"Kiez-Kick - Fußball der Kulturen"

Am Mittwoch, 17. Juli 2002, bot sich am Millerntor ein doch recht ungewohntes Bild. Kreischende Teenies, die beim Anblick der Götter in den St.Pauli Trikots wahlweise der Ohnmacht oder den Tränen nahe waren, Väter und Mütter, die ihre Zöglinge nur mit Gewalt vom Zaun zur Mixed Zone wegzerren konnten und ähnlich dramatische Szenen. Unterwäsche flog zwar nicht, aber daran war wohl nur das Hamburger Wetter schuld.

   Ein Wetter zum Gotterbarmen, und trotzdem war dieser Tag ein voller Erfolg. Ja, warum und wofür eigentlich? Nein, die Teenies hatten keinen Mehmet Scholl, keinen Michael Ballack oder "Miro" Klose bewundern dürfen, sondern New Model Army, Bela B., Elton, die Jungs von "Fettes Brot" und "5 Sterne Deluxe" und viele weitere Promis, und natürlich Sasha, Schwiegermamas Liebling, im Hauptberuf Sänger und obendrein passabler Freizeitkicker.

   Als Auftaktveranstaltung für das Projekt "Kiez-Kick - Fußball der Kulturen" gab man sich die Ehre, und trotz bescheidenem Wetters kamen so viele (über 3.000), dass das Projekt sich nun mit einem Startkapital von 30.000 Euro ausgestattet sieht.. Dieses soll Kindern aus dem Stadtteil St. Pauli die regelmäßige und betreute Möglichkeit des Fußballspielens im Umfeld des Millerntors geben. Wenn möglich wird das Projekt ausgeweitet und durch eventuelle Ausflüge und andere Aktionen erweitert.

   Der Abend verlief dank vieler fleißiger Helfer ganz hervorragend, das Ergebnis lag irgendwo bei 16:6, interessierte aber auch keinen. Ungewöhnliche Spielsysteme wie 5-5-12 statt 4-4-2 und ähnliches konnten am Ende bei der Promiauswahl bewundert werden, besonders bei eigenen Ecken wirken 22 eigene Spieler im gegnerischen Strafraum recht beeindruckend. Da sollte Didi auch mal drüber nachdenken, wie er das hinbekommt.

   Die eigentliche Arbeit des Projekts beginnt nun aber erst. Da sich der FC St.Pauli nicht mehr in der Lage sah, genug Jugendmannschaften zu stellen, um die große Nachfrage zu erfüllen, soll mit KIEZKICK nun die Möglichkeit geschaffen werden, interessierten Jugendlichen aus dem Stadtteil das Fußball spielen zu ermöglichen. Hierfür wird sowohl Personal zur Betreuung, als auch Material (Bälle etc.) gebraucht. Wer helfen möchte, wende sich bitte an Cathrin vom Fanladen, oder an Andy Kahrs von der AFM.

   Um die kreischenden Teenis jetzt noch als neue Zielgruppe des ÜS zu erschließen, haben wir (im Gegensatz zu Sat1 und Pro7 übrigens, kein Scherz!) ein Interview mit Sasha bekommen, dafür auch noch mal Danke an Sonja von Hafenklang-Management.

ÜS: Wie ist denn Dein persönlicher Bezug zum Fußball? Es hieß ja sogar mal, Du hättest kurz vor der Profikarriere gestanden.
Sasha: (lacht) Naja, das ist da wohl eher etwas übertrieben dargestellt worden, da wäre ich doch nicht gut genug für gewesen. Ich habe in Soest in der A-Jugend gespielt, und es immerhin auf zwei Landesliga-Spiele gebracht, wurde aber dann schnell wieder in die Kreisklasse degradiert. Insgesamt war mir das aber lieber, in der Zeit habe ich dann auch die Musik für mich entdeckt.

ÜS: Kannst Du uns was zur Entstehung des SAT1 WM-Songs von Dir, "This is my time", erzählen?
Sasha: SAT1 hat uns gefragt, ob wir für die WM einen Song machen wollen, und wir haben daraufhin diesen Song geschrieben. Es waren anfangs sogar zwei Songs, ein etwas getragener, im Stile von "Football's coming home" und halt einer eher in Richtung "Motown/Rock-Groove". Die beiden haben wir kombiniert, und "This is my time" ist das Endresultat.

ÜS: Könntest Du Dir vorstellen, für einen Verein einen Song schreiben, wenn man Dich fragt?
Sasha: Ich bin ja Dortmund-Fan, und wenn, dann kämen auch nur die in Frage. Allerdings denke ich, dass es für einen Verein dann schon ein deutsches Lied sein sollte, während ich ja lieber was englisches mache. Also beschränke ich mich besser auf Sachen für einen guten Zweck, so wie hier heute abend.

ÜS: Gutes Stichwort. Weißt Du, für was Du da heute die Buffer geschnürt hast?
Sasha: Es ging um die Kiez-Kids, um denen auch weiterhin Fußball anbieten zu können. Das finde ich auch gut, da für mich Fußball auch viele Menschen verbindet, genau wie Musik. Natürlich kann er auch mal trennen, aber fast jeder mag Fußball, das ist also eine klasse Sache.

ÜS: Vielen Dank für das nette Gespräch.

Frodo

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