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Meiner Redaktion habe ich einen lustigen Artikel angekündigt. Irgend etwas Lustiges, weil um uns herum die Lage mehr als ernst und traurig erscheint. Ich kann bloß nicht. Mir fällt aber auch einfach gar nichts erheiterndes rund um die Kirsche ein, geschweige denn über unseren Verein. Betrachtet man jedoch das Spektakel rund um unseren FC mit der Ironie und dem Galgenhumor vergangener Tage, wird einem die Leichtigkeit des Seins wieder näher gebracht. Wie früher halt. Chaos-Club, Grotten-Spiele, St. Pauli halt. Ich find's gut. Back to the roots. Nur leider nehmen alle Beteiligten das Spiel viel ernster als damals. Es wird tatsächlich um Unsummen mit Banken und Investoren verhandelt. Die Verantwortlichen arbeiten wirklich mit großem Einsatz rund um die Uhr, im Kartencenter werden die Karten per Computer ausgedruckt und die Fans streiten sich darum, welches Liedgut denn nun das richtigere ist. Damals basierten Schlagzeilen in den Gazetten auf getürkte Generalunternehmerverhandlungen, Präsidiumsmitglieder erinnerten an die Marionetten der Augsburger Puppenkiste, wurde man beim Kartenkauf von Peemöller`s Opa noch angeraunzt und die Fans taten das, was sie auch heute tun sollten: Sie sangen und feierten, wie es der jeweiligen Situation schlicht und einfach würdig war. Eine alte Dame aus einer sehr dörflichen Gegend erzählte mir kürzlich: Früher hatte die Kirche zwei Ausgänge nach vorne zum Kirchplatz, da mußten alle raus. Nach dem sonntäglichen Gebet standen so dann links die Frauen und rechts die Männer auf dem Platz und unterhielten sich. Na ja, Frauen links, Männer rechts, aber immerhin. Heute hat die Kirche vier Ausgänge in verschiedene Richtungen und alle nutzen den in Richtung nach Hause liegenden Ausgang und gehen. Übrig bleiben ein paar gemeinsame Meter in kleinen Grüppchen. Es liegt also am Zahn der Zeit. Rudel -, ne Grüppchenbildung, Eitel- und Einsamkeiten, desorientierte Zielverfolgung prägen unser Miteinander. Lasset uns Lieben und ... Ausgänge vernageln! Nur einige kleine Dinge wiederholen sich ständig und werden uns wahrscheinlich begleiten, solange es den Fußball und St. Pauli gibt. Benckendorff`s Wahlkampfgeheul beispielsweise: " Ohne Reenald Koch wird es hier nie ein Stadion geben." Wie jedes Jahr, nur die Namen sind austauschbar. War's mal Weisener ohne den hier nie ein Stadion entstehen würde, heißt der Übermächtige nun Koch. Hoffentlich mag Bencki in seiner These recht behalten, dann darf ich weiterhin auch meine Stahl-/ Holztribüne betreten. Ich hab? sie doch so lieb gewonnen! Oder Aufsichtsräte in spe, die nach ihren eigenen Aussagen geballte Fachkompetenz in den Verein bringen möchten. Alte und Junge, Bekannte und Unbekannte, ehemalige Fußballer und Nicht Fußballer, ein Querschnitt des Lebens eben. Dazu passt, dass in der Einladung vom Verein zur Kandidatenvorstellung ein AR-Kandidat die Berufsbezeichnung "wird nachgereicht" trägt. Und Ralf- Dieter erst einmal, ihr kennt ihn sicher. Fehlt bei keinem Spiel, nein niemals! Doch wo war er beim Freundschaftsspiel gegen Lech Posen? Dieter gestehe, wer steckt dahinter? Dieter gestehe, wer ist diese Frau? Alles nur geklaut? Gestohlen und geraubt? Das hab ich mir erlaubt, erfuhren wir im Hossa über die etwas seltsame Art, Artikel eines Kollegen für die vereinseigene Mitgliederzeitung Blickpunkt zu verwenden. Allein der Name schon erinnert mich an die Kirchenzeitung meiner katholischen Heimatstadt. Hossa tu`s bitte nicht! Neulich war ich im Kartencenter. Wollte ich doch eines der neuen, im sanitärtechnischen DIN- Farbton für Schmutzwasserleitungen gehaltenen Heimtrikots erstehen und äußerte wohl einen ganz ungewöhnlichen Wunsch: Rückenaufdruck FC ST. PAULI bitte! Wenn ich vorher geahnt hätte, in welche tiefe Lebenskrise ich den freundlichen jungen Mann stürzte, ich hätte ihn nie geäußert. Ehrlich! Ähnlich krisenhafte Momente erlebe ich all Montaglich, wenn mich mein Arbeitskollege, ständig eines guten Betriebsklimas bemüht, mal wieder fragt: "Na, wie hat St. Pauli gestern gespielt? Oder haben die gar nicht gespielt? Mal ehrlich, ich weiß noch nicht einmal gegen wen!" Das sitzt! Ich warte schon jeden Wochenanfang darauf, lechze förmlich danach. Immerhin brachte ich ihm das Sankt näher!! Ich mag ihn trotzdem. Genauso wie meine Kollegin, die ihr Abschreibungsobjekt eine Zeit lang an einen Bundesligaspieler vermietet hatte. Seitdem hält sie von Fußballspielern soviel wie Günter Wallraff von der Bild- "Zeitung" und ich von Bela`s "You`ll never..."- Scheibe. Ach ja, auch unsere Spieler melden sich via Zeitung, wie jedes Jahr vor der Jahreshauptversammlung zu Wort: "Unser Präsident hat Großes geleistet.", "es muß wieder Ruhe einkehren" und ähnliche Verlautbarungen entnehme ich dem Blätterwald. Und die Namen sind mal wieder austauschbar. The same procedure as every year, im Herbst! Aber das unser Trainer so einfach ungemaßregelt behaupten darf "die (Fans) hätten von Tuten und Blasen keine Ahnung, lass ich nicht auf mir sitzen. Vom Blasen vielleicht, aber nicht vom tuten (Habe ich jetzt mal vom Tun abgeleitet)! Wüßte auch nicht, was ich Tuten könnte. Er sollte vielleicht mal der Mannschaft den Marsch blasen. Stopp, jetzt reicht`s! Sonst gehe ich noch mit mir durch, so kurz vor dem besten Theaterstück ever. Vorhang auf, die Bühne frei: Mr. Präsident presents: Reenald gegen den Rest der Welt, ein Stück in zwei Akten nach Holgers Tagebüchern. Apropos Akt, überhaupt das A: Aufsichtsrat, AFM, Amateurvorstand, AGIM, Antrag, Abwahl, Arena, Abberufung, Änderung, Ämter, Ausschuß, Anstand, Anlagevermögen, Abstimmung, Aktive, wir alle, Ährenrat, Akne... Wäre das A doch nie erfunden worden. Anthropozentrisch : bezeichnet eine Weltansicht, die den Menschen zum Mittelpunkt des Weltganzen und zum Endziel der Schöpfung erhebt! Menschlich gesehen. Gute Nacht! CF |
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