"Was macht mein Hummer?"
Hallo liebe Lesende! Zweieinhalb Stunden Interview, von 16 Seiten auf diese wenigen gekürzt und noch immer fragen wir, kann das so sein? Genau wissen wir das auch nicht. Das wird sich wohl tatsächlich, wenn überhaupt, nur in mehreren Gerichtsverfahren klären lassen. Sicher sind wir uns jedoch darin, daß sich der ÜS nicht vorschreiben läßt, wen er interviewt, noch wie dies zu geschehen hat. Wer das so nicht akzeptieren kann, darf uns einen Leserbrief schreiben, oder sich anders uns gegenüber äußern. Wer meint durch hektische Telefonanrufe oder stille Post, die Redaktion zu beeinflussen, hat eh nix begriffen. Dieses unten stehende Interview, wurde nach besten Wissen und Gewissen geführt und soll nicht als persönliche, redaktionelle oder sachliche Positionierung verstanden werden. HABT IHR DAS JETZT BEGRIFFEN?
Zum besseren Verständnis hier die Erklärung der Abkürzungen:
- GF = Geschäftsführer/in
- CP = Christian Pothe
- TG = Tattoo-Tati
- SB = nicht OL, sondern Stephan Beutel
- RK = Reenald Koch
- AR = Aufsichtsrat
- DD = Didi
- PP = Peterchens Paulick
Nu aber los:
ÜS: Hallo Christian und willkommen beim Interview mit dem ÜS. Gestern (Di., 04.02.03) hast Du Dich mit dem FC St. Pauli im Rahmen Deiner Kündigung als GF mehrerer Tochterunternehmungen und Tätigkeit als Vizepräsident des FC geeinigt. Du verlässt das Präsidium. Magst Du nochmals erzählen wo Du überall Geschäftsführer warst?
CP: Zunächst war ich ja tatsächlich "nur" Vizepräsident des FC St. Pauli. In unserer Amtszeit ist dann gemeinsam mit dem AR ein neues Holdingmodell entwickelt worden, das insbesondere schon die Option für eine Ausgliederung der Lizenzspielmannschaft geboten hat, das heißt, es gab zunächst über allem die FC St. Pauli Beteiligungs GmbH, deren Geschäftsführer war ich zusammen mit SB. Unterhalb dieser GmbH waren wiederum die Merchandising KG, die Service GmbH und die Stadionbetriebs GmbH angeordnet. Auch hier war ich Geschäftsführer. In den beiden letzt genannten gemeinsam mit SB. In der Merchandising KG mit Marc Wallas. Aufgrund einer Besonderheit des Lizenzierungsverfahrens gab es dann noch die Vermarktungs KG als direkte Beteiligung des Vereins. Auch hier war ich GF zusammen mit Marc Wallas.
ÜS: Im Dezember bist Du von allen Geschäftsführerposten entlassen worden. Oder freigestellt. Wie war jetzt der genaue rechtliche Terminus?
CP: Tja, das ist eine interessante Frage. Letztlich war dies einer der Punkte warum man sich jetzt gütlich einigen musste. Es gab eine fristlose Kündigung meines Vertrages mit der FC St.Pauli Beteiligungs GmbH und eine Abberufung als dortiger GF. Ob diese wirksam waren, darüber gab es verschiedene Meinungen und das war auch gerichtsanhängig. Eine Abberufung meiner Tätigkeiten als GF innerhalb der anderen Gesellschaften habe ich nicht erhalten. Bei diesen hatte ich auch keinen Vertrag, sondern war nur als GF bestellt gewesen. Dementsprechend habe ich auch nur für meine Tätigkeit innerhalb der Beteiligungs GmbH eine Entlohnung erhalten. Dennoch hätte für jede meiner Tätigkeiten eine Abberufung erfolgen müssen. Dies war jedoch nicht der Fall. Faktisch konnte ich aber seit Dezember, durch mein Hausverbot für die Geschäftsräume dieser anderen Gesellschaften, meine Ämter nicht ausüben.
ÜS: Du hattest also Hausverbots in der Bernhard Nocht Str. 111 (BNS) erhalten. Galt dies auch für die Geschäftsräume des FC St.Pauli am Millerntor, denn Du warst ja immer noch als Vizepräsident im Amt? Konntest Du im Rahmen dieser Tätigkeit, die Räume der BNS betreten?
CP: Die Geschäftsräume in der BNS durfte ich gemäß des Verbots überhaupt nicht betreten. Es wurde bei dem Hausverbot nicht zwischen meinen Funktionen unterschieden. Die Geschäftsstelle des Vereins durfte ich weiterhin betreten, doch wurde ich praktisch ausgesperrt, da ja im Zuge von TGs Kündigung, die Schlösser aller Container ausgewechselt wurden und ich zu den neuen Schlössern keinen Schlüssel erhalten habe.
ÜS: Die jetzige Einigung sagt ja jetzt aus, das Du die Kündigung akzeptierst und eine Abfindung erhältst. In der Presse war die Rede von 50.000 EUR, des weiteren erhältst Du Deine Entlastung auf der nächsten JHV, inkl. Blumenstrauß und eine Abschiedsfeier an der Kollaustraße. Ist das korrekt und welche weiteren Zusagen wurden wir gemacht?
CP: Über die genauen Inhalte der Einigung haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Es war aber schon erstaunlich, wer alles über genaue Details aus dem ersten Entwurf meines Anwalts informiert war. Von einer angeblichen neuen Verschwiegenheit habe ich da nichts gemerkt. Zu der genannten Summe kann ich nur sagen, dass diese zu hoch gegriffen ist. Eine Abschiedfeier werde ich noch machen und dieEinladungen werde ich den betroffenen Personen noch rechtzeitig zukommen lassen.
ÜS: Auf den ersten und zweiten Blick ist dieses Firmengeflecht welches sich um den FC St. Pauli rankt, mit all seinen Vize Präsidenten, die neben ihres Vereinsamtes, noch in diversen Gesellschaften tätig sind, doch sehr unüberschaubar. Was stand dahinter, was ist der Zweck?
CP: Das Konstrukt das hier gebildet wurde, ist das klassische Modell einer Holding, wie sie fast 08/15 ist. Es ist so, dass wir ja in Folge der Professionalisierung und Neustrukturierung nach dem Abgang von Herrn Weisener und nach der Satzungsänderung des Vereins im Jahr 2001, die Voraussetzungen schaffen wollten, um auf Dauer im bezahltem Fußball konkurrenzfähig zu sein. Wir haben eine Holdingstruktur gewählt, in der oben eine Gesellschaft stand, die später, sofern es einen entsprechenden Beschluss der MV gegeben hätte, auch als Lizenzspielgesellschaft tätig geworden wäre. Darunter hätten dann die einzelnen Beteiligungen gestanden. Hier hätten sich dann die entsprechenden Partner mit Kapital und Know How einbringen können.
ÜS: Im Rahmen Deiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Beteiligungs GmbH hast Du Gelder erhalten. In den anderen Gesellschaftsfeldern hast Du kein Gehalt bekommen. Trifft dies auch in Bezug auf deine Tätigkeit als Vize-Präsident zu?
CP: Vizepräsident war ich die ganze Zeit ehrenamtlich. Erst ab dem 01.12.2001 habe ich monatlich eine Entlohnung für meine Tätigkeit als GF der Beteiligungs GmbH erhalten. Ordnungsgemäß versteuert und gewiss nicht aus schwarzen Kassen.
ÜS: War dies bei SB genau so?
CP: Ja, SB hat einen Anstellungsvertrag mit dem Verein, über seine Tätigkeit als Manager im sportlichem Bereich. Mehr nicht.
ÜS: Dann kommen wir jetzt, nachdem die Struktur des FC mit den anderen Gesellschaften deutlich geworden ist, zu den Missstimmungen innerhalb der Führungsebene. Wann begann dieser Ärger, der ja auch darin gipfelte, das es verschiedene Abwahlanträge auf den JHV 2002 Teil I und Teil II gab. Kann es sein, das die Überschneidung in den Anstellungen der jeweiligen GmbH's und KG's und des Vereinsmandats eine Rolle gespielt hat?
CP: Nein, zuerst einmal hätten all diese Tätigkeiten in den Tochtergesellschaften auch originär beim Präsidium des FC St.Pauli angesiedelt werden können. Dann hätte auch eine Person zuständig sein müssen. Ob man dies nun in einer eigenständigen Gesellschaft tut oder im Verein selbst, ist für die tägliche Arbeit absolut unerheblich. Das ist sicherlich nicht der Ursprung der Querelen gewesen, die zu diesem Chaos geführt haben. Es ist meines Erachtens so, dass die Erstliga-Saison von vielen Beteiligten nicht vernünftig abgearbeitet und verdaut wurde. Das Problem ist, dass der Erfolg der Aufstiegs-Saison und die große Medienöffentlichkeit der ersten Liga viele Leute nach oben gespült hat, die gern an der Popularität des Vereins partizipieren und mitreden wollten. Die waren alle nicht da, als wir den Verein in einer sehr prekären Situation im Jahr 2000 von Heinz Weisener übernehmen mussten.
ÜS: Der Ärger scheint ja schon während der Saison begonnen zu haben. Habt Ihr Euch im Präsidium schon zu der Zeit, um die Ansätze und Auffassungen im Zuge des weiteren Vorgehens gestritten?
CP: Nein, wenn ich bis jetzt von Ärger gesprochen habe, dann habe ich das nicht auf das Präsidium bezogen. Im Präsidium haben wir zwar häufig kontrovers diskutiert und auch eben solche Entscheidungen getroffen. 2 zu 1 Entscheidungen gab es dabei keinesfalls immer nur zu Lasten eines bestimmten Präsidiumsmitglieds, sondern gab es in verschiedenste Richtungen. Man muss dann aber immer wieder auf das Kerngeschäft gucken und hier ist eben der sportliche Bereich angesprochen. Erstmalig anlässlich einer Klausurtagung des Präsidiums am 27.12. 2001 wurde darüber sehr Offen geredet. Dies war zu dem Zeitpunkt, als wir zur Halbserie mit doch sehr wenigen Punkten, abgeschlagen in der 1. Liga dastanden und darüber diskutiert haben, wie man sich aus diesem Tal wieder hinaus bewegt. Und natürlich gab es da verschiedene Vorstellungen. Diese wurden diskutiert, doch weiterhin einmütig vorgegangen. Ob man zurückblickend sagen muss, wir hätten damals Sachen anders machen müssen, hilft jetzt nicht weiter, aber zumindest war die Zusammenarbeit zu diesem Zeitpunkt absolut konstruktiv und offen.
ÜS: Und nach der Dezember Klausurtagung?
CP: Im Laufe des Frühjahrs und nachdem nun wirklich keine Punkte mehr geholt wurden, stellte sich die Frage des strategischen Vorgehens für die nächste Saison. Und hier gab es dann keine einhelligen Meinungen mehr. Insbesondere wurden meine Nachfragen an die sportliche Leitung, sowohl bezüglich einer alternativen Erst- oder Zweitligasaison als auch bezüglich einzelner Spieler nicht mehr befriedigend beantwortet. Es wurden keine Konzepte präsentiert, die ich für erfolgversprechend hielt. Auf meine Nachfragen kam dann die unbefriedigende Antwort, dass der Trainer ein Künstler ist und man einen Künstler machen lassen muss, solange bis man ihm nicht mehr vertraut!
ÜS: Es wurde also von Dir zu diesem Zeitpunkt die sportliche Leitung in Frage gestellt. Damit verstehe ich SB als Manager im Sportlichen und Trainer DD.
CP: In erster Linie meine ich zunächst das Präsidium. Wir hätten ganz klar ein Konzept abfordern und auf Schlüssigkeit überprüfen müssen. Dann hätte man sich entscheiden können, ja, OK wir gehen diesen Weg oder eben nicht.
ÜS: Aber es muss doch ein Konzept gegeben haben oder gab es nur den Freibrief des RK, das DD, egal wie viele Punkte er holt, Trainer des FC St.Pauli bleibt?
CP: Diese Aussage von RK ist sicherlich eine Aussage, die er heute bereut. Seine klare Vorgabe seit der MV 2000 war, zunächst in der Saison 00/01 die Klasse zu halten. Für die Saison 01/02 war ein einstelliger Tabellenplatz in der zweiten Liga vorgesehen und für die darauffolgende Saison ein Mithalten um den Aufstieg in die 1. Liga. Dieses Ziel hätte man auch problemlos weiterverfolgen können, auch wenn man in Saison 01/02 schon aufgestiegen war. Man hätte sich schlicht und einfach darauf konzentrieren müssen, ob man in dieser Erstligasaison eine Mannschaft zusammenstellt, die sich in der darauffolgenden Saison, im Falle eines Abstiegs, wieder in der Lage ist, um den sofortigen Wiederaufstieg mitzuspielen. Und diese Strategie ist im Grunde vernachlässigt worden. RK hat in seiner Aussage, "DD kann auch 34 Spiele verlieren", zumindest das "aber" vergessen und hätte immer wieder anfügen müssen: "...aber die Mannschaft muss so strukturiert sein, das sie das o.g. Ziel erreicht." Das ist nicht geschehen und genau an diesen Folgen laborieren wir noch heute herum.
ÜS: Also ging, was das sportliche betraf, im Frühjahr ein Knacks durchs Präsidium
CP: Also einen Knacks habe ich zum dortigen Zeitpunkt nicht verspürt. Es war mehr ein Ringen, nach der Lösung, wie man die sportliche Misere einerseits vernünftig bewertet und wie man die Erfolgsaussichten für die nächste Saison einschätzt. Und das hat sich, das müssen wir uns vorwerfen, einfach zu lange hingezogen und gipfelte dann in der Aussage von DD, das man aufpassen muss, in der nächsten Saison nicht durchgereicht zu werden.
ÜS: Aber wieso wurde, wenn die Brisanz der sportlichen Lage dem Präsidium klar war, nicht gehandelt?
CP: Das müssen wir uns vorwerfen lassen. Im Grunde sind die Handlungsmöglichkeiten der damaligen Erstligasaison einerseits durch die Verpflichtungen vor der Saison und andererseits durch die Verpflichtungen in der Winterpause ausgeschöpft gewesen. Im Bereich des Kaders war kein Geld mehr vorhanden. Es gab nur noch die Möglichkeit, sich strukturell so um zu orientieren, dass man sagt, wir lernen aus den bisherigen Fehlern und machen das beste daraus. Das bedeutete, damit zu leben was wir in der Erstligasaison gemacht haben und uns mit den wesentlich bescheideneren Mitteln für die neue Zweitligasaison, auf die nächste Saison vorzubereiten. Dazu gehörte nach meiner Ansicht auch der Schritt, die sportliche Kompetenz so auszubauen, dass mit dem was da ist, das Optimum erzielt wird. Und hier kam es zum Riss innerhalb des Präsidiums. Hier gab es im Präsidium mehrheitlich die Auffassung, das die Verpflichtung von FG als Sportdirektor erforderlich ist, um das optimale aus den Gegebenheiten zu machen.
ÜS: Wer hat denn die Verpflichtung von FG beschlossen?
CP: Zunächst war die Frage: "Ist überhaupt ein zusätzlicher finanzieller Spielraum in dieser Hinsicht gegeben?". Als sich Thomas Meggle zu einem Wechsel entschloss, wurde dies beantwortet und es waren Finanzen da, um überhaupt zu handeln. Dann wurde überlegt, wer überhaupt in Frage kommen könnte, um die sportliche Kompetenz zu erweitern.
ÜS: Aber Ihr hattet doch einen Vizepräsidenten SB, der im Bereich der sportlichen Kompetenz zuständig war. Also, wurde Beutel von euch sehr kritisch hinterfragt. Oder hat SB von sich aus gesagt: "Ich brauche da mehr Man-Power, im sportlichen Bereich."?
CP: Richtig, SB wurde sehr kritisch betrachtet und der Impuls zur Verpflichtung von FG kam durch RK und er hätte sicherlich von SB kommen müssen, denn das war ja sein Zuständigkeitsbereich und er hätte erkennen müssen, welche Schwächen im Bereich des Trainers und des Stabes vorhanden waren. Und ich hätte diesen Vorschlag von ihm erwartet, dass wir uns hier gezielt verstärken müssen. Er kam jedoch von RK und wurde in mehreren Präsidiums- und AR-Sitzungen sehr kontrovers diskutiert. Und dann wurde mehrheitlich, sowohl im Präsidium als auch im AR beschlossen, FG zu verpflichten.
ÜS: Im Prä-sidium also mit 2 zu 1 Stimmen?
CP: Das ist natürlich intern, aber eine Glaskugel muss man da wohl nicht befragen.
ÜS: Es gab ein Interview mit dem AR PP in der "Welt", das eindeutig der sportlichen Leitung, sprich DD und SB die Kompetenz abspricht. Ist das eine Folge dessen, dass sich ein Entscheidungsprozess innerhalb des Präsidiums immer weiter verzögerte? Und PP meinte durch die Öffentlichkeit, Druck machen zu müssen?
CP. Die Beweggründe von PP kann ich nicht nachvollziehen, ich kann mir nur vorstellen, das er verärgert über die Aussage von DD war, das man aufpassen müsse in der nächsten Saison nicht durchgereicht zu werden. Aber trotzdem rechtfertigt es sicherlich nicht, in einem Interview öffentlich die Leute anzugreifen.
ÜS: Aber sowohl mit der Verpflichtung FG als auch durch dieses Interview, trat die Nichteinigkeit des Präsidiums und wohl auch des AR an die Öffentlichkeit. Und damit entstand eine Menge Unruhe um- und innerhalb des Vereins
CP: Ja, aber davon sollte man sich als Präsidiumsmitglied nicht be-eindrucken lassen. Wirklich schlimm war und ist aber, dass rund um diese Äußerungen bisher nicht wieder Ruhe in den Verein getreten ist. Dafür kann man wiederum nicht PP verantwortlich machen, sondern diejenigen, die sich immer wieder darauf berufen. Wenn wir so weitermachen, können wir das Interview noch irgendwann in der Regionalliga diskutieren.
ÜS: Aber war SB immer an diesen Präsidiumssitzungen aktiv involviert?
CP: Es war so, das die erste Kontaktaufnahme mit FG durch RK ohne Wissen von SB stattgefunden hat. Das müsste ein, zwei Tage nachdem Thomas Meggle uns mitgeteilt hat, dass er den Verein verlassen werde, stattgefunden haben. Die Entwürfe und die Rahmenbedingungen der Verträge für FG, sind jeweils im Präsidium und im AR unter der Beteiligung aller Gremienmitglieder behandelt worden. Auch, um es explizit zu sagen, unter der Beteiligung von SB.
ÜS: Aber wie kommt RK darauf, sich einfach in die fachlichen Kompetenzen seines Vize einzumischen? Und FG auch nur zu fragen, ob er gerade Zeit und Lust hätte, den Sportdirektor beim FC zu machen?
CP: Satzungsgemäß ist der Vorstand gemeinschaftlich für alles verantwortlich. Die Verteilung der einzelnen Aufgabengebiete dient nur dazu, dass sich der jeweils Verantwortliche darum kümmert, dass Entscheidungen in den entsprechenden Sachfragen für das gesamte Präsidium vorbereitet werden. Das Präsidium muss dann alle Entschlüsse unter der Vorlage aller Informationen fällen. RK ergriff die Initiative, weil aus seiner Sicht vom eigentlich Verantwortlichen, nämlich SB, kein Impuls kam.
ÜS: Habt Ihr denn SB vorher darauf hingewiesen, das von SB jetzt was kommen muss ?
CP: Wie schon gesagt, haben wir auf der angesprochenen Klausurtagung und auch danach Konzepte abgefragt und dieser Punkt kam nicht. Es war nicht zu sehen, wie die Verbesserung der sportlichen Kompetenz vonstatten gehen sollte. Ein Trainer ist eben kein Künstler, sondern ein Angestellter, der aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung zusammen mit seinem Mitarbeiterstab Konzepte vorzulegen und zu erläutern hat, mit denen er die anstehenden Aufgaben bewältigen will. Um unseren Mitarbeiterstab im Bereich dieser offensichtlichen Schwäche zu ergänzen, ist RK aktiv geworden. Fachlich hat übrigens kaum jemand in Zweifel gezogen, dass der Schritt richtig war, es ging meist nur um die Art und Weise der Verpflichtung von FG.
ÜS: Welche Rolle innerhalb des Präsidiums spielte TG?
CP: TG ist voll umfänglich in sämtliche Entscheidungen mit einbezogen worden. Das haben wir schon am Anfang unserer Amtszeit zu viert, so beschlossen. Denn TG war schon lange Zeit in viele Themenkomplexen involviert gewesen. Und da ist es eigentlich egal, welche Titel und Funktion man inne hat.
ÜS: War TG bei Präsidiumsentscheidungen stimmberechtigt?
CP: Es gab in der aller ersten Präsidiumssitzung tatsächlich einen Beschluss, in dem TG eine Stimmberechtigung erteilt wurde. Dies hat sich später relativiert, da es selten nötig war, formelle Abstimmungen vorzunehmen. Probleme wurden offen diskutiert und meist einer Lösung zugeführt, mit der alle leben konnten. In kontroversen und formellen Entscheidungen hat TG nicht mitgewirkt.
ÜS: War SB mit der Stimmberechtigung von TG einverstanden?
CP: Ja!
ÜS: Gibt es darüber entsprechende Protokolle? Und wenn ja wo sind diese? Oder sind diese durch den Einbruch in TG's ehemalige Arbeitsräume verschwunden? SB scheint zumindest, keine Protokolle der Präsidiumssitzungen zu haben, bzw. stand in der Presse, dass es keine gab.
CP: Ja, es gibt sogar ein Protokoll über die Stimmberechtigung! In der Anfangsphase unserer Vorstandstätigkeit haben wir sonst meist nur in sogenannten Memoranden die Themen aufgelistet, die wir jeweils auf einer Präsidiumssitzung abarbeiten wollten. Und haben die Entscheidungen, die wir getroffen haben, auf diesen Memoranden protokolliert, es wurde also damals meist kein Protokoll separat erstellt, es wurden nur die Beschlüsse festgehalten. Tatsächliche Protokolle von Vorstandssitzungen sind eingeführt worden, nachdem die Vorstandsassistentin Susanne Lyß im Frühjahr 2002 eingestellt wurde. Es gab dann von jeder Präsidiumssitzung 4 Exemplare, diese gingen jeweils an RK, SB, CP und die GF Groeteke. Was jeder einzelne mit seinen Kopien gemacht hat, erschließt sich mir nicht. Meine sind nach meinem Umzug auf dem Dachboden und werden nun wieder von mir heraus gesucht. Es sei denn da gibt es auch noch einen überraschenden Einbruch oder sie haben sich von selbst aufgelöst. Natürlich gab es in Sitzungen Aussagen, wie "Dies protokollieren Sie jetzt mal bitte nicht." oder "Das hab ich jetzt mal nicht gehört, aber das machen wir schon so.". Und das sind wohl die eher strittigen Punkte, die in den nächsten Wochen bei den ausstehenden Gerichtsverhandlungen Thema sein werden. Aber ich bin zum Glück einer der etwas spießigeren, der sich über die Sitzungen eigene Notizen angefertigt hat. Das hat mir zwar den Vorwurf der Formalwichserei eingebracht, aber ich denke damit muss ich lernen zu leben.
ÜS: Wieder zurück zum Bruch zwischen Euch auf der JHV Oktober 2002. Hier wurde ja auch ganz klar ersichtlich, dass eine Abteilung im Verein nämlich die AFM, sehr stark für SB eintrat. Des weiteren gab es diverse Abwahlanträge gegen RK (ca. 7), Dich (4) und auch SB(2). Wie konnte es soweit kommen?
CP: Da sollte man besser die Mitglieder oder den Vorstand der AFM fragen. Eine Parteinahme war nur schwer zu übersehen und letztlich hing dieses immer mit den Personalien DD und SB zusammen. Nach der Verpflichtung von FG ist die Ruhe nicht mehr eingekehrt. Es gab immer latente Streitigkeiten und auch die Presse spielte hierbei eine Rolle. Plötzlich sickerte vieles durch. Dabei wurde mit einer Politik der kleinen Nadelstiche, wo man nicht weiß, woher die Presse davon Kenntnis hatte, Stimmung gegen FG gemacht. Ich erinnere nur an die Meldungen aus dem Trainingslager in Amrum. Wir sind dann sportlich absolut miserabel in die neue Saison gestartet und es kam zu der Beurlaubung von DD. Auch da hat fachlich kaum jemand in Zweifel gezogen, das dieser Schritt notwendig war, sondern es wurde eine langatmige Diskussion darüber geführt, welche rhetorischen Fehlgriffe im Rahmen dieses Vorgangs begangen wurden. Ich selbst habe die Äußerungen von RK nach dem Spiel in Lübeck nicht live gehört, das was ich dann später gehört habe, ist nicht sehr geschickt. Hier wurde aber ein äußerer Anlass benutzt, um mal mit den Worten unseres neuen Präsidenten zu sprechen, den man als "Amöbe" bezeichnen kann, um eine Kampagne gegen RK los zutreten, die ja auch dazu geführt hat, das er den Spaß an der Sache verloren hat und zurückgetreten ist. Dazu gehört auch eine Diskussion nach dem Lübeckspiel zwischen dem Präsidium und dem AFM-Vorstand im Clubheim, indem eigentlich auf Betreiben unseres Medienkoordinators Christoph Hawerkamp die letzten Äußerungen des AFM-Vorstandes in den Medien thematisiert werden sollten. Es wurden an diesem Abend jedoch eher die Äußerungen von RK nach dem Lübeck-Spiel thematisiert. Und hier behaupten ja Mitglieder des AFM-Vorstandes, dass RK bei diesem Treffen, die Unwahrheit gesagt hätte und haben daraus abgeleitet, das man ihm die "rote Karte" zeigen bzw. ihm das Vertrauen entziehen müsse. Angeblich wurde der Physiotherapeut von RK falsch zitiert und es ging um Äußerungen von RK, die er aus dem Funktionsteam der Lizenzspielermannschaft brachte, in denen Fehler von DD in der Vorbereitung auf die Saison angesprochen wurden. Der AFM-Vorstand hat dann versucht, diese Zitate bei den Beteiligten zu verifizieren, inwieweit das satzungsgemäß vorgesehen ist, erschließt sich mir auch nicht, zumindest wurde daraufhin behauptet, RK hätte an dem Abend im Clubheim die Unwahrheit gesagt und es wurde ihm das Vertrauen entzogen.
ÜS: Aber wir verstehen nicht, wie der Streit mit der AFM so eskaliert ist. Gerade vor dem Hintergrund, das Ihr Euch alle, wie Du sagst, die Verantwortung des sportlichen Niedergangs mit auf die Fahnen schreiben müsst. Es hätte von Eurer Seite doch nur wenig bedurft um zu sagen, "Wir hätten DD vielleicht früher entlassen müssen, da wir gesehen haben, da gibt es kein Konzept". Warum tut es dann Not über die Öffentlichkeit zu gehen, und Herrn DD zu kritisieren und warum wurden dann die verschiedenen Auffassungen zwischen einer Abteilungsleitung und des Vorstands des FC St.Pauli nicht intern besprochen, um sie in aller Ruhe aus der Welt zu schaffen?
CP: Das ist es ja gerade. Nach dem Treffen mit der AFM, war ein Zitat von AFM-Vorstand Holger Scharf in der Sport Bild zu lesen, in dem vom Rücktritt der Verantwortlichen gesprochen wurde. Außerdem rief Herr Scharf bei RK an, um ihm mitzuteilen, dass man ihm das Vertrauen entzogen habe. RK hat sich in dieser Phase stets bemüht, diese Vorwürfe sachlich aufzuklären. Es gab dazu sogar eine sehr große Schlichtungsrunde an der Kollaustraße, sogar unter der Hinzuziehung des Ehrenrats. Trotz allem blieb der Vorstand der AFM dabei, dass die Zweifel gegenüber RK nicht beseitigt worden seien. Da fragen viele Teilnehmer der Schlichtungsrunde bis heute den Vorstand der AFM, warum nicht?
ÜS: Ist es denn Richtig, dass es ein Treffen zwischen Präsidium und dem Vorstand der AFM gab, wo es darum ging, dass die ausfallenden Kirch Fernsehgelder dadurch zu kompensieren seien, das die AFM -Mitgliedsbeiträge und die von ihr zurückgestellten Gelder zur Jugendförderung in den Lizenzbereich fließen sollten, um das entstandene Loch im Bereich zu stopfen. Dies würde ja z.B. erklären , warum die AFM evtl. so hart reagiert.
CP: Nein, es sollten keine Gelder der Jugendförderung in den Lizenzbereich fließen. Es gab lediglich eine Sitzung zur Etatfrage der AFM, denn der Etat muss ja vom Präsidium genehmigt werden. Bei diesem Treffen, noch während der Erstligasaison, war noch nicht klar, inwieweit weiterhin Fernsehgelder an den Verein fließen würden, weil Kirch bekanntlich insolvent war. Die Gelder der AFM sollten daher nicht in den Lizenzbereich fließen, sondern lediglich in dem Notfall, dass gewaltige Ausfälle im Lizenzbereich auftreten würden, hätten mit den Geldern der AFM Aufgaben in der Jugendarbeit wahr genommen werden müssen, die ansonsten aus der Lizenzabteilung quer finanziert worden wären. Wir wollten schlicht und einfach einen Notfallplan in der Tasche haben. Wir haben der AFM auch nicht gesagt, so wird das gemacht, sondern wir haben nur darum gebeten, mit der Ausgabe weiterer Gelder und einer Verabschiedung eines endgültigen Etats so lange zu warten, bis wir Klarheit über die Kirch-Gelder haben. Das ging dann ja auch sehr schnell.
ÜS: Ein kleiner Themenwechsel. Wann wurde der Arbeitsvertrag von TG verlängert und gab es darüber einen Präsidiumsbeschluss?
CP: TG hatte einen befristeten Arbeitsvertrag. Da TG auch über den Zeitpunkt dieser Befristung hinaus arbeitete, verlängerte sich der Vertrag automatisch. Es gab später aber auch einen offiziellen Beschluss, nach welchen der befristete Vertrag in einen ohne Befristung umgewandelt wurde. Diskutiert wurde ohnehin immer nur der Umfang des Aufgabenbereichs von TG.
ÜS: Stimmt es denn, dass dieser Vorgang im November 2002 geschah und schon im Dezember wurde sie wieder gekündigt?
CP: Dieser Widerspruch ist richtig und auch von mir nicht zu erklären. Wir haben im November einstimmig für die Verlängerung votiert und die Gründe, die zur Beurlaubung am 19.12. führten, sind damals nicht einmal diskutiert worden.
ÜS: Warst Du denn im Rahmen deiner Tätigkeit als Vize an der Beurlaubung beteiligt?
CP: Ja. Das war fast eine Szene wie bei Loriot, auch wenn ich nicht recht lachen konnte. Es war ein Treffen von Präsidium und drei AR-Mitgliedern. Hier wurde plötzlich die Beurlaubung und Einleitung eines Kündigungsverfahrens gegen TG verlangt. Vorher wurde schon ich als GF der Beteiligungs GmbH entlassen. Hier musste ich selbst mit abstimmen, nämlich als Vize. Als ich damals fragte was man dem GF der Tochtergesellschaft, also mir, vorwirft, wurde mir gesagt, dass es um die Verletzung von Verschwiegenheitspflichten geht. Die tatsächlichen Sachverhalte wollte man vor der Abstimmung aber nicht nennen. Es würde reichen, wenn der Präsident dieses wisse. Bei der Abstimmung über meine Kündigung stimmte ich überraschenderweise dagegen, doch wurde ich überstimmt. Ähnlich war es dann bei TG, auch hier wurde gesagt, das es Hinweise auf Verletzung der Verschwiegenheitspflicht gäbe, auch hier würde es ausreichen, wenn der Präsident die Tatsachen kennen würde und wieder wurden mir keine Informationen genannt!
ÜS: Gab es denn in Rahmen Deiner Tätigkeit als Vize und als GF Kenntnisse von Schwarzen Kassen und wurden diese auch dem ganzen Präsidium zugänglich gemacht.
CP: Zunächst einmal wurde über schwarze Kassen bei den Kündigungen nicht gesprochen. Grundsätzlich war die Wissensbasis innerhalb des Präsidiums zu jedem wesentlichen Punkt immer die gleiche. Der Austausch über alle Punkte hat voll umfänglich stattgefunden. Ich werde hier und jetzt natürlich nichts zu schwarzen Kassen sagen. Vor Gericht werde ich aber natürlich meine wahrheitsgemäßen Aussagen machen.
ÜS: Kann es ein, dass durch Urlaub oder andere Abwesenheiten ein Präsidiumsmitglied von den jeweiligen Sitzungen ohne ihn nicht informiert gewesen wäre?
CP: Nein, wenn mal jemand im Urlaub und/oder weg war, haben wir eigentlich keine Sitzungen gemacht, daher ist der Kenntnisstand bei allen Präsidiumsmitgliedern grundsätzlich immer der gleiche gewesen sein.
ÜS: Hatte denn TG die Möglichkeit, etwas zu tun, von dem das Präsidium keine Kenntnis hatte?
CP: Entweder konnte TG Sachen machen, die wir nicht mitgekriegt haben. Das hätte zur Folge, das der Verein drei Ignoranten in Führungspositionen hatte. Oder wir wussten von gewissen Sachen, die TG angesprochen hat, und dann muss man sich fragen, welchen Unwert hatten diese Vorgänge.
ÜS: SB sagt aber, er wusste von keinem Vorgang den TG bei ihrem Gütetermin, sprich schwarze Kassen, angesprochen hat.
CP: Ich bin an der Aufklärungsaktion in Sachen "Schwarze Kassen" nicht beteiligt worden und kann nicht sagen, wie SB in einem zukünftigen Gerichtsverfahren aussagen wird. Wahrscheinlich ist aber, dass es RK, SB und mich in einem solchen Verfahren als Beschuldigte geben wird. Einem Beschuldigten steht es frei, die Wahrheit zu sagen, gar nichts zu sagen oder zu lügen, so lange er niemand anderen belastet. Das muss jeder für sich selber entscheiden. Ich werde die Wahrheit sagen.
ÜS: Ein anderes Thema in den Medien waren die Verdächtigungen von Wanzen und Hackern in der Geschäftsstelle. Ist dies nicht eine Wahnvorstellung?
CP: Nein, ganz sicher nicht. Wir haben das ja alles untersuchen lassen. Es war deutlich, dass Informationen nach draußen drangen, die nur entweder mit Zugriff auf die elektronische Kommunikation der Geschäftsstelle oder durch abhören von Gesprächen in den Räumlichkeiten zu bekommen waren. Unser Computersystem war so offen, dass dies möglich gewesen wäre. Das haben die Untersuchungen ergeben. Es wäre möglich und für mich scheint dies auch zumindest im Bereich der elektronischen Kommunikation getan worden zu sein. Das wäre von außen, gerade in Punkt der Email sehr gut möglich.
ÜS: Es gab ja auch Gerüchte gegenüber SB. SB wurde nachgesagt, dass er bei dem Adamu-Transfer gemeinsam mit einen Waffenschieber verhandelt hat und Gelder an SB zurückgeflossen seien. Beides dementierte SB auf der JHV im Dezember in einer sehr emotionalen Rede. Hast du da Kenntnisse?
CP: Als wir uns in Sachen des Transfer Iyodo mit dem Rechtsanwalt der Kanzlei Tillmann und Herrn Wegener, gegen den sich die Waffenhändlervorwürfe ranken, im Dorint am Flughafen getroffen haben, hat SB uns gesagt, dass der Mann ein Waffenschieber sei und hat auch das Zitat gebracht, dass DD Herrn Wegener gern mit der Frage begrüßt, "Was macht mein Hummer?" Das ist ein amerikanischer Panzergeländewagen. Die Äußerungen von SB auf der von Euch angesprochenen JHV führten sogar dazu, dass Torwarttrainer Volker Ippig SB einen Brief geschrieben hat, in dem er SB darauf hingewiesen hat, dass SB dies wusste.
ÜS: Und wie steht es mit angeblichen Vergütungen im Rahmen von Transfers an SB?
CP: Die Artikel kursierten im Sommer in der Presse. Angeblich sollen zwei Journalisten unabhängig voneinander die Geschichte recherchiert haben. Ich selbst habe das aber nur von RK gehört und kann dazu nichts sagen.
ÜS: Es gibt innerhalb der Mitarbeiter beim FC St.Pauli und der Tochtergesellschaften einiges an Missstimmungen. Auch wurde ohne sein Wissen, ein Stempel von RK benutzt, um Gehälter und ähnliches zu überweisen. Dafür wurden Mitarbeiter wegen Urkundenfälschung verklagt. Als bis gestern amtierender Vize, bist Du dafür mitverantwortlich.
CP: Richtig ist, dass ich auch gehört und teilweise gesehen habe, dass es Missstimmungen gibt. Dies liegt meiner Meinung nach daran, dass man einerseits nicht weiß, wessen Aussagen man noch glauben soll und dass andererseits viele Interna an die Öffentlichkeit gelangt sind. Gerade "kleine" Angestellte mussten ihren Namen in der Zeitung lesen, wie zum Beispiel bei der Stempelgeschichte. Das fördert nicht gerade das Betriebsklima. Grundsätzlich bin ich natürlich auch für das Betriebsklima mit verantwortlich, allerdings waren mir die Handlungsmöglichkeiten in den letzten Wochen ein wenig genommen. Dass der Stempel benutzt wurde, war mit mir allerdings nicht abgesprochen.
ÜS: Aber Euch muss doch klar gewesen sein, dass bei einem Wechsel des Präsidiums auch Änderungen bei Kontovollmachten und neue Eintragungen ins Vereinsregister anstehen. Wieso wurde dann auf einmal der Stempel benutzt?
CP: Natürlich hätte man das grundsätzlich machen müssen. Eine Zeichnungsbefugnis bei der Bank einrichten zu lassen geht eigentlich auch sehr schnell. An dem Tag, als der Stempel benutzt wurde hat mich keiner angerufen. Außer mir war dann nur noch SB befugt, eine Überweisung zu zeichnen, da RK und TG nicht mehr zur Verfügung standen. Daher ist dann wohl der Stempel benutzt worden. Was da im einzelnen geschehen ist, werden wieder die kommenden Gerichtsverhandlungen zeigen. In meiner Zeit war es jedoch so, das der Stempel von RK nicht ein einziges Mal angewendet worden ist, wenn nicht ein Präsidiumsmitglied dies explizit angeordnet hat und dies mit RK abgesprochen war.
ÜS: Wie ist momentan dein Verhältnis sowohl zum Vorstand der AFM als aber auch zu den Präsidenten des FC St. Pauli? Ist der Vizepräsident kommissarisch besetzt?"
CP: Meiner Kenntnis nach wird der Vizepräsident nicht kommissarisch besetzt, aber das mag sich schnell überholen. Ein Verhältnis zum Vorstand der AFM habe ich in keiner Form und zu SB und CL sicherlich ein sehr differenziertes und abgekühltes. Wenn man sich in einer Art beleidigen lassen muss, wie es selbst in schlimmsten Zeiten mit Heinz Weisener nicht geschehen ist, dann glaub ich, bleibt da auch wenig Spielraum, um nach dem Ende einer professionellen Beziehung noch in irgendeiner Weise freundschaftlich miteinander umzugehen. Die Grundformen der Höflichkeit werde ich aber stets einhalten und ich habe auch keinerlei Rachegelüste, falls ihr das meint. Natürlich hoffe ich auch, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen damit wir die Klasse halten.
ÜS: Du bist jetzt nicht mehr Vizepräsident und Geschäftsführer, wie sieht Deine weitere Zukunft in diesem Verein aus?"
CP: In diesem Verein werde ich einfaches Mitglied bleiben.
ÜS: ..in welcher Abteilung?
CP: ...in der Herren Fußballabteilung. Beim Fußball bin ich schon immer, das ist meine Heimat und da werde ich auch bleiben. Ich werde natürlich weiterhin kritisch beobachten, was hier in unserem Verein geschieht. Stehe aber, falls das die nächste Frage wäre, für ein neues Engagement nicht zur Verfügung..."
ÜS: ...auch nicht über das Jahr 2003 hinaus?
CP: Man sollte sicherlich niemals nie sagen und ich habe immer wenn ich um Hilfe gebeten wurde, diese auch angeboten, aber im Moment kann ich mir das nur sehr schwer vorstellen.
ÜS: Danke CP, für das Gespräch.
Frechdax + Pelstinho
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