In einem Fanclub gibt es ein ständiges auf und ab...

....wie im richtigen Leben.

Aber vielleicht macht ein Fanclub und Fußball auch gerade das Leben aus. Bei mir jedenfalls schon.
Was diese Zeilen nun sollen, weiß ich auch nicht so recht, habe ich lediglich dem Fanladen und seinen Institutionen am 09.07.02 mitgeteilt, dass der Fanclub "Millernboys Cleve" Niederrhein, am 6.7.02 nach über 10 Jahren seine Auflösung bekannt gab.
Jedoch war es nicht so ne normale Auflösung eines Vereines, wenn man sich mal auseinanderlebt oder sich die Interessen verschieben. Nee, bestimmt nicht. Sonst hätte bestimmt auch keiner vom Übersteiger mir die Info zukommen lassen, darüber doch bitte noch was zu verfassen. Für die, die den Fanclub "lebten", war es mehr als tragisch, da man innerhalb von nur 5 Jahren, 2 Mitgliedern das letzte Geleit gab.
Also bin ich der Aufforderung des ÜS nachgekommen, noch was zu verfassen, sozusagen als letzte Amtshandlung des 1. Vorsitzenden meines Vereines.

Als sich im Mai 1992, 3 Fans zusammensetzten um einen FC St. Pauli Fanclub am Niederrhein aus der Taufe zu heben (einer davon war ich), ahnte da wohl noch niemand, welche Resonanz es mal für unseren Club geben würde.

Schnell war ein Vereinslokal gefunden, dessen Wirt uns auch absolut über lange Jahre, bis zum Ende seines Schaffens, unterstützte. Hier fand man also eine gemütliche Bleibe (die man gestalten durfte wie man wollte ), wobei auch schnell die Presse davon Wind bekam. Einen FC St. Pauli Fanclub am Niederrhein, wo nur Schalke, Dortmund, Gladbach und Köln regiert, dass ist was besonderes, das gab`s hier noch nicht.

Die Mitgliederzahl stieg stetig, weil wir halt auch durch die Presse bekannt wurden. Sogar Mitglieder des FC St. Pauli in "fortgeschrittenen" Alter kamen auf uns zu.

Ein Jahr später war es soweit, das erste Turnier von uns wurde mit 10 Mannschaften gestartet. Unter dem Namen "4 gegen Rechts" war man der Hauptorganisator mit den anderen Fanclubs aus Kleve von Schalke, Gladbach und Köln. Überregional war auch die Presse vertreten, waren doch die Fanclubs und teilnehmenden Vereine nicht nur aus unserer Umgebung. Die Schirmherrschaft übernahm damals Markus "Toni" Sailer, der von der Idee angetan war, den Erlös für eine Fremdeninitiative zu stiften. So war er sogar bei uns vor Ort und versemmelte einen Treffer für unsere Fanclubtreter. Was bei diesem Turnier von der Ausländerinitiative für unser leibliches Wohl zustande gebracht wurde, hat man wohl beim Fußball noch nie vorher gesehen. Speisen aus aller Herren Länder wurden angeboten; dass Turnier über 2 Tage wurde ein absoluter Erfolg ( Film und Buch darüber erscheinen sogar "im Handel" ). Bei diesem Turnier durften wir auch die neuen Trikots einweihen, die uns vom Fanladen leihweise zur Verfügung gestellt wurden. Es rollte also alles an.

Die Mitgliederzahl stieg weiter, man konnte dieses Turnier, was später auch für behinderte Kinder gemacht wurde, insgesamt sechs mal entrichten, wobei zuletzt die 16 Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen und es für einige Teams über drei Tage ging. Allerdings merkten wir halt nach dem 2ten Turnier, dass einige Fanclubs eben nicht mit anderen können und so machten wir halt alleine weiter. Schade, aber leider wahr.

Die Mitgliederzahl war mal irgendwann bei 56 angekommen, für den Niederrhein doch wohl nicht schlecht. Turniere in ganz Deutschland wurden angenommen, Siege aber ehr selten anzusehen. Aber wenn, merkte man irgendwie keinen Unterschied beim Feiern, wurden Niederlagen ebenso begossen.

Einmal zogen wir versehentlich voller Elan mit Pauken und Trompeten sogar in eine Schwimmhalle in Essen ein, was wir für eine Turnhalle hielten, wo ebenfalls ein Benefizturnier für ein SOS Kinderdorf veranstaltet werden sollte. Die haben vielleicht dumm geguckt kann ich sagen.

Freundschaften gab es über all die Jahre ebenfalls mit Fanclubs in ganz Deutschland. Ein eigener Trikotsatz wurde von unserem Wirt gesponsert für die Fußballabteilung gesponsert, die Pokale wurden immer mehr. Auch durfte man im Namen des FC St. Pauli jeweils ein Vorspiel der Bundesligahits in Leverkusen und Köln bestreiten.

Eine Frauenfußballabteilung gründete sich ebenso, wie eine Mädchenband, die schon mal auftrat, wo wir gerade unsere Künste bewiesen. Das Fanzine "Crossbone" wurde ebenfalls auf den Markt "geworfen" und diente uns als Sprachrohr. Ein Transparent (wohl das Teuerste was es bis dato gab ) ließ man erstellen; aus Sicherheitsgründen aus nicht brennbarer LKW-Plane. Allerdings merkten wir schnell, dass dieses seinen zusätzlichen Preis hatte, nämlich einen Idiot, der die gut 15-20 Kilo überall mithin schleppen musste. Auf dem Betze ( Viertelfinale DFB-Pokal ) war ich mal dran, daher weiß ich wovon ich schreibe. Das war auch der Grund, warum das Dingen nicht oft im Stadion zu sehen war.

Ein Highlight unser Mannschaft war aber wohl die Teilnahme am Millerntorcup 1996, wo man auf Anhieb den 11 Platz belegte. Was aber viel mehr Wert für uns hatte war der zum ersten Male ausgeschriebene Fairnesspokal, den man überreicht bekam.

Das erste Spiel mit nem organisierten Bus fuhr man in Wolfsburg an, genau am 11.06.94. Wer würde das wohl vergessen, was da los war und anderen Tags waren wir irgendwie im Fernsehen beim DSF im Trailer zu dem Spiel gelandet und inner Zeitung waren wir unabsichtlich auch noch.

Die Szene, wo wir in Wolfsburg den Buskofferraum losmachten und sage und schreibe 11 Kästen Bier rauslugten ( bei nur 5 Konsumenten des leckeren Braunen ) werde ich nicht vergessen. Die Gesichtsausdrücke von den anderen Fans auffem Parkplatz auch nicht, dachten diese doch, wir würden Getränke verkaufen wollen. Allerdings bei Altbier schauten die schon auf unser Nummernschild und auf den Satz, das Bier wäre für unsere Eigenversorgung, fragte dann schon mal der ein oder andere, wo wir denn herkommen würden.

Die Stadionzeitung "Pauli" schrieb auch mal einen Bereicht über uns, der NDR war sagar mit nem Reporter bei uns am Niederrhein.

Auf diesen Bericht inner "Pauli" bekamen wir weitere Fanpost, die mit dem eigenen Fanclubwimpel beantwortet wurden. Jemand sprach uns dabei sogar mal auf dem Heiligengeistfeld am Bus an, dass er auch so einen Wimpel ( haben wir immer in unserem Bus hängen gehabt ) bei sich anner Ostsee im Wohnwagen hängen hätte.

Einfach alles schöne Geschichten.
Fantreffen, Freundschaftsabende, Weihnachtsfeiern, Ostereieressen, Trainingslager und und und. Alles das machte den Club aus.

Dann unser 5-Jähriges:

Turnier mit Verzehrpreisen wie bei Oma und das Schönste, unser damalige Fanbeauftragte Sven Brux himself mit dem Spieler Michael Bochtler machten sich auf den Weg an den Niederrhein. Was für ne Ehre! Ein Fanclub am Anfang von Holland wird beachtet.

Dann jedoch der erste Schicksaalschlag, ein Vorstandsmitglied verstarb noch im gleichen Jahr, nämlich 1997. Der Millerntorcup musste wieder abgesagt werden. Dieses Mitglied war gleichzeitig auch unser Partybusfahrer der uns immer liebevoll als rollende Trinkhalle bezeichnete und überall hinkutschierte, wenn wir nicht einen großen Bus einsetzten. Einige Monate vorher stand er sogar noch bei uns in Elmshorn im Tor ( 59 Jahre ), als wir einen Freundschaftskick gegen unsere Freunde von Braun-Weiß Edel machten.

Auf seinem Sterbebett sah er das Spiel, was im Westen live übertragen wurde, Hamborn 07 gegen seinen FC St. Pauli. Makaber, aber leider wahr. Die Grabpflege übernimmt der Club übrigens finanziell bis heute und das wird auch so bleiben!

Danach ging alles relativ schnell, Meinungen gehen halt mal auseinander wenn die ordnende Hand fehlt uns so machte man sich, mit weniger Mitglieder, aber dennoch immer unterwegs für den FC St. Pauli, ans Werk. Trotzdem, es schmerzt, wenn jemand nicht mehr da. Aber wem soll ich das sagen.

Auf einem unserer angenommenen Turniere, 1995, lernten wir so den Uli (durch freundschaftliche Kontakte zum MSV Duisburg) kennen und zu schätzen, der sich irgendwann so um das Jahr 97 uns anschloss und sich dann 1999 zum zweiten Vorsitzenden wählen ließ. Aber wichtiger war, dass er zu meinem Freund wurde. Seine Art, Probleme zu lösen ist wahrscheinlich einzigartige gewesen, seine Art positiv durchs Leben zu gehen auch. Die humoristische Art, mit der er es tat, ebenfalls.

So starb er nun ebenfalls, am 6.7.02 ohne vorherige Anzeichen im Alter von nur 35 Jahren. Die Erinnerungen mit Ihm behüte ich, wie viele andere auch, seit diesem Tage wie ein Schatz. Seit diesem Tage haben wir unseren Fanclub auch offiziell abgemeldet, weil die Lücken zu groß geworden sind. Ich will sie auch gar nicht ersetzt wissen, weil es nicht mehr geht.

Einen großen Dank möchte ich noch verschiedenen Leuten mit auf dem Weg geben und Euch allen sagen, Eure Arbeit lohnt sich, glaubt es mir. Als erstes mal Sven Brux, der uns damals durch zahlreiche Informationen und Hilfestellungen ermöglicht hat, das aufzubauen, was wir bis vor kurzem waren. Dann natürlich auch einen Dank an Imme, deren Telefonate mit mir damals meistens in Lachsalven endete. Und heute natürlich dem Heiko, mit dem ich oft witzigen Kontakt über mails hatte. So auch dem gesamten Fanladen über die Jahre hinweg und deren Besatzungen, die wir durch einige Geldspenden unterstützt haben, so wie sie uns unterstütz haben. Es war uns eine Pflicht Ihnen etwas von dem zurückzugeben, was sie alle leisten: eine Arbeit von unschätzbarem Wert für die Fangemeinde. Ist so!!

Dank auch an die Institution Sprecherrat, der uns immer mit Infos versorgt hat. Sie sind immer gelesen und verarbeitet worden, darauf gebe ich mein Wort. Nichts war umsonst gemailt.

Und zum Schluss möchte ich noch den Mitgliedern von Braun-Weiß Edel mitteilen, dass wir wissen, dass wir Euch als Freunde oben haben. Es war schon ne geile Zeit zusammen.

Den Grund im Sinn des Lebens habe ich bisher nicht gefunden, den Sinn in einem Fanclub schon, nämlich zusammen Leiden und Lachen, Freuen und Weinen, Hoffen und Bangen, aber auch echte Freunde finden. Und diesen habe ich gefunden, auch über den Tod hinaus.

In memorian an Uli Müller "Fußballgott"
(diese Zeilen hast Du verdient, auch wenn Du es nicht gewollt hättest, Bruder)

Stellvertretend für den Fanclub
Dirk

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