Diesmal nur drei neue Gesichter auf dem Mannschaftsfoto
Ein warmes WillkommenDie Kirch-Krise und die Folgen: Der Transfermarkt in der Republik bricht so langsam komplett zusammen. Wenn selbst in der Bundesliga nur noch die Bayern so richtig Geld ausgeben können, um die Mannschaft zu verstärken (Deisler, Ballack und Ze Roberto), der amtierende Deutsche Meister Borussia Dortmund nur für Torsten Frings tief in die Tasche greifen durfte und der VfB Stuttgart bis auf weiteres sämtliche Prämien zusammenstrich und laut über Gehaltskürzungen nachdachte, um den Schuldenberg nicht noch größer werden zu lassen, da ist es alles andere als verwunderlich, dass der FC St. Pauli den Fans zum Saisonauftakt nur ganze drei wirklich neue Gesichter präsentieren kann. Schmalhans ist auf dem Heiligengeistfeld momentan Küchenmeister, der Etat wurde im Vergleich zur Vorsaison gnadenlos zusammengestrichen, um die Lizenz in Zukunft nicht zu gefährden. Von unseren Amateuren schafften Philip Albrecht (22), Alexander Meier (19) und Hauke Brückner (22) den Sprung in den Profikader. Alle drei haben bereits in der letzten Saison unter Didi Demuth trainiert, durften zum Teil sogar schon Bundesligaluft schnuppern und sind für die ÜS-Leserschaft mit Sicherheit keine Unbekannten - zumindest diejenigen unter euch, die regelmäßig die Spiele der Amateure besuchen und/oder aufmerksam die Amateurkolumnen studieren, sollten über die Stärken und Schwächen unserer Hoffnungsträger für die Zukunft bestens informiert sein. Ein vollkommen neues Gesicht im Profifußball ist der Youngster Tobias Kurbjuweit (19), der vom FC Carl Zeiss Jena ans Millerntor wechselte. Seine Stärken liegen vor allem in der Offensive. Am liebsten spielt das dribbelstarke Leichtgewicht (171cm, 65Kg) einen klassischen Rechtsaußen. Vor allem in Heimspielen, wenn Demuth stürmen lässt, wird sich Tobias, unlängst zum ersten Mal zu einem U21-Lehrgang eingeladen, mit Markus Lotter ein heißes Duell um einen Platz in der Anfangsformation streiten. Sein Talent wurde Tobias offensichtlich mit in die Wiege gelegt: Schon sein Vater Lothar war ein großer Fußballer und machte sich in den neuen Ländern unsterblich, weil er zu den "Helden der Arbeit" gehörten, die im Trikot der DDR-Nationalmannschaft den Klassenfeind aus dem Westen bei der WM 1974 in Hamburg (!) mit 1:0 besiegten. Ich freue mich auf den "Lütten" und darüber, dass er gleich einen Vertrag bis 2005 unterschrieben hat. Torsten Traub, der aus Reutlingen geholt wurde, bringt die Erfahrung aus 56 Zweitligaspielen mit ans Millerntor. Der 26-Jährige hat einen Stammplatz im Team sicher und wird auf der halblinken Position im eher defensiven Mittelfeld die Lücke schließen, die der Weggang von Henning Bürger hinterlassen hat. Dabei ist Traub - in der Defensive ein Bank - im Spiel nach vorn stärker einzuschätzen als Bürger: Für den SSV Reutlingen erzielte er in den letzten beiden Spielzeiten insgesamt 4 Tore und bereitete 7 Treffer direkt vor. Hoffen wir, dass unsere Angreifer etwas mit seinen Ecken und Flanken anfangen können. Dass mit Jens Rasiejewski (27, zuvor Eintracht Frankfurt9) ein weiterer gestandener und erfahrener Spieler in die Hansestadt gelotst werden konnte, ist sicherlich auch ein Verdienst unseres neuen Sportdirektors Franz Gerber, der den Abräumer aus dem defensiven Mittelfeld bereits seit gemeinsamen Tagen in Hannover kennt und schätzt. Genauso wie Traub hat auch Rasiejewski einen Platz in der ersten Elf sicher. Auf der Position, wo sich im letzten Jahr Zlatan Bajramovic bundesweit einen Namen machte, dürfen wir uns in der neuen Saison auf den kampfstarken "Raser" freuen - damit tritt der gebürtige Hesse sicherlich kein leichtes Erbe an, auf das er sich allerdings höllisch freut. Neben Didi und den anderen neuen Spielern lächelte auch Abdul Iyodo beim offiziellen Pressetermin in die Kameras der Fotografen. Schade, dass der ehemalige Wattenscheider aus Nigeria nun doch nicht für uns seine Stiefel schnürt, sondern für den FC Schalke 04 auf Torejagd gehen wird. Im Ligapokal-Spiel gegen Hertha BSC (1:4) durfte er sogar schon 20 Minuten im Starensemble von Trainer Frank Neubarth wirbeln und machte dabei keine schlechte Figur. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die St. Pauli-Provinzposse auf Funktionärsebene eingehen, möchte allerdings darauf hinweisen, dass ein Stürmer der Güteklasse Iyodo definitiv nicht auf ablösefreien oder billigeren Bäumen wächst. ![]() Käpt'n Braunbär |
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