuten vor Ende der Verlängerung holten wir den Cup und die Stürmerin noch die Torjägerinnenkrone mit 11 Toren in 7 Spielen. Inzwischen wird an 8 Schulen gekickt und das Instituto Nacional del Occidente INO hat sogar eine eigene Mädchenliga mit 14 Teams eingeführt. In absehbarer Zeit wird eine junge Generation von Leoneser Mädels die braun-weißen Trikots des FC UNAN-León überstreifen, denn bisher sind wir noch auf Auswärtige angewiesen. So führten sich die in der letzten Woche verpflichteten Stürmerinnen Arling und Belgica mit je einem Tor beim 3-0 über Chontales hervorragend ein. Verpflichtet hört sich gefährlich an. Wir sind natürlich Amateure, die Spielerinnen erhalten kein Geld. Nur die Studentinnen beziehen seitens der UNAN-León ein Stipendium in Höhe von 20 Euro pro Monat. Die Ehre, mit den schönsten Trikots der Liga aufzulaufen, weit entfernte Städte kennenzulernen, ist Lohn genug. So mußten wir zum Spiel nach Jalapa einen Tag vorher anreisen, da die Fahrt in die nördliche Bergregion 8 Stunden dauert. Die Mütter von gegnerischen Spielerinnen kochten für uns und übernachtet wurde auf mitgebrachten Matratzen im Jugendzentrum. Bei Auswärtsfahrten gibt es natürlich ein gemeinsames Essen nach dem Spiel. Und sollten wir die Sensation schaffen und in die Endrunde einziehen gibt's ne Party, bei der die von mir beigesteuerten 10 Euro pro Punkt verspeist werden. Alle laufenden Kosten des Spielbetriebs, sowie Schuhe und Bälle werden durch Spenden bezahlt. Mit Mühe erhalten wir so maximal 100 € pro Monat, nicht gerade viel. Und wir haben große Pläne. Wie von Kapitänin Johana im letzten Jahr in Hamburg vorgestellt, soll eine Umkleidekabine gebaut werden. Dafür benötigen wir nur noch - an dieser Stelle ein Riesendank an Hafenklang für die große Spende - etwa 1000 Euro. Und auch Tornetze müssen mal erneuert werden etc. Insbesondere einladen möchte ich alle Sport studierenden Frauen, damit sie hier an der UNAN-León ein Praktikum ableisten und gleichzeitig im Team spielen. Die ersten 6 Spiele kickte Sif Moller Jensen aus Dänemark bei uns mit, nun hat sich Hinke van Dorp aus Holland, die bis September hier arbeitet, angemeldet. Interessierte, vor allem auch die St. Paulianerinnen, melden sich am besten bei mir direkt: dirkpesara@web.de oder telefonisch bei Joachim Holstein in Hamburg 040-218496.
Tschüßi aus Nicaragua Dirk "Diego" Pesara | |||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Titelseite dieser Ausgabe |
|